Der Murgkreis war eine Verwaltungseinheit im Großherzogtum Baden mit Sitz in Rastatt. Er bestand von 1809 bis 1819.

Lage Das Gebiet des Murgkreises lag in einem zentralen Bereich des Landes Baden und umfasste mit Rastatt und Baden die ehemaligen Residenzstädte der Markgrafschaft Baden-Baden. Landschaftlich teilte es sich in zwei Hälften: einen flachen, in der Oberrheinischen Tiefebene gelegenen Nordwesten und einen bergigen Südosten im Nordschwarzwald. Dichter besiedelt waren hier insbesondere die Täler des namensgebenden Flusses Murg und der Oos.

Geschichte Nachdem die zum Kurfürstentum erhobene Markgrafschaft Baden aufgrund der Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 erhebliche Gebietsgewinne verzeichnen konnte, veröffentlichte deren Regierung mehrere Organisationsedikte. Gleich im ersten davon wurde die neue Gliederung Badens in drei Provinzen festgelegt. In diesen Rahmen wurden auch nachfolgende territoriale Erweiterungen, insbesondere durch den Pressburger Frieden 1805 und die Rheinbundakte von 1806 integriert.

Mit dem Novemberedikt wurde in Baden Ende 1809 eine grundlegende Veränderung der Verwaltungsstrukturen verkündet. Anfang 1810 traten an die Stelle der drei Provinzen zehn Kreise, die landesweit als Mittelbehörde oberhalb der Ämter fungierten.Entsprechende Verordnung vom 9. November 1809, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 2. Dezember 1809, Heft XXXXIX, S. 395–399. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.

Das Amt des Direktors des Murgkreises wurde dem bisherigen Landvogt von Gernsbach, Joseph von Lassolaye, übertragen.Entsprechende Verordnung, veröffentlicht am 20. Januar 1810 im Großherzoglich Badischen Regierungsblatt, Heft III, S. 23. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Sitz der Verwaltung war das Forstnersche Palais in Rastatt.Marco Müller: Von der Residenz zur Landstadt – Rastatt in den Jahrzehnten nach 1771. Badische Heimat, Heft 4/2005, S. 493. Online verfügbar, PDF-Datei, 7,4 MB.

Im Frühjahr 1819 wurde der Murgkreis aufgelöst. Die Ämter Bühl und Achern wechselten zum Kinzigkreis, die übrigen zum Pfinzkreis, der ab da als Pfinz- und Murgkreis firmierte.Entsprechende Verordnung vom 3. März 1819, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Staats und Regierungsblatt am 6. März 1819, Heft VIII, S. 33. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.

Ämter des Murgkreises mini|Der zentrale Bereich des Murgkreises auf einer topographischen Karte von 1860. Ende 1809 wurden dem Murgkreis die zehn Ämter (Rhein)Bischofsheim, Oberkirch, Renchen, Achern, Bühl, Baden, Gernsbach, Ettlingen sowie Stadt- und Erstes Landamt Rastatt und Zweites Landamt Rastatt zugeteilt.Beilage A zur Verordnung vom 9. November 1809 vom 2. Dezember 1809, veröffentlicht am 9. Dezember 1809 im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am , Heft L, S. 410f. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Bereits kurz danach kam es zu ersten Änderungen: Die geplante erneute Errichtung des Amtes Renchen unterblieb, das Amt Oberkirch wurde zum Kinzigkreis umgesetzt.Entsprechende Verordnung vom 30. Dezember 1809, veröffentlicht am 20. Januar 1810 im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt, Heft III, S. 19. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Anfang 1813 wurde das Amt Steinbach neu errichtet.Entsprechende Verordnung vom 16. Februar 1813, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 11. März 1813, Heft VII, S. 40f. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Da auch das Amt Rheinbischofsheim zum Kinzigkreis umgegliedert worden war, verblieben acht Ämter. 1814 wird für den Murgkreis von 85.112 Einwohnern berichtet, die sich so auf die nun als Bezirksamt titulierten Ämter verteilten:Johann L. Büchler (Herausgeber): Das Großherzogthum Baden nach seinen Kreisen, Hofgerichtsprovinzen und Amtsbezirken topographisch dargestellt. Zweite vermehrte und umgearbeitete Auflage 1814, S. 59. Digitalisierte Version auf der Website des Münchener Digitalisierungszentrums. Bezirksamt Achern: 12.859 Bezirksamt Bühl: 14.035 Bezirksamt Steinbach: 7.021 Stadt- und Erstes Landamt Rastatt: 11.165 Zweites Landamt Rastatt: 10.347 Bezirksamt Baden: 7.126 Bezirksamt Gernsbach: 10.789 Bezirksamt Ettlingen: 11.770

Anfang 1819 wurden die beiden Rastatter Ämter zum Oberamt Rastatt vereinigt.Entsprechende Verfügung vom 23. Januar 1819, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 10. Februar 1819, Heft V, S. 19. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.

Weblinks

Literatur Historischer Atlas von Baden-Württemberg, online verfügbar bei LEO-BW: Blatt VII.4: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1815–1857. Erläuterungsblatt verfasst von Ulrike Redecker und Wilfried Schöntag. Topographisches Universallexikon vom Großherzogthum Baden, Karlsruhe 1843, Sp. 12ff.

Einzelnachweise

Murgkreis Kategorie:Organisation (Rastatt) Kategorie:Politik (Landkreis Rastatt) Kategorie:Murg (Oberrhein) Kategorie:Verwaltungseinheitsgründung 1809 Kategorie:Aufgelöst 1819