Die Sammlung Arnhold war die private Kunstsammlung des deutschen Unternehmers Eduard Arnhold. Dieser gehörte zu den bedeutendsten Berliner Kunstsammlern während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Die Sammlung umfasste vor allem deutsche und französische Kunst des 19. Jahrhunderts. Nach seinem Tod wurden große Teile der Sammlung von den Erben verkauft; eine Reihe von Werken findet sich heute in verschiedenen Museen in Europa, den Vereinigten Staaten und in Brasilien.
Geschichte der Sammlung Eduard Arnhold hatte als Unternehmer im Handel mit schlesischer Steinkohle ein erhebliches Vermögen erwirtschaftet und gehörte um 1900 zu den reichsten Berlinern.Thomas Hermsen: Kunstförderung zwischen Passion und Kommerz: vom bürgerlichen Mäzen zum Sponsor der Moderne, S. 71. Nachdem er mit seiner Frau Johanna im Berliner Tiergartenviertel zunächst in einer Wohnung in der Bellevuestraße 18a lebte, bezog er 1898 eine Villa in der Regentenstraße 19 (heute Hitzigallee). Hinzu kamen eine Sommervilla in der Colonie Alsen am Großen Wannsee, das Rittergut Hirschfelde in Brandenburg, der Dürnbachhof in Neuhaus am Schliersee in Bayern und die Villa Bellagio in Fiesole bei Florenz. Dem großbürgerlichen Zeitgeschmack entsprechend waren die verschiedenen Häuser mit kostbaren Möbeln und anderem Kunsthandwerk ausgestattet. In all seinen Wohnsitzen umgab sich Arnold zudem mit Kunst. Der Hauptteil der Sammlung befand sich vor allem in der Tiergartenvilla, in der für die Bildersammlung eigens einen Galerietrakt mit Oberlicht errichtet wurde.Thomas Hermsen: Kunstförderung zwischen Passion und Kommerz: vom bürgerlichen Mäzen zum Sponsor der Moderne, S. 72. In der italienischen Villa Bellagio, in der zuvor Arnold Böcklin gelebt und gearbeitet hatte, finden sich zudem Fresken des Künstlers. Ein Bild aus dem Besitz von Arnhold war im eigentlichen Sinn kein Teil der Kunstsammlung: Das Porträt von Kaiser Wilhelm II. von Max Koner diente als Repräsentationsstück zur Ausschmückung des von Arnhold gestifteten Waisenhauses Johannaheim in Werneuchen.
Die von Arnhold über mehrere Jahrzehnte zusammengetragene Kunstsammlung umfasste über 250 Gemälde und knapp 70 moderne Skulpturen. Hinzu kamen eine Sammlung von grafischen ArbeitenMichael Dorrmann: „Ein Friedensfest“ der frühen Moderne. Die Sammlung Eduard Arnhold in Anna-Dorothea Ludewig, Julius H. Schoeps, Indes Sonder: Aufbruch in die Moderne : Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880 - 1933, S. 107. und eine große Zahl von Kleinplastiken von der Frührenaissance bis zum 18. Jahrhundert.Michael Dorrmann: „unser bedeutendsten und glücklichsten Sammler von neuen Bildern, deutschen wie französischen“. Die Entstehung und Präsentation der Sammlung Arnhold in Berlin in Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler, Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. S. 24. Zu den frühesten Erwerbungen gehören die beiden Porträts von Edouard und Johanna Arnhold, die der Maler Karl Gussow vermutlich zur Hochzeit der Dargestellten schuf.Michael Dorrmann: „unser bedeutendsten und glücklichsten Sammler von neuen Bildern, deutschen wie französischen“. Die Entstehung und Präsentation der Sammlung Arnhold in Berlin in Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler, Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. S. 25. Es folgten Werke der Düsseldorfer Malerschule, etwa von Anselm Feuerbach, Christian Kröner, Andreas und Oswald Achenbach.Josef Kern: Impressionismus im wilhelminischen Deutschland: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte des Kaiserreichs, S. 154. Ein erster Höhepunkt war der Ankauf des Gemäldes Prometheus von Arnold Böcklin, das Arnhold 1883 für 12.000 Mark aus der Berliner Galerie von Fritz Gurlitt erwarb. Es folgten Werke von Künstler wie Hans von Marées, Adolph Menzel und Franz von Lenbach. Zunächst kaufte Arnhold etwa ein bis zwei Gemälde jährlich, vor allem im Berliner Kunsthandel, später auch in anderen deutschen Städten und im Ausland. Ab 1892 sammelte Arnhold auch Werke der niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts, wobei er vermutlich durch den Direktor der Berliner Gemäldegalerie Wilhelm von Bode beraten wurde.Michael Dorrmann: „unser bedeutendsten und glücklichsten Sammler von neuen Bildern, deutschen wie französischen“. Die Entstehung und Präsentation der Sammlung Arnhold in Berlin in Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler, Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. S. 25–26. Weiteren Einfluss übte der Maler Max Liebermann aus, der Edouard Arnhold auch porträtierte. Liebermann setzte sich beispielsweise für den Ankauf des Gemäldes Die Dorfpolitiker von Wilhelm Leibl ein, für das Arnhold bei Paul Cassirer 80.000 Mark bezahlte.Michael Dorrmann: „Ein Friedensfest“ der frühen Moderne. Die Sammlung Eduard Arnhold in Anna-Dorothea Ludewig, Julius H. Schoeps, Indes Sonder: Aufbruch in die Moderne : Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880 - 1933, S. 110. Als 1896 die Nationalgalerie Édouard Manets Bild Im Wintergarten ankaufte, war Liebermann zusammen mit dem neuen Direktor Hugo von Tschudi ebenfalls involviert. Arnhold gehörte hierbei gemeinsam mit Hugo Oppenheim, Ernst und Robert von Mendelssohn zu den Stiftern des Bildes. Beraten von Tschudi kaufte Arnhold im selben Jahr mit Ebbe bei Pourville von Claude Monet auch für seine Sammlung ein erstes Werk eines französischen Impressionisten.Michael Dorrmann: „unser bedeutendsten und glücklichsten Sammler von neuen Bildern, deutschen wie französischen“. Die Entstehung und Präsentation der Sammlung Arnhold in Berlin in Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler, Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. S. 27. In den Folgejahren wuchs die Sammlung um zahlreiche weitere Werke französischer Künstler an, darunter als teuerstes Werk das Gemälde L’artiste (Desboutin) von Édoaurd Manet, das Arnhold 1910 für 200.000 Mark aus der Sammlung von Auguste Pellerin erwarb.Michael Dorrmann: „unser bedeutendsten und glücklichsten Sammler von neuen Bildern, deutschen wie französischen“. Die Entstehung und Präsentation der Sammlung Arnhold in Berlin in Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler, Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. S. 28. Darüber hinaus kaufte Arnhold weiterhin Werke deutscher Künstler, etwa von den Künstlern der Berliner Secession wie Lovis Corinth, Max Klinger, Walter Leistikow, Max Slevogt, Wilhelm Trübner und Lesser Ury. Hinzu kamen einige Skulpturen, etwa von August Gaul und Louis Tuaillon.
Hugo von Tschudi urteilte 1908, die Sammlung Arnhold sei „augenblicklich wohl die künstlerisch wertvollste Privatsammlung moderner Kunst, die Deutschland besitzt“ und sah darin Kunstwerke aus Deutschland und Frankreich „zu einem wahren Friedensfeste“ vereint.Hugo von Tschudi: Die Sammlung Arnhold in Kunst und Künstler, Berlin 1909, Heft 1, S. 4. Zwar besaß Arnhold mit je einem Bild von Vincent van Gogh und Emil Nolde auch einzelne Werke des Spätimpressionismus und des Expressionismus, jedoch fehlten Werke moderner Strömungen wie des Pointilismus, des Fauvismus und des Kubismus.Michael Dorrmann: „Ein Friedensfest“ der frühen Moderne. Die Sammlung Eduard Arnhold in Anna-Dorothea Ludewig, Julius H. Schoeps, Indes Sonder: Aufbruch in die Moderne : Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880 - 1933, S. 113. Mit Ende des Ersten Weltkrieges endete im Wesentlichen auch Arnholds Sammlertätigkeit. Seine wirtschaftliche Grundlage war durch Gebietsabtretungen in Oberschlesien an Polen weitestgehend verloren gegangen.Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849-1925): eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich, S. 239. Durch die Nachkriegsinflation musste er zudem erhebliche Verluste hinnehmen. Er besaß zwar immer noch seine verschiedenen Wohnsitze und seine Kunstsammlung, für die er rund 3 Millionen Mark bezahlt hatte, aber teilweise fehlte es an liquiden Mittel. So kam es, dass Arnhold 1922/1923 Édouard Manets Gemälde Bon Bock für 400.000 Schweizer Franken ins Ausland verkaufen musste, um den Weiterbetrieb des Johannaheims in Werneuchen finanziell absichern zu können.Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849-1925): eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. S. 149, 354. Dieser Verkauf blieb jedoch eine der wenigen Ausnahmen. Nach Arnolds Tod 1925 schrieb im Folgejahr die französischen Kunstzeitschrift L’Amour de l’Art: „La collection Arnhold est une des gloires de Berlin, on ne saurait assez louer sa qualité, son étendue, sa diversité“ (sinngemäß: Die Sammlung Arnhold ist eine der Herrlichkeiten Berlins, deren Qualität, Umfang, Vielfalt nicht hoch genug gelobt werden kann).Marie Dormoy: La Collection Arnhold in L’Amour de l’Art Nr. 7, Paris 1926, S. 241.
Eduard Arnhold hatte vor dem Ersten Weltkrieg – zu Lebzeiten von Hugo von Tschudi – die Idee verfolgt, seine Kunstsammlung in großen Teilen der Berliner Nationalgalerie zu vererben. Die veränderten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen nach dem Krieg führten jedoch dazu, dass er in seinem Testament – nicht zuletzt aus Gründen der wirtschaftlichen Absicherung seiner Familie – nur vier Werke dem Museum überlassen wollte. Hierbei handelte es sich um die Bilder Die Dorfpolitiker von Wilhelm Leibl, Prometheus von Arnold Böcklin, Altmännerhaus von Max Liebermann und Geschwister von Hans Thoma.Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849-1925): eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. S. 149. Auch diese Bilder sollten allerdings zunächst an seine Frau Johanna als Vorerbin gehen. Sie wollte hingegen die Sammlung vorerst als Ganzes erhalten. Die Sammlung Arnhold konnte in dieser Zeit unentgeltlich an drei Tagen in der Woche von Interessierten besichtigt werden.Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849-1925): eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. S. 150. Auch nach dem Tod von Johanna Arnhold 1929 sollte nach ihrem letzten Willen die Sammlung als Einheit zunächst für mindestens zehn Jahre erhalten bleiben.Das Schicksal der Sammlung Arnhold, Artikel in der Berliner Börsen-Zeitung, Morgenausgabe vom 14. März 1929. Dies änderte sich erst nach 1933, als die nationalsozialistischen Machthaber begannen, die Erinnerung an die kulturellen Leistungen der Juden in Deutschland zu verschweigen. Hiervon waren auch das Wirken der verstorbenen Juden Eduard Arnhold und seine Frau Johanna betroffen. Ihre Adoptivtochter und Erbin Elisabeth Clewing entstammte hingegen einer evangelischen Familie.Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849-1925): eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. S. 35. In der Folge war der Nachlass der Arnholds von den antijüdischen Maßnahmen in Deutschland nicht betroffen. Lediglich die Villa in der Regentenstraße mit dem Galerietrakt mussten die Erben verkaufen, da das Grundstück für die Umgestaltung zur so genannten Welthauptstadt Germania vorgesehen war. Die Erben verzichteten danach sowohl auf eine öffentliche Präsentation der Sammlung, noch sahen sie sich verpflichtet, einzelne Werke den Berliner Museen zu stiften. Die Sammlung überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet in verschiedenen Tresoren und Banksafes. Nur wenige Werke gelten als vermisst oder wurden im Krieg zerstört. Dazu gehören das Gemälde von van Gogh und je zwei Bilder von Claude Monet und Max Liebermann. Andere Werke wurden inzwischen teilweise verkauft und befinden sich heute in verschiedenen öffentlichen Sammlungen.
Verzeichnis der Kunstwerke in der Sammlung von Edouard Arnhold