Moderaterne (Parteibuchstabe M, dänisch für Die Moderaten) ist eine Partei der Politischen Mitte in Dänemark. Sie wurde offiziell im Juni 2022 durch den ehemaligen dänischen Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen gegründet, nachdem er seine alte Partei Venstre verlassen hatte. Die Partei trat erstmals bei der Folketingswahl 2022 zur Wahl an.

Geschichte Gründung Nach einer partei-internen Auseinandersetzung innerhalb der ehemaligen dänischen Regierungspartei Venstre über den Umgang mit der schließlich zurückgetretenen stellvertretenden Vorsitzenden Inger Støjberg im Dezember 2020 kündigte der ehemalige dänische Ministerpräsident und langjährige Vorsitzende von Venstre Lars Løkke Rasmussen seine Mitgliedschaft in Venstre auf. Dabei nannte er auch sein Bestreben über die Blockbildung hinweg mit zentristischen Kräften links und rechts der Mitte politische Mehrheiten zu finden als unvereinbar mit dem aktuellen Kurs Venstres. Bereits im Wahlkampf zur Folketingswahl 2019 hatte Rasmussen mit Gedankenspielen zu einer Koalition mit den Sozialdemokraten für Aufsehen und Unruhe innerhalb seiner Partei gesorgt.

Am 8. Januar 2021 kündigte Rasmussen die Etablierung eines „politischen Treffpunkts“ an, am 5. Juni bestätigte er in einer Rede am dänischen Verfassungsgedenktag seine Intention, eine neue Partei mit dem Namen Moderaterne (deutsch: Moderate) zu gründen.

Am 2. März 2022 gab Rasmussen bekannt, dass die Frist zur Sammlung der 20.182 Unterschriften, die zur Teilnahme an Folketingswahlen notwendig sind, beendet sei. Das dänische Innenministerium bestätigte am 14. März 2022 die Gültigkeit der Sammlung und erteilte den Moderaten die Wahlzulassung. Der offizielle Listenbuchstabe ist M. Am 5. Juni 2022 wurde der Gründungsprozess erfolgreich abgeschlossen, bereits seit Januar des gleichen Jahres waren Mitgliedsanträge möglich gewesen.

Folketingswahl 2022 und Regierungspartei Die vorgezogene Wahl zum Folketing 2022 war die erste Gelegenheit für die neue Partei, sich dem Wählervotum zu stellen. Während des Wahlkampfes hatte sich Løkke Rasmussen zunächst auf keinen der beiden traditionellen Blöcke festgelegt. Auch über eine Regierung unter Führung der Moderaten mit ihm als Ministerpräsidenten war spekuliert worden. Bei der Wahl am 1. November 2022 wurden die Moderaten auf Anhieb drittstärkste Kraft im dänischen Parlament und erzielten 16 Mandate. Die besten Ergebnisse erzielte die Partei in den Wahlkreisen Seelands beziehungsweise der Umgebung Kopenhagens, am schwächsten schnitt sie in Jütland ab. Die angestrebte „Königsmacher“-Rolle kam jedoch zunächst nicht zustande, da der sozialdemokratisch-geführte „Rote“-Block aus eigener Kraft die erforderliche Parlamentsmehrheit von 90 Mandaten erreichte. Ministerpräsidentin Frederiksen entschied sich jedoch, ihre bisherige Minderheitsregierung nicht fortzusetzen und strebte stattdessen eine Koalition über die Blockgrenzen hinweg an. Sechs Wochen nach der Wahl – und damit nach den bis dato längsten Koalitionsverhandlungen der dänischen Geschichte kündigte Frederiksen an, gemeinsam mit der Venstre und den Moderaten eine Regierung zu bilden, die über eine eigene Parlamentsmehrheit verfügt. Die Moderaten erhalten in dieser Konstellation fünf von insgesamt 23 Ministerposten, darunter das Außenministerium, die Ressorts für Wissenschaft und Hochschulbildung, Klima und Energie, Kultur und das Seniorenministerium. Nach einer Kabinettsumbildung im August 2024 kam mit dem Digitalministerium (vorher durch die Venstre besetzt) ein weiteres Ressort dazu.

Im Verlauf der Legislaturperiode sackte die Partei in den Umfragen deutlich ab, zum Tiefpunkt waren teilweise nur 2,2 % der Befragten bereit, ihre Stimme den Moderaten zu geben, wodurch ein Wiedereinzug ins Parlament an der Zwei-Prozent-Hürde zu scheitern drohte. Durch interne Zwistigkeiten, Skandale und damit verbundene Partei- und Fraktionsaustritte reduzierte sich die Anzahl der der Folketingsmandate auf 12, wodurch die Regierung ihre eigene Mehrheit im Folketing verlor. Auch begünstigt durch die zentrale Rolle und Popularität von Außenminister und Parteivorsitzendem Løkke Rasmussen während der Grönlandkrise, konnte sich die Partei rechtzeitig zur Folketingswahl 2026 erholen und mit 7,7 % insgesamt 14 Mandate erringen. Dadurch kam der Partei in den anstehenden Koalitionsverhandlungen eine Schlüsselrolle zu, da keiner der beiden „klassischen“ Blöcke über eine Parlamentsmehrheit verfügte. Nach mehreren gescheiterten Versuchen – und den längsten Koalitionsverhandlungen der Geschichte – stimmten die Moderaten zu, unter Führung von Regierungschefin Frederiksen eine Koalition mit den Sozialdemokraten, der links-liberalen Radikale Venstre und der Socialistisk Folkeparti zu bilden, die ihre Parlamentsmehrheit durch eine Unterstützung seitens der Alternativet und der rot-grünen Einheitsliste erhält In dieser „Kleeblatt“-Regierung übernehmen die Moderaterne vier Ministerposten (statt wie zuletzt sechs), Parteigründer- und Vorsitzender Løkke Rasmussen blieb zudem Außenminister. Zudem soll der ehemalige Fraktionsvorsitzender der Partei und Seniorenminister Henrik Frandsen Folketingsvorsitzender werden.

Organisation Auf dem Gründungstreffen der Moderaten im Juni 2022 wurde Løkke Rasmussen zum Parteivorsitzenden gewählt. Als Parteisekretär (vergleichbar den Generalsekretären bzw. Bundesgeschäftsführern politischer Parteien in Deutschland) berief er Anders Schiermer. Nach der Folketingswahl 2022 wurde Schiermer durch Kirsten Munch Andersen abgelöst. Derzeit (Stand: August 2026) hat Katrine DiBiona diesen Posten inne.

In jedem der dänischen Großwahlkreise (storkredse) verfügt die Partei über einen Kreisvorstand.

Parlamentarische Vertretung Nach ihrer Gründung waren die Moderaten lediglich durch ihren Gründer und aktuellen Vorsitzenden Løkke Rasmussen im dänischen Parlament vertreten. Dieser hatte sein Mandat bei den Wahlen 2019 noch für seine ehemalige Partei Venstre gewonnen und nach seinem Austritt behalten. Nach den Wahlen 2022 zogen 16 Abgeordnete für die Moderaten ins Parlament ein. Durch Austritte aus Fraktion und Partei reduzierte sich diese Anzahl mit Stand Juli 2025 auf 12. Nach den Wahlen 2026 stellt die Partei 14 Folketingsmitglieder.

Da die Partei bei den Kommunalwahlen 2021 noch nicht angetreten war, stellen die Moderaten keinen Bürgermeister und waren auch zunächst in keinem Stadtrat vertreten. Durch Übertritte von anderen Parteien stellen die Moderaten mit Stand Juli 2025 landesweit 31 Ratsmitglieder. Bei den Kommunalwahlen 2025 konnte diese Zahl nicht annähernd gehalten werden. Nur 1,3 % der Stimmen entfielen auf die Moderaten, was dänemarkweit lediglich für 6 Gemeinderatssitze und 1 Regionalratmandat reichte.

Im Europaparlament der Wahlperiode von 2019–2024 waren die Moderaten nach dem Wechsel von Bergur Løkke Rasmussen – Sohn des Parteigründers und -vorsitzenden Lars – von der Venstre ab März 2023 mit einem Abgeordneten vertreten. Bei der Europawahl 2024 konnte die Partei erstmals ein Mandat regulär erringen, dieses ging an Stine Bosse. Sie gehören der Fraktion Renew Europe an.

Politische Positionen Die Moderaten nehmen für sich in Anspruch eine Partei der politischen Mitte zu sein und sich für eine pragmatische und evidenzbasierte Politik einzusetzen. Løkke Rasmussen selber erklärt es zu seinem Anspruch, den Einfluss der politischen Ränder von links und rechts zurückzudrängen und mit zentristisch orientierten Kräften von Sozialdemokraten, Liberalen, Konservativen und Sozialliberalen Dänemarks Politik zu gestalten. Vor diesem Hintergrund vermied er eine Festlegung auf einen Ministerpräsidentenkandidaten im Vorfeld der Folketingswahl 2022 und damit eine Zuordnung zum „roten“, d. h. der sozialdemokratisch geführten Mitte-Links Wahlkoalition oder „blauen“ Block, dem Mitte-rechts Venstre-geführten Gegenstück.

Sozialpolitik Die Moderaten bekennen sich zum dänischen Wohlfahrtsstaat, streben jedoch eine Reform desselben an. Neben Bürokratieabbau gehört auch die Umwandlung von Wohlfahrtsinstitutionen in Unternehmen der öffentlichen Hand mit größerer unternehmerischer Freiheit zu den Kernforderungen. Zudem schlägt die Partei die Einführung von Altersteilzeit-Regelungen vor.

Zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit schlagen die Moderaten vor, das Gehalt von Langzeitsarbeitslosen bis zur Höhe der Arbeitslosenunterstützung aufzustocken, um die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen zu reduzieren und eine Re-Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Zudem setzte sich die Partei im Vorfeld der Folketingswahl 2022 für die Einführung eines sozialen Pflichtdienstes für junge Menschen ein. Als Teil der in Folge gebildeten Regierung verfolgten sie dieses Vorhaben nicht weiter. Stattdessen rückte zunehmend die Gesundheitspolitik in den Vordergrund. Die Partei plädiert für eine nationale Notfallvorsorge und verpflichtende Gesundheitschecks für über 50-jährige, die länger als ein Jahr nicht beim Arzt waren.

Umwelt- und Klimapolitik Die Moderaten setzen sich für den Umbau Dänemarks in eine CO2-neutrale Gesellschaft ein und plädieren für eine konsequente Nutzung von Steuerüberschüssen für Investitionen in Klimalösungen sowie zur Steuerung des öffentlichen und privaten Konsums. Der Einführung einer CO2-Steuer steht die Partei aufgeschlossen gegenüber, mahnt jedoch eine Vereinbarkeit mit der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Dänemarks an. Technologischen Ansätzen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes wie Power-to-X und CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) stehen die Moderaten positiv gegenüber – während der Amtszeit des Moderaternen-Energieministers Lars Aagard wurden die nach Parteianbgaben ersten dänemarkweiten Ausschreibungen zur gewerbsmäßigen Nutzung dieser beiden Technologien auf den Weg gebracht.

In der in Dänemark emotional geführten Debatte um das Tierwohl – insbesondere von Schweinen – setzt sich die Partei für ein Kupier-Verbot, kürzere Transportwege und sparsameren Gebrauch von Antibiotika ein, bei gleichzeitigem Erhalt der Tierzuchtwirtschaft Dänemarks.

Wirtschafts- und Finanzpolitik Um das Wirtschaftswachstum Dänemarks zu erhöhen, planen die Moderaten eine Senkung des Steuersatzes auf niedrige Einkommen sowie eine Reduzierung der Kapitalertragssteuer. Im Gegenzug soll ein neuer Spitzensteuersatz für sehr hohe Einkommen eingeführt werden. Zudem nennt die Partei die Förderung von Start-Ups und Unternehmertum zu einem ihrer Kernanliegen.

Einwanderungspolitik Die Kritik ihres Gründers Løkke Rasmussens an der zunehmend restriktiveren Einwanderungspolitik der Regierung Frederiksen I schlägt sich in der Position der Moderaten nieder. Die Partei plädiert für eine Öffnung des Arbeitsmarktes für qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland und für die Möglichkeit einer Umwandlung eines asyl-bedingten Bleiberechts in eine qualifikationsbedingte Aufenthaltserlaubnis.

Außen- und Sicherheitspolitik Die Moderaten bekennen sich zur dänischen Mitgliedschaft in Europäischer Union und NATO und zum Prinzip des globalen Freihandels.

Parteivorsitzende Lars Løkke Rasmussen, seit 2022

Wahlergebnisse Jahr Wahl Stimmen Prozent Mandate 2022 Folketingswahl 2022 327.699 9,3 % 2024 Europawahl 2024 145.363 5,9 % 2026 Folketingswahl 2026 274.066 7,7 %

Weblinks Offizielle Partei-Webseite

Einzelnachweise

Kategorie:Partei (Dänemark) Kategorie:Parteigründung 2022 Kategorie:Liberale Partei Kategorie:Zentristische Partei