mini|DBL-Logo, 1920er Jahre mini|Stahlstich des Firmenareals, um 1910 mini|Druckgrafik des Firmenareals, 1930er Jahre D. Bamberger war ein deutsches Familienunternehmen, das während der 1830er Jahre in Mitwitz, Obermainkreis, Königreich Bayern, begründet und ab 1884 in Lichtenfels, Oberfranken, weitergeführt wurde.Hans Kühnlein: Die ehemalige Korbfirma D. Bamberger. Maschinenschriftliches Manuskript. Stadtarchiv Lichtenfels, Lichtenfels 1990.

Geschichte Ursprünglich eine inhabergeführte handwerkliche Feinbäckerei und Lebküchnerei, wandelte sich D. Bamberger um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Krämer und Einzelhändler,Lichtenfels (Oberfranken/Bayern). In: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, auf: jüdische-gemeinden.deLichtenfels (Kreisstadt) mit -Seubelsdorf Jüdische Geschichte / Synagoge, auf: alemannia-judaica.de schließlich zu einem weltweit agierenden Importeur für Rohmaterialien aus Palmengewächsen und Rohr für die Möbel- und Korbwarenindustrie sowie zu einer Manufaktur für geflochtene Körbe und andere Produkte aus getrockneten Blättern von Palmen sowie aus Rohr gefertigten Möbelklopfern, zu einem Großhandel und Exporteur.Heinrich Meyer: Die Lichtenfelser Juden – Ein Beitrag zur Stadtgeschichte. In: Geschichte am Obermain, Bd. 5, Colloquium Historicum Wirsbergense, 1968/69, , S. 156, 162–164.Klaus Bamberger: Aus der Geschichte der Familie Bamberger. Kindheitserinnerungen an Lichtenfels (= Kleine CHW-Schriften, Colloquium Historicum Wirsbergense, Heft 2; Lichtenfelser Hefte zur Heimatgeschichte, Sonderheft 3), hrsg. v. Stadtarchiv Lichtenfels, Verlag H. O. Schulze, Lichtenfels 2005, ISBN 3-87735-177-8, S. 11–18.Claude P. Bamberger: ART – A Biographical Essay. Verlagshaus Meisenbach, Bamberg (Layout, Design), Selbstverlag, Carlstadt, New Jersey 1989, , S. 6.Günter Dippold: Einführung. In: Klaus Bamberger: Aus der Geschichte der Familie Bamberger. Kindheitserinnerungen an Lichtenfels (= Kleine CHW-Schriften, Colloquium Historicum Wirsbergense, Heft 2; Lichtenfelser Hefte zur Heimatgeschichte, Sonderheft 3), hrsg. v. Stadtarchiv Lichtenfels, Verlag H. O. Schulze, Lichtenfels 2005, ISBN 3-87735-177-8, S. 8–10.

D. Bamberger entwickelte sich zum Marktführer in diesen Marktsegmenten. Die Firma zählt zu den namhaften Unternehmen der Korbwarenindustrie, auf welche die Stadt Lichtenfels den Zusatz Deutsche Korbstadt zurückführt, den sie bis heute trägt.Lichtenfels, die deutsche Korbstadt, 20. Mai 2020, auf: bayern-onlineAlfred Thieret: Aus der Sammlung von Klaus Müller. In: Obermain-Tagblatt, 17. März 2015, auf: obermain.de Das Unternehmen gehörte zu den größten Arbeitgebern der Stadt und des Umlandes.

Der Handels- und Fertigungsbetrieb entwickelte sich während der 1920er Jahre zu einem bedeutenden Zulieferer des Bauhauses in Weimar und Dessau für Sitzmöbel aus Rohr und Rattan, handgefertigte Tischplatten und Flechtarbeiten für Stuhlsitzflächen und -lehnen.Steffen Huber: Das Sonnenhaus: ein Stück deutschlandweiter Baugeschichte. In: Obermain-Tagblatt, 28. September 2022, auf: obermain.de

Ab den 1920er Jahren wurden als zusätzlicher Geschäftszweig hölzerne Spielwaren und Bastelsets nach den Spieltheorie-Vorgaben des Pestalozzi-Schülers Friedrich Fröbel vertrieben, aber auch kunstgewerbliche Kreationen aus Holz.Preisliste 160 – Beschäftigungsspiele, Unterhaltungsspiele, Fröbelmaterialien, D. Bamberger, Lichtenfels, undatiert [um 1925].Preisliste 169: Spielen, basteln und anderes, D. Bamberger, Lichtenfels, undatiert [um 1930].Preisliste 175: Spielen, basteln und anderes, D. Bamberger, Lichtenfels 1936.Preisliste 186: DBL – Kunstgewerbliche Erzeugnisse, D. Bamberger, Lichtenfels/Bay.Suzanne Loebl: Flucht nach Belgien – Jugend am Rande des Holocaust. Epubli, Berlin 2014, ISBN 978-3-7375-0002-9, S. 13.

Während der Zeit des Nationalsozialismus 1938/39 „arisiert“, d. h. weit unter Wert an NS-Profiteure zwangsverkauft,Werner Diefenthal: Briefmarkenbörse in Bad Staffelstein. In: Obermain-Tagblatt, 23. November 2022, auf: obermain.de firmierte D. Bamberger ab 1939 unter den neuen Besitzern als Knorr, Friedrich & Co.Herbert Loebl OBE: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989, . Darin nicht enthalten: Chapter IV – The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, S. 49–51.Unternehmen, auf: knorrprandell.com

Firmierung und Markenzeichen mini|Briefkopf, 1911 mini|Briefkopf, 1929 Bei der Firmierung des Unternehmens D. Bamberger fällt der mit Initial abgekürzte Vorname David auf, der mit einiger Wahrscheinlichkeit die jüdische Abstammung des Firmengründers weniger offenbar werden lassen sollte, um mögliche negative Auswirkungen auf den Geschäftserfolg zu mildern. Der biblische David wurde jedoch auch in der christlichen Tradition als ein Beispiel des Gottvertrauens und als ein vorbildlicher König in Ehren gehalten.

Das Unternehmen wurde spätestens ab 1919, vermutlich bereits seit den 1880er Jahren, als Offene Handelsgesellschaft (oHG) geführt.Otto Bamberger: Zur Aufklärung. In: Lichtenfelser Tagblatt, 25. Juni 1919.

Die unterschiedlichen Markenzeichen des Unternehmens D. Bamberger haben ebenso eine Entwicklung vollzogen wie das Unternehmen selbst. Im Gegensatz zur heutigen Zeit definierten damalige Unternehmen zumeist keine Corporate Identity und demzufolge auch kein einheitliches Corporate Design. Es gibt daher eine Reihe unterschiedlicher Darstellungen der Markenzeichen von D. Bamberger, insbesondere der Biene, aber auch eine wechselnde Typographie des Kürzels DBL.

Biene mini|links|150px|Schutzmarke Biene, um 1910 mini|150px|Handgeflochtenes Logo, 1920er Jahre Ausgehend von dem Handwerk des David Bamberger stellt ein Markenzeichen des Unternehmens die Draufsicht einer graphisch gezeichneten Biene mit ausgebreiteten Flügeln dar, teils in einem Lorbeerkranz. Die Biene wurde als Symbol für Fleiß und Genügsamkeit betrachtet, steht aber natürlich auch für den Honig und den enthaltenen Zucker, die in einer Feinbäckerei bzw. einer Lebküchnerei zur Anwendung kommen. Der Biene sind in einigen Darstellungen (bereits während der 1890er Jahre) die Buchstaben DBL in Versalien zugeordnet, wobei das L teils zentriert und leicht tiefer angeordnet ist als die auf einer gedachten Grundlinie darüber positionierten Buchstaben D und B. Die Biene dürfte das älteste bekannte Signet des Unternehmens sein.

Das Markenzeichen mit der Biene wurde für Messestände von Hand gefertigt, wobei die Rohmaterialien, die das Unternehmen teils importierte und weiterbearbeitete, verwendet wurden, um deren vielfältige Anwendungsmöglichkeiten zu veranschaulichen, aber auch die damit verbundene handwerkliche Expertise der Arbeiter (siehe Foto eines Messestandes aus den 1920er Jahren).

Mal DB, mal DBL mini|120px|DB-Logo, 1910er Jahre Auf erhaltenen Dokumenten aus den 1910er Jahren findet sich das Initial DB als ineinander verschlungene Versalien, die von einem Kreis umrahmt sind. Ab den 1920er Jahren findet sich hingegen wieder das Kürzel DBL, das für D. Bamberger Lichtenfels steht, teils in einem Oval.

Fisch mini|120px|Schutzmarke Fisch, um 1910 Stuhlsitze aus der Produktion des Unternehmens wurden mit einem graphisch dargestellten Fisch in Seitenansicht als Schutzmarke (D.R.P.) gekennzeichnet, um deren Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit sinnbildlich darzustellen (siehe weiter unten abgebildetes Deckblatt einer Preisliste, um 1909).

Gründer Das Unternehmen wurde in den 1830er Jahren durch David Bamberger (geboren am 24. Dezember 1811 in Mitwitz, Mainkreis; gestorben am 23. Juni 1890 in Lichtenfels, Oberfranken) in seiner Geburtsstadt gegründet, wo er im Haus Nr. 23 (Nachfolgebau heute: Kronacher Straße 10) lebte.Siegfried Rudolph: Ein Mitwitzer Kunstsammler. In: Mitteilungsblatt – Amtsblatt für die Verwaltungsgemeinschaft Mitwitz, Nr. 25 (1992), 19. Juni 1992. David Bamberger erlernte das Handwerk des Zuckerbäckers, eine Profession, mit der er seine Unternehmung aufbaute.

Gründungsmythos 1925 wurde das 100. Jubiläum begangen, ergo das Jahr 1825 als Gründungsjahr postuliert. Ein Mythos, denn am Heiligen Abend des Jahres 1825 feierte der Unternehmensgründer seinen 14. Geburtstag. Mit 14 Jahren, ergo 1826, soll er Mitwitz für einige Jahre verlassen und in der Fremde seine Lehre begonnen haben. Etwa 1830 soll er ausgebildet nach Mitwitz zurückgekehrt sein.Adolf Joch, Oberlehrer aus Mupperg, hielt im Jahre 1928 den Vortrag „Einiges aus der Geschichte der Juden in Mitwitz“. Darin erwähnte er u. a. dass David Bamberger Mitwitz verließ, um auswärts ein Handwerk zu erlernen. – Zitiert nach: Friedrich Bürger (Hrsg.): 750 Seiten Mitwitz – Ein Sammelband, Selbstverlag, Mitwitz 2012, , S. 425f.Heinz Köhler: Aus der Geschichte der Juden in Mitwitz. Selbstverlag, Mitwitz 2020, ohne ISBN, , S. 42–44. Daher erscheinen die 1830er Jahre als Gründungszeit realistischer, zumal sein Vater 1834 verstarb und das Jahr 1836 für David Bamberger eine wesentliche Statusänderung mit sich brachte (siehe unten), als ihm die formelle Voraussetzung zur Berufsausübung gewährt wurde. Allerdings verfügte er erst ab August 1837, als 25-Jähriger, über einen Judenschutzbrief (siehe unten). Formaljuristisch betrachtet, konnte David Bamberger erst ab August 1837 ein Gewerbe begründen. Möglicherweise jedoch waren Formalien auch damals schon, selbst für eine so benachteiligte Minderheit wie die Juden, nicht so bindend, wie es zeitgenössische Dokumente nahelegen. Retrospektiv scheint es, als habe David Bamberger die Phase seiner Lehrjahre zum Bestehen seines späteren Unternehmens hinzu addiert, weil er sich da offenbar bereits im Metier sah.

Judenmatrikel mini|Das Haus 23 in Mitwitz (links, mit Treppenaufgang und Frachtrampe, Nachfolgebau heute: Kronacher Straße 10), im Jahr 1805 errichtet durch den Viehhändler Gottlieb (ben Salomon) Bamberger, 1908 abgebrannt Das Haus Nr. 23 in Mitwitz hatte sein Vater, der Viehhändler Gottlieb (ben Salomon) Bamberger (geboren 1770 in Burgkunstadt, gestorben 1834 in Mitwitz), im Jahr 1805 errichtet, nachdem er 1796 Freinle Seligberger (1774–1841) aus Mitwitz geheiratet hatte und nach Mitwitz umziehen durfte.Claude P. Bamberger: History of a Family. The Bambergers of Mitwitz and Lichtenfels 1770–1992. Claude P. Bamberger International (Hrsg.) Carlstadt, New Jersey, USA, 1993, S. 11–13.Gottlieb Bamberger (ben Salomon) erhielt das bebaute Grundstück in Mitwitz, auf dem er später sein Haus errichtete, durch seinen Schwager, den Viehhändler Hirsch Seligberger, der in Haus Nr. 24 lebte. Das ursprüngliche Gebäude Nr. 23 war bereits baufällig und wurde vor 1805 abgerissen. Das von Gottlieb Bamberger neu errichtete Haus Nr. 23 brannte zusammen mit den zwei benachbarten Häusern Nr. 22 und Nr. 24 („Roter Hirsch“ und „Schwarzer Hirsch“) im Jahr 1908 ab. – Zitiert nach: Adolf Joch, Oberlehrer und Heimatforscher aus Mupperg: Einiges aus der Geschichte der Juden in Mitwitz, Vortrag im Frankenwald-Verein Mitwitz, 1928. In: Mitwitz auf den Punkt gebracht, 12/2012, auf: yumpu.com – Zitiert nach: Friedrich Bürger (Hrsg.): 750 Seiten Mitwitz – ein Sammelband, Selbstverlag, Mitwitz 2012, ohne ISBN, . – Zitiert nach: Herbert Loebl: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989, . Darin nicht enthalten: Chapter IV – The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, S. 36.