mini|hochkant|Schutzumschlag der deutschen Erstausgabe 1982

Der Name der Rose ist der erste Roman des italienischen Wissenschaftlers und Schriftstellers Umberto Eco. Eco gelang damit ein Welterfolg. Das Buch erschien 1980 im italienischen Original als Il nome della rosa und 1982 in der deutschen Übersetzung von Burkhart Kroeber.

Das mehrschichtige Werk, Epochenporträt, philosophisches Essay und der äußeren Form nach ein breit angelegter historischer Kriminalroman, der anno 1327 in einer norditalienischen Benediktinerabtei spielt, entwirft ein lebendiges Bild des Spätmittelalters mit seinen politischen, sozialen und religiösen Konflikten. Es ist zudem mit zahlreichen Anspielungen auf die Gegenwart, besonders auf das Italien der 1970er Jahre, durchsetzt. Mit seiner Nachschrift zum ›Namen der Rose‹ versuchte Eco, auch den in Mediävistik, Semiotik oder Kultur der Postmoderne weniger bewanderten Lesern einen Zugang zu den tieferen Schichten des Buches zu eröffnen.

Der Roman wurde 1986 von Jean-Jacques Annaud unter dem Originaltitel Der Name der Rose mit Sean Connery in der Hauptrolle verfilmt.

Das Magazin Der Spiegel zählt den Roman zu den besten 100, die zwischen 1925 und 2025 erschienen sind.

Zusammenfassung In einem Vorwort mit dem Titel Natürlich, eine alte Handschrift, datiert auf den 5. Januar 1980 (Ecos 48. Geburtstag), aber nicht namentlich gezeichnet, wird die Herausgeberfiktion entfaltet, dass es sich um die Nacherzählung einer verlorenen alten Handschrift handeln würde.Andrea Polaschegg: Der Anfang des Ganzen. Eine Medientheorie der Literatur als Verlaufskunst. Wallstein, Göttingen 2020, S. 18. Historischer Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Papst und der von Kaiser Ludwig IV. protegierten Ordensgemeinschaft der Franziskaner. Die Geschichte spielt in einer reichen mittelalterlichen Benediktinerabtei, in der sich mysteriöse Todesfälle ereignen. Die Abtei liegt an den Hängen des Apennin „zwischen Lerici und La Turbie“.Nach Dante, Purgatorio 3,51: Tra Lerice e Turbìa la più diserta, la più rotta ruina (zwischen Lerici und Turbia, nun Trümmerstätte).

Der englische Franziskanerpater William von Baskerville, der in einer politischen Mission als Sondergesandter des Kaisers unterwegs ist, wird vom Abt der Benediktinerabtei gebeten zu ermitteln. Ihm eröffnet sich bei seinen Untersuchungen eine Welt von Glaubensfehden, verbotenen und verborgenen Leidenschaften sowie kriminellen Energien. Am Ende verbrennt mit dem geheim gehaltenen zweiten Buch der Poetik des Aristoteles, das von der Komödie handelt, die ganze Abtei mitsamt ihrer kostbaren Bibliothek.

Der Roman ist (analog zu den sieben Posaunen der biblischen Offenbarung des Johannes) in sieben Tage unterteilt und voller philosophischer, theologischer, historischer, zeitgenössischer und literarischer Anspielungen und Zitate. Dem Tagesablauf der Mönche entsprechend ist jeder Tag untergliedert in die kanonischen Stunden Laudes, Prima, Tertia, Sexta, Nona, Vesper und Komplet.

Handlung Als Novize und Adlatus in der Obhut des Franziskaners William von Baskerville besucht der Ich-Erzähler, der junge Adson von Melk, Ende November 1327 – während der Zeit des avignonesischen Papsttums – eine Benediktinerabtei im Ligurischen Apennin. Dort sollen sich führende Köpfe des Franziskanerordens mit einer Gesandtschaft des Papstes Johannes XXII. treffen, um brisante theologische Fragen des Für und Wider der Vita apostolica, der Armut der Kirche, zu diskutieren und damit gleichzeitig Machtpositionen zwischen dem Apostolischen Stuhl, Dominikanern, Franziskanern und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches abzustecken.

Bevor es zu dem politisch-theologischen Treffen kommt, bittet der Abt des Klosters Abbo von Fossanova den für seinen Scharfsinn bekannten William (der früher einmal Inquisitor war, aber dieses Amt niedergelegt hat), den mysteriösen Todesfall des Adelmus von Otranto aufzuklären, der sich unlängst im Kloster ereignet hat. Während Williams Arbeit an diesem Fall kommen innerhalb weniger Tage vier weitere Mönche auf zunächst ungeklärte Weise zu Tode.

Die Aufklärung dieser Todesfälle ist der erzählerische Hauptstrang des Romans, der mit etlichen Verzweigungen und Nebenlinien aufwartet, die ein komplexes und vielfarbiges Bild des mittelalterlichen Lebens auf allen sozialen Ebenen zeichnen und insbesondere den erzählenden Adson zu zahlreichen prägenden Erlebnissen und inneren Auseinandersetzungen mit theologischen, historischen und philosophischen Fragen führen. Anhand des Ketzerführers Fra Dolcino und des Inquisitors Bernard Gui werden auch die Phänomene der Häresie und der Inquisition behandelt. Zudem entspinnt sich am Rande eine Liebesgeschichte zwischen Adson und einem namenlosen Bauernmädchen, das er während einer nächtlichen Verfolgungsjagd trifft, das ihn unversehens verführt und das er vor der Inquisition des Bernard Gui retten will.

William und Adson kommen einer ketzerischen Vergangenheit mehrerer Mönche auf die Spur, Fällen von Eifersucht unter homosexuellen und Rivalitäten zwischen den italienischen und den ausländischen Mönchen. William von Baskerville glaubt, dass hinter den Todesfällen ein einziger Mörder steckt, der sich an der Abfolge der sieben Posaunen aus orientiert. Dabei irrt er sich zwar, gelangt durch Zufälle aber dennoch in die als nahezu unzugängliches Labyrinth angelegte Klosterbibliothek zu dem blinden Bibliothekar Jorge von Burgos. Dieser greise Mönch hütet dort das womöglich einzige erhaltene Exemplar des „Zweiten Buches der Poetik“ des Aristoteles, in dem – nach der Tragödie im ersten Teil – die Komödie behandelt wird. Jorge hält die in diesem Buch vertretene positive Einstellung zur Freude und zum Lachen für derart gefährlich, dass er es mit einem Gift versehen hat und es lieber vernichten würde, als es in fremde Hände fallen zu lassen. Am Ende lockt er sogar den Abt in eine tödliche Falle. Als der Versuch, auch William durch das vergiftete Buch zu töten, scheitert, kommt es zu einer Verfolgungsjagd und dann zu einem Handgemenge, in welchem eine Öllampe durch Jorge zu Boden geschleudert wird, so dass die Bibliothek in Brand gerät. William und Adson können zwar entkommen, jedoch ergreift das Feuer das gesamte Kloster und vernichtet es.

Am Ende hat William zwar den Fall gelöst, die Katastrophe jedoch nicht verhindern können. Resigniert stellt er fest: „Ich bin wie ein Besessener hinter einem Anschein von Ordnung hergelaufen, während ich doch hätte wissen müssen, dass es in der Welt keine Ordnung gibt.“ Ähnlich entmutigt beendet Adson seinen Bericht mit den Worten „Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus“ („Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen“), einem abgewandelten Zitat von Bernhard von Morlaix.

Aedificium und Labyrinth miniatur|Das Labyrinth der Bibliothek im obersten Stock des Aedificiums, ausgerichtet nach Norden (Septentrio) Das vom Castel del Monte inspirierte Aedificium ( für „Gebäude“) ist ein dreistöckiger achteckiger Bau, an dessen vier nach den Himmelsrichtungen liegenden Seiten sich je ein Turm befindet, der von außen als unregelmäßiges Fünfeck, nach innen als regelmäßiges Siebeneck erscheint. Im Erdgeschoss befinden sich Küche und Refektorium, im ersten Obergeschoss das Skriptorium und im zweiten Obergeschoss die als Labyrinth angelegte Bibliothek. 54 der insgesamt 56 Räume der Bibliothek sind am Eingang mit einem Vers aus der Offenbarung des Johannes überschrieben, deren Anfangsbuchstaben die Lage bezeichnet: Werden die Räume in der richtigen Reihenfolge abgeschritten, so bilden die Buchstaben die Herkunftsregion der Autoren – oder die, „aus denen sie hätten stammen müssen“. Die Bibliothek ist damit als Weltkarte angelegt:

Der Raum ganz nach Osten, umgeben vom Fons Adae („Quelle Adams“), der Zone der Bibeln und Bibelkommentare, dient als Kapelle. Im Inneren des Südturms ([Hic sunt] Leones) befindet sich die Geheimkammer Finis Africae, in der verbotene Bücher sekretiert sind.

Entstehung Eco begann im März 1978 zuerst ohne klare Vorstellung der Handlung. Der Grundgedanke war, „einen Mönch zu vergiften“. Darüber schreibt er in seiner Nachschrift zum ‚Namen der Rose‘: „Ich glaube, Romane entstehen aus solchen Ideenkeimen, der Rest ist Fruchtfleisch, das man nach und nach ansetzt.“Umberto Eco: Nachschrift zum ‚Namen der Rose‘, (dt. von B. Kroeber), Hanser 1984, S. 21. Die Hauptfigur sollte zunächst ein zeitgenössischer Mönchs-Detektiv sein, der Il manifesto liest. Um sich bei seinem Romandebüt nicht zu exponieren, beschloss er allerdings bald, einen mittelalterlichen Mönch erzählen zu lassen und dem Roman eine fiktive Überlieferungsgeschichte zu geben, beginnend bei den Jugenderinnerungen des greisen Adson:Nachschrift, S. 21 ff.

Titel Der Arbeitstitel lautete zuerst Die Abtei des VerbrechensNachschrift, S. 10. und dann nach der Hauptfigur Adson von Melk. Dieser zweite Titel sei jedoch vom Verlag abgelehnt worden. Der endgültige Titel bezieht sich auf den Satz, mit dem das Buch endet: Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus (Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen). Es handelt sich um eine Variation eines Hexameters aus Bernhard von Clunys De contemptu mundi (Von der Verachtung der Welt), wo es über die Stadt Rom heißt: Stat Roma pristina nomine, nomina nuda tenemus (Das alte Rom steht nur noch als Name, uns bleiben nur die bloßen Namen).De contemptu mundi, Liber primus, Zeile 952 Wikisource Eco meinte zu diesem versteckten Zitat, Der Name der Rose schicke den Leser in alle Richtungen – also in keine bestimmte. Wer wolle, könne auch an den Namen des Mädchens denken.Nachschrift, S. 11ff.

Die Rose und der Name waren seit dem Mittelalter Zentralbegriffe im Universalienstreit, auch exakt in der Zusammenstellung Der Name der Rose als Beispiel für eine Verknüpfung von Begriff und ObjektVgl. die Anspielung auf diese philosophische Diskussion in William Shakespeare: Romeo and Juliet, Akt 2, Szene 2, in der Julia sagt: “What’s in a name? that which we call a rose / By any other name would smell as sweet”., speziell auch bei dem mittelalterlichen Philosophen Peter Abaelard. Dieser benutzte das Beispiel, dass die „Rose“, auch wenn es keine Rosen gibt, weiterbestehe, aber nur als Name, d. h. als Wortbedeutung in der Sprache, nicht als Realität.William J. Hoye: Vorlesung über Umberto Ecos Der Name der Rose – ein Roman über Gott und die Wahrheit: online Abaelards tragische Liebesbeziehung zu Heloisa findet sich wiederum in der bekannten Bebilderung einer mittelalterlichen Handschrift des Rosenromans (franz. Le Roman de la Rose), in dem die Rose symbolisch für die geliebte Frau steht. Man kann annehmen, dass der Buchtitel auch auf diese Zusammenhänge anspielt, zumal Eco ein anerkannter Mediävist und profunder Kenner der mittelalterlichen Semiotik war. Seiner Nachschrift zum ‚Namen der Rose‘ setzt er ein Gedicht der mexikanischen Lyrikerin Juana Inés de la Cruz voran, das zu Deutsch etwa lautet „Rose, die rot auf dem Anger, stolz du dich spreizest, gebadet in Purpur und Karmesin: Prunke üppig und duftend. Doch nein, denn schön seiend, wirst du bald unglücklich sein“.

Figuren Viele Figuren des Romans spielen auf historische Persönlichkeiten und literarische Gestalten an.

William von Baskerville