mini|Philip Paul Bliss Philip Paul Bliss (* 9. Juli 1838 im Dorf Rome, Clearfield County, Pennsylvania; † 29. Dezember 1876 in Ashtabula, Ohio) war einer der bekanntesten US-amerikanischen Komponisten von Sonntagsschulliedern und Erweckungsliedern in den USA im 19. Jahrhundert. Er war auch Musiklehrer, Solosänger mit einer Bass-Baritonstimme und verfasste eigene Liedertexte, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden und weltweit gesungen werden.Jacob Henry Hall: Philip P. Bliss, 9 July 1838–29 December 1876, Website hymnologyarchive.com (2018–2025, amerikanisches Englisch, abgerufen am 17. Januar 2026)
Leben Philip Paul Bliss wurde im Dorf Rome im Clearfield County in ein armes, christliches Elternhaus hineingeboren. Sein Vater war Isaac Bliss, seine Mutter hieß Lydia Doolittle, und er hatte eine Schwester namens Mary E. B. Willson. Als er sechs Jahre alt war, zogen sie nach Kinsman in Ohio, drei Jahre später kehrten sie nach Pennsylvania zurück und ließen sich zuerst in Espyville und ein Jahr später in Tioga City nieder. Er besuchte eine einfache Dorfschule. Von seinem Vater lernte er das tägliche Gebet und die Liebe zur Musik. Als Familie betrieben sie Landwirtschaft und besuchten eine Methodistenkirche.Jacob Henry Hall: Philip P. Bliss, 9 July 1838–29 December 1876, Website hymnologyarchive.com (2018–2025, amerikanisches Englisch, abgerufen am 17. Januar 2026)
Ab 1849, mit elf Jahren, begann er, für sich selbst zu sorgen. Weil er einen kräftigen Körperbau hatte, arbeitete er fünf Jahre als Holzfäller und verdiente auf Sägemühlen seinen Unterhalt. 1850, mit zwölf Jahren, bekannte er sich in der Baptistenkirche von Cherry Flats, Pennsylvania, zum christlichen Glauben. Seine Musikalität, seine schöne Stimme und seine Freude an der Musik zeigten sich bald.Ed Reese: The Life and Ministry of Philip Bliss, Website wholesomewords.org (1996–2025, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025) 1855 arbeitete er im Sommer auf einer Farm, im Winter besuchte er in East Troy eine Musikschule.Jacob Henry Hall: Philip P. Bliss, 9 July 1838–29 December 1876, Website hymnologyarchive.com (2018–2025, amerikanisches Englisch, abgerufen am 17. Januar 2026) 1856 wurde er Musiklehrer in Hartsville, New York, und ein Jahr später, als er 19 Jahre alt war, erhielt er musikalischen Unterricht u. a. an der Musikschule J. G. Towners in Towanda, Pennsylvania; 1860 besuchte er einen sechswöchigen Kurs an der Normal Academy of Music of New York in Geneso, die 1853 von George Frederick Root, William Batchelder Bradbury und Lowell Mason gegründet wurde und erstmals in den USA Musiklehrer ausgebildet hatte.Daniel Chapman: Philip Bliss − From Humble Beginnings to Musical Mastery, Website hymndex.com (2024, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025)
Bliss begann, an methodistischen Camp Meetings und anderen Erweckungsveranstaltungen (englisch: Revivals) teilzunehmen und arbeitete als zu Pferd reisender Musiklehrer. 1864 gab Bliss Musikunterricht in Chicago und machte so engere Bekanntschaft mit den führenden Evangelisten sowie Dichtern und Komponisten von Kirchenliedern der US-amerikanischen Erweckungsbewegung seiner Zeit wie etwa George Frederick Root und William Batchelder Bradbury, die ihn zu weiteren Kompositionen ermutigten und förderten. 1865 begann er für das Musikhaus Root & Cady in Chicago zu arbeiten, das nun seine Kompositionen zu publizieren begann. 1870 wurde Bliss Chorleiter und Sonntagsschulsuperintendent an der First Congregational Church, der Hauptkirche der Kongregationalisten in Chicago. Er war an der Organisation zahlreicher musikalischer Zusammenkünfte im Nordwesten der USA beteiligt.Philip Paul Bliss (1838-1876), Library of Congress, Website loc.gov (amerikanisches Englisch, abgerufen am 18. Januar 2026)
Auf Veranlassung des Evangelisten Dwight Lyman Moody trat Bliss in die Evangelisationsarbeit ein. Das Angebot einer verbindlichen musikalischen Zusammenarbeit mit Moody lehnte Bliss allerdings 1869 ab, und Moody wählte daraufhin Ira David Sankey als seinen musikalischen Partner. Bliss verband sich stattdessen 1874 mit dem Prediger Major Daniel Webster Whittle. Als dessen music director leitete er die musikalischen Darbietungen bei den Evangelisationsveranstaltungen und sang Sologesänge. Mit seiner Bass-Baritonstimme trat er an 25 Evangelisationskampagnen in Illinois, Wisconsin, Pennsylvania, Kentucky, Minnesota, Mississippi, Alabama und Georgia auf.
Kurz vor seinem Tod, am 24. November 1876, trat er in der Farwell-Halle von Moody in Chicago auf, als über 1000 Prediger anwesend waren. Er sang das berühmte Lied Are Your Windows Open Toward Jerusalem (deutsch: Seht, wie Daniel in Babel betet) und das soeben komponierte Lied It is Well with My Soul (Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt), das der Anwalt Horatio Gates Spafford nach dem Tod von fünf seiner Kinder aufgeschrieben hatte.Info über und 63 Lieder von Philip Paul Bliss, Website evangeliums.net (abgerufen am 18. Januar 2026)
Nach den Weihnachtsferien 1876 in Towanda und Rome in Pennsylvania bei seiner Schwester und seiner Mutter hatte Bliss vorgesehen, ohne seine Kinder, jedoch mit seiner Frau nach Chicago zu reisen, um im Januar 1877 mit Moody zusammenzuarbeiten. Am 29. Dezember 1876 kamen er und seine Frau beim Eisenbahnunfall von Ashtabula mit dem Pacific Express ums Leben, als die zweite Lokomotive mit den folgenden Personenwagen durch einen Brückeneinsturz ins eiskalte Wasser einer 21 Meter tiefen Schlucht fiel. Dabei starben offiziell 92 Menschen, inoffiziell waren es 145 von 159 Passagieren. Er wurde auf dem Chestnut Grove Cemetery in Ashtabula, Ohio, beigesetzt, obwohl die Leichen von ihm und seiner Frau nie gefunden werden konnten.Daniel Chapman: Philip Bliss − From Humble Beginnings to Musical Mastery, Website hymndex.com (2024, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025)Philip Paul Bliss, 1838–1876, Website hymntime.com (1996–2025, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025)Ed Reese: The Life and Ministry of Philip Bliss, Website wholesomewords.org (1996–2025, amerikanisches Englisch, abgerufen am 18. Januar 2026)
Familie Bliss heiratete am 1. Juni 1859 Lucy Jane Young, die aus einer musikalischen Familie stammte, und sie hatten zusammen die Söhne Philip Paul Bliss, Jr. (1872–1933) und George Goodwin Bliss (1874–1933). Sie besuchten gemeinsam eine presbyterianische Kirche, aus der Lucy stammte, und sangen gemeinsam in deren Gottesdiensten.Daniel Chapman: Philip Bliss − From Humble Beginnings to Musical Mastery, Website hymndex.com (2024, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025)
Museum Im Wohnhaus von Bliss in Rome, Pennsylvania, wo er vor seinem Umzug nach Chicago lebte, wurde ein Museum eingerichtet. Es enthält Dokumente seiner komponierten und publizierten Musik, Informationen zur Familie und weiterer Liederdichter wie James McGranahan und D. B. Towner, die auch in diesem Dorf gelebt hatten.About P.P. Bliss And the Museum, The Philip P. Bliss Gospels Songwriter Museum, Rome, Pennsylvania, Website ppbmuseum.org (amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025)
Werk Seine Lieddichtungen und Kompositionen stellte Bliss ab 1864 in sieben Liedersammlungen zusammen. Sie wurden danach teilweise in Arabisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Esperanto, Französisch, Hawaiianisch, Malagassisch, Malaisch, Norwegisch, Oromo, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Singhalesisch, Spanisch, Suaheli, Tagalog, Tamilisch und Ungarisch übersetzt.P. P. Bliss, The Hymn Society, Website hymnary.org (398 englische Titel und Übersetzungen in mehrere Sprachen, abgerufen am 18. Januar 2026) In Gesangbüchern in Deutschland sind sie bis ins 21. Jahrhundert präsent. Neben der Komposition der geistlichen Lieder dichtete Bliss auch eigene geistliche Texte als Kompositionsvorlagen.
Folgende Dichtungen und Vertonungen stammen von Bliss:Info über und 63 Lieder von Philip Paul Bliss, Website evangeliums.net (abgerufen am 18. Januar 2026)P. P. Bliss, The Hymn Society, Website hymnary.org (398 englische Titel und Übersetzungen in mehrere Sprachen, abgerufen am 18. Januar 2026)47 Lieder von Philip Paul Bliss, Website liederindex.de (2025, abgerufen am 18. Januar 2026) Almost persuaded (now to believe… Christ to receive), 1871; deutsch von Ernst Heinrich Gebhardt: Beinah bekehret, es fehlt nicht viel oder Ew’ges Erbarmen, wie klingt’s so süß, in 16 deutschen Liederbüchern enthalten. At the feet of Jesus, listening to His word, 1876; deutsch 1880 von Theodor Kübler: Zu des Heilands Füßen, in 11 deutschen Liederbüchern enthalten. Brightly beams our Father's mercy, 1874; deutsch 1900 von Anna Thekla von Weling: Leuchtend strahlt des Vaters Gnade, Lasst die Küstenfeuer brennen oder Herrlich strahlt des Meisters Gnade, in 28 deutschen Liederbüchern enthalten. Dare to Be a Daniel oder Standing by a purpose true, 1873; deutsch von Theodor Kübler und Johanna Meyer: Fest und treu wie Daniel war, in 19 deutschen Liederbüchern enthalten. Free from the law, O happy condition; deutsch von Ernst Heinrich Gebhardt: Frei vom Gesetz, o glückliches Leben, in 4 deutschen Liederbüchern enthalten. Hallelujah 'Tis Done! 1876; deutsch von Walter Rauschenbusch: Gott verheißt dir im Worte, N° 691 in: Geistlicher Liederschatz (2000). Have you on the Lord believed? 1873; deutsch von Ernst Heinrich Gebhardt: Glaubest du an Gott den Herrn?, N° 430 in: Geistlicher Liederschatz (2000) und N° 478 in: Liederbuch Band 1 (2016). Hold the Fort, 1870. Jesus Loves Even Me, 1870. Let the Lower Lights Be Burning, 1875. Man of sorrows, what a name, 1875. Sing Them over again to me, Wonderful words of life, 1874; deutsch von Ernst Heinrich Gebhardt: Schalle wieder im höhern Chor, Titel: Das herrliche Gotteswort, N° 62 in Sonntagsschulharfe. Standing by a purpose true, 1873; deutsch von Theodor Kübler: Sieh wie einst im fremden Land, in 8 deutschen Liederbüchern enthalten. The Light of the World Is Jesus, 1875. Up with the hands to Jesus; deutsch von Theodor Kübler: Auf zu dem Herrn heb die Hände, N° 579 in: Geistlicher Liederschatz (2000) und N° 494 in: Liederbuch Band 1 (2016). Whosoever Heareth shout, shout the sound!, 1870; deutsch von Walter Rauschenbusch: Wer da will, der komme, in 4 deutschen Liederbüchern enthalten. Will You Meet Me at the Fountain, 1874; deutsch 1880 von Ernst Heinrich Gebhardt: Treff ich dich wohl bei der Quelle, in 9 deutschen Liederbüchern enthalten. Windows open toward Jerusalem, 1873; deutsch 1880 von Ernst Heinrich Gebhardt: Seht, wie Daniel in Babel betet oder Ist dein Fenster offen gen Jerusalem, in 4 deutschen Liederbüchern enthalten. Wonderful Words of Life, 1874, N° 130 in: Great Hymns Treasury (1997) 55 Hymns of Faith.
Nur den Text geschrieben hat er zum Lied: I will sing of my Redeemer, 1876, vertont von James McGranahan; deutsch: Ich will von meinem Jesus singen; in 331 Publikationen enthalten.David Cloud: Hymns - Philip Bliss, Website wayoflife.org (19. Dezember 2023, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025)
Die folgenden Texte anderer Dichter hat Bliss vertont:Ed Reese: The Life and Ministry of Philip Bliss, Website wholesomewords.org (1996–2025, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025) Go, Bury Thy Sorrow, Text von Mary A. Bachelor-Bullock 1874; deutsch 1875 von Ernst Heinrich Gebhardt: Geh, trockne die Tränen, in 10 deutschen Liederbüchern enthalten. Hallelujah! What a savior! 1875. How is that for a starter! I Gave My Life for Thee, Text von Frances Havergal.David Cloud: Hymns - Philip Bliss, Website wayoflife.org (19. Dezember 2023, amerikanisches Englisch, abgerufen am 25. Juni 2025) It Is Well with My Soul (When Peace like a River Attendeth My Way), 1876; Text von Horatio Gates Spafford, deutsch 1880 von Theodor Kübler als Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt, in 48 Liederbücher enthalten.