Das Tempo der Gründerjahre ist ein Gemälde des deutschen Malers Friedrich Kaiser aus der Zeit um 1875 oder 1865. Es wird im Märkischen Museum in Berlin ausgestellt.

Bildbeschreibung Das Bild zeigt den Wohnungsbau an der Grenadierstraße in der Spandauer Vorstadt, einem Stadtteil von Berlin. Während einige der Mietskasernen bereits stehen, beginnt bei den anderen gerade erst der Bau.Dominik Bartmann: Urbane Entwicklung und Großstadtmalerei in Berlin 1871–1939. In: Max Hollein / Vittorio Magnago Lampugnani / Karin Sagner / Matthias Ulrich (Hrsg.): Die Eroberung der Straße. Von Monet bis Grosz, München 2006, S. 70–81, hier S. 72. Den Vordergrund nimmt eine Baugrube ein. Auf deren Gelände stehen mehrere Pferdegespanne, die ausgehobenen Sand fortschaffen sollen. Mit Peitschenschlägen werden die Pferde vorangetrieben.Annemarie Lange: Berlin zur Zeit Bebels und Bismarcks. Zwischen Reichsgründung und Jahrhundertwende, Berlin 1972, S. 216. Verschiedene Arbeitsschritte des Bauens sind gleichzeitig und in einem einzigen Straßenzug sichtbar.o. V.: Exponat Nr. 110. In: Museumsjournal 10 (1996) 1, S. 44.

Entstehungsgeschichte thumb|Bauarbeiter, Ausschnitt aus dem Tempo der Gründerjahre Nachdem Berlin 1871 zur Reichshauptstadt des Deutschen Kaiserreiches aufgestiegen war, nahm seine Einwohnerzahl rapide zu.Dominik Bartmann: Tempo der Gründerzeit (Exponatbeitrag). In: Max Hollein / Vittorio Magnago Lampugnani / Karin Sagner / Matthias Ulrich (Hrsg.): Die Eroberung der Straße. Von Monet bis Grosz, München 2006, S. 48. Schon zwischen 1864 und 1871 erhöhte sie sich im Jahr durchschnittlich um etwa 27.500 Personen. Dies kam der Einwohnerzahl der Stadt Brandenburg oder der Stralsunds nahe.Thomas Friedrich: Menschen des Übergangs, unfertige Stadt. 1833–1898. Berlin als Fontanopolis. In: Dominik Bartmann und Anne Franzkowiak (Hg.), Fontane und sein Jahrhundert. Ausstellungskatalog, Berlin 1998, S. 178–198, hier S. 187. Deshalb musste schnell neuer Wohnraum geschaffen werden.Dominik Bartmann: Tempo der Gründerzeit (Exponatbeitrag). In: Max Hollein / Vittorio Magnago Lampugnani / Karin Sagner / Matthias Ulrich (Hrsg.): Die Eroberung der Straße. Von Monet bis Grosz, München 2006, S. 48. Vor allem im Norden der Stadt, unweit der Fabriken, wurden neue Mietshausviertel aus dem Boden gestampft. Ein Zeitgenosse fasste die Entwicklung wie folgt zusammen:

Unter diesem Eindruck fertigte Friedrich Kaiser sein Gemälde Tempo der Gründerjahre an. Es stellt nach Meinung von Dominik Bartmann eine Besonderheit dar, da Berlin als künstlerisches Motiv zu jener Zeit noch nicht weit verbreitet war. Das Gemälde stehe für die Stadt somit „am Beginn der neuartigen Großstadtthematik“.Dominik Bartmann: Tempo der Gründerzeit (Exponatbeitrag). In: Max Hollein / Vittorio Magnago Lampugnani / Karin Sagner / Matthias Ulrich (Hrsg.): Die Eroberung der Straße. Von Monet bis Grosz, München 2006, S. 48. Der Maler des Bildes, Friedrich Kaiser, war in erster Linie in der Historien- und Militärmalerei aktiv. Er wandte sich gelegentlich – ähnlich wie Adolph Menzel – aber auch den städtischen Motiven Berlins zu.Gisold Lammel: Adolph Menzel. Bildwelt und Bildregie, Dresden 1993, S. 101. Bereits 1859 malte Kaiser die Ansicht einer städtischen Baustelle in der Oranienburger Straße 57/58. Auch bei diesem Bild tauchen bereits Pferdewagen und Bauarbeiter auf.Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zum Ersten Weltkrieg. Berlin 1990, S. 316. In der Forschung wird angenommen, dass Kaisers Prägung als Schlachtenmaler für die dramaturgische Gestaltung des Bildes verantwortlich ist.o. V.: Exponat Nr. 110. In: Museumsjournal 10 (1996) 1, S. 44. Auch nach Meinung von Irmgard Wirth mutet die Szene mit den „wild angetriebenen Pferdegespanne[n]“ fast „kriegerisch“ an.Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zum Ersten Weltkrieg. Berlin 1990, S. 316.

Das Gemälde fängt titelgebend ein für die Zeitgenossen zuvor unbekanntes Bautempo ein.o. V.: Exponat Nr. 110. In: Museumsjournal 10 (1996) 1, S. 44. Der deutsche Sozialwissenschaftler Klaus Türk ordnet es dem Bildtypus des „heroischen Bauens“ zu. Es gehe um die Darstellung einer städtebaulichen „Demonstration von Macht und Größe“.Klaus Türk: Bilder der Arbeit. eine ikonographische Anthologie. Springer, Heidelberg 2000, ISBN 978-3-322-80367-2, S. 83. Der Kunsthistoriker Gisold Lammel meint, dass „die fieberhafte Bautätigkeit dramatisch ins Bild gesetzt“ werde.Gisold Lammel: Adolph Menzel. Bildwelt und Bildregie, Dresden 1993, S. 101.

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