Haldensleben (plattdeutsch Halslä) ist die Kreisstadt des Landkreises Börde in Sachsen-Anhalt.
Geografie Die Stadt liegt klimagünstig eingebettet zwischen Magdeburger Börde, Colbitz-Letzlinger Heide und Elbaue. Durch Haldensleben hindurch fließt der Fluss Ohre, in der Nähe des Ortsteils Wedringen mündet die Beber in die Ohre. Haldensleben besitzt direkt am Mittellandkanal einen Binnenhafen. Nachbargemeinden sind Calvörde, Westheide, Niedere Börde, Hohe Börde, Altenhausen, Flechtingen und Bülstringen.
Ausdehnung des Stadtgebiets Der Ort hat seine größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung und steigt im Südwesten auf über 90 Meter Höhe an.
Stadtgliederung Die Stadt Haldensleben gliedert sich in drei Stadtteile:
Haldensleben I (früher Neuhaldensleben) Haldensleben II oder auch Althaldensleben (umgangssprachlich „Olln“) Haldensleben III
sowie in die Ortsteile Bodendorf Hundisburg Satuelle Süplingen Uthmöden Wedringen
Als Wohnplätze der Stadt sind ausgewiesen:
Geschichte mini|hochkant=0.8|Haldensleber Roland mini|Karte von Neuhaldensleben um 1750 mini|Althaldensleben um 1860
Urgeschichte Seit 2017 werden bei archäologischen Feldbegehungen auf einem Acker im westlichen Gebiet der Burg Wichmannsdorf u. a. zahlreiche braun patinierte und verwitterte Feuersteinartefakte aus dem altpaläolithischen Zeitraum, also vor mehr als 300.000 Jahren vor heute, gesammelt. Die inzwischen auf über 600 solcher Funde angewachsene Sammlung umfasst Werkstücke aus allen Phasen einer Steinbearbeitung, darunter Geräte aus Abschlägen, an denen zumeist grobe Buchten und steile Retuschen die Arbeitskanten bilden. Typologisch und technologisch ähneln sie deutlich den altpaläolithischen Funden von Wallendorf, Bilzingsleben und Schöningen (Lkr. Helmstedt). Jüngere Bearbeitungstechniken, wie sie für das Mittelpaläolithikum typisch sind, so auch bekannt aus der nur 2 km weit vom Fundort entfernten Parkkiesgrube zwischen Althaldensleben und Hundisburg, zeigt sich hier nur ansatzweise. Entgegen geologischer Kartierungen, welche die Oberfläche des Fundortes den Schmelzwassersanden der Saale-Kaltzeit vor ca. 150.000 Jahren zuweisen, ergaben O(ptisch)S(timulierte)L(umineszenz)-Untersuchungen der Sedimentschicht, aus der die Artefakte ausgepflügt werden, ein mehr als doppelt so hohes Alter von rund 400.000 Jahren vor heute. Dies datiert die Artefakte entsprechend dem Bild ihrer Bearbeitung, wie auch die gleich alten Funde von Wallendorf, Saalekreis und Bilzingsleben, in eine Warmphase am Ende der Elster-Kaltzeit, welche erstmals große Mengen nordischen Feuersteins in den mitteldeutschen Raum verfrachtete. Da nördlich der Haldensleber Breiten noch keine altpaläolithischen Spuren menschlicher Anwesenheit sicher nachgewiesen werden konnten, markiert die Fundstätte derzeit den nördlichsten Vorstoß des Urmenschen in kühlere Gefilde im Altpaläolithikum. Mit organischen Resten dieser Besiedlung, z. B. Knochen oder Holz, ist aufgrund des sauren Bodenmilieus am Fundort künftig nicht zu rechnen, sodass nur Vermutungen über die Eigentümer der Steinartefakte, die Lagerplatzreste darstellen, angestellt werden können. Hierfür kommen sowohl Homo erectus als auch Homo heidelbergensis und weitere uns eventuell noch unbekannte Vorläufer infrage.Uwe Beye, Christian Waldenheim, Thomas Weber: Neues vom ganz Alten – Paläolithische Neufunde aus dem Norden Sachsen-Anhalts. In: Susanne Friederich, Harald Meller (Hrsg.): Archäologie und Ehrenamt. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Jg. 1 (2023), S. 22–23.
In der »Historischen Quadratmeile«, einem rund 20 km² großen Wald zwischen Haldensleben und Bebertal, sind über 80 Großsteingräber erhalten, darunter die »Teufelsküche«. Deren Errichtung ist mit der Altmärkischen Tiefstichkeramik zu verbinden, einem Regionalstil der Trichterbecherkeramik. Ab ca. 3500/3300 v. Chr. erbaute man aus Findlingen Gräber, deren Kammern für die Beisetzung der Toten aus Tragsteinpaaren mit Decksteinen und einem Gang bestanden. Ein Hügel, der von einer rechteckigen Umfassung aus Findlingen eingehegt wurde, überdeckte die Kammer. Die längsten erhaltenen Umfassungen messen 54 m. Feuersteingeräte, Knochen und Keramikscherben stammen aus dem Bereich des Ganges, der Kammer sowie aus der Hügelschüttung innerhalb der Umfassungssteine. Eine zeitgleiche Siedlung der Bestattenden wurde 1977 beim Bau eines Stadtviertels am Südwestrand von Neuhaldensleben (»Probsthorn«) entdeckt. Weitere Siedlungen befanden sich nordöstlich von Haldensleben (»Rosmarienbreite« und »Fuchsberg«).Götz Alper, Barbara Fritsch: Haldensleben-Hundisburg: Siedlungsgeschichtlicher Überblick, in: Archäologie in Sachsen-Anhalt · Sonderband 16 · 2012
Erstnennung, Alt- und Neuhaldensleben Fundstücke belegen die Besiedlung des Haldensleber Raumes in der Völkerwanderungszeit bis in die Karolingerzeit. Er geriet nach dem Untergang des Thüringerreiches 531 unter sächsischen Einfluss. Durch die Ausdehnung des Frankenreiches findet die Region Eingang in Chroniken: 780 verhandelte Karl der Große an der Ohre-Mündung in die Elbe, im Bereich des heutigen Wolmirstedt mit Slawen und Sachsen. 784 machte er während des Feldzuges von der Elbe nach Schöningen in Steinfurt Station. Jenes 2000 Meter westlich von Neuhaldensleben gelegene, später wüst gefallene Steinfurt an der Ohre ist der älteste im Frühmittelalter namentlich genannte Ort im nördlichen Sachsen-Anhalt: Magdeburg wurde erstmals 805 erwähnt. Die frühe Nennung der Orte an der unteren Ohre in den »Fränkischen Reichsannalen« belegt die Bedeutung der Region am Nordostrand des Frankenreichs. In Bezug zur Grenzsituation steht die früheste schriftliche Erwähnung Haldenslebens. Das erstmals 966 genannte »Hahaldeslevo« taucht als Hauptort eines Burgwardes in einer Urkunde auf, in der Kaiser Otto I. einen gewissen Mamaco mit der Grafschaft Haldensleben belehnt. Die Burgen Althaldensleben und Niendorf wurden 1167 zerstört.
Neuhaldensleben war eine Kaufmannssiedlung der Burgwartfeste Althaldensleben im Nordthüringgau, der man 1150 die Marktrechte verlieh. Die Stadt wurde 1181 nach langer Belagerung durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg zerstört, nachdem Angreifer die Ohre gestaut und damit die Stadt überflutet hatten.Arnold von Lübeck: Slavenchronik II, S. 11 Seit 1215 gehörte Haldensleben zum Erzstift Magdeburg.
Für das nordwestlich Hundisburgs gelegene Wichmannsdorf ist im 13. Jahrhundert eine Komturei des Templerordens belegt. Auch diese Niederungsburg wurde, wie Steinfurt und das castrum niendorp (Niendorf) sowie Nordhusen bei Hundisburg im Zuge der Krisen des Spätmittelalters aufgegeben.
1223 begann der Wiederaufbau der Stadt Neuhaldensleben. In Althaldensleben wurde 1228 das Zisterzienserinnenkloster Althaldensleben gegründet, eine Stiftung durch Erzbischof Albrecht I. 1277 kam es in Neuhaldensleben zur Bildung des ersten Stadtrates. 1526 wurden die Marktrechte erneut verliehen und 1541 die Reformation eingeführt. 1636 forderte die Pest über 2000 Opfer, und 1661 vernichtete ein Großbrand 60 Häuser.
Durch den Ort verlief einst die Lüneburger Heerstraße, eine seit dem Mittelalter bestehende Handelsstraße; sie führte von Leipzig über Calvörde und Braunschweig nach Lüneburg.
Brandenburg-Preußen Seit 1680 war Neuhaldensleben als Immediatstadt direkt dem brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg unterstellt und lag bis 1807 im Holzkreis. In diese Zeit (1701–1703) fällt auch der Bau des später klassizistisch umgebauten Rathauses. Unter Napoleon wurde das westlich der Elbe gelegene Gebiet des Herzogtums Magdeburg dem Königreich Westphalen seines Bruders Jérôme zugeordnet, wobei Halberstadt der Sitz des Saale-Departements wurde. 1810 erfolgte die Aufhebung des Klosters. Die Gebäude wurden an Johann Gottlob Nathusius verkauft, der die Industrialisierung der Dörfer Althaldensleben und Hundisburg vorantrieb. Die Keramikindustrie und der Landmaschinenbau wurden begründet, und es wurde eine Zuckerfabrik, die zweite in Deutschland, die Zucker aus Runkelrüben erzeugte, errichtet. Nach dem Wiener Kongress wurde Neuhaldensleben wieder preußisch. Es gehörte zur neu geschaffenen Provinz Sachsen und wurde 1816 Kreisstadt.
Zeit des Nationalsozialismus 1938, nach Inbetriebnahme des Mittellandkanals, wurden Alt- und Neuhaldensleben zu Haldensleben vereint. In der Zeit des Nationalsozialismus starben 41 ausländische Staatsangehörige, mutmaßlich alle sog. Fremdarbeiter, im Landeskrankenhaus. Hinweise auf eine aktive Beteiligung des ärztlichen und Pflegepersonals an den NS-Krankenmorden sind nicht bekannt. Am 10. April 1945 wurden rund 1600 KZ-Häftlinge aus dem KZ Mittelbau-Dora in zwei Marschblöcken Richtung Bülstringen durch die Stadt getrieben. Am 13. April 1945 besetzten Einheiten der United States Army die Stadt.Solveig Grothe: Ich habe doch nichts verbrochen. Einestages, abgerufen am 27. Dezember 2017 Im Zuge dessen wurden drei Kanalbrücken gesprengt. Über dem Rathaus wehte die US-amerikanische Flagge. Nachdem am 1. Juni 1945 die amerikanische Besatzung durch die britische Militäradministration abgelöst worden war, zog die Rote Armee am 1. Juli 1945 in Haldensleben ein.
Nach 1945 1950 erfolgten Stadterweiterungen durch Industriegebiete im Osten und Wohngebiete im Süden.
1963 überließ Albertine Plock, Enkelin von Wilhelm Grimm, dem Kreismuseum einen Teilnachlass der Brüder Grimm (siehe Grimm-Ausstellung Haldensleben).Tilman Spreckelsen: Albertine, die Erbin der Märchensammler. In Haldensleben in Sachsen-Anhalt wird ein Teil vom Nachlass der Brüder Grimm und ihrer Familie aufbewahrt. Wie kommen die Möbel, Büsten, Bilder und Bücher dorthin? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Februar 2026, S. 16.
Von 1952 bis 1994 war Haldensleben Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (von 1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 wurde sie Verwaltungssitz des neugeschaffenen Ohrekreises, seit der Kreisreform 2007 des Landkreises Börde.
1992/1993 wurde das Industriegebiet Haldensleben Ost fertiggestellt.
Die Stadt gewann 2005 Gold beim Wettbewerb Unsere Stadt blüht auf. 2006 und 2008 wurde Haldensleben zudem zur familienfreundlichsten Gemeinde in Sachsen-Anhalt und 2011 zur „Kommune des Jahres“ in Sachsen-Anhalt gewählt.
Die Stadt vergrößerte sich durch die Eingemeindung von Wedringen (1991), Satuelle (1992), Uthmöden (1992) und Hundisburg (1994). Am 1. Januar 2014 wurde Süplingen mit seinem Ortsteil Bodendorf eingemeindet.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1971Ergebnis der Volkszählung in der DDR 1970; Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (Hrsg.): Bevölkerungsstatistisches Jahrbuch der DDR 1983. 19.914 1990 20.306 2005 19.886 2010 19.018 2015 19.439 2020 19.133 Jahr Einwohner 2021 19.028 2022 19.260 2023 19.179 2024 19.121 2025 19.170
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtrat mini| Rathaus mini|Bürgerhaus am Marktplatz Der Stadtrat von Haldensleben besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 53,9 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 23,5 % 7 25,6 % 7 AfD 14,8 % 4 24,3 % 6 SPD 8,9 % 2 12,6 % 4 Bürgerbewegung Haldensleben 13,3 % 4 12,4 % 4 Bürger für Bürger Haldensleben 8,0 % 2 8,8 % 2 Die Linke 12,8 % 4 8,6 % 2 Bündnis 90/Die Grünen 6,8 % 2 3,1 % 1 Freie Unabhängige Wählergemeinschaft 5,2 % 1 3,0 % 1 FDP 1,9 % 1 1,6 % – Pro Althaldensleben 4,8 % 1 – – Insgesamt 100 % 28 100 % 27
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD sieben Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur sechs Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister