mini|hochkant=1.4|Dünen bei Klein Schmölen - Dömitz mini|hochkant=1.4| Sandhausener Binnendüne in der Oberrheinebene mini|hochkant=1.4|Binnendüne unter Kiefernforst im Urstromtal der Aller bei Winsen (Aller) Binnendünen und Flugsandfelder werden in Mitteleuropa räumlich von den Küstendünen an der Nord- und Ostseeküste abgegrenzt. Sie sind vom Wind hervorgebrachte, äolische Bildungen aus Sand (Dünen). Sie wurden überwiegend unter kaltklimatischen, periglazialen Bedingungen am Ende der Weichsel- beziehungsweise Würm-Eiszeit, also vor etwas mehr als Jahren, aufgeweht. Ihre Entwicklung in der Nacheiszeit basiert überwiegend auf dem Einfluss des Menschen.
Entstehung der Binnendünen
In Mitteleuropa war es in der ausgehenden Weichsel- beziehungsweise Würm-Eiszeit ca. 10 Grad kälter als heute. Es gab daher keinen Baumwuchs und auch nur eine lückenhafte Vegetationsdecke in Form der Tundra. Zudem musste sich in den von den Gletschern erreichten Gebieten mit dem Rückschmelzen des Eises die Vegetation erst wieder neu etablieren. Somit konnte die Kraft der Winde nahezu ungebremst wirken. Leichte, feinkörnige Bodenpartikel, vor allem Schluff und Sand wurden von den Luftströmen erfasst, oft kilometerweit verfrachtet und an anderer Stelle wieder abgelagert. Durch die sortierende Wirkung des Windes – Schluff wird deutlich schneller transportiert als Sand – entstanden so im Laufe der Zeit vielerorts Flugsandflächen und Dünen, während der Schluff weiter transportiert wurde und, beispielsweise am Nordrand der Mittelgebirge, als Löss wieder abgelagert wurde. alternativtext= im LIDAR-Scan ist in verschiedenen Grautönen das Relief des Binnendünengebiet Baerler Busch zu erkennen|mini|Binnendünengebiet Baerler-Busch auf einer Sand- und Kiesbank des Rhein-Urstromtales im LIDAR-Scan Die Dünen waren bei starken Winden in der Lage, zu „wandern“. Die meisten der heute existierenden Binnendünen wurden zu dieser Zeit angelegt. Mit dem Ende der Eiszeit kam die Aktivität der Dünen infolge der Wiederbewaldung schnell zum Erliegen. Die Form der Binnendünen schwankt je nach den herrschenden Windrichtungen und -stärken. Meist handelt es sich um eher unregelmäßige Dünen oder Flugsanddecken. Es kommen aber auch sehr gut ausgebildete Parabeldünen und Längsdünen vor.
Nahezu alle jüngeren Phasen, in denen es zur Weiterentwicklung der Binnendünen kam, sind mit den Eingriffen des Menschen auf die Vegetationsdecke verbunden. Durch gewollte oder ungewollte Rodung des Waldes wurden festgelegte Binnendünen wieder aktiviert. Anhand der in den Dünen eingeschlossenen Holzkohlepartikel und ihrer Datierung mit der Radiokohlenstoffmethode konnte festgestellt werden, dass bereits mit den Siedlern der Jungsteinzeit Dünen wieder reaktiviert wurden. Aber auch in der Bronze- und Eisenzeit gab es durch den Menschen bedingte Dünenaktivität.
In Schleswig-Holstein konnten bis zu sieben Phasen der Dünenbildung und -reaktivierung nachgewiesen werden.C. Stolz, M. Suchora, I. A. Pidek, A. Fülling: Lake and inland dunes as interconnected Systems: The story of Lake Tresssee and an adjacent dune field (Schleswig-Holstein, North Germany). In: The Holocene. 2020. doi:10.1177/0959683620981684.
Binnendünen im Mittelalter und in der Neuzeit mini|Ehemalige Binnendünenlandschaft bei Uetersen, Karte aus dem Jahr 1650 Nach der Völkerwanderungszeit begann im Mittelalter eine der Hauptphasen der Waldzerstörung und damit der Aktivierung von Dünen. Die Sandverwehungen wurden für viele Siedlungen zu einem ernsten Problem. Um ihre Weideflächen und Siedlungen vor den Sandverwehungen zu schützen, begannen die Menschen während des Mittelalters, die Dünen mit genügsamen und tiefwurzelnden Gehölzen, z. B. mit Kiefern, zu bepflanzen. Aufgrund starker Beweidung setzte sich die Aktivität der Binnendünen dennoch bis in die Neuzeit fort. Erst ab dem 18. Jahrhundert begannen systematische Aufforstungen der Dünengebiete, sodass aktuell in Deutschland nur noch ganz vereinzelt Binnendünen aktiv sind. Die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) ist heutzutage der charakteristische Waldbaum (Leitart) für Flugsandgebiete und Binnendünen.
Bedeutung und Gefährdung der Binnendünen Großflächige Sandabgrabungen für bauliche Maßnahmen (Siedlungs- und Straßenbau) sowie die seit dem 19. Jahrhundert sprunghafte Ausdehnung des Spargelanbaus und die allgemeine Zersiedelung und Verbauung der Landschaft haben in den letzten Jahrhunderten zu einem spürbaren Rückgang dieses bereits seltenen Biotoptyps geführt. Die Gefährdung ist in Deutschland regional unterschiedlich. Während es im dünnbesiedelten und sandreichen Brandenburg noch zahlreiche Trockenbiotope auf Dünen gibt, gelten sie in Nordrhein-Westfalen als extrem bedroht. Die außerhalb der Kernbereiche der Binnendünen liegenden Flugsandflächen sind aus artenschutzrechtlicher Betrachtung unbedingt schützens- und erhaltenswert.
Die hohen Temperaturen und Verdunstungsraten während der Sommermonate sowie die allgemeine Nährstoffarmut bedingen ein reiches Arteninventar an wärme- und trockenliebenden Pflanzen- und Tierarten (Sandrasenvegetation, Heuschrecken, Wildbienen).
Der sandige Boden ist nicht in der Lage, größere Mengen an Wasser zu speichern. Charakterpflanzen der Dünen sind der Sandthymian (Thymus serpyllum), das Silbergras (Corynephorus canescens), das blaugrüne Schillergras (Koeleria glauca), das Sand-Hornkraut (Cerastium semi-decandrum) und die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium). So erfolgreich die Dünenpflanzen auf trockenwarmen Standorten gedeihen, so wenig Chancen hätten sie auf normal durchfeuchteten Böden, wo sie der Konkurrenz schnellwüchsiger Arten stets unterliegen. Die meisten der genannten Pflanzen haben eine sehr enge ökologische Bindung an Dünen und Flugsandflächen. Die meisten Arten der Sandrasengesellschaft gelten als gefährdet und stehen durch die BArtSchV unter gesetzlichem Schutz.
Sandrasen können sich auf größeren offenen beziehungsweise unbewachsenen Sandflächen relativ rasch einstellen. Meist sind Gräser und Kräuter die Erstbesiedler, danach folgen im Laufe der Zeit an trockene Standorte angepasste Moose und Flechten. Nach mehreren Jahren erreichen diese ihre optimale Ausbreitung. Bleiben Bodenstörungen aus, werden die Sandrasen in der Situation des Klimawandels rasch in natürlicher Sukzession von Halbtrockenrasen oder von Gehölzen überwachsen. Nur an Stellen, an denen durch Tritt und Beweidung wieder offene Sandflächen entstehen, können die Pflanzengesellschaften der Sandrasenflur überleben.
Größere Dünenareale benötigen in der Regel wenig Pflege. Mittelfristig liegt der Pflegeschwerpunkt in der Vermeidung von starkem Aufwuchs von Gehölzen und Bäumen. Bewährt haben sich Maßnahmen des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes, verfilzte und verbuschte Sandrasen „abzuplaggen“, die oberste meist humöse Bodenschicht abzutragen, damit sich wieder offene Sandflächen bilden. Diese Pflegemaßnahme sollte jedoch immer unter Aufsicht fachkundiger Personen vorgenommen werden. Auf Dünenflächen, auf denen größere Kaninchenpopulationen existieren, tragen die Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) durch ihr ständiges Scharren und Buddeln dazu bei, auf natürliche Art und Weise kleine Areale freizuhalten.
Im Bereich empfindlicher Flugsandfelder sollten Spaziergänger generell auf Pfaden und Wegen bleiben und keine Abfälle in der freien Landschaft zurücklassen (Nährstoffeintrag). Hundekot ist in diesem Zusammenhang eine Gefahr für die Sandrasengesellschaften.
Binnendünengebiete in Deutschland Die flächenmäßig größten Binnendünengebiete gibt es, bedingt durch die sandreichen Ablagerungen der pleistozänen Vergletscherungen, in Norddeutschland. Die Verteilung ist regional unterschiedlich und kann kleinräumig wechseln. Als ausgesprochen dünenreich gelten Sander und trockene Urstromtäler. Es ist dabei unerheblich, ob sie im Alt- oder Jungmoränengebiet liegen. Bekannte dünenreiche Landschaften sind unter anderem die Lüneburger Heide und das südliche Brandenburg, beispielsweise mit der Binnendüne Waltersberge. Am Niederrhein finden sich kleinere Binnendünengebiete des Rhein-Urstromtales, beispielsweise mit den Wisseler Dünen oder dem Baerler-Busch.
Eine der letzten aktiven Wanderdünen im deutschen Binnenland gibt es im Naturpark Nuthe-Nieplitz in Brandenburg. Auf einem ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz, dem gesperrten Naturschutzgebiet Forst Zinna Jüterbog-Keilberg, wurde die Düne durch Waldbrände aufgrund der militärischen Nutzung der GSSD wieder reaktiviert und ist noch aktiv. Ihre (allerdings illegale) Nutzung als Crossstrecke für Fahrräder und zum Teil Motorräder verhindert effektiv ihren Wiederbewuchs. Als größte aktive Wanderdüne gilt die am Fuchsberg bei Gommern in Sachsen-Anhalt befindliche Düne, die durch Abgrabungen bereits erheblich von ihrer Größe eingebüßt hat.
In der Oberrheinischen Tiefebene erstreckt sich ein etwa 130 Kilometer langes Band von Dünenflächen von Rastatt bis Mainz. Hier stehen verschiedene Binnendünen unter Naturschutz wie die Schwanheimer Düne, Sandhausener Dünen oder der Mainzer Sand. Dünen mit bis zu etwa 20 Meter Höhe gibt es in den Iffezheimer Sanddünen, der Hockenheimer Hardt sowie im Schwetzinger Sand. Die mächtigsten Binnendünen befinden sich im Gebiet der Oftersheimer Dünen und dem Standortübungsplatz Speyer.
Die Sandachse Franken erstreckt sich von Bamberg nach Weißenburg in Bayern. Die maximale Ausdehnung beträgt 100 km in Nord-Süd-Richtung und 40 km in Ost-West-Richtung. Im niederbayrischen Landkreis Kelheim befindet sich das Naturschutzgebiet Binnendünen bei Siegenburg und Offenstetten.
In Schleswig-Holstein befinden sich die meisten Binnendünenfelder auf der Niederen Geest. Eine Ausnahme bildet die Düne am Treßsee, die sich in der Jungmoränenlandschaft befindet.C. Stolz, M. Suchora, I. A. Pidek, A. Fülling: Lake and inland dunes as interconnected Systems: The story of Lake Tresssee and an adjacent dune field (Schleswig-Holstein, North Germany). In: The Holocene. 2020. doi:10.1177/0959683620981684.
Auf der Münsterdorfer Geestinsel sind seit dem März 2013 die „Binnendünen Nordoe“ als Naturschutzgebiet ausgewiesen.Landesverordnung über das Naturschutzgebiet „Binnendünen Nordoe“
Die Düne Wedding ist die letzte innerstädtische eiszeitliche Düne in Berlin. In Bremen gibt es die Mahndorfer Düne und die Binnendüne Bockhorn in Bremen-Nord.ag-binnenduene.de
Binnendünengebiete in Österreich Die Dünen- und Flugsandgebiete des Marchfeldes in Niederösterreich entstanden während der letzten Eiszeit sowie in der nachfolgenden Nacheiszeit. Aus den ausgedehnten Sand- und Kiesbänken der Flüsse, insbesondere der Donau, vom Wind abgetragenes Feinsediment lagerte sich im Bereich der heutigen Ortschaften Oberweiden, Weikendorf, Obersiebenbrunn, Lassee und Marchegg (Gerichtsberg) ab und führten zur Entstehung von Binnendünen. Die erhaltenen Sandgebiete des Marchfeldes sind Teil des Europaschutzgebiets „Pannonische Sanddünen“ und einige, wie die Sandberge Oberweiden, sind zudem als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Aufgrund ihrer besonderen Vegetation zählen sie zu den wertvollsten Lebensräumen Österreichs. Einige Arten, wie z. B. die Spät-Nelke, ein seltenes pannonisches Florenelement, haben dort ihr österreichweit einziges Vorkommen.
Fauna der Binnendünen Mitteleuropas Zahlreiche Tiere haben sich auf den besonderen Lebensraum Sanddüne spezialisiert. Sie werden gemeinhin als psammophil bezeichnet. Die extremen Lebensbedingungen erfordern besondere physiologische und ethologische Anpassungen. Unter den abiotischen Faktoren sind insbesondere die extremen Schwankungen und Maxima der Temperatur zu nennen, aber auch die überwiegend hohe Trockenheit der obersten Bodenschicht.