Orscha (; ; ; belarussisch inoffiziell auch ) ist eine am Dnepr (belarussisch ) gelegene Industriestadt im Nordosten von Belarus in der Wizebskaja Woblasz mit 125.347 Einwohnern, gelegen etwa 50 km westlich der Grenze zu Russland. Sie ist administratives Zentrum des Rajon Orscha.
Geschichte In der Nähe von Orscha fand die 1514 nach der Stadt benannte Schlacht zwischen Polen-Litauen und dem Großfürstentum Moskau statt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde Orscha von deutschen Truppen am 16. Juli 1941 eingenommen. Die Besatzer errichteten ein Zwangsghetto für die jüdischen Bewohner der Stadt und der Umgebung. Am 26. und 27. November 1941 wurden 1800 Menschen von einer deutschen Kommandoeinheit ermordet.
1943 begannen deutsche Truppen in Orscha mit der Errichtung eines Führerhauptquartiers mit dem Decknamen Olga. Baubeginn war am 1. Juli 1943. Das Projekt wurde nicht fertiggestellt und nie als Führerhauptquartier genutzt. Die Gegend war jedoch ein wichtiger Standort der Luftwaffe. Nach Beginn der sowjetischen Großoffensive Operation Bagration am 21. Juni 1944 gehörte Orscha zu den ersten zurückeroberten Städten, nach tagelangen Kämpfen und fast völliger Zerstörung der Stadt.
Wappen Auf dem Wappen befindet sich auf blauem Grund ein silbernes Tatzenkreuz über einem liegenden goldfarbenen Halbmond.
Verkehr mini|links|Blick auf die Fernstraße M1 Orscha ist ein Eisenbahnknotenpunkt mit Kreuzung der Haupteisenbahnstrecken Warschau – Minsk – Moskau und Sankt Petersburg – Schlobin (Homel/Kiew), wobei auch direkte Züge zwischen Sankt Petersburg und Minsk über Orscha verkehren. Eine Besonderheit dieses Eisenbahnknotens ist seine Vielzahl von planfrei verknüpften Verbindungsstrecken zwischen seinen drei Bahnhöfen.
Die Stadt liegt darüber hinaus an der Fernstraße Warschau – Minsk – Moskau, die Teil der Europastraße 30 ist. In Belarus trägt sie die Bezeichnung M 1. Diese Straße war im Deutsch-Sowjetischen Krieg als „Die Rollbahn“ bekannt. Im gleichnamigen Roman hat Heinz Konsalik den Kämpfen um Orscha ein literarisches Denkmal gesetzt.
Orscha ist der oberste Hafen, bis zu dem der Dnepr regelmäßig befahrbar ist; bei günstigem Wasser ist jedoch auch Dorogobusch erreichbar.
Söhne und Töchter der Stadt
Franciscus Kareu (1731–1802), Generaloberer der Jesuiten 1799–1802 Lasar Poljakow (1842–1914), russischer Bankier Zalman David Levontin (1856–1940), Zionist und Finanzexperte Paul Philip Levertoff (1878–1954), Theologe und Judenmissionar Gerschon Schoffmann (1880–1972), Schriftsteller Marija Chwiliwizkaja (1892–1969), Kardiologin und Hochschullehrerin Dow Hoz (1894–1940), zionistischer Gewerkschafter und Flugpionier Lew Wygotski (1896–1934), sowjetischer Psychologe Mikola Sadkowitsch (1907–1968), sowjetischer Regisseur, Drehbuchautor, Schriftsteller und Kulturfunktionär Frida Wigdorowa (1915–1965), sowjetische Journalistin und Schriftstellerin Boris Sachartschenja (1928–2005), russischer Festkörperphysiker Sergei Wakar (1928–1998), sowjetisch-belarussischer Bildhauer Uladsimir Karatkewitsch (1930–1984), Schriftsteller Georgi Mondsolewski (1934–2024), sowjetisch-belarussischer Volleyballspieler Sergei Kopljakow (* 1959), sowjetischer Schwimmer Igor Schelesowski (1963–2021), Eisschnellläufer, olympischer Medaillengewinner Larissa Korotkewitsch (* 1967), russische Diskuswerferin Sjarhej Dalidowitsch (* 1973), Skilangläufer Pawel Sewjarynez (* 1976), Journalist und politischer Aktivist Aljaksandr Kuschynski (* 1979), Radrennfahrer Tatjana Scharakowa (* 1984), Radrennfahrerin Anton Puzila (* 1987), Fußballspieler Alina Talaj (* 1989), Hürdenläuferin Aleksandr Makarenko (* 1990), Gewichtheber Stanislau Baschkou (* 1991), Radrennfahrer Witali Parachonka (* 1993), Hürdenläufer Aljaksej Chadkewitsch (* 1994), Handballspieler Wjatschaslau Saldazenka (* 1994), Handballspieler
Partnerstädte Orscha listet folgende sieben Partnerstädte auf:
StadtLandseitBălți 20px1996Bondeno 15pxSapadnoje Degunino, Moskau 15pxKrasnogwardeiski, Sankt Petersburg 15pxMińsk Mazowiecki 15pxPernik 15px2008Puschkino 15pxTelšiai 15px2009Wjasma 15px
Siehe auch Synagoge (Orscha)
Literatur Christian Zentner: Der Zweite Weltkrieg. Orsha. In: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Yad Vashem, Jerusalem 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 554 f.
Weblinks
Fotos auf Radzima.org
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Wizebskaja Woblasz Kategorie:Ort am Dnepr Kategorie:Ghetto