Giovanni Reali (* 22. Juli 1852 in Cadro; † 8. Oktober 1923 in Lugano, heimatberechtigt in Cadro) war ein Schweizer Arzt, Politiker, Tessiner Grossrat und Ständerat.

Leben

Familie Giovanni Reali war der Sohn des Rechtsanwalts Giuseppe Reali und dessen Ehefrau Margherita (geb. Polar). Er war ein Enkel des Politikers Giovanni Reali, dessen Bruder der Politiker Giuseppe Reali war; seine Onkel waren die Politiker Ignazio Polar und Bernardino Lurati. Giovanni Reali war mit Margherita geb. Ravanelli (1862–1955) verheiratet und hatte mit ihr die beiden Söhne Vittorio (1882–1900)Decesso e beneficenza. In: Gazzetta Ticinese. 22. Oktober 1900, S. 3 (online). und Secondo (1883–1958).Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748, S. 41 f., Nr. 13.

Werdegang Nach dem Besuch des Internats in Einsiedeln und des Internats in Colmar immatrikulierte er sich zu einem Medizinstudium an der Universität Zürich und promovierte 1874 mit seiner Dissertation Über die Behandlung der angeborenen Schädel- und Rückgratsbrüche und ihren Ausgang zum Dr. med. Nach Beendigung des Studiums war er zunächst als Assistent im Kinderhospital Hottingen, beim Chefarzt Oskar Wyss (1840–1918) in Zürich tätig, bevor er ab 1875 in Lugano praktizierte.

Er übersetzte 1884 mit seiner Schrift La difesa contra il colera die Veröffentlichung Zum Schutze gegen die Cholera von Jakob Laurenz Sonderegger.

1885 vertrat er die Schweiz bei der Internationalen Sanitätskonferenz (Anti-Cholera-Kongress) in Rom, an der unter anderem auch Robert Koch teilnahm.

Im Militärdienst wurde er 1896 zum Oberstleutnant und 1915 zum Oberst befördert.

1909 wurde er Verwaltungsrat der neu gegründeten Bahngesellschaft Societä per la ferrovia elettrica Lugano-Caare Dino (siehe Lugano-Cadro-Dino-Bahn) mit Sitz in Lugano.

Er wurde 1913 Beisitzer im Vorstand der neu gegründeten Genossenschaft Balneologie und Klimatologie 1914, die sich an der Schweizerischen Landesausstellung 1914 in Bern mit einem eigenen Pavillon beteiligte.

Politisches Wirken Als Politiker der Konservativen Partei war Giovanni Reali lange Zeit im Gemeinderat von Lugano, Abgeordneter im Tessiner Grossrat von 1889 bis 1893 (Präsident 1891) und vom 5. März 1877 bis zum 1. Mai 1889 im Ständerat.

Er stimmte 1887 für die Einführung des Alkoholgesetzes.

Während der radikalen Revolution vom 11. September 1890 (siehe Tessiner Putsch) wurde er zusammen mit dem Regierungspräsidenten Gioachimo Respini, der sich bei ihm zu Hause aufhielt, inhaftiert; er beteiligte sich aktiv an dem darauf folgenden Prozess in Zürich. Nach dem Prozess übersandte er an den Verteidiger und Nationalrat Erwin Kurz eine Broschüre, in der dieser sich in ehrverletzender Weise angegriffen fühlte und Giovanni Reali verklagte; das Bezirksgericht Aarau verurteilte ihn zu 320 Franken Busse oder 80 Tagen Gefängnis und liess ihn steckbrieflich suchen.

Gemeinsam mit Giovanni Lurati und Antonio Riva legte er 1901 anlässlich der Staatsratswahlen beim Bundesrat wegen Wahlbeeinflussung einen Protest ein.

Mitgliedschaften Giovanni Reali war Mitbegründer und Präsident der Società medica della Svizzera italiana. Er war anfangs Präsident und später Ehrenpräsident des Offiziersclubs von Lugano.

Grabmal mini|Giovanni Realis Familiengrab mit der Skulptur von Antonio Chiattone (1903), Friedhof Lugano Am 21. Oktober 1900 starb Giovanni Realis Sohn Vittorio nach langer und schwerer Krankheit im Alter von erst 18 Jahren. Ihm zu Ehren liess die Familie 1903 auf dem Friedhof Lugano ein monumentales Grabmal errichten. Es zählt zu den letzten Werken des Tessiner Bildhauers Antonio Chiattone. Auf einem breiten Postament aus dunklem Castione-Stein und Gneis zeigt es, noch ganz im Stile des Verismus ausgestaltet, das marmorne Sterbebett des Jünglings, an dessen Kopfende eine Totenkerze brennt. Darüber erhebt sich eine vom Symbolismus beeinflusste Engelsgestalt, welche die Seele des Verstorbenen in den Himmel trägt. In der Grabstätte wurden später auch Giovanni Reali, seine Gattin sowie sein jüngerer Sohn, der Ingenieur Secondo Reali, beigesetzt. Das Reali-Grab wurde 2017 in die städtische Sammlung aufgenommen.

Schriften Über die Behandlung der angeborenen Schädel- und Rückgratsbrüche und ihren Ausgang. Zürich, 1874 (Digitalisat). Zur Abwehr! Ein offenes Wort. Basel, 1891 (Digitalisat).

Literatur

Erich Gruner: Bundesversammlung/L’Assemblée. Band 1, Francke, Bern 1966, S. 753 f. Celestino Trezzini: Giovanni Reali. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 5, Pictet – Resti. Neuenburg: Attinger Verlag, 1929, S. 545, (PDF Digitalisat). Giovanni Reali. In: Allgemeine schweizerische Militärzeitung, Band 69–89, Heft 23, S. 364–366 (Digitalisat).

Weblinks Giovanni Reali Ständerat auf parlament.ch

Einzelnachweise

Kategorie:Politiker (Schweiz) Kategorie:Grossrat (Tessin) Kategorie:Staatsrat (Tessin) Kategorie:Politiker (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Militärperson (Schweiz) Kategorie:Person (Lugano) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1852 Kategorie:Gestorben 1923 Kategorie:Mann