mini|St. Burkard (Trappstadt) Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Burkard ist ein barocker Kirchenbau im Markt Trappstadt, im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld in Bayern. Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden das Langhaus und der obere Teil des Turmes dieses denkmalgeschützten Bauwerks. Heute ist die Pfarrei der Pfarreiengemeinschaft St. Martin im östlichen Grabfeld (Untereßfeld), Dekanat Bad Neustadt, Bistum Würzburg, zugeordnet.
Beschreibung Erste Planungen zu einem Neubau durch den hochfürstlich würzburgischen Stadt- und Landbaumeister Joseph Greissing sind bereits für das Jahr 1707 belegt. Die Hauptbauphase datiert in die Jahre 1711 und 1712. Am 29. Juli 1712 erwarten Pfarrer Wehner sowie „Herr Baumeister Joseph“ den baldigen Accordschluss. Man stand also kurz vor dem Vertragsabschluss. Schon ein Jahr später kann der Pfarrer an den Geistlichen Rat nach Würzburg vermelden: „der Kirchenbau würt nunmehro fast zu seiner Perfection kommen; auch werden die Zimmerleuth das Tach auch balt aufschlagen, von welchem sambt Stigen und doppelten Borkirchen dem Meister Joseph 192 fl geben müssen“. Greissing entsandte als Palier auf die Baustelle einen Steinhauer- und Maurermeister „Basilius“, wobei in Greissings Firma zwei Maurermeister dieses Namens über viele Jahre belegt sind: Basilius Clausner aus Fliersch in Tirol und ein Basilius Schneider. Es muss, solange keine weiteren Quellen aufgefunden werden, also offen bleiben, welcher der beiden gemeint ist. In die praktische Ausführung wurde auch der aus dem benachbarten Alsleben stammende Steinhauermeister Jörg (Georg) Benkert mit eingebunden. Für die in guter Qualität hergestellte Stuckierung im Stil einer Nachfolge Pietro Magnos zeichnete der „Stukkator aus Neundorf“ genannte Johann Jacob Paintner (Beintner) verantwortlich, ein Tiroler Maurer und Stuckateur, der zeitweise in Neundorf bei Tambach und zuletzt in Seßlach wohnte. Bis 1715 war auch die innere Ausgestaltung weitestgehend abgeschlossen.
Greissing integrierte in seinen ansonsten fundamentalen Neubau einer Saalkirche die unteren Geschosse des spätmittelalterlichen Chorturms der Vorgängerkirche. Auf diesen quadratischen Unterbau setzte er ein alternierend achtseitiges Glockengeschoss aus Schallarkaden und Nischen, das mit einer schiefergedeckten Welschen Haube samt offener Laterne abschließt. Die Bekrönung bildet ein sogenanntes 'spanisches Kreuz' über vergoldetem Turmknopf (Kugel). Von ausgewogenen Proportionen ist die Westfassade im römischen Stil und selbst die kleine, beinahe unscheinbar östlich an den Turm angeschlossene Sakristei zeigt mit einem ungewöhnlich gestalteten Fenstergewände, dessen überlängter Keilstein in ein darüberliegendes Gesims hineinverkröpft ist, architektonischen Anspruch, der deutlich über das seinerzeit Übliche hinausragt und das Gebäude als Schöpfung eines gediegenen Architekten und nicht etwa als das Produkt eines einfachen Maurerbaumeisters erweist. Zur originalen Kirchenausstattung gehören der 1715 geschaffene sechssäulige Hochaltar mit einem Altarblatt der Kreuzigung, zwei jeweils viersäulige Seitenaltäre, Maria Immaculata und St. Sebastian, eine Kanzel mit dem auferstandenen Heiland auf dem Schalldeckel, sowie eine für Joseph Greissing typische, balustergesäumte Doppelempore aus Eichenholz. Auf dem rechten Seitenaltar befindet sich eine vorzügliche Büste des Heiligen Kilian aus der Zeit um 1510, die ihrer Qualität nach aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders stammen dürfte. In Trappstadt steht heute eine Kopie, das Original wurde aus Sicherheitsgründen in das Diözesanmuseum nach Würzburg gebracht. Literatur Roswitha Altrichter, Annette Faber, Reinhold Albert, Hanns Friedrich, Stefan Kritzer: Kirchen im Landkreis Rhön-Grabfeld, 1. Auflage: 1. Oktober 2010, ISBN 978-3-939959-06-9, S. 244f. Böckler, Michael: Chronik von Trappstadt. 750 Jahre bewegte Geschichte. Erschienen anlässlich der 750-Jahrfeier Trappstadts, Trappstadt 2019, gleichzeitig Band 46 der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld, ISBN 978-3-942112-43-7, S. 83, 148–163, 178,186, 193, 223, 224, 234–236, 264–269, 274, 296, 298, 301, 306–309, 460–475, 480, 500–507 u. a.
Johannes Mack: Der Baumeister und Architekt Joseph Greissing. Mainfränkischer Barock vor Balthasar Neumann. Dissertation. Saarbrücken 2007; auch in: Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. 8. Reihe: Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte. Band 16. Würzburg 2008, ISBN 978-3-86652-816-1, S. 160, 161, 467, 501, 615, 629.
Weblinks
, Aktennummer D-6-73-174-1 Pfarrkirche St. Burkard
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Rhön-Grabfeld Kategorie:Pfarrkirche des Bistums Würzburg Kategorie:Burkardkirche Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Saalkirche in Bayern Burkard Kategorie:Erbaut in den 1710er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Bayern