Dorothea Moritz, verheiratete Holloway (* 8. Juni 1932 in Weißenfels; † 3. Februar 2017 in Berlin), war eine deutsche Schauspielerin, Hörspielsprecherin und Journalistin.

Leben Dorothea Moritz studierte bis 1954 an der Staatlichen Schauspielschule in Hamburg und schloss ihre Ausbildung mit dem Diplom ab. Sie spielte an verschiedenen deutschen Theatern, unter anderem am Deutschen SchauspielhausBiografie bei steffi-line.de, abgerufen am 20. Oktober 2022. und unter bekannten Regisseuren wie Gustaf Gründgens, Fritz Kortner oder Hans Schweikart. Nachruf von Hans Hodel auf der Website des Erzbistums Berlin, abgerufen am 20. Oktober 2022. Zum Jahreswechsel 1997/1998 war sie neben Hildegard Schroedter und Karin Bremer in dem Stück Dankbare Frauen von Margret Kreidl im Berliner Postfuhramt zu sehen.Sabine Leucht: Ein Kampf, ein ernster, taz vom 5. Dezember 1997, abgerufen am 20. Oktober 2022. Weitere Einzelheiten ihrer Theaterlaufbahn konnten nicht ermittelt werden.

Seit 1959 arbeitete Dorothea Moritz regelmäßig für Film und Fernsehen. Jürgen Roland besetzte sie in drei Folgen seiner Krimireihe Stahlnetz, es folgten Episodenrollen in bekannten Serien wie Polizeifunk ruft, Ein Fall für Titus Bunge oder Hamburg Transit. Ab 1975 war sie in vier Tatort-Folgen zu sehen. Niklaus Schilling verpflichtete Moritz als Schwester des Titelhelden in seinen Filmen Der Willi-Busch-Report (1979) und der Fortsetzung Deutschfieber (1992).

mini|hochkant| Dorothea Moritz spielte auch in internationalen Produktionen wie Gruppenbild mit Dame von Aleksandar Petrović oder Eine Liebe in Deutschland von Andrzej Wajda. Unter Fredi M. Murer war sie in der Rolle der Mutter in dessen mehrfach ausgezeichnetem Film Höhenfeuer zu sehen.

Insbesondere in den 1950er- und 1960er-Jahren war Dorothea Moritz eine vielbeschäftigte Hörspielsprecherin, hauptsächlich in Produktionen des Nordwestdeutschen Rundfunks und des Norddeutschen Rundfunks. Mehrfach stand sie für die Serie Die Jagd nach dem Täter vor dem Mikrofon oder in Hörspielen von Günter Eich. Seit 1998 veranstaltete Moritz Lesungen mit Texten verschiedener Autoren, häufig in Kirchen, so unter anderem im Berliner Dom.

Mit Beginn der 1970er-Jahre arbeitete Dorothea Moritz vermehrt journalistisch und als Filmkritikerin. Ihr Engagement galt der deutsch-polnischen Aussöhnung und dem osteuropäischen Film. Auf dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary hatte sie ihren späteren Ehemann, den Filmjournalisten und -historiker Ron Holloway, kennengelernt, mit dem sie bis zu dessen Tod 2009 verheiratet war. 1976 zog das Ehepaar nach Berlin und Moritz wurde für die nächsten 19 Jahre Mitglied der Auswahlkommission des Kinderfilmfestes innerhalb der Berlinale.

1977 gaben Dorothea Moritz und Ron Holloway erstmals das englischsprachige Magazin Kino German Film heraus, das über den Tod Holloways hinaus bis 2015 weiter erschien. Umfangreich war Moritz mit ihrem Mann auch bei Interfilm, einer interkirchlichen Vereinigung im Filmbereich, tätig. 1985 rief sie gemeinsam mit Albrecht Stuby, dem damaligen künstlerischen Leiter des Filmfestivals Max Ophüls Preis, die Interfilm-Jury innerhalb des Festivals ins Leben, der sie über lange Jahre angehörte.

Dorothea Moritz verstarb im Alter von 84 Jahren in Berlin und wurde neben ihrem Mann auf dem Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis in Berlin-Tiergarten beigesetzt.

Auszeichnungen (gemeinsam mit Ron Holloway) 2002: Freedom Award der American Foundation 2004: Ehrenmitgliedschaft bei Interfilm 2007: Berlinale Kamera

Filmografie (Auswahl) 1959: Stahlnetz: Das Alibi 1959: Stahlnetz: Aktenzeichen: Welcker u. a. wegen Mordes 1961: Die Sendung der Lysistrata 1963: Stahlnetz: Das Haus an der Stör 1967: Ein Fall für Titus Bunge – Onkel Tims Vermächtnis 1968: Der Arzt von St. Pauli 1968: Polizeifunk ruft – Die Sozialhelferin 1968: Polizeifunk ruft – Luftfracht für Beirut 1969: Ende der Durchsage 1972: Die Dreigroschenoper 1972: Hamburg Transit – Endstation Fuhlsbüttel 1974: Eine geschiedene Frau – Je später der Abend 1974: Hamburg Transit – Ein Koffer zuviel 1975: Der Fall von nebenan – Beschuldigungen 1975: Tatort – Tod im U-Bahnschacht 1976: PS – Geschichten ums Auto (Der Unfallwagen) 1976: Stellenweise Glatteis 1977: Gruppenbild mit Dame 1977: Tod oder Freiheit 1978: Rheingold 1979: Kläger und Beklagte – Der lachende Dritte 1979: Der Willi-Busch-Report 1979: Ein Kapitel für sich 1980: Direktion City – Mamaspiele 1981: Freak Orlando 1983: Wilde Clique 1983: Eine Liebe in Deutschland 1983: Die Schaukel 1983: Die Matrosen von Kronstadt 1985: Höhenfeuer 1985: Tatort – Ordnung ist das halbe Sterben 1986: Kies 1989: Tatort – Armer Nanosh 1992: Deutschfieber 1990: Motivsuche 1999: Im Namen des Gesetzes – Fehlurteil 1999: Aimée & Jaguar 2001: Der Tunnel 2001: Tatort – Tot bist Du! 2008: Das blondierte Glück 2010: Eine flexible Frau 2011: Sommerlicht

Hörspiele (Auswahl) 1953: Günter Eich: Die Mädchen aus Viterbo – Regie: Fritz Schröder-Jahn – NWDR 1954: Oscar Wilde: Die Sterne lügen nie – Regie: Gottfried Lange – NWDR 1954: Henry Miller: Hexenjagd – Regie: Fritz Schröder-Jahn – NWDR 1954: Dylan Thomas: Unter dem Milchwald – Regie: Fritz Schröder-Jahn – NWDR 1955: Günter Eich: Zinngeschrei – Regie: Gustav Burmester – NWDR 1959: Michael Noonan: Im Schatten der Wolke – Regie: Gustav Burmester – NDR 1960: Jochen Schöberl: Spuren nach Maracaibo (Folge 64 der Serie Die Jagd nach dem Täter) – Regie: Gustav Burmester – NDR 1960: Irmgard Wolffheim: Der Mann mit dem braunen Schlapphut (Folge 67 der Serie Die Jagd nach dem Täter) – Regie: Gustav Burmester – NDR 1960: Jochen Schöberl: Totentanz in g-moll (Folge 68 der Serie Die Jagd nach dem Täter) – Regie: Gustav Burmester – NDR 1960: Jochen Schöberl: Das einwandfreie Alibi (Folge 73 der Serie Die Jagd nach dem Täter) – Regie: Gerda von Uslar – NDR 1961: Walter Niebuhr: Der zertrümmerte Aschenbecher (Folge 88 der Serie Die Jagd nach dem Täter) – Regie: S. O. Wagner – NDR 1962: Bertolt Brecht: Das Verhör des Lukullus – Regie: Rudolf Noelte – NDR 1963: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus Teutsch – Regie: Ludwig Cremer – WDR 1964: Aleksandar Obrenović: Sonntag Nachmittag – Regie: Gert Westphal – NDR 1967: Siegfried Lenz: Das Labyrinth – Regie: Fritz Schröder-Jahn – NDR/SDR 1971: Hannelies Tachau: Fremde Tote – Regie: Hans Rosenhauer – NDR/SR 1973: Günter Kunert: Ehrenhändel – Regie: Hans Rosenhauer – NDR 1973: Mira Buljan: Ballade von einer Straßenkehrerin – Regie: Matija Koletić – NDR/BR

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