mini|Statue des Dareios I. mit Positionen der Keilschriften und ägyptischen Texte mini|An der Front das Symbol sma-taouy mit dem Text 4 und die Seitenansicht mit den Völkern des Irans und vom Norden mit dem Text 5 mini|Die beiden Reihen der Völker zusammengestellt. Links oben die Perser, rechts unten die Babylonier mini|Gezeichnete Darstellung der 24 Völker DSab und DSeg sind die Bezeichnungen mehrerer Inschriften von Dareios I. (D). Sie wurden in Susa (S) entdeckt. Der keilschriftliche Text wurde von der Wissenschaft mit einem Index (ab) und die hieroglyphischen Texte mit einem Zusatz (eg) und einer Nummer (1–5) versehen. Die Inschriften liegen in altpersischer, elamischer, babylonischer und ägyptischer Sprache vor. Sie sind auf der Statue des Dareios I. angebracht.

Beschreibung Auf der Statue des Dareios I. befinden sich mehrere Inschriften. Die Falten der persischen Robe bilden auf der Vorderseite jeder Körperhälfte vier Falten. Die vier Falten auf der rechten Körperhälfte tragen die Keilschrifttexte in altpersischer, elamischer und babylonischer Sprache (DSab), während auf den Falten der linken Körperhälfte der längste der fünf ägyptischen Texte angebracht ist (DSeg2).Siglen für ägyptische Inschriften nach Melanie Wasmuth: Ägypto-persische Herrscher– und Herrschaftspräsentation in der Achämenidenzeit (=Oriens et Occident. Band 27). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11693-0, S. 100. Auf den Laschen des Gürtels befindet sich in ägyptischen Hieroglyphen der Name des Königs (DSeg1). Der Sockel, auf dem die Statue steht, ist auf allen Seiten mit Bildern verziert, die zum pharaonischen Repertoire gehören oder von diesem adaptiert wurden. Vor dem rechten Fuß ist auf der Oberfläche des Sockels eine weitere Inschrift angebracht (DSeg3). Auf der Vorder-, beziehungsweise auf der Rückseite des Sockels befinden sich Darstellungen von den Genien, die Ober- und Unterägypten verkörpern. Links und rechts von ihnen ist eine weitere Inschrift zu sehen (DSeg4). Auf beiden Seiten des Sockels werden 24 Völker des Reichs aufgezählt (DSeg5). Die knienden Figuren, welche die Völker darstellen, unterscheiden sich in Kleidung, ihrer Haartracht und ihrem Gesicht. Die Völker des Irans und vom Norden sind auf der linken Seite und die Völker des Westens und des Südens befinden sich auf der rechten Seite. Der Zustand aller Inschriften ist sehr gut.Yoyotte 2010, S. 261 und 263.

Inhalt Keilschriftliche Inschrift DSab

Die altpersischen Zeichen sind auf den ersten beiden Falten in zwei Gruppen von unterschiedlicher Zeilenlänge verteilt, während der elamische und babylonische Text auf den beiden anderen Falten in zwei Linien verlaufen.Francois Vallat: La triple inscription cunéiforme de la statue de Darius Ier (DSab) (=Revue d’assyriologie et d’archéologie orientale. Band 68, Nr. 2). Paris 1974, S. 157.

Ägyptische Inschriften DSeg1 Auf der linken Lasche des Gürtels (vom Beobachter aus gesehen), DSeg1a, liest man:

Auf der rechten Lasche des Gürtels (vom Beobachter aus gesehen), DSeg1b, liest man:

DSeg2

Die Inschrift ist die theologische Lobpreisung von Dareios I. Die Kumulierung der zentralen Allmacht des Persers und der nicht minder zentralen Funktion des Sohnes von Re-Atum durch ein und dieselbe Person wird in einer in traditionellem Ägyptisch verfassten Lobpreisung bekräftigt. Mit mythologischen Anspielungen auf Re's Siege über die Chaosmächte bei der Entstehung der Welt erinnert die Inschrift an die Vorsehung, die angeborenen Tugenden und die triumphale Berufung des Monarchen, Gottes Vertreter auf Erden. In ihrer poetischen Struktur und ihrem Vokabular könnte diese klassische Komposition dazu dienen, jeden König Ägyptens zu verherrlichen, wenn die Titulatur, die als Epilog fungiert, nicht darauf hinweisen würde, dass der König von Ober- und Unterägypten Dareios I. ist.Yoyotte 2010, S. 278.

DSeg3 Auf der Oberfläche des Sockels, vor dem rechten Fuß, liest man in fünf Kolonnen die Widmung:

DSeg4 Discours: Je te donne toute vie et toute force Toute stabilité, toute santé et toute joie Je te donne tous les pays de plaine Et tous les pays de montagnes réunis sous Tes sandales Je te donne la Haute et la Basse Égypte Qui adressent des adorations à ton beau visage Comme à celui de Rê, éternellement.

Rede: Ich gebe Dir alles Leben und alle Kraft Alle Beständigkeit, alle Gesundheit und alle Freude Ich gebe Dir alle Länder in den Ebenen und alle Länder der Berge vereint unter Deinen Sandalen Ich gebe Dir Ober- und Unterägypten Die dein schönes Antlitz anbeten. Wie das von Re, ewiglich. Yoyotte 2010, S. 283, mit eigener Übersetzung

Auf der Vorder- und Rückseite des Sockels ist das Symbol für die Vereinigung von Ober- und Unterägypten dargestellt (sma-taouy). Links und rechts des Symbols ist die Inschrift DSeg4 angebracht. Die Einheit und Sicherheit Ägyptens wurden üblicherweise auf den Basen der königlichen Statuen durch traditionelle Bilder symbolisiert. Die Vereinigung der zwei Erden mit dem Symbol sma-taouy wird durch zwei Genien dargestellt, die kräftig einen Strick um das hieroglyphische Zeichen verknoten, das das Verb „zusammenbringen“ (sm3) darstellt. Die Stängel der zwei symmetrischer Pflanzen sind die Symbole für Ober-, bez. Unterägypten: auf der einen Seite der Papyrus, das Symbol Unterägyptens, auf der anderen die Erdmandel, das Symbol Oberägyptens.Yoyotte 2010, S. 282.

DSeg5 Auf den Längsseiten des Sockels sind 24 Völker in Bild und Schrift dargestellt. Auf der linken Seite der Statue, von vorne nach hinten, sind folgende Völker abgebildet: 1. Perser, 2. Meder, 3. Elamer, 4. Areier, 5. Parther, 6. Baktrier, 7. Sogder, 8. Arachosier, 9. Drangianer, 10. Choresmier, 12. Saken. Auf der gegenüberliegenden Seite der Statue, von vorne nach hinten, sind die restlichen Völker abgebildet: 13. Babylonier, 14. Armenier, 15. Lyder, 16. Kappadokier, 17. Skuder, 18. Assyrer, 19. Araber, 20. Ägypter, 21. Libyer, 22. Nubier, 23. Maker, 24. Inder.Yoyotte 2010, S. 287–296, Darstellung beider Reihen S 260–261.

In der Geschichte der ägyptischen Kunst ist es die einzige Darstellung von fremden Völkern. Man nimmt an, dass die ägyptischen Graphiker die Eigenheiten der Völker in den Gesichtern, Frisuren und Kleidern von den Monumenten in Susa und Persepolis kopiert haben.Yoyotte 2010, S. 286.

Literatur François Vallat: Les textes cunéiformes de la statue de Darius. In: Cahiers de la Délégation Archéologique Française en Iran. Band 4, 1974, S. 161–170 und Abbildungen 25–28. François Vallat: La triple inscription cunéiforme de la statue de Darius Ier (DSab) In: Revue d’assyriologie et d’archéologie orientale. Band 68, Nr. 2, 1974, S. 157–166. (jstor.org). Manfred Mayrhofer: Supplement zur Sammlung der altpersischen Inschriften (=Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, philosophisch‐historische Klasse 338). Wien 1978, S. 15–16. Pierre Lecoq: Les inscriptions de la Perse achéménide traduit du vieux-perse, de l’élamite, du babylonien et de l’araméen. Paris 1997, S. 113 und 246. (elamit.net) Günter Schweiger: Kritische Neuedition der achaemenidischen Keilinschriften. 2 Bände. Schweiger VWT-Verlag, Taimering 1998, Band I, S. 128–129; Band II, S. 459–461. Amélie Kuhrt: The Persian Empire. A Corpus of Sources from the Achaemenid Empire. London/New York 2007, ISBN 978-0-415-43628-1, S. 477–479. Rüdiger Schmitt: Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden. Editio minor mit deutscher Übersetzung. Reichert, Wiesbaden 2009, S. 17 und 142–146. () Jean Yoyotte: La statue égyptienne de Darius. In: Jean Perrot (Hrsg.): Le palais de Darius à Suse: une résidence royale sur la route de Persépolis à Babylone. Paris 2010, S. 256–299. Melanie Wasmuth: Political Memory in the Achaemenid Empire: The Integration of Egyptian Kingship into Persian Royal Display. In: Jason M Silverman, Caroline Waerzeggers: Political Memory in and After the Persian Empire (= Ancient Near East monographs = Monografiás sobre el Antiguo Cercano Oriente. Band 13.). SBL Press, Atlanta 2015. S. 203–38 (englisch). Melanie Wasmuth: Ägypto-persische Herrscher– und Herrschaftspräsentation in der Achämenidenzeit (=Oriens et Occident. Band 27). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11693-0.

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Einzelnachweise

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