Die benzolelektrischen Triebwagen 51–53 der Insterburger Kleinbahnen stammen aus einer Serie in Deutschland entwickelter Fahrzeuge der AEG und der Nationalen Automobil-Gesellschaft, die von der Waggonfabrik Steinfurt für die Insterburger Kleinbahnen (IKB) und andere Gesellschaften in der Spurweite 750 mm geliefert wurden. Die Triebwagen wurden als VT 51 sowie VT 53 ab 1914 bei der Königsberger Kleinbahn und als VT 52 bei den Insterburger Kleinbahnen eingesetzt.

Betrieben wurden die Fahrzeuge bis zum Zweiten Weltkrieg. Sie gelten seit der Zeit als verschollen.

Geschichte mini|links|Ansicht des OEG VT 53 (Rückseite) beim Umsetzen in Neuhausen-Tiergarten Im Jahr 1911 übernahm die Ostpreußischen Kleinbahnen AG (OEG) von der Firma AEG einen Triebwagen mit benzolelektrischem Antrieb, um damit im Betrieb den Personenverkehr auf ausgewählten Strecken vom Güterverkehr zu trennen.Ingo Neidhardt, Jörg Petzold: Schmalspur-Album Ostpreußen. Verlag SSB Medien, SOEG Zittau, ISBN 978-3-9826224-2-2, Zittau 2024 Die Preußische Staatsbahn hatte in den Jahren ab 1909 für Normalspur mehrere Triebwagen beschafft. So wurde für zahlreiche Kleinbahnen eine ähnliche Lösung gesucht. Der Triebwagen war von dem Architekturbüro Gropius entworfen und von der Waggonfabrik Steinfurt gebaut worden. Die elektrische Ausrüstung stammte von der AEG, die Motoranlage steuerte die Nationale Automobil-Gesellschaft bei.

Der vorerst als 51 bezeichnete Triebwagen wurde bis 1913 getestet. Er hatte zuerst keine räumliche Trennung der Maschinenanlage vom Wagenkasten. Die Ergebnisse der Probefahrten wurde insgesamt als positiv bewertet, kritisch wurden lediglich die Unterbringung der Maschinenanlage im Wagenkasten und die dadurch folgende Vibration des Wagenkastens beurteilt.

Die Direktion der OEG beauftragte das Architekturbüro Gropius, den Wagen konzeptionell umzugestalten und die Maschinenanlage außerhalb des Wagenkastens unterzubringen. Dies wurde erfolgreich ausgeführt und die OEG beauftragte weitere Triebwagen. Hinsichtlich der gefertigten Stückzahl gibt es widersprüchliche Angaben; seitens einer offiziellen Statistik wurden drei Triebwagen gebaut, von denen die VT 51 und VT 53 an die Königsberger Kleinbahn, der VT 52 bei den Insterburger Kleinbahnen eingesetzt wurden.

Zuerst war nur der VT 51 bei der Königsberger Kleinbahn eingesetzt. Als dieses Fahrzeug im Jahr 1926 bei einem Brand in Devau zerstört wurde, gelangte im gleichen Jahr der VT 53 nach Königsberg. Von diesem Fahrzeug existieren Fotos während des Betriebes in Königsberg Königstor, Devau und Neuhausen-Tiergarten. Eingesetzt wurde er häufig mit bis zu drei vierachsigen Beiwagen. Er war, gewartet in Devau, eingesetzt auf den Strecken von Königsberg Königstor nach Prawten. Die letzte Erwähnung des Triebwagens stammt aus dem Jahr 1941, seither gilt er als verschollen.

Der VT 52 wurde auf den Insterburger Kleinbahnen auf der Bahnlinie von Insterburg nach Groß Skaisgirren auf den Relationen nach Wirbeln und Liebenfelde eingesetzt. Der Triebwagen wurde 1942 in Liebenfelde abgestellt und gilt seit der Zeit als verschollen.

Außer den drei Wagen wurde ein Triebwagen für die Spurweite 785 mm für die Bahnstrecke Gleiwitz–Rauden–Ratibor beschafft.Internetseite des T1 der Bahnstrecke Gleiwitz–Rauden–Ratibor Das Fahrzeug dieselbe Bauart und Abmaße wie die Insterburger Triebwagen.Siegfried Bufe, "Eisenbahnen in Schlesien: Ostdeutsche Eisenbahngeschichte, Band 4", Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1993, ISBN 3-922138-37-3, Seite 224

Konstruktive Merkmale

Die Triebwagen hatten einen Aufbau mit einem vor dem Wagenkasten geführten Maschinenrahmen. In einem Drehgestell war der Antriebsmotor gelagert, im anderen befanden sich die elektrischen Fahrmotoren der AEG.

Das Untergestell, das gegenüber dem ersten Exemplar von 1911 verlängert wurde, bestand aus Stahlprofilen, die mit mehreren Querträgern vernietet waren. Es trug den Wagenkasten mit mehreren Abstützungen. Die Drehgestelle waren gleichfalls eine vernietete Stahlprofilkonstruktion, die mit dem Untergestell mit Blattfedern abgefedert waren. In ihm waren die Radsätze mit dem Maschinensatz sowie den elektrischen Fahrmotoren federnd abgestützt. Die Übertragung der Längskräfte wurde mit Drehzapfen realisiert.

Der Wagenkasten bestand aus einem hölzernen Kastengerippe, das außen mit Blech verkleidet war und besaß eine einfache Dachverschalung über den Führerständen sowie eine doppelte Dachverschalung über dem Fahrgastraum. An den Fahrzeugenden lagen mit den Einstiegen die beiden Führerstände. Dazwischen waren die Fahrgastabteile der 2. und 3. Klasse, die durch eine Trennwand voneinander abgetrennt waren. Das Abteil 2. Klasse war mit Stühlen und Tischen ausgestattet, das Abteil 3. Klasse mit hölzerner, gegenüberliegender Bestuhlung ausgeführt.K. R. Repetzki Diesellokomotiven in Glasers Annalen 1895–1936, Transpress Reprint, Berlin 1987, ISBN 3-344-00127-2

Die Fahrzeuge hatten einen Vierzylinder-Viertakt-Ottomotor, der mit Benzol betrieben wurde. Mit einer Bohrung von 136 mm und einem Kolbenhub von 180 mm ergibt sich ein Hubraum von 10,5 Liter. Repetzki gibt an, dass die Leistung 55 PS (ca. 40 kW) bei 900/min betrug. Die Maschinenanlage war mit einer zweiteiligen Haube abgedeckt. Deren vorderer Teil konnte zur Wartung nach vorn gezogen werden. Angelassen wurde der Motor von Hand. Auf dem Dach war der Kühler angebracht.

Mit dem Motor fest verbunden war der elektrische Generator, der Strom für die beiden Fahrmotoren lieferte.

Ausgerüstet waren die Triebwagen mit einer Görlitzer Gewichtsbremse und einer Handbremse. Der Fahrschalter hatte eine Sicherheitseinrichtung, die beim Loslassen des Fahrschalters die Kraftübertragung unterbrach. Mit der Scharfenbergkupplung konnten mehrere Wagen gekuppelt werden.

Literatur

Ingo Neidhardt, Jörg Petzold: Schmalspur-Album Ostpreußen. Verlag SSB Medien, SOEG Zittau, ISBN 978-3-9826224-2-2, Zittau 2024 K. R. Repetzki Diesellokomotiven in Glasers Annalen 1895–1936, Transpress Reprint, Berlin 1987, ISBN 3-344-00127-2

Weblinks Fabrikfoto eines Triebwagens auf bildarchiv-ostpreussen.de Internetseite des VT 51 der Insterburger Kleinbahn auf triebwagenarchiv.de Internetseite des VT 52 der Insterburger Kleinbahn auf triebwagenarchiv.de Internetseite des VT 53 der Insterburger Kleinbahn auf triebwagenarchiv.de

Einzelnachweise

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