Wilhelmine „Wilma“ Schalk-Niedermayer, auch Vilma Schalk (* 3. Juni 1906 in Lichtenwald, Untersteiermark; † 1998 in Graz), war eine österreichische Keramikerin, Bildhauerin und Malerin.
Leben Wilma Schalk studierte von 1921 bis 1925 in der Fachschulklasse Keramik der Bundeslehranstalt für das Baufach und Kunstgewerbe in Graz unter Hans Adametz. 1926 sammelte sie ein Jahr lang praktische Erfahrung bei Richard Adolf Zutt an den Ostdeutschen Werkstätten in Neisse. Später leitete Schalk die dortige Keramische Abteilung. Sie absolvierte eine Prüfung als Hafner-Meisterin.Schalk-Niedermayer, Wilhelmine. In: Eugen Gross (Hrsg.): Die Grazer Ortweinschule: Bau – Kunst – Design, 1876–2001. Manumedia Schnider, Graz 2001, S. 210.
Ab 1930 lebte Schalk in Graz. 1934 bezog sie ein Atelier im Kepler-Haus in der Stempfergasse 6. Sie war Mitglied im Künstlerbund Graz (1947 Schriftführerin), der Vereinigung Bildender Künstler Steiermarks und des Steiermärkischen Werkbundes. Sie engagierte sich zudem als Vorsitzende der Prüfungskommission für die Lehrabschluss- und Meisterprüfungen im Keramiker- und Töpfergewerbe der Kammer der gewerblichen Wirtschaft Steiermark.
Schalk nahm von Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn an regelmäßig an Ausstellungen teil. Keramikarbeiten von ihr wurden unter anderem 1930 auf der österreichischen Kunstgewerbeausstellung in Stockholm ausgestellt, wo sie zu den ausgewählten Künstlern gehörte, deren Werke dem schwedischen Kronprinzen als Ehrengeschenk übergeben wurden. 1934 beschickte sie die von der Bundesregierung veranstaltete Ausstellung Österreich in London, wo ihre Werke in der Abteilung des Steiermärkischen Werkbundes gezeigt wurden. 1973 präsentierte das Österreichische Museum für Angewandte Kunst ihre Keramiken in einer Einzelausstellung.Wilma Niedermayr-Schalk: Keramiken. Ausstellungskatalog. Österreichisches Museum für Angewandte Kunst, Altes Haus, 25. Oktober – 25. November 1973, Wien 1973.
Schalk wurde mit der goldenen Staatsmedaille (1935) sowie Medaillen der Städte Graz (1930 Silbermedaille,Geschichte. In: vbk.mur.at. Abgerufen am 1. November 2022. 1979 Ehrenmedaille) und Salzburg (1936) ausgezeichnet. Außerdem erhielt sie das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark.Schalk-Niedermayer, Wilhelmine. In: Eugen Gross (Hrsg.): Die Grazer Ortweinschule: Bau – Kunst – Design, 1876–2001. Manumedia Schnider, Graz 2001, S. 211.
Wilma Schalk war mit Egon Niedermayer verheiratet, der als ordentlicher Professor an der Fakultät für Maschinenwesen der Technischen Hochschule Graz lehrte.
Werk mini|Keramikrelief Taufe in der Pfarrkirche Frauental an der Laßnitz Schalk schuf hauptsächlich Gefäßkeramik, plastische Keramik und Reliefs. Viele ihrer Werke haben einen religiösen Bezug wie u. a. Altäre, Weihwasserbecken, Kreuzwegstationen, Bildstöcke und figurale Kompositionen (z. B. Krippen, Pietà, Taufe Jesu, Christophorus). Eine Reihe ihrer Keramikreliefs sind an Gebäudewänden im öffentlichen Raum von Graz zu finden.
Charakteristisch für Schalks Stil sind das Anstreben von klaren Kompositionen und Ausdrucksstärke, die Verwendung allgemein bekannter Symbole und eine volkstümliche Formensprache.Bruno Binder: Vilma Schalk und ihre religiöse Keramik. In: Die Christliche Kunst: Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft. Band 33. Gesellschaft für christliche Kunst Kunstverlag, 1936, S. 201. Häufig rezipiert wird die Qualität ihrer Glasurarbeiten und die damit verbundene, starke farbliche Wirkung. In der Gefäßkeramik experimentierte sie mit Reduktionsglasur.
Zu ihrem Gesamtwerk gehören auch Wandmalereien und Aquarelle.
Kunst im öffentlichen Raum von Graz (Auswahl) mini|Keramikrelief Früchte des Feldes an einem Wohnhaus in Graz Spielende Kinder, 1957, Keramikrelief, Josef-Pock-Straße 28 Kreuzwegbilder, 1958, Emailarbeit, Kirche der Frauen vom Guten Hirten St. Florian, 1960, Keramikrelief, Rechbauerstraße 54 Früchte des Feldes, 1961, Keramikrelief, Eggenberger Gürtel 36 Werke des Bürgermeisters Vinzenz Muchitsch, 1962, Keramikrelief, Weißenhofgasse 29 Bahnhof, 1963, Keramikrelief, Bahnhofgürtel 65 Und sie fanden eine neue Heimat, 1964, Keramikrelief, Häuser der Heimatvertriebenen, Hilmgasse 9–11 Idlhof, 1966, Mosaik, Idlhofgasse 36 Kindergarten, 1966, in Kupfer gefasstes Hauszeichen, Kindergarten Mariengasse 13 Duo (Der Komponist und Geiger Plüddemann), 1967, Keramikrelief, Plüddemanngasse 50 Mariahilf-Gnadenbild (nach Pietro de Pomis), 1969, Silikatmalerei, Raubergasse 5 Zwergenviertel, 1969, Keramikrelief, Zwerggasse 22 Janus, 1969, Janus-Apotheke, Keramikrelief, Wiener Straße 215 Samariterinnen, 1969, Drogerie, Keramikrelief, Wiener Straße 217
Sonstige Werke (Auswahl) Blumenübertopf mit Durchbruchsarbeit Anna selbdritt, Aufnahme in die Privatgalerie der königlichen Familie in Stockholm Maria Verkündigung, Freiplastik, 1930 ausgezeichnet mit Medaille der Stadt Graz Mater amabilis (Madonna mit dem Kinde), glasierte keramische Plastik, Silberkronen von Goldschmiedin Barbara Einspinner, 1934 oder früher Begegnung, Plastik, Keramik, 1977 ausgestellt in der Galerie Dida, GrazAlte und Moderne Kunst XXII. Heft 152, 1977, S. 40, 43 (Digitalisat, Bild). glasierte Keramikplatte, Archiv Landesmuseum Joanneum Christkönig und Taufe, Keramikreliefs, 1956, signiert und datiert, Pfarrkirche Frauental an der Laßnitz
Ausstellungen (Auswahl) 1928: Kunstschau anlässlich 800 Jahre Graz 1928, 1930, 1933: Jahresausstellung der Genossenschaft bildender Künstler Steiermarks 1929, 1932: Jahresausstellung der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs 1930: Österreichische Kunstgewerbeausstellung in Stockholm 1931: Galerie für christliche Kunst, Salzburg 1932: Herbstausstellung Wiener Künstlerhaus 1933: Die schöne Wand, Wiener Frauenkunst 1934: Österreichische Ausstellung „Austria in London“, Dorland Hall, London 1936: Jahresausstellung Salzburger Kunstverein 1948: Künstlerbund Graz 1970: Einzelausstellung im Joanneum Ecksaal, Graz 1973: Wilma Niedermayr-Schalk: Keramiken, Österreichisches Museum für Angewandte Kunst 1981: Einzelausstellung Galerie Moser, Graz
Literatur Schalk-Niedermayer, Wilhelmine. In: Eugen Gross (Hrsg.): Die Grazer Ortweinschule: Bau – Kunst – Design, 1876–2001. Manumedia Schnider, Graz 2001, ISBN 3-902020-12-1, S. 210–211. Leopold Netopil: Wilma Niedermayr-Schalk. (mit Foto der Künstlerin) In: Alte und Moderne Kunst. Band XXVII. Heft 182, 1982, S. 39 (online). Wilma Niedermayr-Schalk: Keramiken. Ausstellungskatalog. Österreichisches Museum für Angewandte Kunst, Altes Haus, 25. Oktober – 25. November 1973, Wien 1973.
Niedermayr-Schalk, Wilma. In: Kurt Reichl: Lexikon der Persönlichkeiten und Unternehmungen : Steiermark. Leykam-Verlag, Graz 1955. Bruno Binder: Vilma Schalk und ihre religiöse Keramik. In: Die Christliche Kunst: Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft. Band 33. Gesellschaft für christliche Kunst Kunstverlag, 1936, S. 200f.
Weblinks
Werke von Wilma Niedermayr-Schalk bei Offsite Graz: Kunst im öffentlichen Raum
Einzelnachweise
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