mini|Abgeordnetenhaus im Palais Thun in Prag Die Abgeordnetenhauswahl in Tschechien 2025 fand am 3. und 4. Oktober 2025 statt. Dabei wurden die 200 Mandatsträger des Abgeordnetenhauses gewählt.

Die Oppositionspartei ANO des ehemaligen Premierministers Andrej Babiš gewann die Wahl mit 34,5 % deutlich vor dem Wahlbündnis SPOLU von Premier Petr Fiala mit 23,4 %. Die Bürgermeisterpartei STAN und die Piratenpartei, die bei der letzten Wahl 2021 noch gemeinsam angetreten waren, verzeichneten mit 11,2 % bzw. 9,0 % Zugewinne, während die rechtsextreme SPD mit 7,8 % Stimmen verlor. Die Motoristen (AUTO) zogen mit 6,8 % neu ins Abgeordnetenhaus ein. Die traditionellen Linksparteien SOCDEM und KSČM schafften auch mit einer gemeinsamen Liste (Stačilo!) den Wiedereinzug nicht.

Die Wahlbeteiligung stieg gegenüber 2021 von 65,4 % auf 68,9 % und war damit so hoch wie seit 1998 nicht mehr.

Wahlsystem Das Abgeordnetenhaus wird nach dem Reststimmenverfahren auf vier Jahre gewählt.

Im Februar 2021 wurde das Wahlgesetz vom Verfassungsgericht teilweise für verfassungswidrig erklärt. Die Sitze wurden zuvor in 14 Wahlkreisen, deren Einteilung der Gliederung des Landes in Regionen entsprach, nach dem D’Hondt-Verfahren vergeben. Es galt eine Sperrklausel von 5 %. Für Koalitionen von zwei Parteien lag die Hürde bei 10 %, bei drei oder vier beteiligten Parteien stieg die Hürde auf 15 beziehungsweise 20 %. Das Verfassungsgericht beanstandete die großen Parteien begünstigende D’Hondt-Sitzverteilung in den Wahlkreisen und die hohe Sperrklausel für Koalitionen.Radio Prague International: Constitutional Court repeals electoral law clauses favouring big parties, hamstringing coalitions

Die am 1. Juli 2021 in Kraft getretene Wahlrechtsreform behält die 14 Wahlkreise bei, auf die 200 Sitze proportional zu den dort abgegebenen gültigen Stimmen aufgeteilt werden.

Die Sperrklausel von 5 % bleibt, die Hürde für Koalitionen sinkt auf 8 % bei zwei beteiligten Parteien und 11 % bei drei oder mehr Parteien. Die Sitzverteilung erfolgt in zwei Schritten:Brono Daily: President Zeman Signs New Electoral System Into LawAssociated Press: Czech lawmakers change electoral law to help small partiesÄnderungsgesetz (189/2021) Im ersten Schritt werden die Sitze in den Wahlkreisen vergeben. In jedem Wahlkreis wird die regionale Wahlzahl ermittelt, indem die Zahl der gültigen Stimmen im Wahlkreis für alle an der Sitzverteilung teilnehmenden Listen durch die um zwei erhöhte Zahl der im Wahlkreis zu vergebenden Sitze geteilt wird. Die Parteien und Koalitionen oberhalb der Sperrklausel erhalten für jede volle Wahlzahl jeweils einen Sitz. Die übrig bleibenden Reststimmen sind Grundlage für die Sitzzuteilung auf nationaler Ebene. Werden im Wahlkreis mehr Sitze vergeben, als ihm Sitze zustehen, werden die überzähligen Sitze gestrichen, indem die Listen mit dem geringsten Reststimmen jeweils einen Sitz weniger bekommen. Im zweiten Schritt werden die noch nicht vergebenen Sitze auf nationaler Ebene verteilt. Für die einzelnen Parteien und Koalitionen werden die Reststimmen aus den einzelnen Wahlkreisen addiert. Die Summe aller Reststimmen für alle Parteien und Koalitionen landesweit wird durch die Zahl der noch zu verteilenden Sitze erhöht um eins geteilt und so die nationale Wahlzahl ermittelt. Für Reststimmen in Höhe der vollen nationalen Wahlzahl erhalten die Parteien und Koalitionen jeweils einen Sitz. Können so nicht alle Sitze verteilt werden, so fallen die restlichen Sitze den Parteien und Koalitionen mit den größten Stimmresten zu. Die auf nationaler Ebene der Partei oder Koalition zugewiesenen Sitze werden verteilt, indem ihre Wahlkreislisten mit den größten Reststimmenzahlen jeweils einen zusätzlichen Sitz erhalten.

Ausgangslage

Wahl 2021

Das mitte-rechts Wahlbündnis SPOLU gewann die Wahl mit 27,8 % der Stimmen knapp vor der Partei ANO des amtierenden Ministerpräsidenten Andrej Babiš mit 27,1 %. Gemeinsam mit der Koalition aus Piraten- und Bürgermeisterpartei (Piráti und STAN, 15,6 %) erreichte SPOLU im neu gewählten Abgeordnetenhaus eine Mehrheit von 108 Abgeordneten, weshalb die bisherigen Oppositionsparteien mit Verhandlungen zur Bildung einer neuen Regierung begannen. Mit leichten Verlusten zog auch die Rechtsaußen-Partei SPD (9,6 %) wieder ins Abgeordnetenhaus ein. Sowohl die kommunistische KSČM als auch die sozialdemokratische ČSSD scheiterten an der 5-Prozent-Hürde. Die beiden Parteien waren somit erstmals seit der Gründung der Tschechischen Republik 1993 nicht mehr im Parlament vertreten.

Die Wahlbeteiligung stieg im Vergleich zur Wahl 2017 von 60,8 % auf 65,4 %.

Die beiden oppositionellen Wahlkoalitionen Spolu und PaS begannen unmittelbar nach der Wahl mit den Verhandlungen zur Regierungsbildung. Am 8. November präsentierten die fünf Parteien einen Koalitionsvertrag.SPOLU, Piraten und Bürgermeister unterzeichnen Koalitionsvertrag ČT24 am 11. November 2021 Am 28. November 2021 ernannte Staatspräsident Miloš Zeman Petr Fiala zum Ministerpräsidenten, dessen Regierung am 17. Dezember 2021 die Amtsgeschäfte aufnahm.

Wahlperiode Nach dem Russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 nahm die Regierung eine Position der starken Unterstützung für die Ukraine ein, unter anderem mit einer europaweiten Munitionsinitiative. Im Juli 2025 lebten rund 380.000 ukrainische Flüchtlinge in Tschechien.

Bei der Präsidentschaftswahl 2023 unterlag Babiš dem unabhängigen, von den Regierungsparteien in der Stichwahl unterstützten Kandidaten Petr Pavel. Sowohl bei der Europawahl 2024 als auch bei den Senats- und Regionalwahlen 2024 gewann seine Partei ANO die meisten Stimmen.

Im September 2024 verließ die Piratenpartei aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Erfolge von Parteichef Ivan Bartoš in der Digitalisierung die Koalition. Außenminister Jan Lipavský verblieb als Parteiloser im Amt.

Im Juni 2025 trat Justizminister Pavel Blažek aufgrund der sogenannten Bitcoin-Affäre zurück. Er hatte eine Schenkung von Bitcoins aus undurchsichtigen Quellen im Wert von 40 Millionen Euro an das Ministerium akzeptiert. Ein Misstrauensantrag der Opposition scheiterte.

Am 23. Juni hob der Oberste Gerichtshof zum zweiten Mal den Freispruch für Babiš in der „Causa Storchennest“ auf. Am 29. September lud Präsident Pavel daher Babiš zu einem Gespräch darüber, wie dieser im Falle eines Wahlsiegs mit dieser Anklage und mit Interessenskonflikten in Bezug auf seinen Konzern Agrofert umgehen wolle.

Parteien und Spitzenkandidaten Für die Abgeordnetenhauswahl kandidierten insgesamt 26 Parteien. Die Regierungsparteien ODS, KDU–ČSL und TOP 09 kandidierten wie bereits 2021 als Wahlbündnis SPOLU. STAN und Piráti traten anders als 2021 separat an. Auf der Liste der Piráti kandidierten einzelne Vertreter der Zelení (Grünen), welche daher nicht zur Wahl antraten. Ebenso fanden sich Kandidaten der Rechtsparteien Trikolora, Svobodní und PRO auf der Liste der SPD. Die Kommunisten und Sozialdemokraten einigten sich auf ein gemeinsames Bündnis namens Stačilo! (Es reicht!).

In der folgenden Tabelle sind Parteien angeführt, die in den Umfragen vor der Wahl über eine Zustimmung von mindestens 2 % verfügten.

ParteiLogoSpitzenkandidatErgebnis 2021Politische AusrichtungEuropäische ParteiSPOLU GemeinsamWahlkoalition aus folgenden Parteien:

Občanská demokratická strana (ODS) Křesťanská a demokratická unie – Československá strana lidová (KDU-ČSL) TOP 09100px92x92px|Foto Petr Fiala27,8 %Wirtschaftsliberalismus,Christdemokratie, KonservatismusEKR (ODS)EVP (KDU)EVP (TOP)Politické hnutí ANO 2011 (ANO)Politische Bewegung ANO 2011110px82x82px|Foto Andrej Babiš27,1 %Catch-all,Populismus,RechtspopulismusPfEStarostové a nezávislí (STAN)Bürgermeister und Unabhängige120x120pxzentriert|rahmenlos|83x83pxVít Rakušan15,6 %(gemeinsame Kandidatur 2021)Liberalismus,RegionalismusEVPČeská pirátská strana (Piráti)Tschechische PiratenparteiTritt mit Kandidaten folgender Parteien an: Strana zelených (SZ) Partei der Grünen100px113x113px|FotoZdeněk HřibPiratenpartei,Grüne PolitikG/EFASvoboda a přímá demokracie (SPD)Freiheit und direkte DemokratieTritt mit Kandidaten folgender Parteien an: Trikolora Trikolore Svobodní Freien Právo Respekt Odbornost (PRO) Recht Respekt Expertise110px80x80px|FotoTomio Okamura9,6 %Rechtsextremismus, UltranationalismusESNStačilo! Es reicht!Setzt sich aus Kandidaten folgender Parteien zusammen: Komunistická strana Čech a Moravy (KSČM) Kommunistische Partei Böhmens und Mährens Sociální demokracie (SOCDEM) Sozialdemokratie Československá strana národně socialistická (ČSNS) Tschechoslowakische Volkssozialistische Partei Spojení demokraté - Sdružení nezávislých (SD–SN) Vereinigte Demokraten – Vereinigung der Unabhängigen Moravané Mährer110px77x77px|Foto Kateřina Konečná8,3 %(Summe KSČM und SOCDEM)Kommunismus,Linkspopulismus, SozialdemokratiePřísaha občanské hnutí (PŘÍSAHA)Eid, Bürgerbewegung110pxzentriert|rahmenlos|60x60px Robert Šlachta4,7 %Rechtspopulismus, Nationalismus PfEMotoristé sobě (AUTO)Motoristen für sich110pxzentriert|rahmenlos|77x77pxFilip Turek n.k.Rechtspopulismus, Klimawandelskepsis

Umfragen Letzte Umfragen vor der Wahl (Quelle: )