mini|Friedhelm Eberle (2018) Friedhelm Eberle (* 21. September 1935 in Oberhausen) ist ein deutscher Schauspieler und Schauspieldozent.

Leben Nach einer Schlosserlehre nahm Friedhelm Eberle privaten Schauspielunterricht in Oberhausen und Basel. Seinen Abschluss absolvierte er 1956 in Düsseldorf. Sein erstes Engagement führte ihn von 1957 bis 1959 nach Plauen im Vogtland. Von 1959 bis 1962 war er an den Städtischen Bühnen Erfurt engagiert. Im September 1962 wurde er Mitglied des Leipziger Schauspielhauses. Hier eroberte er sich in über 130 Bühnenfiguren in den jeweiligen Lebensabschnitten die Gunst des Publikums in wesentlichen Rollen, wofür die klassischen Figuren Tellheim (Minna von Barnhelm), Posa (Don Carlos), Egmont, Franz Moor (Die Räuber), Hamlet und schließlich Faust (I/II), Othello, Marc Anton (Julius Cäsar), König Lear und Kreon (Antigone) – beide Rollen als Gast in Saarbrücken – zu nennen sind. Daneben spielte er aber auch Rollen der Moderne: Schlomo Herzl (Mein Kampf), Mr. Jay (Goldberg-Variationen) – beides Stücke von George Tabori, weiterhin den Merlin (Parsifal) sowie Fernando Krapp in den Stücken von Tankred Dorst und den Stadthauptmann (Der Revisor) von Gogol, ebenso den Garibaldi (Die Macht der Gewohnheit) von Thomas Bernhard.

In einer eigenen Spielfassung brachte Eberle Unter dem Milchwald von Dylan Thomas auf die Bühne und lieh hier über 20 Figuren seine Stimme. Er wurde häufig beim Fernsehen u. a. als Oberleutnant bzw. Hauptmann Wolfgang Reichenbach in der Kriminalserie Polizeiruf 110 beschäftigt. Ständig wurde er auch als Synchronsprecher für den Film- und Fernsehfunk eingesetzt. Für den MDR war er als Autor, Regisseur und Sprecher tätig, wie in den Hörbildern über Franz Schubert, Albert Lortzing, Anton Bruckner und Gottfried Silbermann. Immer wieder war er mit literarischen Soloabenden mit Goethe, Schiller, E. T. A. Hoffmann, Jean Paul und insbesondere mit Werken von Thomas Bernhard unterwegs. Ebenso häufig war er im musikalischen Genre beschäftigt, wie z. B. in Die schöne Magelone, Die Geschichte vom Soldaten, Peter und der Wolf, Karneval der Tiere und anderen mehr.

1978 erarbeitete Friedhelm Eberle die Textfassung zu Peer Gynt (Ibsen/Grieg) in Zusammenarbeit mit dem Gewandhauskapellmeister Kurt Masur. Ebenso entstand in Zusammenarbeit mit Masur eine eigene Fassung von Ein Sommernachtstraum (Shakespeare) zur Musik von Mendelssohn Bartholdy (beide Arbeiten liegen als CD vor). Zusammen mit Masur erfolgten Gastspiele in München, Edinburgh, London und Boston. Zum Jahreswechsel 2006/07 trug er zusammen mit Kurt Masur und dem Israel Philharmonic Orchestra Ein Überlebender aus Warschau von Arnold Schönberg in Tel Aviv vor.

Schauspielerische Höhepunkte waren die Rollen des Geheimrats Clausen aus Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenuntergang, der Wladimir (Warten auf Godot), der Hamm (Endspiel) und der Krapp (Das letzte Band), alle drei von Samuel Beckett, und eine eigene szenische Fassung von Alte Meister von Thomas Bernhard.

Als Sprecher war Eberle zusammen mit Tom Pauls im April 2004 in der Radiosatire Marx vs. May – Winnetou und der Weltuntergang zu hören. 2006 erschien eine CD mit Erste Liebe und dem Monodrama Das letzte Band nach Samuel Beckett. Ferner liegen CD-Produktionen von Platero und ich von Juan Ramón Jiménez und Kreisleriana von E. T. A. Hoffmann vor.

In den letzten Jahren übernahm Eberle mehrfach Regietätigkeit und Aufgaben in der Oper Leipzig als Bassa Selim (Die Entführung aus dem Serail), als Komödiant (Die Liebe zu den drei Orangen), als Erzähler (Dornröschen), als Haushofmeister (Ariadne auf Naxos), als Alm-Öhi (Heidi). 1991 spielte er den Simon in einer Produktion der Leipziger Oper bei den Salzburger Festspielen in dem Stück Bianca von Caspar René Hirschfeld. Seine letzte große Arbeit war Der Theatermacher von Thomas Bernhard in einer eigenen Fassung. Bis zum Ende der Spielzeit 2007 gehörte er zum Ensemble des Schauspiels Leipzig.

Von 1965 bis 2000 war Eberle als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig tätig und wurde 1994 zum Professor berufen.

Friedhelm Eberle lebt in Leipzig und war bis zu deren Tod im Dezember 2024 mit der Kammersängerin Sigrid Kehl verheiratet.

Auszeichnungen Kunstpreis der Stadt Leipzig Nationalpreis der DDR

Filmografie (Auswahl)

Theatrografie (Auswahl) Theater Plauen 1957: Der Vogelhändler (Carl Zeller) – als von Scharrnagel 1958: Laternenfest (Hans Pfeiffer) – als Jerry 1958: Zwei Engel steigen aus (Günther Weisenborn) – als Gil 1958: Viel Lärm um nichts (William Shakespeare) – als Claudio 1959: Der gute Mensch von Sezuan (Bertolt Brecht) – als Yang Sun 1959: Der Sturm (William Shakespeare) – als Luftgeist Ariel

Städtische Bühnen Erfurt 1959: Winterschlacht (Johannes R. Becher) – als 1. Panzerleutnant 1959: Wilhelm Tell (Friedrich Schiller) – als Ulrich von Rudenz 1959: Ende gut, alles gut (William Shakespeare) – als 1. Edelmann 1960: Emilia Galotti (Gotthold Ephraim Lessing) – als Graf Appiani 1960: Wie die Wilden (Sergei Michalkow) – als Anton 1960: Die Weber (Gerhart Hauptmann) – als ein Förster 1960: Die Stärkeren (Gerhard Fabian) – als Heinz Gebhard 1961: Die Schneekönigin (Jewgenij Schwarz) – als Märchenerzähler 1961: Mädchenschwüre (Aleksander Fredro) – als Hans 1961: Irkutsker Geschichte (Alexej Arbusow) – als Sergej 1961: Die Jungfrau von Orleans (auf den Domstufen) (Friedrich Schiller) – als Lionel 1961: Leben des Galilei (Bertolt Brecht) – als Gelehrter 1961: Optimistische Tragödie (Wsewolod Wischnewski) – als zweitbester Ältester 1961: Richard III. (William Shakespeare) – als Heinrich, Graf von Richmond 1961: Und das am Heiligabend (Vratislav Blažek) – als Karl 1961: Erna räumt auf (Gabriele Zapolski) – als Jürgen Treu – (Fernsehaufführung der Städtischen Bühnen Erfurt) 1962: Klugsein schützt vor Torheit nicht (Alexander Ostrowski) – als Jegor 1962: Urfaust, Teil 1 (auf den Domstufen) (Johann Wolfgang von Goethe) – als Michael und als Handwerksbursche 1962: Weiberzwist und Liebeslist (Helmut Sakowski) – als Martin Lemke

Schauspiel Leipzig 1962: Der Schatten (Jewgeni Schwarz) – als Der Gelehrte 1964: Emilia Galotti (Gotthold Ephraim Lessing) – als Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla 1965: Die drei Musketiere (Roger Planchon) – als D’Artagnan – nach Alexandre Dumas 1969: Minna von Barnhelm (Gotthold Ephraim Lessing) – als Tellheim 1971: Hamlet (William Shakespeare) – als Hamlet 1975: Don Carlos (Friedrich Schiller) – als Marquis von Posa 1977: Das Konzert zum Sankt Ovid (Antonio Buero Vallejo) – als David – Fernsehaufführung 1978: Die Räuber (Friedrich Schiller) – als Franz Moor und als Pastor Moser 1980: Wilhelm Tell (Friedrich Schiller) – als Werner Stauffacher 1981: Faust I (Johann Wolfgang von Goethe) – als Faust 1982: Faust II (Johann Wolfgang von Goethe) – als Faust 1982: Othello, der Mohr von Venedig (William Shakespeare) – als Othello 1984: Egmont (Johann Wolfgang von Goethe) – als Egmont 1986: Julius Cäsar (William Shakespeare) – als Marcus Antonius 1988: Die Hermannsschlacht (Heinrich von Kleist) – als Hermann, Fürst der Cherusker 1988: Die Richtstatt (Tschingis Aitmatow) – als Boston 1991: Love Letters (Albert Ramsdell Gurney) – als Er (und Regie) 1991: Unter dem Milchwald (Dylan Thomas) – als Erzähler (und Regie) 1991: Mein Kampf (George Tabori) – als Schlomo Herzl 1992: Fernando Krapp hat mir diesen Brief geschrieben (Tankred Dorst) – als Fernando Krapp 1992: Der Revisor (Nikolai Gogol) – als Stadthauptmann Anton Antonowitsch Skwosnik-Dmuchanowski 1993: Die Goldberg-Variationen (George Tabori) – als Direktor Mr. Jay 1995: Volpone (Ben Jonson) – als Volpone 1996: Der Auftrag (Heiner Müller) – als Debuisson 1998: König Lear (William Shakespeare) – als König Lear 1999: Warten auf Godot (Samuel Beckett) – als Wladimir 2003: Das letzte Band (Samuel Beckett) – als Krapp 2005: Endspiel (Samuel Beckett) – als Hamm 2005: Geliebter Lügner (Jerome Kilty) – als Bernard Shaw (in Eigenregie) 2006: Vor Sonnenuntergang (Gerhart Hauptmann) – als Geheimrat Matthias Clausen

Hörspiele 1981: Peter Kramer: Der stille Teilhaber – Regie: Walter Niklaus (Kriminalhörspiel – Rundfunk der DDR)

Schriften Dem schönen Ziele zu, Passage-Verlag, Leipzig 2025, ISBN 978-3-95415-164-6

Weblinks

Friedhelm Eberle bei DEFA-Sternstunden

Einzelnachweise

Kategorie:Hochschullehrer (HMT Leipzig) Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Hörspielsprecher Kategorie:Darstellender Künstler (Leipzig) Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Mann