mini|Detail des unten abgebildeten Epitaphs: Wappenschild Cleve Cleve ist der Name einer ursprünglich aus Antwerpen stammenden adeligen Familie, die im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg über mehrere Generationen hinweg Beamte in verschiedenen, zum Teil hohen Funktionen hervorbrachte.
Geschichte
mini|Epitaph für Anton Caspar Christoph Cleve und seine Ehefrau an der Außenwand der Kirche St. Petri in Weende mit den von Putten gestützten Wappen der Familien Cleve und Wackerhagen
Ältester bekannter Namensträger ist Paul Cleve der Ältere, geboren um 1540 in Antwerpen, der der Überlieferung nach wegen religiöser Verfolgung aus den Spanischen Niederlanden nach Braunschweig eingewandert sein soll. 1571 wurde er von Herzog Julius von Braunschweig für sieben Jahre zum herzoglichen Kammerschreiber, Leibdiener und obersten Buchhalter bestallt und war insbesondere mit Visitationen der Zechen, Hütten, Faktoreien usw. beschäftigt. 1573 wurde er zudem Kanoniker des Stiftes St. Blasii zu Braunschweig. Als Verwalter des Klosters Riddagshausen ab 1574 wurde er wegen schlechter Verwaltung und Missbrauchs von Klostergut angeschuldigt. Ebenso stieß er ab 1578 als Probst des Klosters Frankenberg in Goslar auf die Ablehnung der Nonnen und bat um Entpflichtung, „da sie mich nicht leiden wollen und danach trachten, mir zu lohnen, wie die Welt zu lohnen pflegt“. Im September 1577 wurde er gemeinsam mit Ernst Garsse mit der Erarbeitung einer neuen Landgerichtsordnung sowie Fiskalordnung betraut.
Er heiratete Wommele, die Tochter des Bremer Bürgermeisters Johann Esich aus einem angesehenen Bremer Patriziergeschlecht.
Seine männlichen Nachkommen übten über einen Zeitraum von mehr als 300 Jahren hohe Ämter aus, regelmäßig als Amtmänner verschiedener Ämter, aber auch als Kämmerer u. a. Sie verheirateten sich mit Töchtern angesehener Familien des Bildungsbürgertums, wie auch ihre Töchter in derartige Familien einheirateten. Schon von seinem Sohn Johannes Cleve heißt es, er sei adelig ohne Namensführung mit dem Adelsprädikat „von“, jedoch mit Wappen gewesen. Der Nachfahre Ernst Wilhelm Karl Cleve (1808–1864) wurde 1845 in den mecklenburg-schwerinischen Adelsstand erhoben und nannte sich dann „von Cleve“.
Pauls gleichnamiger Enkel Paul Cleve der Jüngere (1618–1673) war Amtmann in Bevern, welches 1667 dem Herzog Ferdinand Albrecht als Apanage verliehen wurde. Cleve hatte dessen Bruder Rudolf August hierüber jeweils Rechnung zu erteilen. Da Ferdinand Albrecht die Einkünfte nicht genügten, beschwerte er sich über den „Starrkopf Cleve“. Er beschuldigte Cleve wegen respektwidrigen Betragens, verlangte die Entlassung desselben und behauptete einen von ihm unternommenen tätlichen Angriff auf die Person des Herzogs, welcher ihn deshalb gefangen setzen ließ. Im Rahmen der anschließenden Untersuchung durch den Geheimen Rat Söhle weigerte sich der Herzog, seine Diener als Zeugen anhören zu lassen, da ihm allein die Jurisdiktion über diese zustehe. Ferdinand Albrecht ritt mit seinem Hofgesinde auf den Hof des Amtmanns und verhöhnte die dort aufgestellten Wachposten durch das Abfeuern von Pistolen. Erst im weiteren Verlauf des Jahres 1668 wurde Cleve in Bevern wieder eingeführt. Die erlittene Kränkung dürfte zu seinem frühen Tod beigetragen haben.
Stammreihe
Siehe auch Cleve
Einzelnachweise
Kategorie:Individuelle Familie