mini|200px|Logo des RMV bis 2014 mini|Triebwagen der Odenwaldbahn mit RMV-Logo Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ist ein Verkehrsverbund des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) im Rhein-Main-Gebiet. Er hat seinen Sitz in Hofheim am Taunus im Main-Taunus-Kreis. Geschäftsführer sind Knut Ringat (Vorsitzender) und André Kavai.
Struktur, Geschichte und Aufgaben mini|Entwicklung der Fahrgastzahlen im RMV seit 1998 Der Rhein-Main-Verkehrsverbund ist ein Zusammenschluss von 15 Landkreisen und 11 Städten. Er ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Gesellschafter sind neben dem Land Hessen alle Kreise und kreisfreien Städte innerhalb des Verbundgebietes mit Ausnahme der Stadt Mainz, in der der RMV-Tarif gilt, die jedoch kein Gesellschafter ist (siehe auch Abschnitt Besonderheiten Mainz/Wiesbaden).Struktur des RMV In: rmv.de
Der RMV wurde zunächst als Machbarkeitsstudie gegründet und trat am 28. Mai 1995 im Raum Frankfurt die Nachfolge des Frankfurter Verkehrsverbundes (FVV) an. Anders als der FVV ist der RMV kein Zusammenschluss von Verkehrsunternehmen, sondern von kommunalen Gebietskörperschaften, die nach dem Hessischen ÖPNV-Gesetz die Aufgabenträger im ÖPNV sind. Nach diesem Gesetz ist die RMV GmbH zuständig für die Planung, Organisation und Finanzierung des Regionalverkehrs und Lokale Nahverkehrsorganisationen für den lokalen Verkehr. Das Hessische ÖPNV-Gesetz folgt damit den rechtlichen Vorgaben auf europäischer Ebene und unterscheidet eindeutig zwischen den Verkehrsunternehmen als Ersteller der Verkehre und den Aufgabenträgern als Besteller der Verkehrsleistungen („Besteller-Ersteller-Prinzip“). In: wirtschaft.hessen.de Insgesamt sind rund 160 Verkehrsunternehmen (Stand 2018) im Verbundgebiet aktiv.Ansprechpartner vor Ort In: rmv.de
Eigentlich war nur die Bildung zweier großer Verbünde für den nördlichen (NVV) und den südlichen (RMV) Landesteil vorgesehen, allerdings sollte der bestehende Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN), der große Teile Südhessens südlich von Darmstadt umfasst, erhalten bleiben.
Über die Tochtergesellschaft Fahrzeugmanagement Region Frankfurt RheinMain GmbH (fahma) finanziert und beschafft der RMV auch Triebfahrzeuge und stellt diese den Eisenbahnverkehrsunternehmen in seinem Aufgabengebiet gegen Entgelt zur Verfügung.Die Fahrzeugmanagement Region Frankfurt RheinMain GmbH. In: fahma-rheinmain.de Im Mai 2019 wurden so z. B. über die fahma 27 Brennstoffzellenzüge vom Typ Coradia iLINT des französischen Zugherstellers Alstom für den Verkehrsverbund mit einem Gesamtauftragsvolumen von etwa 500 Millionen Euro bestellt, die ab Dezember 2022 den Betrieb aufnahmen. Die fahma hat auch die Versorgung mit Wasserstoff, die Instandhaltung und das Vorhalten von Reservekapazitäten für die kommenden 25 Jahre beauftragt. Die Versorgung mit Wasserstoff bietet Alstom in Kooperation mit der Infraserv Höchst an. Auch im Bereich „Autonomes Fahren“ ist die fahma aktiv als Partner des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „EASY - Electric Autonomous Shuttle for You“.
RMV-Gebiet mini|Ausdehnung des RMV-Tarifgebietes
Das Gebiet des RMV umfasst über das Rhein-Main-Gebiet hinaus die größten Teile der Regierungsbezirke Darmstadt und Gießen, die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz und die Gemeinde Wackernheim, die zwischen den hessischen Bahnhöfen Limburg und Staffel liegende Haltestelle Diez Ost, die in Rheinland-Pfalz liegt und nur via Hessen erreichbar ist, und das nordrhein-westfälische Niederlaasphe. Der RMV grenzt im Nordwesten an den Westfalentarif, im Westen an den VRM, im Norden an den NVV, im Süden an den VRN, im Südwesten an den RNN und im Südosten an die VAB. Im Rahmen von Tarifkooperationen und Übergangsverkehren sind neben dem Landkreis Bergstraße und den Städten Weinheim (sowie Hemsbach und Laudenbach), Eberbach und Worms im VRN auch größere Teile des RNN und des NVV sowie die bayerischen Landkreise Aschaffenburg und Miltenberg (VAB), die Stadt Aschaffenburg und die Stadt Bad Laasphe im Gebiet der VGWS mit Einschränkungen zum RMV-Tarif erreichbar. In diesen Übergangstarifgebieten zu anderen Verbünden und Verkehrsgemeinschaften gelten nicht alle Fahrkarten des RMV-Tarifs, beispielsweise gelten 65-plus-Karten sowie alle nur auf eTicket erhältlichen Fahrkarten (z. B. persönliche Jahreskarten) und das RMV-HandyTicket nicht.
Zur Zeit seiner Gründung im Jahr 1994 war der RMV der flächenmäßig größte Nahverkehrsverbund Deutschlands, ab der Gründung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) war er der zweitgrößte und seit der Erweiterung des VGN am 1. Januar 2010 ist er der drittgrößte Verkehrsverbund in Deutschland. Nach der Anzahl der Einwohner im Einzugsgebiet ist er nach dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) der zweitgrößte in Deutschland.
Tarifstruktur mini|Kombinierte Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn und des RMV, seit 2018 nicht mehr im Einsatz
Das RMV-Gebiet ist in 60 Haupt-Tarifgebiete (sogenannte A-Tarifgebiete) aufgeteilt. Die A-Tarifgebiete sind außer in den Städten Frankfurt (TG 5000) und mit Einschränkung Mainz und Wiesbaden (zusammen TG 6500) in kleinere Teiltarifgebiete (sogenannte A0-Tarifgebiete) unterteilt. Die A0-Tarifgebiete dienen der Preisbildung im Nahbereich. In der Regel gilt innerhalb eines A0-Tarifgebietes die Preisstufe 1. In den sieben Sonderstatusstädten (Städte mit über 50.000 Einwohnern) gilt die Stadtpreisstufe 1 für Sonderstatusstädte, in Darmstadt (TG 4001) die Stadtpreisstufe 1 für Darmstadt. Offenbach (TG 3601) hat ebenfalls eine eigene Stadtpreisstufe 2 (früher Preisstufe 2). Im Tarifgebiet 6500 (Mainz/Wiesbaden) gilt – mit Ausnahme der wenigen A0-Tarifgebiete im Randbereich – die Preisstufe 13, die in vielen Fahrkartenarten günstiger ist als die Preisstufe 3.
Innerhalb eines A-Tarifgebietes gilt maximal die Preisstufe 3. Für jede A-Tarifgebietsverbindung ist festgelegt, welche Preisstufe zum Tragen kommt, so gilt beispielsweise von Wiesbaden in den Rheingau immer die Preisstufe 4, egal ob zwei oder drei der in Frage kommenden Tarifgebiete durchfahren werden. Die Preisstufe kann der sogenannten RegionalmatrixRegionalmatrix. In: rmv.de (PDF; 400 kB) entnommen werden, wobei es im Einzelfall auf den genauen Fahrtweg ankommt, da es eine große Zahl von Ausnahmen gibt. Die Preisstufe 7 ist die höchste Preisstufe. Fahrkarten mit der Preisstufe 7 haben Netzwirkung mit Ausnahme der Übergangstarifgebiete. Daneben gibt es noch die Preisstufe 17, soweit Übergangstarife befahren werden und die Preisstufen 4 bis 6 nicht ausreichen, wobei die Preisstufe 17 keine Netzwirkung hat.
Bei der Tarifgestaltung waren auch politische Vorgaben zu berücksichtigen. So fällt auf, dass die höchste Preisstufe die Preisstufe 7 ist, die beispielsweise bereits für eine Fahrt von Wiesbaden nach Hanau gilt, während für eine mehr als doppelt so große Entfernung wie Wiesbaden–Fulda ebenfalls diese Preisstufe gilt. Diese Vorgabe soll sowohl den Umstieg für Pendler vom Auto in den öffentlichen Personenverkehr attraktiver machen als auch den ländlichen Raum fördern, da die Fahrpreise eben nicht streng entfernungsgebunden gestaltet sind. Wie stark diese Vorgabe ist, wird am Beispiel des benachbarten Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbundes deutlich, bei dem es zehn Preisstufen gibt und zudem spätestens die Preisstufe 2 mit der Stufe 3 des RMV-Tarifes vergleichbar ist.
Viele Tarifgrenzen sind auch gleichzeitig die Gemeindegrenzen, was zu sehr unterschiedlichen Preisen führt. So waren beispielsweise Fahrten aus der Frankfurter Innenstadt nach Offenbach deutlich teurer als in die weiter entfernten äußeren Stadtteile im Norden oder Westen. Seit Dezember 2018 wird das Stadtgebiet Frankfurt (Tarifgebietsnummer 5000) mit Hilfe der Preisstufen 30 und 40 feiner untergliedert, so dass Fahrten zwischen Teilen von Frankfurt und den umliegenden Städten und Landkreisen auf kurzen Strecken vielfach günstiger geworden sind. Durch die Einführung der Preisstufe 30 zwischen Wiesbaden und den Nachbarorten im Rheingau-Taunus-Kreis kann ebenfalls Geld gespart werden. Einen digitalen Smartphone-Tarif „RMVsmart“ auf Basis der tatsächlich gefahrenen Verbindung, der ohne feste Tarifgrenzen funktioniert, testet der RMV seit 2016.
Das Fahrscheinsortiment umfasst neben Einzelfahrkarten und Kurzstreckentickets auch folgende Zeitkarten: Tageskarte, Gruppentageskarte (bis zu fünf Personen), Wochenkarte, Monatskarte, 9-Uhr-Monatskarte (gültig von 9 Uhr bis Betriebsschluss), Azubi-Monatskarte (für Schüler und Auszubildende), Jahreskarte, 9-Uhr-Jahreskarte, Schülerticket Hessen (Schülerjahreskarte), Seniorenticket Hessen (ab 65 Jahren) und Fernverkehrs-Ergänzungskarten für Inhaber von Fernverkehrs-Zeitkarten der Deutschen Bahn mit Start bzw. Ziel im RMV-Gebiet. Zu den Zeitkarten (außer Tageskarten) aller Preisstufen können bei Fahrten über deren räumlichen Geltungsbereich hinaus Anschlussfahrkarten gelöst werden. Für die Benutzung der ersten Wagenklasse bei der Bahn kann ein entsprechender Zuschlag erworben werden, den es auch für Wochen-, Monats- und Jahreskarten gibt.
Der RMV bietet keine Mehrfachfahrkarten an, wodurch es nicht nötig ist, die Fahrkarten vor Fahrtantritt zu entwerten. Eine Ausnahme ist das Tarifgebiet 6500 (Wiesbaden/Mainz) (siehe unten), in dem für die spezielle Preisstufe 13 Mehrfahrtenkarten angeboten werden, die bei der Straßenbahn bzw. in Bussen entwertet werden müssen. Zudem gibt es lokale Fahrkartenangebote.
Außerdem werden auch Jobtickets, Kombitickets und Semestertickets angeboten. Mit den Studierendenschaften (ASten) der meisten Hochschulen im RMV-Gebiet bestehen Verträge, so dass die Studenten automatisch mit der Einschreibung ein RMV-AStA-Semesterticket erhalten.Informationen zu allen RMV-Semestertickets. In: rmv.de
Das Hessenticket hat im gesamten RMV (und darüber hinaus im ganzen Land Hessen sowie einigen Zielen außerhalb Hessens, beispielsweise Mainz) Gültigkeit. Als Angebot der drei hessischen Verkehrsverbünde kann es, im Gegensatz zu anderen Ländertickets, nur in deren (erweitertem) Verbundgebiet erworben werden.
Von 2016 bis Ende 2023 wurde mit 30.000 Testkunden ein Smartphone-basiertes Modell erprobt (RMVsmart), bei dem ein Grundpreis je Fahrt und darüber hinaus ein entfernungsabhängiges Entgelt zu zahlen war.
Bei Fahrten ausschließlich mit der Eisenbahn (nicht jedoch U- und Straßenbahn) wurde bis Ende 2025 eine vorhandene BahnCard der Deutschen Bahn anerkannt und führte zu einem ermäßigten Preis, wenn mindestens die Preisstufe 5 erreicht wird. Für die BahnCard 100 bestehen weitergehende Regelungen.
Seit April 2006 bietet der RMV auch das elektronische RMV-HandyTicket an, wobei der Fahrpreis am Ende des Monats per Lastschrift, Paypal, Kreditkarte, RMV-Prepaid-Rabatt oder die Mobilfunkrechnung bezahlt werden kann.
Seit dem 1. Januar 2012 bietet der RMV Zeitfahrkarten auf einer elektronischen Chipkarte, dem eTicket RheinMain, an. Die Inhaber von Jahres-, Monats- und Wochenkarten sowie Schüler sind damit unterwegs. Zusätzlich gilt das eTicket RheinMain als Zugangsberechtigung für Carsharing-Fahrzeuge, Pedelecs, Elektroautos etc.
Die Fahrradmitnahme ist im RMV-Gebiet grundsätzlich kostenfrei, kann jedoch bei Überfüllung, zugunsten von Rollstuhlfahrern und Kinderwagen sowie zu den Stoßzeiten örtlich eingeschränkt sein.Bedingungen Fahrradmitnahme. In: rmv.de
Im Mai 2025 kündigte Geschäftsführer Knut Ringat an, die geplante Fortführung des Deutschlandtickets ermögliche „eine deutliche Vereinfachung des RMV-Tarifs vorzunehmen“.
Besonderheiten Mainz/Wiesbaden mini|Der Bahnhof Mainz-Bischofsheim