mini|hochkant=1.4|1. Stele vor der jüdischen Synagoge Bochum Der Stelenweg „Jüdisches Leben in Bochum und Wattenscheid“ ist ein seit 2010 umgesetztes Projekt der Evangelischen Stadtakademie Bochum zur Erinnerungskultur der jüdischen Geschichte der Stadt vom Anfang bis zum Holocaust und von der Entstehung einer neuen Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Dem Projekt Stelenweg ging die stetige Beschäftigung der Evangelischen Stadtakademie Bochum mit der jüdischen Geschichte der Stadt Bochum voraus. Dazu gehörte die Inventarisation des jüdischen Friedhofs an der Wasserstraße von 1985 bis 1987 und eine daraus erschienene jüdische Familien-, Gemeinde- und Stadtgeschichte anhand der erhobenen Daten. Das Stelenprojekt sollte jüdisches Leben von seinen Anfängen im 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart sichtbarer machen, das lediglich durch zwei Bronzetafeln zur Erinnerung an die zerstörten Synagogen in Bochum und Wattenscheid abgebildet war.Manfred Keller: Vom Umgang mit der jüdischen Geschichte und Kultur vor Ort. In: Bochumer Zeitpunkte, Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalschutz. Heft 45, April 2025, S. 6–8

Entwickelt wurde das Konzept seit 2000 von einer Gruppe aus Mitarbeitern und Freunden um den damaligen Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum, den Pfarrer Manfred Keller. 2001 gab die Evangelische Stadtakademie Bochum Stationenweg zur jüdischen Geschichte in Bochum und Wattenscheid – Ein Impulspapier heraus und im Neudruck im März 2002 neben deutsch auch auf Anregung der jüdischen Gemeinde in russischer Sprache. Neben dem Beitrag zur Erinnerungskultur soll das Stelenprojekt auch die jüdischen Einwanderer aus Osteuropa seit den 1990er Jahren ansprechen. Von Manfred Keller wurde 2019 zudem eine Dokumentation als Buch erstellt.Michael Rosenkranz: Hilfestellung zum Heimatgefühl vom 6. August 2020. In: Jüdische Allgemeine. Abgerufen am 18. Oktober 2022

Zusammen mit der Arbeitsgruppe Stelenweg sind Schülerinnen und Schüler verschiedener lokaler Schulen auf Grundlage von historischen Dokumenten und Quellen und nach Wissensvermittlung zur jüdischen Geschichte an der Erstellung unterschiedlicher Stelen beteiligt. Seit 2022 steht ein vom evangelischen Kinder- und Jugendreferat und der Evangelischen Stadtakademie Bochum entwickeltes Actionbound zum Stelenweg bereitNathalie Memmer: Jüdische Geschichte und Gegenwart in Bochum vom 11. April 2022. In: lokalkompass.de. Abgerufen am 18. Oktober 2022 sowie ein von Schülern der Hildegardis-Schule Bochum mit der App Biparcours gestalteter Rundweg Jüdisches Leben in Bochum - Stelenweg.biparcours.de: Jüdisches Leben in Bochum - Stelenweg. Abgerufen am 11. November 2022 Das Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte zeigte von Oktober 2022 bis Januar 2023 eine begleitende Ausstellung zum Stelenweg.

Die Stelen Alle fest installierten Stelen mit den Maßen 220 × 90 Zentimeter sind aus Glas in einem Stahlrahmen gefertigt und auf einem Betonsockel verschraubt. Als wiedererkennbare grafische Grundgestaltung tragen sie in der rechten oberen Ecke ein Bild eines Bronzereliefs mit der Darstellung des „Löwen von Juda“. Es handelt sich um eine Kopie des geretteten Reliefs aus der während der Reichspogromnacht zerstörten Alten Synagoge. Die Kopie des Bronzelöwen wurde 2007 im Eingangsbereich der neuen Synagoge angebracht. Mitteilungsblatt des Bochumer Bürgervereins, September 2011, Nr. 15 Alle Stelen sind in eine Bildspalte auf der linken Seite, eine Zeitleiste in der Mitte und eine Textspalte rechts gegliedert.

Die erste Stele wurde 2010 realisiert. Bis 2023 wurden elf Stelen mit Informationstexten aufgestellt, die im öffentlichen Raum an das jüdische Leben in Bochum und Wattenscheid erinnern. Sie stellen anhand ausgewählter Aspekte die Geschichte des Zusammenlebens von jüdischen und nichtjüdischen Mitbürgern der Stadt dar, das mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus zerstört wurde, informieren über die damalige Judenverfolgung und geben einen Einblick in heutiges jüdisches Leben im Stadtgebiet.Jüdische Allgemeine: Bochum (Nordrhein-Westfalen). Abgerufen am 18. Oktober 2022Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte: Ausstellung Auf dem Stelenweg durch das jüdische Bochum. Abgerufen am 7. November 2022 Drei weitere geplante Stelen wurden mit einer Finanzierung von 35.000 € der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege im August 2023 ermöglicht.NRW-Stiftung unterstützt Stelenweg „Jüdisches Leben in Bochum und Wattenscheid“. In: NRW Stiftung vom 18. August 2023. Abgerufen am 5. April 2025 Von den innerhalb von zwei Jahren in Wattenscheid, Linden und am Bochumer Stadtgarten geplanten Stelen wurde die 12. Stele zum jüdischen Leben in Wattenscheid im Mai 2024 aufgestellt,Drei neue Stelen für Bochum in Arbeit. In: Radio Bochum vom 17. August 2023. Abgerufen am 17. August 2023Marius Jakobus: Geschichtskurse gestalten Erinnerungsstele – Einweihung am 2. Mai. In: Maria Sibylla Merian-Gesamtschule Bochum vom 24. April 2024. Abgerufen am 2. Mai 2024 gefolgt von der 13. Stele zum jüdischen Leben in Linden im März 2025. Die letzte und 14. Stele über den Stadtverordneten und Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Philipp Würzburger wird am Bochumer Stadtpark stehen.Manfred Keller: Vom Umgang mit der jüdischen Geschichte und Kultur vor Ort. In: Bochumer Zeitpunkte, Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalschutz. Heft 45, April 2025, S. 16 Die 2019 erschienene begleitende Publikation wird dementsprechend erweitert.NRW-Stiftung fördert Stelenweg zu jüdischem Leben in Bochum. In: NRW-Stiftung vom 16. Juni 2023. Abgerufen am 3. November 2023

„Erich Mendel - Kantor der jüdischen Gemeinde Bochum 1922 - 1933“

Die am 27. Juni 2010 eingeweihte Stele beschreibt auf der ersten Seite den Lebensweg von Erich Mendel (bzw. Eric Mandell) in Europa von 1902 bis 1941 als Kantor und Leiter der jüdischen Volksschule, Sammler und Erforscher jüdischer Musik und auf der zweiten Seite sein weiteres Schaffen in den USA von 1941 bis 1988. Mandell wirkte dort unter anderem als Chordirektor und Dozent für Synagogale Musik am Gratz College. Die Stele steht auf dem nach ihm benannten Erich-Mendel-Platz () vor der Neuen Synagoge Bochum in der Bochumer Innenstadt.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 1. Abgerufen am 17. Oktober 2022

„Anfänge jüdischen Lebens in Bochum“

Die Stele Ecke Massenbergstraße/Schützenbahn () markiert in der Innenstadt wichtige Orte der seit dem 17. Jahrhundert in Bochum nachgewiesenen jüdischen Gemeinde: die im 18. Jahrhundert errichtete erste Synagoge an der Schützenbahn, in der Nähe zu dieser zwischen Schützenbahn und Oberer Marktstraße (der heutigen Massenbergstraße) eine eigene Schule aus dem 19. Jahrhundert sowie an der heutigen Massenbergstraße der älteste jüdische Friedhof von 1722, von dem zwei Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Wiemelhausen erhalten sind. Die Einweihung am 25. Oktober 2010 fand mit Beteiligung von Ottilie Scholz und Bürgermeister Dieter Heldt statt.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 2. Abgerufen am 17. Oktober 2022

„Jüdische Bewohner der Goethestraße (ab 1900)“

Nachvollzogen werden die Verdienste von jüdischen Mitgliedern der oberen Mittelschicht für die Stadt Bochum, unter anderem von Erich Mendel, Siegmund und Ottilie Schoenewald und dem Juristen, Notar sowie Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Siegmund Schoenewald, die in der Goethestraße wohnten. Haus Nr. 9 war ab 1939 eines der zehn sogenannten Judenhäuser in Bochum. An der Erarbeitung der Stele zu ausgewählten jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern der Goethestraße zwischen 1900 und ca. 1933 wirkte die Goethe-Schule im Rahmen eines Schulprojektes mit.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 3. Abgerufen am 17. Oktober 2022Tobias Ossmann: Stelenweg Jüdische Geschichte in Bochum. Jüdisches Leben in der Goethe-Straße vom 11. November 2013. In: Goetheschule Bochum. Abgerufen am 19. Oktober 2022 Die Stele wurde am 27. November 2013 in der Innenstadt an der Ecke Goethestraße/Schillerstraße () aufgestellt.

„Jüdisches Leben und jüdische Kaufleute in Langendreer“

Die am 28. September 2015 eingeweihte Stele an der Alten Bahnhofstraße 174 – der damaligen Kaiserstraße () in Bochum-Langendreer erinnert an die jüdischen Familien, die ab 1815 hauptsächlich dort Kaufhäuser und Fachgeschäfte für Textilien und Schuhwaren führten. Unter anderem befanden sich dort zwei Kaufhäuser der Gebr. Alsberg AG. Etwa ein Fünftel der 60 Einzelhändler in der Straße war jüdischer Herkunft.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 4. Abgerufen am 17. Oktober 2022

„Juden am Moltkemarkt und Ostjuden - Westjuden“

Die Stele am ehemaligen Moltkemarkt erinnert an das Schicksal der Juden, die am Markt und in den umliegenden Straßen des klassischen Bochumer Arbeiterviertels lebten. Die zweite Seite der Stele beleuchtet das Leben der sogenannten Ostjuden und Westjuden in der Stadt und die Ausweisung der Ostjuden 1938 während der Polenaktion.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 5. Abgerufen am 17. Oktober 2022 Die Stele wurde am 15. Dezember 2017 in Bochum-Stahlhausen (Springerplatz/Maxstraße, gegenüber der Seniorenwohnanlage Albert-Schmidt-Haus ()) aufgestellt.

„Jüdisches Gemeindezentrum und Jüdische Kindertransporte aus Bochum“

Die am 29. Mai 2017 aufgestellte Stele befindet sich in der Innenstadt an der früheren Wilhelmstraße 18 – heute Dr.-Ruer-Platz / Ecke Huestraße (), dem Standort der in der Reichspogromnacht zerstörten Alten Synagoge und der Jüdischen Schule von 1863 bis 1938 im Nachbargebäude Wilhelmstraße 16. Dort waren Moritz David und Josef Kliersfeld als Rabbiner tätig. Das Schulgebäude wurde zum „Judenhaus“ umfunktioniert und bei einem Bombenangriff im Jahr 1943 zerstört. Die Rückseite der Stele erinnert an die Kindertransporte jüdischer Kinder nach England. Sie wurden von der Gemeindesekretärin Erna Philipp und der Lehrerin Else Hirsch, die 1942 nach Riga deportiert wurde, organisiert.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 6. Abgerufen am 17. Oktober 2022

„Neubeginn der jüdischen Gemeinde Bochum nach 1945“

Die Stele auf Höhe des Hauses Brückstraße 33 () gegenüber dem „Alten Amtshaus“ verweist auf den schrittweisen Neubeginn: Im Dezember 1945 wurde die „Jüdische Religionsgemeinde Bochum“ gegründet und 1946 konnte ein Raum im „Alten Amtshaus“ als Betsaal eingerichtet werden, in dem im September 1947 erstmals wieder ein jüdischer Gottesdienst stattfand.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 7. Abgerufen am 17. Oktober 2022 Die Stele wurde am 14. März 2019 eingeweiht.

„Geschichte des Bochumer Nordbahnhofs - Der Nordbahnhof als Ort von Deportation und die Vernichtung der jüdischen Gemeinde Bochum“

Die in der Innenstadt am 17. Juni 2020 aufgestellte Stele am Bahnhof Bochum Nord, Ostring 15 (), ist den Bochumer Juden, Sinti, Roma und weiteren Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, die ab 1942 in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden. Die Vorderseite der Stele informiert über die Geschichte des Bahnhofs bis 1945, die Rückseite über die Nutzung nach diesem Jahr und die Bemühungen zur Schaffung einer künftigen Gedenkstätte im Bahnhofsgebäude.Evang. Stadtakademie Bochum: Stele 8. Abgerufen am 17. Oktober 2022Rolf Stegemann: Der Stelenweg wächst immer weiter vom 23. Juni 2020. In: Evangelische Kirche in Bochum. Abgerufen am 19. Oktober 2022

„Jüdische Kaufleute in Bochum – Überblick und Jüdische Kaufleute in der Bochumer Innenstadt – Vertreibung und Flucht“