Sat.1 (eigene Schreibweise: SAT.1) ist ein deutscher privater Fernsehsender mit Vollprogramm, dessen Sitz in Unterföhring bei München liegt. Der Sender gehört zur ProSiebenSat.1 Media SE, deren Gründer Leo Kirch war.

Geschichte

Sendergeschichte Am 1. Januar 1984 läutete der Sender einen Tag vor dem Sendestart von RTL plus die Ära des regulären Privatfernsehens in der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Ludwigshafener Kabelpilotprojekts ein. Um 9:58 Uhr ging die Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS) aus einem Kellerstudio in Ludwigshafen am Rhein auf Sendung. Mit dem Satz: „Guten Morgen meine Damen und Herren […] Sie sind in dieser Minute Zeuge des Starts des ersten deutschen privaten Fernsehveranstalters, der Sie mit einem Vollprogramm täglich ab 16 Uhr 45 über den Nachmittag und Abend begleiten wird.“Sendestart, archiviert bei YouTube (in einen nachträglich hinzugefügten Vor- und Abspann eingebettet), abgerufen am 9. März 2024 begrüßte Jürgen Doetz, der damalige Geschäftsführer des Senders, gemeinsam mit der Moderatorin Irene Joest um 10:30 Uhr die Zuschauer. Diese Aussage stimmt nur teilweise: PKS war nicht der erste deutsche private Fernsehsender, sondern „nur“ der erste in Deutschland gegründete. 1954 ging Telesaar im Saarland auf Sendung, das zu dieser Zeit noch nicht zur Bundesrepublik gehörte, und konnte den Sendebetrieb nach Eingliederung des Saarlands in die Bundesrepublik noch rund ein Jahr darüber hinaus weiterführen.

Ab 10:33 Uhr folgte zur Eröffnung die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel. Das weitere Programm des ersten Sendetages war: 10:55 Uhr: Abenteuer Wildnis, Dokumentarserie 11:42 Uhr: Hänsel und Gretel, Puppentrickfilm nach der Märchenoper von Engelbert Humperdinck 12:50 Uhr: Nachrichten (FAZ) 13:00 Uhr: Solid Gold, Musikshow 14:00 Uhr: Karussell des Lebens, Zeichentrickfilm 15:10 Uhr: Schwanensee, Ballett von Pjotr Iljitsch Tschaikowski mit Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew 16:55 Uhr: Nachrichten (FAZ) 17:00 Uhr: Mit Wölfen leben, Dokumentarfilm 18:25 Uhr: Die Fledermaus, Operettenfilm frei nach Johann Strauss mit Peter Alexander, Marianne Koch, Hans Moser und Marika Rökk 20:10 Uhr: Nachrichten (FAZ) 20:15 Uhr: Matt Houston, Krimiserie 21:45 Uhr: Der Unverbesserliche, Spielfilm mit Jean-Paul Belmondo 23:20 Uhr: Beethovens 9. Symphonie, Dirigent Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker 00:25 Uhr: Programmvorschau

Das Logo von PKS war eine zweifarbige (rot und blau) stilisierte Satellitenantenne mit den Buchstaben PKS. Der Sender konnte zu Beginn nur von rund 1200 Kabelhaushalten im Ludwigshafener Kabelpilotprojekt empfangen werden. Mit Start des zweiten Kabelpilotprojekts in München am 1. April 1984 wurde das Programm auch über den europäischen Satelliten ECS 1 verbreitet. Zudem startete eine analoge, terrestrische Ausstrahlung. Dabei kamen aber zumeist nicht die für die terrestrische Verbreitung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zuständigen Grundnetzsender zum Einsatz, sondern kleine Fernmeldetürme zur gezielten Versorgung größerer Städte. Am 1. Januar 1985 benannte sich der Sender von PKS in Sat.1 um. Seit 8. Dezember 1989 sendet Sat.1 über die Astra-Position 19,2° Ost.

Am 1. Oktober 1987 startete Sat.1 als zweiter deutscher Fernsehsender nach RTL plus ein werktägliches Frühstücksfernsehen (Guten Morgen mit Sat.1). Am 12. September 1990 kam es zur Einweihung des Sat.1-Sendezentrums in Mainz, von dem bis zur Eröffnung des Sat.1-Medienzentrums in Berlin am 30. August 1999 gesendet wurde.

Im Januar 1991 verschwand das Testbild, das bis dahin noch nach Programmschluss gesendet wurde. In der programmfreien Zeit wurde dann der Sat.1-Text gesendet. Seit Mitte 1993 sendet Sat.1 ein 24-Stunden-Programm.

mini|Sat.1 NRW Landesstudio Dortmund

Wochentags um 17:30 Uhr werden regionale Nachrichtensendungen unter dem Titel 17:30 Sat.1 in den Ländern Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern ausgestrahlt.

1992 erwarb Sat.1 die Erstverwertungsrechte an der Fußball-Bundesliga im Free-TV und es kam am 14. August 1992 zur ersten Ausstrahlung der neuen Fußballshow ran – Sat.1 Bundesliga.ran bei fernsehserien.de Bis 2003 hielt der Sender die Rechte.

1995 verschob Sat.1 unter dem Werbeslogan „Volle Stunde, volles Programm“ den Beginn des Hauptabendprogramms um 15 Minuten auf 20:00 Uhr und ließ auch die nachfolgenden Sendungen jeweils zur vollen Stunde beginnen. Damit sollte auch die Vormacht der ARD-Tagesschau gebrochen werden, deren Ende um 20:15 Uhr einen Fixpunkt in allen anderen Sendeschemata festlegte. Nachdem die Einschaltquoten bei Sat.1 deutlich gefallen waren, kehrte der Sender 1997 wieder zum alten Zeitschema zurück.

1996 kam es zu einem Eklat: Margarethe Schreinemakers, die wegen Steuerhinterziehung im Kreuzfeuer der Kritik stand, wollte sich in ihrer Sendung Schreinemakers Live dazu in eigener Sache äußern. Während der Beitrag anlief, brach Sat.1 die Sendung ab und Ulrich Meyer verlas stattdessen eine Stellungnahme des Senders zu dem Vorfall.

Am 2. Oktober 2000 fusionierte Sat.1 organisatorisch mit dem Fernsehsender ProSieben. Aus dieser Fusion entstand die ProSiebenSat.1 Media AG.

Am 10. November 2001 erzielte Sat.1 beim Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 zwischen der Ukraine und Deutschland die bis dato beste Einschaltquote mit durchschnittlich 14,02 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 55,1 Prozent.Freie Presse: Sat.1 mit Quotenrekord: 16,77 Millionen Zuschauer, 20. Mai 2012

Am 6. September 2004 schaltete der Sender das VPS-Signal ab. Ab Ende Februar 2007 übertrug Sat.1 Zusatzinformationen zum laufenden Programm über blucom.

Am 16. Juli 2007 gab die ProSiebenSat.1 Media AG drastische Einsparungen im Sat.1-Informationsbereich bekannt. Rund 70 Arbeitsplätze sollten alleine bei Sat.1 abgebaut werden. Bereits am 17. Juli liefen die Sendungen Sat.1 am Mittag und Sat.1 am Abend nicht mehr; der Programmumbau begann also schon einen Tag nach der Ankündigung. Am 31. August 2007 wurden schließlich die Nachtnachrichten eingestellt.

Am 19. Juli 2007 nahm Sat.1 nach dem Boykott der Sender Das Erste und ZDF die Übertragung der Tour de France 2007 auf. Diese Übertragungen wurden jedoch zum Quotendesaster, da die Marktanteile an keinem Sendetag über zehn Prozent lagen. Damit lagen sie sowohl deutlich unter dem Schnitt des Senders als auch deutlich unter den Marktanteilen des regulären Nachmittagsprogramms. Auch aus wirtschaftlicher Sicht war diese Entscheidung ein Fehlgriff. Die Werbepreise für den Nachmittag mussten um 60 Prozent gesenkt werden.

mini|Ein Gasballon mit einem früheren Logo von Sat.1 Am 13. November 2008 gab die ProSiebenSat.1 Media AG auf einer Mitarbeiterversammlung im Hilton Hotel in Berlin bekannt, den Firmensitz von Berlin nach Unterföhring bei München zu verlegen. Betroffen hiervon waren 350 Redakteure und Verwaltungsmitarbeiter. Auch die Abteilungen des Vermarkters SevenOne Intermedia GmbH zogen nach Unterföhring. Die ProSiebenSat.1 Media AG wollte weitere Einsparungen auch durch den Abbau von 225 Arbeitsplätzen bei Sat.1 erzielen. Zugleich wurde ein Wechsel in der Geschäftsführung bekannt. Der bisherige Sat.1-Chef Matthias Alberti wechselte zum 1. Januar 2009 zur German Free TV Holding und wurde neben Andreas Bartl dortiger Geschäftsführer. Sein Nachfolger bei Sat.1 war seit dem 1. Januar 2009 Guido Bolten, der bisherige Geschäftsführer von kabel eins, der den Sender zum 1. Februar 2010 wieder verlassen hat. Andreas Bartl, Vorstand der ProSiebenSat.1 Media AG, übernahm zu diesem Zeitpunkt die Führung des Unternehmens.ots.CorporateNews: ProSiebenSat.1 Media AG ()

Am 20. Januar 2009 kam es in Berlin zum ersten Streik der Beschäftigten im deutschen Privatfernsehen. Anlass für die Mitarbeiterversammlung waren die gescheiterten Verhandlungen zwischen Sat.1 und den Arbeitnehmervertretern über einen Sozialplan. An dem 36-stündigen Arbeitskampf, zu dem der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und ver.di aufgerufen hatten, beteiligen sich rund 90 Prozent der mehr als 600 Beschäftigten am Sat.1-Standort Berlin-Mitte.

Seit 31. Januar 2010 sendet Sat.1 sein Programm über die Plattform Astra HD+ in HD.

Am 19. Mai 2012 strahlte der Sender mit einer über 13-stündigen Berichterstattung aus München die längste Fußballübertragung der Geschichte des Senders aus. Zugleich konnte die beste Einschaltquote beim Finale der UEFA Champions League zwischen dem FC Bayern München und FC Chelsea mit durchschnittlich 16,77 Millionen Fernsehzuschauern und einem Marktanteil von 55,3 Prozent erzielt werden. In der Spitze schalteten 20,38 Millionen Zuschauer ein, so dass der Marktanteil während des Elfmeterschießens auf den Rekordwert von 70,1 Prozent kletterte.

Marktanteile

Jahr ab 3 Jahre 1987 1,5 % 1988 5,8 % 1989 8,5 % 1990 9,0 % 1991 10,6 % 1992 13,1 % 1993 14,4 % 1994 14,9 % 1995 14,7 % 1996 13,2 % 1997 12,8 % 1998 11,8 % Jahr ab 3 Jahre 1999 10,8 % 2000 10,2 % 2001 10,1 % 2002 9,9 % 2003 10,2 % 2004 10,3 % 2005 10,9 % 2006 9,8 % 2007 9,6 % 2008 10,3 % 2009 10,4 % 2010 10,1 % Jahr ab 3 Jahre 2011 10,1 % 2012 9,4 % 2013 8,2 % 2014 8,1 % 2015 7,9 % 2016 7,3 % 2017 6,7 % 2018 6,2 % 2019 6,0 % 2020 5,7 % 2021 5,2 % 2022 5,1 % Jahr ab 3 Jahre 2023 4,7 % 2024 4,5 % 2025 4,6 %

Bei der Entwicklung der Zuschaueranteile ist zu berücksichtigen, dass sie nicht nur die Akzeptanz des Programms widerspiegeln, sondern v. a. in den Anfangsjahren auch die eingeschränkte Verfügbarkeit, da sich die Kabelfernsehnetze noch im Aufbau befanden, für Satellitendirektempfang in Deutschland eine Gebühr erhoben wurde und Privatfernsehen erst sukzessive im deutschen Sprachraum zugelassen wurde. Im Jahr 1988 hatte Sat.1 zum bislang einzigen Mal einen höheren Marktanteil als RTL, und im Jahr 1994 seinen höchsten Marktanteil, unter anderem wegen der damals ausgestrahlten Fußballsendungen ran – Sat.1 Bundesliga. In der Sender-Rangliste belegt der Sender meist den vierten Platz. Nur in den Jahren 1988 und 1995 gelang der Aufstieg auf Platz 3. Im Jahr 2006 fiel Sat.1 nach drei Jahren Quotensteigerung wieder unter zehn Prozent.

Zum 1. Januar 2013 hatte Sat.1 eine neue Lizenz bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein beantragt und entzog sich damit der Aufsicht der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK). Hintergrund war die Kopplung der Lizenz an den Drittanbieter News and Pictures.FAZ 12. April 2012, Seite 33 „Raus aus dem Pfälzer Bermuda-Dreieck“ Die LMK, die hessische Medienanstalt LPR Hessen und der rheinland-pfälzische Medienunternehmer Josef Buchheit klagten gegen diesen Wechsel der Medienanstalt, sodass bis auf weiteres die LMK die zuständige Landesmedienanstalt von SAT.1 blieb.medienkorrespondenz.de Am 15. Juli 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz die neue Lizenz bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein.

Das Durchschnittsalter der Zuschauer beträgt 54 Jahre (Stand: 2022).

Senderlogos

Logos mit HD-Hinweis

Bereits 1987 änderte Sat.1 erstmals sein Logo. Der mit der Urfassung eingeführte flache, farbige Strahlenkranz wurde erstmals zu einem „Ball“ gewölbt und in den Schriftzug integriert.

1996 wurde das Logo des Senders zum zweiten Mal überarbeitet. Anders als bei früheren Kampagnen, bei denen der Ball stets im Vordergrund stand, setzte der Sender erstmals das gesamte Logo in den Vordergrund. Der bunte Ball wurde durch eine deutlich kleinere, einfache, schwarze Kugel ersetzt. Zusätzlich wurde das Logo nun von einer Ellipse umrahmt. Obwohl der Schriftzug Sat.1 im Vordergrund stand, blieb der Ball als Bildschirmlogo erhalten. Allerdings wurde ihm seine bunte Farbe entzogen und er war ein einfacher dunkelgrauer, leicht transparenter Kreis.