Suzume (, internationaler Titel: Suzume) ist ein Animationsfilm des japanischen Regisseurs und Drehbuchautors Makoto Shinkai, der durch das Animationsstudio CoMix Wave Films realisiert wurde. Der Film feierte seine Uraufführung am 11. November 2022 in den japanischen Kinos. Die internationale Premiere fand im Februar 2023 im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin statt. Suzume erhielt durchgehend positive bis sehr positive Kritiken und wurde in mehreren Ländern zu einem großen Erfolg an den Kinokassen.
Handlung Die 17-jährige Waise Suzume lebt bei ihrer Tante in einer ruhigen Stadt auf Kyūshū im Südwesten Japans. Eines Morgens trifft sie auf dem Schulweg einen gutaussehenden jungen Mann, der nach einer „Tür“ in einer verlassenen Stadt sucht. Sie weist ihm den Weg und folgt ihm aus Neugier. In einem verlassenen Dorf findet sie tatsächlich eine einsame Tür. Als sie hindurchtreten will, sieht sie eine fremde Welt, in die sie aber nicht eintreten kann. Bei ihren Versuchen löst sie einen Stein, der zuerst eiskalt ist und sich dann in ein Wesen verwandelt, das davonläuft. Die verunsicherte Suzume kehrt in die Schule zurück. Von dort sieht sie später ein Wesen aus den Ruinen aufsteigen, das sonst aber niemand sehen kann, und ein Erdbeben erschüttert die Stadt. Sie kehrt in die Ruinen zurück, wo der junge Mann die Tür, aus der das Wesen aufsteigt, zu verschließen versucht. Schließlich stürzt der aus der Tür gekommene riesige Wurm auf die Stadt und verursacht ein erneutes Erdbeben. Beide kehren zu Suzumes Heim zurück, wo sie den Mann verarztet, der sich als Sōta Munakata vorstellt. Er ist ein Wächter, der die Tore hütet und verschließt, durch die die Erdbeben verursachenden Teile des Wurms nach Japan eindringen. Der Wurm lebt für gewöhnlich in der Gegenwelt, die man durch die Tore sehen kann, unter ganz Japan. Da taucht eine kleine Katze auf, die nicht nur sprechen kann, sondern Sōta in einen von Suzume aufbewahrten, dreibeinigen, gelben Kinderstuhl bannt, welcher dadurch lebendig wird. Die Katze war – wie es Sōta Suzume später erzählt – einer von zwei Siegelsteinen, den Suzume anfangs unwissentlich, nahe der ersten Tür, befreit hat. Beim nächsten Treffen beginnt die Katze Suzume zu folgen. Als sie merkt, dass Sōta sie wieder in den Siegelstein zurückverwandeln will, flieht die Katze.
Auf der Jagd nach der Katze folgen die beiden – Sōta weiterhin in der Gestalt des Stuhls – ihr durch mehrere Städte Japans. Die Katze, die sich Daijin nennt und eine von zwei im Grunde wohlwollenden Gottheiten ist, macht es ihnen leicht, indem sie sich immer wieder, von anderen Menschen, für soziale Medien ablichten lässt. Dann taucht der Wurm aus den Toren immer wieder auf, während die Katze in unmittelbarer Nähe ist. Mit vereinten Kräften und Sōtas Macht als Wächter versiegeln sie die Tore und verhindern Erdbeben. Auf ihrem Weg lernt Suzume Menschen kennen, die sie unterstützen und bei denen sie übernachten kann, auch wenn sie über ihre Mission nichts verraten kann. Während sie schließlich in Tokio ankommen, hat sich Suzumes Tante Tamaki immer größere Sorgen gemacht und reist hinterher. In der Stadt lernt Suzume die Wohnung von Sōta und seinen Kommilitonen Tomoya Serizawa kennen, der ebenfalls auf Lehramt studiert. Sie finden das Tor in Tokio, können es aber nicht erreichen. Der dort auftauchende riesige Wurm ist nicht zu bändigen. Schließlich erkennt Sōta, dass Daijin ihn zum neuen Siegel gemacht hat, und in Ermangelung einer Alternative versiegelt die verzweifelte Suzume mit ihm als Siegelstein den Wurm.
Suzume will Sōta, in den sie sich verliebte, nicht aufgeben und sucht Rat bei seinem schwerkranken Großvater, Hitsujirō, der ebenfalls Wächter ist. Doch dieser sieht keinen anderen Weg und in Sōtas Einsatz ein notwendiges Opfer. Er ist nun in der Gegenwelt, die Welt der Toten, in die kein lebender Mensch gelangen kann. Doch Suzume erzählt, dass sie dort einmal in ihrer Kindheit war, und der Großvater bestätigt, dass jeder Mensch eine Tür hat, durch die er gehen kann. Daher macht sie sich auf den Weg in ihre alte Heimatstadt. In Tokio trifft sie Serizawa, der sie um Sōtas Willen an ihr Ziel fahren will, und ihre Tante, die kurzentschlossen mitreist. Auch Daijin schließt sich an und wird bald von Sadaijin begleitet, einer großen schwarzen Katze, die das Siegel in Tokio war. Sie reisen nach Tōhoku, wo Suzumes Mutter – Tsubame Iwato – 12 Jahre zuvor beim Tōhoku-Erdbeben ums Leben kam und Suzume in den Ruinen ihrer Heimatstadt durch die Tür ging. Sie kann die Tür ausfindig machen und geht hindurch, begleitet von den beiden Göttern in Katzengestalt. Inmitten einer brennenden Landschaft trifft sie auf den Wurm, den Sadaijin in Schach halten kann, während Suzume zu Sōta läuft. Sie kann ihn erlösen und ihm seine menschliche Gestalt zurückgeben. Als Ausgleich kehrt Daijin zu seinem Dasein als Siegelstein zurück und zusammen mit Sadaijin kann der Wurm wieder versiegelt werden. Sōta ist befreit, trennt sich jedoch wieder von Suzume, um noch weitere Tore zu versiegeln. Aber er verspricht, sie zu besuchen. Serizawa bringt sie zurück nach Tokio und mit ihrer Tante reist Suzume erneut über all die Stationen der Hinreise und zu den dort lebenden Menschen zurück nach Kyūshū.
Produktion Suzume no Tojimari wurde wie auch andere Filme von Makoto Shinkai von dem japanischen Animationsstudio CoMix Wave Films produziert. Makoto Shinkai selbst schrieb das Drehbuch und führte Regie. Das Charakterdesign entwarf Masayoshi Tanaka und die künstlerische Leitung lag bei Takumi Tanji. Die Animationsarbeiten leitete Kenichi Tsuchiya. Als Produzenten waren Genki Kawamura und Kōichirō Itō verantwortlich. Die Vorproduktion begann im Januar 2020, das Skript wurde von April bis August des gleichen Jahres ausgearbeitet. Die Storyboards entstanden von September 2020 bis Dezember 2021. Die Animationsarbeiten wurden im April 2021 begonnen.
Die Musik zum Film komponierte Kazuma Jinnouchi zusammen mit der japanischen Rockband Radwimps, die bereits Shinkais Animationsfilme Your Name und Weathering With You musikalisch bereicherte. Der Soundtrack zum Film besteht aus 29 Stücken, die zeitgleich mit dem Film veröffentlicht wurden.
Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand bei VSI Berlin, Dialogbuch und Regie führte René Dawn-Claude, die Übersetzung stammt von Anja Truong. Rolle Originalstimme Deutsche Stimme Suzume Iwato Nanoka Hara Emilia Raschewski Sōta Munakata Hokuto Matsumura Oscar Räuker Tamaki Iwato Eri Fukatsu Giuliana Jakobeit Minoru Okabe Shota Sometani Daniel Welbat Rumi Ninomiya Sairi Ito Britta Steffenhagen Chika Amabe Kotone Hanase Helen Blaschke Tsubame Iwato Kana Hanazawa Marieke OeffingerSprecher (Seiyuu). – bei aniSearch, abgerufen am 3. Januar 2026. Hitsujirō Munakata Matsumoto Hakuō II Hanns-Jörg Krumpholz Tomoya Serizawa Ryūnosuke Kamiki René Dawn-Claude Daijin Ann Yamane Cathlen Gawlich Miki Aimi Özge Kayalar
Veröffentlichung Der Anime wurde erstmals im Dezember 2021 angekündigt. Der Vertrieb liegt bei Tōhō. Premiere des Films war am 11. November 2022 in Japan. Die internationale Premiere fand am 23. Februar 2023 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin statt, wo das Werk im Hauptwettbewerb des Festivals lief. Am 2. März kam der Film in Taiwan, Hongkong und Macau in die Kinos, es folgten weitere Kinopremieren in mehreren Ländern. Kinostart in Deutschland war der 13. April, in Österreich der 14. April 2023. Bereits am 11. April fanden erste Vorführungen statt. Am 17. November 2023 wurde der Film auf Crunchyroll veröffentlicht.
In Deutschland erschien Suzume am 5. April 2024 auf DVD und Blu-ray, unter anderem in einer Standard-, Steelbook- und Collectors-Edition. Letztere beinhaltet neben einem Artbook und weiterem Bonusmaterial auch eine spezielle Schlussszene.
Adaptionen Eine Umsetzung der Geschichte als Roman erschien am 24. August 2022 bei Kadokawa Bunko. Ein Teil des Romans war auch in einem Booklet enthalten, das bei der Kadobun Summer Fair am 10. Juni 2022 herausgegeben wurde. Eine Adaption als Manga durch Denki Amashima startete im Oktober 2022 im Magazin Afternoon bei Kōdansha. Der Verlag brachte die Kapitel ab März 2023 auch in drei Sammelbänden heraus. Die deutschsprachige Ausgabe der Romanadaption erschien am 12. März 2024 bei Egmont Manga. Der Manga erschien von August 2024 bis Februar 2025 vollständig auf Deutsch beim gleichen Verlag.
Rezeption Publikumserfolg An den ersten drei Spieltagen des Animationsfilms in Japan spielte Suzume no Tojimari einen Betrag von 1,88 Milliarden Yen an verkauften Tickets ein und wurde so zu Shinkais erfolgreichstem Filmstart. Bis April 2023 spielte der Film 221 Millionen Dollar ein, davon 14 Milliarden Yen (109 Millionen Dollar) in Japan. Auch in China war der Film mit 82 Millionen Dollar in 10 Tagen nach Start erfolgreicher als Your Name und wurde der bestbesuchte japanische Film in China überhaupt. In Südkorea stand Suzume vier Wochen an der Spitze der Kinocharts, spielte 30 Millionen Dollar ein und wurde damit ebenfalls erfolgreicher als Your Name.
Nominierungen und Auszeichnungen Suzume no Tojimari erhielt 2023 eine Einladung in den Wettbewerb um den Goldenen Bären, den Hauptpreis der Berlinale. Ebenfalls nominiert war der Anime bei mehreren Preisen in Japan: dem Hochi-Filmpreis und dem Mainichi Eiga Concours in zwei Kategorien. Auch beim Japanese Academy Award war der Film in zwei Kategorien nominiert und erhielt den Preis für die beste Musik. Weiterhin erhielt er eine Nominierung für den Golden Globe als Bester Animationsfilm.
Internationale Kritiken Der Anime erfreut sich ausgesprochen positiver Kritiken. Bei Anime News Network wird er folgendermaßen charakterisiert: „Insgesamt ist Suzume no Tojimari ein fantastischer Film. Die Geschichte hat sehr gute Charaktere und zielt darauf, einen zum Lachen und Weinen zu bringen. Thematisch handelt es sich um eine fundierte Erkundung, sich mit dem Verlust abzufinden und zu lernen, zu anderen Menschen Verbindungen aufzubauen. Die visuellen Effekte sind beeindruckend und sie haben die Musik, die dazu passt“ („All in all, Suzume no Tojimari is a fantastic movie. The story has great characters and is laser targeted to make you laugh and cry. Thematically, it is a solid exploration of coming to terms with loss and learning to let people in. The visuals are stunning, and it has the music to match.“). Noah Oskow nannte den Anime „einen der aufregendsten Animefilme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe“. Jedoch wird bei Timeout auch darauf hingewiesen, dass Suzume neben der atemberaubenden Schönheit der Bilder inhaltlich die gleiche, nur neu aufbereitete Formel wie Shinkais vorherige Filme präsentiert. Und die Geschichte hinter den magischen Türen würde nie wirklich aufgeklärt, sie dienten nur dem Fortgang der Handlung. Dennoch und trotz ärgerlich störender Produktplatzierung von McDonald’s sei der Film beeindruckend.
Deutschsprachige Kritiken