Der Bahnhof Tel Aviv – Savidor Merkaz (; , ) ist ein Bahnhof der Rakkevet Israel (RI) in Tel Aviv-Jaffa. Er ist der älteste bestehende, nicht aber der erste Bahnhof der Stadt (sieh Bahnhof Tel Aviv) und auch nicht der älteste im heutigen Weichbild der Stadt (siehe Bahnhof Jaffa). Seit 2020 sind die Gleise im Bahnhof elektrifiziert.
Der Bahnhof war jahrelang der meist frequentierte Israels mit über 70.000 Passagieren im Tagesdurchschnitt (Dezember 2014, 2009 waren es noch 37.000), seit 2017 zweitplatziert hinter dem Bahnhof Tel Aviv haSchalom, dem nächsten Halt in südlicher Richtung im Ajjalonkorridor (), beide mit großem Abstand vor anderen Stationen. Im Jahre 2019 frequentierten über 13 Millionen Passagiere den Bahnhof.Schachar Weissman (), , רַכֶּבֶת יִשְׂרָאֵל (Hrsg.), 2020, S. 22; abgerufen am 4. Oktober 2022. Der Bahnhof Merkaz wurde 1954 als südlicher Kopfbahnhof der Küstenbahn errichtet. Er wurde Durchgangsbahnhof 1993 mit dem Anschluss der Strecke durch den Ajjalonkorridor an die J&J-Linie (Jaffa-Jerusalem) im Zuge des Ausbaus zur Hauptlinie der RI unter Einbeziehung der Südbahn bis Beʾer Scheva.
Lage mini|links|Verkehrsknoten Arlosoroff schematisch mit Bahnhof und umliegenden Straßen Der Bahnhof liegt im Rechov ʿal Paraschat Drachim 10 () in Tel Avivs Stadtteil 4 HaZafon heChadasch ( [Rova 4] in der Region Mitte von Tel Aviv). Zur Zeit seiner Eröffnung war diese Gegend noch kaum entwickelt, jedoch durch die alte Landstraße Jaffa-Nablus (hier Kvisch , auch Jabotinski-Achse genannt), die Derech Namir (Kvisch ) und den Rechov Chaim Arlosoroff für den Straßenverkehr gut erschlossen. Der Ajjalon-Schnellweg (Kvisch 20px) wurde in diesem Abschnitt erst 1988 eröffnet.
Mit dem Wachstum Tel Avivs nach Norden rückten wichtige Bevölkerungsschwerpunkte der Stadt, die Schchunot ʿever haJarqon (), des östlich angrenzenden Ramat Gans und des südöstlich gelegenen Givʿatajims in die Nähe des Bahnhofs, der in diesem Zusammenhang eine gewisse Zentralität erlangte.
Die Entfernung zum nordöstlich gelegenen Bahnhof Bnei Braq, wo zwischen Mai 1953 und November 1954 die Züge der Küstenbahn ankamen und abgingen, beträgt etwa vier Kilometer. Die Distanz zu Tel Avivs erstem Bahnhof, dem 1970 geschlossenen alten Südbahnhof Tel Aviv Darom, südwestlich gelegen, misst etwa drei Kilometer. Auf der Küstenbahn, deren Kilometrierung am ehemaligen Bahnhof Haifa Mizrach (d. h. Ost) mit 0 beginnt, liegt Tel Aviv Savidor Merkaz auf Kilometer 93,273.
Namen des Bahnhofs mini|Wandelhalle, 2026 Da die Entwicklung des Bahnverkehrs im Heiligen Land seit den 1930er Jahren relativ zum Straßenverkehr zurückfiel, erhielten hebräische Begriffe wie Tachanah Merkasit () in ihrer Bedeutung eine Zuweisung im Busverkehr, weshalb Hebräischsprachige darunter einen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) verstehen. Zentrale Bahnstationen oder Hauptbahnhöfe, wie in Haifa und Tel Aviv, wo es einige Bahnhöfe zu unterscheiden gilt, tragen dagegen die Bezeichnung (oder auch ‚Mittelbahnhof‘).Die Bezeichnung des Bahnhofs Haifa Merkasit haMifratz ist eine besonders eindrückliches Beispiel. Denn dieser Bahnhof, ein Halt nördlich vom Bahnhof Haifa Merkaz, wurde 2018 benannt nach dem dort schon vorher bestehenden ZOB Tachana Merkasit haMifratz (ZOB des Golfs [von Haifa]).
mini|links|Bahnhof Tel Aviv Merkaz in einem Stadtplan von 1958; rot gestrichelt die Stadtgrenzen von Ramat Gan (im Osten) und Givʿatajim (im Südosten) des Bahnhofs Bei Eröffnung des Bahnhofs 1954 erhielt er den Namen Bahnhof Tel Aviv Merkaz (), was aber durchaus weder seiner Lage noch seiner Bedeutung entsprach. Der Bahnhof Tel Aviv Merkaz lag nicht in der Stadtmitte, sondern dezentral im nordöstlichen Neubaugebiet HaZafon heChadasch.
mini|Verkehrsminister Joseph Sappir weiht den Bahnhof ein, 3. November 1954. Der 1920 an der J&J-Linie (Jaffa-Jerusalem) eröffnete, zentral gelegene Bahnhof Tel Aviv erhielt 1949 den Namenszusatz Darom (d. h. Süd) entsprechend seiner Lage in Relation zum etwa sieben Kilometer nordöstlich gelegenen, auf der Jarqonbahn eröffneten Bahnhof Tel Aviv haZafon () jenseits der Stadtgrenze im benachbarten Bnei Braq. Da endeten ab Mai 1953 die Züge der Küstenbahn von Norden bzw. gingen dorthin ab, bevor diese mit Tel Aviv an dessen Bahnhof Tel Aviv Merkaz ihr eigentliches Ziel anderthalb Jahre später erreichte. In der Alltagssprache war die Bezeichnung Bahnhof Tel Aviv Zafon (d. h. Nord) verbreitet in Analogie zum alten und dann neuen Südbahnhof an der J&J-Linie.
mini|An den Bahnsteigen, 2008 Nachdem 1988 die neuen Gleisanlagen östlich des Bahnhofs in Betrieb gingen, benannte die RI den Bahnhof Merkaz zu Ehren ihres langjährigen (1954–1964) Generaldirektors Menachem Savidor um in . Seit Eröffnung der Bahnstrecke im Ajjalonkorridor am 31. Januar 1993, die Küstenbahn und J&J-Linie verbindet, wird Tel Aviv Darom nicht mehr im Personenverkehr bedient, sondern besteht nur als Betriebsbahnhof, womit Nord- und Südbahnhof als Bezeichnungen außer Gebrauch kamen.
Da der Bahnhof sich am östlichen Ende des Rechov Arlosoroff befindet, der ihn mit den Vierteln HaZafon heChadasch und HaZafon haJaschan (der Alte Norden) verbindet, ist im Alltag auch Tachanat haRakkevet Arlosoroff eine gängige Bezeichnung. Der Architekt Ossip Klarwein überschrieb seine Bauzeichnungen und Pläne für den Bau mit dem Arbeitstitel Tachanat haRakkevet Arlosoroff,Dani Recht (), „“ (hebräisch), auf: , den 18. August 2022. Abgerufen am 4. Oktober 2022. den der DanQal mit den Benennungen seiner Halte am Bahnhof Tel Aviv Savidor Merkaz aufnimmt.
mini|1997: Links oben Bahnhof, davon rechts Vorplatz, darunter Busterminal Tel Aviv 2000 mini|200px|Genordetes Diagramm mit Empfangsgebäude und Nordzugang (auberginefarben), Passerelle (beige) wie Gescher Jizchaq Modaʿi (dunkelgrau) über Richtungsfahrbahnen des Ajjalon-Schnellwegs (Kvisch 20px; hellgrau), Gleise (1–6), Bahnsteige (grün) und den Ajjalon (blau).
Bahnhof Durch den benachbarten Zentralen Omnibusbahnhof Massof 2000 und die Übergänge per DanQal-Station Arlosoroff zu Purpurner und Roter Linie ist der Bahnhof ein wichtiger Knotenpunkt im Verkehrssystem der Metropole und auch ein wichtiger Zielbahnhof für Pendler, umgeben von Firmenstandorten und Bürotürmen wie er es ist.
mini|links|Passerelle über den Gleisen mit Blick 2009 westwärts zum Empfangsgebäude Von der Passerelle, welche die Bahnsteiganlagen mit dem westlich gelegenen Empfangsgebäude verbindet, besteht nach Osten die Verlängerung Gescher haJahalomim () als direkter Zugang zu Ramat Gans angrenzendem Gewerbegebiet Diamantendistrikt () mit israelischer Diamantenbörse, vielen Bürotürmen und Fertigungsstätten des produzierenden Gewerbes.
mini|links|200px|Tel Aviv Savidor Merkaz mit den drei Bahnsteigen, 2011 noch ohne Nordzugangsbau zum Gescher Modaʿi Mit drei Mittelbahnsteigen und sechs Gleisen ist der Bahnhof Tel Aviv Savidor Merkaz (zusammen mit dem Bahnhof Herzlia) auch der Anlage nach der größte des Landes und bietet Anschlüsse in fast alle Richtungen im Lande. Da auch Expresszüge, die sonst manche Station ohne Halt passieren, hier halten, ist der Bahnhof Savidor Merkaz ein viel genutzter Umsteigebahnhof. Ein vierter Bahnsteig mit zwei weiteren Gleisen ist für Mitte der 2020er Jahre geplant. Während Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-Pandemie 2020 das öffentliche Leben lahmlegten, fiel die Zahl der Passagiere am Bahnhof auf unter fünf Millionen im Jahr.Schachar Weissman (), , רַכֶּבֶת יִשְׂרָאֵל (Hrsg.), 2021, S. 20; abgerufen am 4. Oktober 2022. Auch 2021 erreichte die Zahl erst wieder das Niveau von knapp 6,5 Millionen per annum.Schachar Weissman (), , רַכֶּבֶת יִשְׂרָאֵל (Hrsg.), 2022, S. 20; abgerufen am 4. Oktober 2022.
Die Rakkevet Israel (RI) führt den Zugbetrieb im Linksverkehr durch. Die Gleise 1 und 2 des Bahnhofs Tel Aviv Merkaz nutzen normalerweise Züge gen Norden, Bahnen nach Süden verkehren i. d. R. auf den Gleisen 3 und 4 und die Gleise 5 und 6 nutzen Zuglinien von und nach Beʾer Scheva im Süden, die den von der Küstenbahn nordostwärts verlaufenden Abzweig nutzen, um im Norden über die Lulʾat haScharon (Scharonschleife) aus Jarqon- und Scharonbahn Städte in der Scharonebene zu bedienen. Abweichende Führungen kommen selbstverständlich je nach Bedarf und Möglichkeiten auch vor. Die Bahnsteige sind etwa 350 Meter lang und gehören zu den längsten in Israel.
mini|200px|Nordzugangsbau am Gescher Jizchaq Modaʿi, 2022 mini|Bahnhofszugang im Osten in Ramat Gan über den Gescher haJahalomim, 2014
Bahnhofsgebäude Zu den Bahnhofsgebäuden gehören in Reihenfolge der Erbauung das Empfangsgebäude von 1954, die Bahnsteiganlage von 1988 mit geschlossener Passerelle darüber zu deren Erschließung, der daran östlich anschließende Skyway Gescher haJahalomim von 1999 und der Nordzugangsbau von 2018. Das Empfangsgebäude entstand 1953/1954 nach Plänen Ossip Klarweins,Myra Warhaftig, Sie legten den Grundstein: Leben und Wirken deutschsprachiger jüdischer Architekten in Palästina 1918–1948, Berlin / Tübingen: Wasmuth, 1996, S. 295. ISBN 3-8030-0171-4 bekannt durch seine expressionistischen Bauten wie das Klinikum Delmenhorst, Berlins Kirche am Hohenzollernplatz und Haifas Getreidespeicher Dagon und den neuklassizistischen Bau der Knesseth.
Die Bahnhofsbauten bieten Zugänge zu den Gleisanlagen. Aus Tel Aviv bestehen Zugänge vom südwestlichen Bahnhofsvorplatz mit Haltemöglichkeit durch den Haupteingang in Klarweins Empfangsbäude sowie durch den Nordzugangsbau, 2016–2018 vom Architekturbüro Adrichalim Mansfeld-Qehat (). Dieser erstreckt sich in Bauform eines Reiterbahnhofs über den Ajjalonkorridor direkt parallel am Gescher Jizchaq Modaʿi anliegend, einer Straßenbrücke, die Tel Avivs HaZafon heChadasch mit Ramat Gans Diamantendistrikt verbindet. Der Nordzugangsbau verbessert auch den barrierefreien Zugang zu den Gleisen.
Der östliche Bahnhofszugang befindet sich in Ramat Gan selbst im Diamantendistrikt, wo der Gescher haJahalomim endet, der an die Gebäudebrücke anschließt, die die Inselbahnsteige mit dem westlich gelegenen Empfangsgebäude und dem Haupteingang verbindet. Die Verbindung entstand auf Betreiben Zvi Bars, 1989 bis 2013 Bürgermeister Ramat Gans, während die Rakkevet Israel sie ablehnte, weshalb beide den Minister Jizchaq Mordechai einschalteten, der den Osteingang durchsetzte.
DanQal-Station Arlosoroff Die Station Arlosoroff () der Stadtbahn DanQal bedient den Bahnhof Tel Aviv Savidor Merkaz mit zwei Linien, der Purpurnen oberirdisch und der Roten unterirdisch, deren Halte die abweichenden Namen Tachanat Arlosoroff Maʿarav (d. h. West; Fertigstellung bis 2026 geplant) und Tachanat Arlosoroff führen (18. August 2023 eröffnetNN, "‘We waited a long time for this’: Tel Aviv light rail sets off after years of delays", auf: The Times of Israel, 18. August 2023; abgerufen am 23. August 2023). Erstere ist als Endstation der Purpurnen Linie ausgelegt.
Der Bau der Untergrundstation Arlosoroff begann am 4. September 2015 unter der Derech Menachem Begin, wie die ehemalige Landstraße hier heißt, und der Bahnbetrieb soll hier im November 2022 beginnen. Die Fahrzeit von Petach Tiqwah Tachanah Merkasit (d. h. ZOB; nordwestliche Endstation der Roten Linie) wird voraussichtlich 19 Minuten betragen.NN, „“ (19. April 1999), auf: (Globes); abgerufen am 5. Mai 2022.
Die Untergrundstation Arlosoroff hat ein massives oberirdisches Zugangsgebäude, um die unterirdischen Bahnhofsbereiche hermetisch abschließen zu können. Die Untergrundbahnhofshalle ist durch massive stählerne Schleusen an Zugängen und explosionsgeschützte Tunneltüren an ZufahrtenNN, (8. Oktober 2020), auf: edilon)(sedra Iberica; abgerufen am 5. Mai 2022. sowie durch Filteranlagen geeignet, im Rahmen des Zivilschutzes Menschen Zuflucht vor Angriffen mit Raketen, mit biologischen und/oder chemischen Waffen zu geben.Dotan Levy (), „“ (19. Juni 2019), auf: ; abgerufen am 5. Mai 2022.
Massof 2000 (ZOB)