Der C3i Bay 02 war ein Durchgangswagen mit Mittelgang, der mit der Blatt-Nr. 172gemäß Wagenbestandliste von 1913 für die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen zum Einsatz im Vorortverkehr gebaut wurde. Er führte nur die 3. Klasse.
Beschaffung Um die Jahrhundertwende 1900 wuchsen die Anforderungen bezüglich des Transports der Arbeiterschaft im Umfeld der industriellen Großstädte. Um dem gerecht zu werden, beschafften die K.Bay.Sts.B. zwischen 1898 und 1902 insgesamt 116 Wagen der Gattungen C3i für den Vorortverkehr. Unter der Blatt-Nummern 172 wurden so 1902 insgesamt 10 Wagen bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg beschafft. Da sie für den Vorortverkehr bestimmt waren, hatten die Wagen in der Auslieferversion keine Aborte.
Verbleib Ein Wagen mussten 1919 als Reparationsleistung nach Belgien oder Frankreich abgegeben werden. Ein weiterer Wagen wurde bis 1940 ausgemustert.Alto Wagner, Bayerische Reisezugwagen, Seite 108 Der Verbleib von drei Wagen konnte nach dem Kriegsende 1945 nicht mehr geklärt werden und ein Wagen wurde als Altschadwagen 1947 abgestellt. Die restlichen Wagen kamen noch zur DB und wurden dort bis 1962 ausgemustert.
Konstruktive Merkmale Untergestell Das Untergestell war komplett aus Walzprofilen zusammengenietet. Die äußeren Längsträger hatten eine Doppel-T-Form mit einer Höhe von 2356 mm. Die Pufferbohlen waren komplett aus Walzprofilen aufgebaut. Als Zugeinrichtung hatten die Wagen Schraubenkupplungen mit Sicherheitshaken nach VDEV, die Zugstange war durchgehend und mittig gefedert. Als Stoßeinrichtung besaßen die Wagen vierfach geschlitzte Stangenpuffer mit einer Einbaulänge von 612 mm, die Pufferteller hatten einen Durchmesser von 370 mm. Die Puffer wurden in den 1930er Jahren gegen Hülsenpuffer der Regelbauart ausgetauscht, wodurch sich auch die LüP änderte.
Laufwerk Die mittlere Achse war seitlich verschiebbar. Die Endachsen waren Vereinslenkachsen. Der Gesamtradstand betrug 9.250 mm, der Einzelachsabstand 4.625 mm. Die Speichenräder der bayerischen Form 39 hatten einen Durchmesser von 990 mm. Gelagert waren die Achsen in Gleitachslagern. Die Tragfedern hatten eine Länge von 2000 mm. Bei den Mittelachsen bestanden sie aus 9 Blättern mit den Maßen 96 mm × 13 mm, bei den Endachsen aus 11 Blättern der gleichen Dimension.
Die Spindelhandbremsen befanden sich auf der offenen Übergangsplattform an einem Wagenende. Diese waren anfänglich mit halbhohen Türen versehen, welche ab 1903 durch sogenannte Dixi-Gitter ersetzt wurden. Alle Wagen waren mit Druckluftbremsen des Typs Westinghouse ausgestattet.
Wagenkasten Das Wagenkastengerippe bestand aus einem hölzernen Ständerwerk. Es war außen mit Blech und innen mit Holz verkleidet. Die Seitenwände waren glatt und bis zu den äußeren Längsträger heruntergezogen, die Blechstöße waren durch halbrunde Leisten abgedeckt. Die Wagen besaßen ein flaches Dach der bayerischen Bauart. Der Innenraum war in insgesamt sieben gleichgroße Abteile aufgeteilt. Das Abteil an dem Bremser-Wagenende wurde als Traglastabteil mit hochklappbaren Sitzbänken ausgestattet. Klassenspezifisch waren die Abteile mit Holzlattensitzen ausgestattet. Im Gegensatz zum Vorläufertyp C3i Bay 99 wurden die dort vorhandenen schmalen Doppelfenster gegen breite Einzelfenster getauscht. Analog zur Fensterteilung war auch die Außenhaut des Wagens gestaltet.
Ausstattung Bis zum Jahr 1930 wurden die Wagen mit einem Abort ausgerüstet. Dafür nutzte man einen Teil des Traglastabteils bzw. des Abteils am Bremserwagenende. Durch den Einbau der Aborte verringerte sich die Zahl der Sitzplätze um vier Stück. Zur Beheizung verfügten die Wagen über eine Dampfheizung. Die Belüftung erfolgte über Dachlüfter bzw. über die versenkbaren Fenster.
Die Beleuchtung der Wagen erfolgte durch insgesamt vier Gaslampen. Die zwei Vorratsbehälter hingen in Wagenlängsrichtung am Rahmen. Ab den 1930er Jahren erfolgte eine Umrüstung auf elektrische Beleuchtung.
Skizzen, Musterblätter, Fotos
Wagennummern Die Daten sind den Wagenpark-Verzeichnissen der Kgl. Bayer. Staatseisenbahnen entnommen (siehe Literaturliste) sowie den Büchern von Emil Konrad (Reisezugwagen der deutschen Länderbahnen, Band II) und Alto Wagner (Bayerische Reisezugwagen).
Personenwagen Blatt-Nr.Herstelld. Gattungszeichen je EpocheWagennummern je Epoche Fahrwerk / Ausstattung (siehe jeweilige Legende)Zusatzinfos Bau-jahr Her-steller An-zahl ab1876 ab1907 Rep.(1919) DR(ab 1923) DRG(ab 1930) DRGn. Umbau Ausge-mustert letzt.Heimat-Bf. Anz.Ach-sen LüP(mm) Unt.Gest. LA. Brem-sen Bl. Hz. Art u.Anz. Abteile (Sitze je Klasse) Mil. BemerkungBlatt-Nr. aus WV vonGattung 1471903Ci 1721913C3i C3i Bay 02 C3i Bay 02(siehe jeweilige Legende) A 1. 2. 3. 4. S. O Mein Abteil als Traglastabteil 1902MAN109 4969 49650 049 Wür90 213 Wür09/55Gerolzhofen213.574EVPlWsbrGglD(1)7(69)20559 4979 49750 050 Wür90 214 Nürxx/45?Gerolzhofen9 4989 498X11/199 4999 49950 052 Wür90 215 Nür04/58Schweinfurt9 5009 50050 052 Wür90 216 Nür08/47NürnbergAltschadwagen9 5019 50150 053 Wür90 217 Nürxx/45?Gerolzhofen9 5029 50250 054 Wür90 218 Nür08/57Schweinfurt9 5039 50350 055 Wür90 219 Nürxx/45?Aschaffenburg9 5049 50450 056 Wür90 220 Nür05/62Forchheim9 5059 50550 057 Wür90 221 Nürxx/40Würzburg
Literatur
Weblinks Digitalisat des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Blatt 172 aus dem Wagenstandsverzeichnis von 1913
Einzelnachweise
Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Staatseisenbahnen) Kategorie:Schienenfahrzeug (MAN)