Der Aufruf zum Ausschluss der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) vom 23. Juli 2022 ist ein Aufruf an den Weltkirchenrat (ÖRK) von zumeist im kirchlichen bzw. religiösen Bereich tätigen christlichen Wissenschaftlern aus Osteuropa oder mit Osteuropabezug für eine Suspendierung der Mitgliedschaft der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK). Er wurde am 23. Juli 2022 veröffentlicht. Hergang Der Aufruf war an den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖKR) mit Sitz in Genf gerichtet.risu.ua: The international network of scientists calls to deprive the Russian Orthodox Church of membership in the World Council of Churches (mit dem Text der Petition, englisch) Im deutschen Sprachraum wurde der Text zuerst auf der römisch-katholischen Website des Nachrichtendienstes Östliche KirchenZum Nachrichtendienst Östliche Kirchen (NÖK) von Renovabis, des Osteuropa-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, vgl. renovabis.de. (NÖK) verbreitet.
Die Unterzeichner bezeichnen sich als „ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen – Theologen / Theologinnen, Religionswissenschaftlern / Religionswissenschaftlerinnen, Historikern, Religionssoziologinnen –, die verschiedenen Konfessionen angehören (orthodox, römisch-katholisch, griechisch-katholisch, lutherisch, reformiert, anglikanisch, evangelikal) oder ohne religiöse Zugehörigkeit sind“, sie „verbindet eine tiefe Sorge um die tragische Situation in der Ukraine.“noek.info: Wissenschaftler rufen ÖRK zur Suspendierung der Mitgliedschaft der ROK auf
Der Appell missbilligt das Verhalten des russisch-orthodoxen Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus Kyrill, der den „ungerechten Krieg, den die Russische Föderation gegen die Ukraine führt“, mit „[s]einer schockierenden Verdrehung von Tatsachen und Werten“ rechtfertige.noek.info: Wissenschaftler rufen ÖRK zur Suspendierung der Mitgliedschaft der ROK auf
Zuvor war auf Antrag der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz im Zentralausschuss des Ökumenischen Rats der Kirchen die Suspendierung der Russisch-Orthodoxen Kirche geprüft worden, welche den Krieg theologisch zu rechtfertigen versucht und Kriegspropaganda betrieben habe.Dialog um fast jeden Preis, reformiert.info, Nr. 13/Juli 2022, Seite 4; „Trotz Kriegspropaganda bleibt die ROK weiterhin Mitglied im ÖRK“novayagazeta.eu: Über die Beendigung des Blutvergießens... Nowaja gaseta, 4. Juli 2022; „Patriarch Kyrill selbst, der in den ersten Tagen der „Spezialoperation“ versuchte, einige theologische und moralische Rechtfertigungen dafür zu finden (wie die Notwendigkeit, eine Schwulenparade in Donezk zu verhindern)....“
Ein Verfahren war nicht eingeleitet worden.Russisch-Orthodoxe Kirche bleibt Mitglied im Weltkirchenrat, reformiert.info, 22. Juni 2022
Auf der 11. Vollversammlung (ihr Motto lautete: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“) des ÖRK bezeichnete der kommissarische ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca den Krieg als „klaffende Wunde in unserer Welt von heute“.kirche-und-leben.de: Weltkirchentreffen beginnt: Scharfe Kritik an russischen Orthodoxen (31. August 2022)
Auf der Website des Nachrichtendienstes Östliche Kirchen (NÖK) wurde am 7. Oktober 2022 ferner berichtet, dass das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) den Soldaten, die in der Ukraine umkommen, die Vergebung ihrer Sünden in Aussicht gestellt habe.noek.info: Russland: Patriarch verspricht Soldaten Vergebung der Sünden
Einem der Unterzeichner, dem emeritierten Vorsitzenden der Tschechischen Brüderkirche (Církev bratrská) Pavel Černý zufolge, glaube Patriarch Kyrill I. so wie Russlands Präsident Wladimir Putin an eine „abermalige Verbindung von Thron und Altar“, wobei sich im russisch-ukrainischen Krieg dieses „grauenhafte Bündnis in seiner ganzen Nacktheit“ zeige.katholisch.de: Ökumeniker: Russisch-Orthodoxe aus Weltkirchenrat ausschließen (Aktualisiert am 8. März 2022)
Als Stütze der ukrainischen Nation hatte sich nach dem russischen Überfall auf die Ukraine vor allem die Orthodoxe Kirche der Ukraine erwiesen. Kyrills ukrainischer Amtskollege Epiphanius hatte sich im Juni 2022 für Waffenlieferungen an sein Land ausgesprochen.Orthodoxes Oberhaupt hofft auch auf EU-Beitritt: Kiewer Metropolit Epiphanius für Waffenlieferungen www.kirche-und-leben.de, 15. Juni 2022 Außerdem hatte Metropolit Epiphanius die orthodoxen Kirchenführungen anderer Länder bereits im April 2022 zum Bruch mit dem Moskauer Patriarchen aufgerufen. Durch seine Unterstützung des russischen Krieges gegen die Ukraine habe Kyrill „diejenigen, die ihm als ihrem Hirten vertrauten, in den Tod geführt“. „Niemand mit Blut an seinen Händen kann den Kelch oder den Hirtenstab halten“, so Epiphanius weiter.„Epiphanius ruft zu Bruch mit Patriarch Kyrill I. auf: Worte und Taten des Moskauer Patriarchen verurteilen“ www.domradio.de, 27. April 2022
Einer der Unterzeichner aus den Vereinigten Staaten beispielsweise war der Jesuit David Hollenbach von der Walsh School of Foreign Service und dem Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs, beide an der Georgetown University, der ältesten römisch-katholischen, von Jesuiten geleiteten, Universität in den USA. Von einer anderen US-amerikanischen Hochschule der Jesuiten, der Fordham University, unterzeichnete der russisch-orthodoxe Sergei Chapnin., wiss. Transliteration – ohne Angabe von Titeln, aber mit der Angabe „Russland / Vereinigte Staaten“, dort Senior Fellow des Orthodox Christian Studies Center (zu diesem Studienzentrum, vgl. die Offizielle Webseite). Von dort war auch die Erklärung zur Lehre von der „Russischen Welt“ (Ruskij Mir) (online unter publicorthodoxy.org, dt.) vom 13. März 2022 ausgegangen, die ebenfalls von ihm unterzeichnet wurde (siehe Unterschriftenliste), eine auf der Website Kalakazo als antirussisches politisches Pamphlet eingeordnete, in vielen Sprachen gleichzeitig publizierte Schrift, die dann als fast dogmatisches Oros eines ökumenischen Konzils beworben wurde (kalakazo.livejournal.com – 25. August 2022: „Антирусскую политическую листовку тогда раскручивали как чуть ли не догматический орос вселенского собора.“). - Tschapnin (Chapnin), der verantwortlicher Redaktor des Journals des Moskauer Patriarchats, war zusammen mit dem Erzpriester Wsewolod Tschaplin (dem Leiter der Synodalabteilung für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft) im Dezember 2015 prominent aus der Administration der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) entlassen worden (vgl. g2w.eu: Patriarch Kirill entlässt prominente Mitarbeiter).
Unterzeichner Die größtenteils christlichen Unterzeichner (aus einem breiten Spektrum östlicher Kirchen) werden – ähnlich wie bei vergleichbaren Aufrufen – mit Titeln (im Original), Funktionen, Länderangaben und last not least (mit wenigen Ausnahmen und bisweilen unvollständig) Kirchenzugehörigkeit angegeben:NÖK (vgl. risu.ua)
Ivan Almes (Ukraine), Dozent, Ukrainische Katholische Universität, Lviv, Direktor des Ihor Skochylias Zentrums für religiöse Kultur, Kirchenzugehörigkeit: Orthodoxe Kirche der Ukraine. Riho Altnurmeestnisch Riho Altnurme (Estland), Professor für Kirchengeschichte, Fakultät für Theologie und Religionswissenschaften, Universität Tartu, Kirchenzugehörigkeit: Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche. Pablo Argárate (Argentinien-Kanada/Österreich), Dekan, Theologische Fakultät, Universität Graz, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. Nikolaos Asproulis (Griechenland), stellvertretender Direktor, Volos-Akademie für Theologische Studien, Kirchenzugehörigkeit: Orthodoxe Kirche von Griechenland. Anatolii Babynski (Ukraine), Kirchenhistoriker, Forschungsstipendiat, Ukrainische Katholische Universität, Lviv, Kirchenzugehörigkeit: Ukrainische griechisch-katholische Kirche. P. Petr Beneš (Tschechische Republik), Priester, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. Tamás Béres (Ungarn), Leiter der Abteilung für Systematische Theologie, Lutherische Theologische Universität, Budapest, Kirchenzugehörigkeit: Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn. Sergiy Berezhnoy (Ukraine), orthodoxer Priester, Dozent, Kiewer Orthodoxe Theologische Akademie, Kirchenzugehörigkeit: Orthodoxe Kirche der Ukraine. Reimund Bieringer (Deutschland / Belgien), ordentlicher Professor für Neues Testament, Katholische Universität Leuven, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. Ionuț Biliuță (Rumänien), Historiker, Forscher, Gheorghe Șincai Institut für Sozio-humane Forschung / Rumänische Akademie, Târgu Mureș, Forschungsstipendiat am Polnischen Institut für Höhere Studien, Kirchenzugehörigkeit: Rumänisch-Orthodoxe Kirche. Ionuț Blidar (Rumänien), SThD (Pontificia Academia Mariana Internationalis), griechisch-katholischer Priester, Timișoara, religiöse Zugehörigkeit: Griechisch-katholische Kirche Rumäniens. Oleksandr Brodetskyi (Ukraine), Religionswissenschaftler, Dozent, Fachbereich Philosophie und Kulturwissenschaften, Jurij Fedkowytsch Nationale Universität Czernowitz, Kirchenzugehörigkeit: Orthodoxe Kirche der Ukraine. José Casanova (Vereinigte Staaten), emeritierter Professor für Soziologie, Theologie und Religionswissenschaften, Georgetown University, Washington DC, Senior Fellow, Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. Pavel Černý (Tschechische Republik), Dozent für Praktische Theologie und Missiologie, Evangelisch-Theologisches Seminar in Prag, emeritierter Vorsitzender der evangelischen Brüderkirche, emeritierter Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen in der Tschechischen Republik, Kirchenzugehörigkeit: Die Brüderkirche in der Tschechischen Republik. Sergei Chapnin (Russland / Vereinigte Staaten), Senior Fellow, The Orthodox Christian Studies Center, Fordham University, Kirchenzugehörigkeit: Russisch-Orthodoxe Kirche. Lukas de la Vega Nose PhD (Tschechische Republik), Karlsuniversität Prag, Hussitische Theologische Fakultät, Fachbereich Religionswissenschaften, Kirchenzugehörigkeit: Chiesa Evangelica Valdese. Peter De Mey (Belgien), Professor für Ekklesiologie und Ökumene, Prodekan für internationale Beziehungen, Katholische Universität Leuven, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. Johan de Tavernier (Belgien), Ordentlicher Professor für Theologische Ethik, Dekan der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaft, Katholische Universität Leuven, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. Mychajlo Dymyd (Ukraine / Belgien), Doktor des Kirchenrechts, Protopresbyter, Professor, Ukrainische Katholische Universität, Lviv, Kirchenzugehörigkeit: Ukrainische griechisch-katholische Kirche. Ovidiu Druhora (Rumänien / Vereinigte Staaten), Bischof, Church of God (Cleveland, TN), außerordentlicher Professor an der Aurel Vlaicu Universität in Arad, Rumänien. Erzpriester Andriy Dudchenko (Ukraine), Dozent, Orthodoxe Theologische Academie Kyiv, Kirchenzugehörigkeit: Orthodoxe Kirche der Ukraine. ThD Jan A. Dus (Tschechische Republik), Assistenzprofessor an der Karlsuniversität in Prag, Kirchenzugehörigkeit: Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder. Protopresbyter Vitaliy Eismonth (Ukraine), Magister der Theologie, Oberpriester, Beyeve, Diözese Sumy der Orthodoxen Kirche der Ukraine. Massimo Faggioli (Vereinigte Staaten), Professor für Historische Theologie, Villanova University, Department of Theology and Religious Studies, Villanova, PA, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. Michael Fieger (Schweiz), Professor für Altes Testament, Forschungsdekan, Theologische Hochschule Chur, Kirchenzugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche. David Frýdl (Tschechische Republik), Pfarrer, Tschechoslowakische Hussitische Kirche. Liudmyla Fylypovych (Ukraine), Religionswissenschaftlerin, Abteilung für Religionswissenschaften, Philosophisches Institut der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Kirchenzugehörigkeit: Orthodoxe Kirche der Ukraine.