Valeurs actuelles (deutsch: Aktuelle Werte) ist eine rechtsnationale französische Wochenzeitschrift. Aufsehen erregte die Zeitschrift durch ein großes Interview 2019 mit Präsident Emmanuel Macron und 2021 den Aufruf von pensionierten Generälen gegen den Islamismus in Frankreich.
Geschichte und Entwicklung Die Zeitschrift, gegründet 1966 von Raymond Bourgine, war anfänglich ein Ableger des Wirtschafts- und Anlegermagazins Finance. Sie hatte 2022 eine Auflage von gut 109.000 Exemplaren. Nach und nach entwickelte sie sich zu einer politischen Zeitschrift mit liberal-konservativer und dann rechtsextremer Ausrichtung.
Ursprünglicher Eigentümer war die konservative Mediengruppe Socpresse, zu der auch Le Figaro, das Magazin L’Express und andere Printmedien gehörten. Die rechtskonservative redaktionelle Linie wurde 2012 mit der Ankunft von Yves de Kerdrel als Chefredakteur, nachdem die Auflage auf 5.000 Exemplare gesunken war, radikalisiert und ab dann als rechtsextrem klassifiziert. 2014 übernahm der Verlag Valmonde die Zeitschrift, dem auch das Magazin Le Spectacle du Monde und das Jagdmagazin Jours de Chasse gehören.Le groupe Valmonde relance le magazine Le Spectacle du Monde, 30 Jan 2019.
Im Jahr 2016 führte die Zeitschrift ein Interview mit Donald Trump, dem damaligen Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei der USA. In einem Leitartikel bezeichnete Yves de Kerdrel den neuen US-Präsidenten Trump als „korrupten, fremdenfeindlichen und sexistischen Geschäftsmann“. Auch Nicolas Sarkozy, Ex-Präsident Frankreichs, nutzte die Zeitschrift wegen ihrer Nähe zum Front National als Plattform für seine Rückkehr in die Politik und gewährte dem Magazin programmatische Interviews.Jürg Altweg: Das Magazin "Valeurs actuelles" macht Furore. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Oktober 2016.
2019 erschien ein großes, zwölfseitiges Interview mit Präsident Emmanuel Macron, das Schlagzeilen machte und die politische Linke Frankreichs ärgerte. Macron sprach in dem Interview kritisch über den Islam, die islamische Verschleierung von Frauen und die Immigration.Mediawatch: Fury over Macron's far right Magazine Interview. 30. Oktober 2019. Macron verteidigte sich gegen Kritik an dem Interview und sagte, er wolle auch ein anderes Publikum erreichen. Er nannte Valeurs Actuelles „ein sehr gutes Magazin, das man lesen muss, wenn man wissen will, was die Rechte denkt“.Ce qu’Emmanuel Macron dit dans "Valeurs Actuelles". In: Huffington Post France, 30. Oktober 2019.
2021 erregte ein Aufruf von 20 pensionierten Generälen und 100 weiteren hochrangigen Militärs frankreichweit und auch international Aufsehen, die darin vor islamistischem Terror und eine Übernahme islamistischer Gruppen in den Vorstädten warnten, die zu einem Bürgerkrieg führen könnten.Frühere Generäle warnen vor „Horden in der Banlieue“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. April 2021.Henry Samuel: Retired generals' warning of impending 'civil war' in France sparks political storm. In: The Daily Telegraph, 26. April 2021. Der öffentliche Appell erzielte ein großes Echo und das Verteidigungsministerium drohte mit Sanktionen. Die Militärs sollen der französischen Rechtspartei Rassemblement national von Marine Le Pen nahestehen.
2023 wurde im Rahmen der Recherchen zur unter dem Namen „Abu Dhabi Secrets“ bekannt gewordenen, von den Vereinigten Arabischen Emiraten gesteuerten Diskreditierungskampagne bekannt, dass Louis de Raguenel, bis 2023 Chefredakteur von Valeurs Actuelles, mit der auf „Dark PR“ spezialisierten, die VAE-Kampagne ausführenden Genfer Privatdetektei Alp Services kooperiert hatte. De Raguenel war von Alp Services als „Subunternehmer“ geführt worden und hatte Zahlungen für Recherchen erhalten; die Detektei zählte Valeurs actuelles zu den wichtigsten Ressourcen für ihre Kampagne. Journalisten der für die Recherchen verantwortlichen European Investigative Collaborations denken, sechs Artikel identifiziert zu haben, die mit teilweise fehlerhaften Informationen von Alp Services von de Raguenel und anderen Autoren in der Zeitschrift veröffentlicht worden waren. De Raguenel stritt dies ab.Ähnlich
Einer der wichtigsten Leitartikler ist Michel Gurfinkiel, ein Publizist aus jüdisch-französischer Familie, der zuvor langjähriger Chefredakteur war. Er warnte 2006 vor einer Islamisierung und politischer Instabilität Frankreichs.Jacques Schuster: "Dem Libanon ähnlich" - wie der Publizist Michel Gurfinkiel Frankreichs Zukunft sieht. In: Die Welt, 30. März 2006. Der Historiker Jean Tulard schrieb für das Magazin. Chefredakteur war auch Geoffroy Lejeune.
Im Dezember 2025 wurde der Verlag Valmonde durch ein Investorentrio erworben (Alexis Claude, Benjamin La Combe und der Milliardär Pierre-Édouard Stérin). Chefredakteur blieb Tugdual Denis.
Einzelnachweise
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