Wenn es Rosen sind, werden sie blühen ist ein Roman des deutschen Schriftstellers Kasimir Edschmid aus dem Jahr 1950. Ab 1966, dem Todesjahr des Verfassers, erschien das Buch unter dem Titel Georg Büchner – eine deutsche Revolution. Im Jahre 2017 wurde es in einer überarbeiteten Ausgabe in der Edition Büchnerland unter dem ursprünglichen Titel neu angeboten.

Kurzbeschreibung Wenn es Rosen sind, werden sie blühen ist ein Roman über die hessische Aufstandsbewegung in den 1830er Jahren. Das Buch schildert, wie Staatsfeinde gejagt, gefangen, gefoltert oder ins Exil getrieben werden. Inhalt Kapitel 1 bis 3 Der Staatsdiener Ludwig Weidig wird aufgrund eines Vernehmungsersuchens der preußischen RegierungKasimir Edschmid: Georg Büchner – eine deutsche Revolution. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1980. ISBN 3-518-37116-9. S. 22. von einem „Inspektor aus Darmstadt“ befragt. Der Inspektor behauptet, Weidigs offiziell genehmigte „Deutsche Gesellschaft“ operiere subversiv mit geheimen Mitteln,Edschmid, Georg Büchner. S. 7. lässt sich aber auffällig einfach „abspeisen“Edschmid, Georg Büchner. S. 11. und spricht nebenher eine Einladung des hessischen Großherzogs aus, die Weidig und sein Assistent Zeuner Monate später annehmen.Edschmid, Georg Büchner. S. 13. Der Großherzog und Weidig führen ein offenes Gespräch über die politischen Zustände im Großherzogtum.Edschmid, Georg Büchner. S. 17–21. Während verschiedener Stationen der Rückreise aus Darmstadt lernt Zeuner einen Verwandten Weidigs kennen: Friedrich Wilhelm Schulz.

Zehn Jahre später gelangt ein neuer Großherzog ins Amt.Edschmid, Georg Büchner. S. 65. Vor dem Hintergrund des Europäischen Revolutionsjahrs 1830Edschmid, Georg Büchner. S. 67. rotten sich „Bauernhaufen“ zu den Oberhessischen Aufstände 1830 zusammen. Doch die Bauern „kamen nicht rasch vorwärts“.Edschmid, Georg Büchner. S. 72. Weidig sieht als Adjutant eines Landwehr-BataillonsEdschmid, Georg Büchner. S. 66. die Notwendigkeit, sich mit seiner Landwehr als Puffer zwischen Bauern und etwaige Reaktionen der Armee zu platzieren.Edschmid, Georg Büchner. S. 75. Mit seiner Landwehr erreicht Weidig Södel, wo die Bauern sich bereits zerstreut haben, zieht darüber hinaus, stellt bei seiner Rückkehr fest, dass ein Reiterschwadron Södels Bewohner „zusammengesäbelt“ hat.Edschmid, Georg Büchner. S. 78.

Zwischen dem Polnischen Novemberaufstand und dem Hambacher Fest, an dem auch Zeuner teilnimmt, kontaktiert Weidig einige Marburger Regierungsgegner und wird seinerseits durch Rauschenplat kontaktiert. Während es infolge des Hambacher Festes zu Repressalien der Obrigkeit kommt, plagen Zeuners Seilmacherei Lieferketten-Sorgen, „denn Warschau war ein Hauptumschlagsort für den russischen Hanf gewesen.“Edschmid, Georg Büchner. S. 102. Zeuner erhält Nachricht, dass eine Sendung italienischen Hanfes „an das Haus Bunsen in Frankfurt ginge“, macht sich dorthin auf und bekommt für „morgen oder spätestens übermorgen“ Hanf versprochen.Edschmid, Georg Büchner. S. 105. Beim Verlassen des Hauses wird Zeuner jedoch von der Polizei auf die Hauptwache verschleppt, von Gustav Bunsen, Rauschenplat und anderen beim Putschversuch in Frankfurt befreit und kann aus Frankfurt fliehen.Edschmid, Georg Büchner. S. 110. In Hessen bereiten sich die Mitglieder von Weidigs „Deutscher Gesellschaft“ darauf vor, dass nach dem Scheitern des Frankfurter Putschversuchs auch gegen sie vorgegangen werden könnte.Edschmid, Georg Büchner. S. 114–117. Kapitel 4 bis 5 Das vierte Kapitel des Romans springt einige Monate zurück, in den April 1833,Edschmid, Georg Büchner. S. 127. zu einem neuen Protagonisten: Georg Büchner. In diesem und Folgekapitel werden die privaten Beziehungen Büchners geschildert, sein Wiedersehen mit Minnigerode, „mit dem ich schon in Darmstadt zur Schule gegangen war“Edschmid, Georg Büchner. S. 149. und über den Büchner WeidigEdschmid, Georg Büchner. S. 161. sowie den Mitverschwörer Konrad Kuhl kennenlernt.Edschmid, Georg Büchner. S. 162. Büchner konzipiert eine Flugschrift, „die sich auf Tatsachen gründete, also das Nüchternste werden sollte, was man sich denken konnte, die aber durch die Beispiele, die sie anführte, allgemein verständlich sein und durch die Hitze der Sprache aufreizen mußte.“Edschmid, Georg Büchner. S. 173. Weidig erachtet die Flugschrift als „ausgezeichnet, obwohl ich manchmal das Gefühl hatte, ich müsse mich übergeben“, was Kuhl so kommentiert: „Die Leute, an die Büchner denkt, haben sich vor Wut die Galle schon aus dem Hals gekotzt, sie können nicht mehr speien“.Edschmid, Georg Büchner. S. 187. Weidig ergänzt die Flugschrift, Büchner findet sie anschließend „mit einem Schwall von Bibelworten durchschossen, daß ich sie kaum wiedererkannte.“Edschmid, Georg Büchner. S. 198. Der Hessische Landbote ist entstanden. Kapitel 6 Aus dem Dunstkreis des Hessischen Landboten tritt Konrad Kuhl an die Obrigkeit heran, um sich als Spion anzudienen, da ihn Geldsorgen plagen: „Acht Kinder zu Hause. Der Hof verkautioniert. Geschäfte gehen schlecht. Gerichtsvollzieher im Haus. Ich bin ein ruinierter Mann.“Edschmid, Georg Büchner. S. 206. Gegen Geld und Straffreiheit gibt er einige Aufwiegler-Namen an den Hofgerichtsrat Baron von Stein weiter, Weidigs Namen allerdings nicht.Edschmid, Georg Büchner. S. 219.

Kapitel 7 bis 9 Im Sommer 1834 wird Minnigerode verhaftet, mit „einem Haufen“Edschmid, Georg Büchner. S. 223. Exemplaren des Hessischen Landboten, und Büchner findet an seiner Tür „das Siegel des Universitätsrichters“ Konrad Georgi vor;Edschmid, Georg Büchner. S. 234. Büchners Vernehmung geht allerdings glimpflich aus. „Im September wurde Weidig, ohne Verhör und ohne daß eine Anklage erhoben worden wäre, durch Verordnung […] in das Nest Obergleen bei Alsfeld versetzt. Das war eine Bestrafung, ohne daß sie als solche ausgesprochen wurde.“Edschmid, Georg Büchner. S. 246. Den Kontakt zu Weidig erhält Zeuner aufrecht, der dauerhaft geschäftlich in Alsfeld zu tun hatEdschmid, Georg Büchner. S. 268. und durch den nun „die ganzen Verbindungsfäden“ der Verschwörer laufen.Edschmid, Georg Büchner. S. 272. Unbeeindruckt von dem erhöhten Verfolgungsdruck will Weidig den Landboten in einer Marburger Druckerei neu auflegen lassen. Büchner wundert sich, dass ein „Mann, dessen Fuchsbau doch schon umstellt war, immer noch um sich schlug.“Edschmid, Georg Büchner. S. 253. Während es im Februar 1835 zu weiteren Verhaftungen kommt, vollendet Büchner seinen Danton, erhält eine gerichtliche Vorladung und flieht nach Frankreich.Edschmid, Georg Büchner. S. 267. Im Folgemonat wird Weidig im Beisein Zeuners verhaftet. Kapitel 10 bis 12 Georgi wird Untersuchungsrichter des in Darmstadt inhaftierten Weidig. Weidig argumentiert Georgi gegenüber formaljuristisch, lässt Proteste zu Protokoll nehmen, wird dennoch mit dem „Sprenger“ gefoltert, einem eisernen Ring, der die Hände an die Füße fesselt.Edschmid, Georg Büchner. S. 356. Nach einer derartigen Folter lernt Weidig im Gefängnis den Arzt Dr. Stegmayer kennen, der jedoch nichts daran ändern kann, dass Weidig weiterhin inhaftiert bleibt, „ohne ein angemessenes Verhör absolviert zu haben und ohne jeden Kontakt mit meiner Familie und meinem Anwalt“, wie Weidig feststellt.Edschmid, Georg Büchner. S. 365. Am 10. Januar 1836 bemerkt Weidig, dass man Zeuner in die Nachbarzelle gelegt hat, mit dem er sich in der Folgezeit durch codierte Klopfzeichen austauscht.Edschmid, Georg Büchner. S. 377. Zeuner bestärkt Weidig in dessen Auffassung über Georgi: Georgi „wollte uns strecken, bis wir die Verzweiflung bekamen, bis wir einsahen, daß diese Verhöre ein Witz seien, daß sie gar keine Verhöre, sondern endlose Hersagereien von Formalitäten seien – bis wir bemerkten, daß es nie ein Ende nehme mit den Verhören, bis wir klein und platt wie Käfer würden und aus Niedergeschlagenheit geständen“,Edschmid, Georg Büchner. S. 406. was unbewiesen ist. Bei einem weiteren Besuch von Dr. Stegmayer lässt Weidig die Chance verstreichen, sich selbst zu attestieren, er würde durch die Haftbedingungen bald verrückt. Zeuner gegenüber erklärt er, eine solche Selbstdiagnose gäbe Georgi die Möglichkeit zu einem Mord, getarnt als Selbstmord. Tatsächlich hört Zeuner am 23. Februar 1837 nachts „ein wütendes Klopfen. […] Er klopfte immer: Georgi. […] Dann wurde das Klopfen schwächer. Es hörte mitten im Wort auf.“Edschmid, Georg Büchner. S. 427. Kapitel 13 bis 14, 16 Nachdem im Kapitel 13 Baron von Stein vom Großherzog beauftragt wurde, die Prozesse um Weidig und andere Aufwiegler unauffällig zu einem Ende zu bringen, springt Kapitel 14 in den November 1836, als der in Zürich frisch promovierte Büchner zum Privatdozenten ernannt wird, an Typhus erkrankt und im Sterben liegt. Er stirbt unmittelbar vor Eintreffen seiner Verlobten Minni.Edschmid, Georg Büchner. S. 507.

Kapitel 15 und 17 Das Kapitel 15 springt wieder auf den 20. Februar 1837, als der vom Großherzog ermächtigte Baron von Stein den Hofgerichtsrat Eberhard Schiffer beauftragt, sich in die Untersuchung gegen Weidig einzuschalten: Schiffer möge „Weidig beeinflussen, irgend etwas zu gestehen, auf das hin man die Verhandlung beginnen könne. Sie wären dann alle bestraft und daraufhin begnadigt worden.“Edschmid, Georg Büchner. S. 517. Schiffer soll am 22. Februar nachts nach Darmstadt reisen, mit gleicher Post Georgi benachrichtigt werden,Edschmid, Georg Büchner. S. 478. der nach Eintreffen Schiffers prompt bei diesem auftaucht. Kurz darauf erhalten beide die Nachricht über einen Selbstmordversuch Weidigs.Edschmid, Georg Büchner. S. 481. Weidig stirbt. Schiffer bezieht Dr. Stegmayer und einen weiteren Arzt in die Untersuchung mit ein. Alle stimmen darin überein, dass es wahrscheinlich kein Selbstmord war.Edschmid, Georg Büchner. S. 494. Und Schiffer stellt fest: „Wenn es aber zu beweisen ist, daß Weidig umgebracht wurde, so gäbe das einen Riesenskandal“,Edschmid, Georg Büchner. S. 519. größer noch als der, den Weidig durch einen Selbstmordversuch auszulösen versuchte, „der nicht so ernst gemeint war“Edschmid, Georg Büchner. S. 527. und in dessen Kielwasser Georgi die Gelegenheit nutzte, Weidig tatsächlich „den Hals abzuschneiden“.Edschmid, Georg Büchner. S. 37.

Textanalyse Wenn es Rosen sind, werden sie blühen ist eine Collage aus den Texten diverser Ich-Erzähler. Unter anderem aufgrund dieser Perspektivenmontage gehört Wenn es Rosen sind, werden sie blühen zu den „wenigen deutschsprachigen historischen Romanen der fünfziger Jahre, die konzeptionell der Moderne verpflichtet sind“.Ralph Kohpeiß: Skizze zum historischen Roman nach 1945. In: Der historische Roman der Gegenwart in der Bundesrepublik Deutschland. J.B. Metzler, Stuttgart. ISBN 978-3-476-45038-8. S. 65–78, hier S. 66. Eine Textgrundlage des Romans ist dabei die Actenmäßige Darlegung des wegen Hochverraths eingeleiteten gerichtlichen Verfahrens gegen Pfarrer D. Friedrich Ludwig Weidig des hessischen Hofgerichtsrats Friedrich Noellner. Dietmar Goltschnigg (Hg.): Georg Büchner und die Moderne. Band 2: 1945–1980. E. Schmidt, Berlin 2002. ISBN 3-503-06106-1. S. 535.

Die erzählte Zeit beginnt 1820 und endet mit dem Tod Weidigs 1837. Durch gelegentliche kleinere Zeitsprünge zwischen den einzelnen Ich-Erzählungen wird es dem Leser erschwert, sich aus den Ich-Erzählungen eine stimmige Handlung zusammenzusetzen. Der größte Zeitsprung findet dabei statt zwischen dem ersten Kapitel, das in der ersten Jahreshälfte 1820 spieltDer Großherzog spielt auf die Ermordung Kotzebues „vor einem Jahr“ (also 1819) an. – Edschmid, Georg Büchner. S. 23. und dem zweiten Kapitel, dessen Handlung nach August 1830 stattfindet.Der Text spielt auf die Belgische Revolution an, die am 25. August 1830 begann. – Edschmid, Georg Büchner. S. 67.

Orte der Handlung sind hessische Kommunen wie Butzbach, Badenburg, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Petterweil, Södel oder Wieseck sowie die Reichsstadt Frankfurt am Main. Außerhalb Hessens kommen Neustadt an der Weinstraße, das Hambacher Schloss, Straßburg und Zürich hinzu. Titel