mini|Ignaz Rüsch, um 1890 mini|Fabrikanten-Villa von Ignaz Rüsch, Schulgasse 46 in Dornbirn, erbaut 1885–1886 (Foto ca. 1970, vor dem Anbau von 1984)Ignaz Rüsch (Taufname Josef Ignaz Rüsch; * 30. November 1861 in Dornbirn, Vorarlberg; † 19. Dezember 1925 in Dornbirn), öfters verwechselt mit seinem Großvater Josef Ignaz Rüsch (1794–1855),Der Großvater hatte dieselben Taufnamen Josef Ignaz, doch hatte der Enkel tatsächlich nur den Rufnamen Ignaz. Die Verwechslung aufgrund der vollständigen Taufnamennennung begann mit Fessler und setzte sich anschließend fort. Klaus Fessler: Der Maschinenfabrikant Josef Ignaz Rüsch (1861–1925). In: Dornbirner Schriften, Beiträge zur Stadtgeschichte, 1988, Band 3, ISBN 3-85430-091-3, S. 3–14; assets.dornbirn.at (PDF; 5,1 MB) abgerufen am 3. Oktober 2022. war ein österreichischer Maschinenbauingenieur, Maschinenfabrikant sowie als Unternehmer in dritter und letzter Familiengeneration Direktor der Rüsch-Werke in Dornbirn.
Leben und berufliches Wirken
Herkunft und Ausbildung Ignaz Rüsch war das älteste von elf Kindern des Maschinenfabrikanten und Unternehmers Alfred Rüsch (1831–1892) und dessen erster Frau Anna Maria Rhomberg (1839–1868). Nach der Dornbirner Volksschule folgte die kaiserlich-königliche Oberrealschule in Salzburg, die er 1881 zwanzigjährig abschloss.Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 12. 1886 heiratete er die Fabrikantentochter Marie Rhomberg (1862–1916) aus Innsbruck, deren Vater die dortigen Betriebe der Dornbirner Textilfirma Herrburger & Rhomberg leitete und Präsident der Handels- und Gewerbekammer in Tirol war. Das junge Paar konnte in Dornbirn in die 1885–1886 nach Plänen von Julius Rhomberg erbaute, vom Vater Alfred Rüsch geschenkte Villa Schulgasse 46 einziehenWerner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 12 f., mit reproduzierter Original-Blaupause von 1885, die von Julius Rhomberg unterzeichnet ist.Rainer Rüsch: Das verwandtschaftliche Umfeld meiner Dornbirner Großeltern Ignaz und Marie Rüsch, geb. Rhomberg. Typoskript, Baden-Baden 2010, o. S. (Kapitel: Bewohner des Hauses „Schulgasse 46“ in Dornbirn). und hatte fünf Kinder, die in den Jahren 1887 bis 1894 geboren wurden.Rainer Rüsch: Eltern und Nachfahren von Josef Ignaz Rüsch (1794–1855) aus Dornbirn/Vorarlberg. Typoskript, Baden-Baden 1999, S. 15.Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 29.
Über die Ausbildung von Ignaz Rüsch ist nichts belegt. Nach der familiären Überlieferung heißt es, dass er ein Technikstudium und mehrjährige Volontariate im In- und Ausland absolvierte.Rainer Rüsch: Eltern und Nachfahren von Josef Ignaz Rüsch (1794–1855) aus Dornbirn/Vorarlberg. Typoskript, Baden-Baden 1999, S. 14. In einem späteren Nachruf ist lediglich von unterbrochenen „technischen Studien“ die Rede.Alt-Landtagsabgeordneter Iganz Rüsch †. In: Vorarlberger Tagblatt, 21. Dezember 1925, S. 2 (Nachruf); anno.onb.ac.at
Übernahme und Blüte der Rüsch-Werke mini|Rüsch-Werke Dornbirn, Darstellung auf einem Firmenbriefkopf von 1899 Als Alfred Rüsch 1892 starb, mussten seine drei Söhne Ignaz Rüsch, Karl Rüsch (1866–1940Zu Karl Rüsch vgl. Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 10, 11, 29.) und Walter Rüsch (1867–1905Zu Walter Rüsch vgl. Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 10, 11, 29.) – in relativ jungen Jahren – die Firma übernehmen, die sie unter dem beibehaltenen Firmennamen ihres Großvaters J. Ig. Rüsch gemeinsam als offene Handelsgesellschaft (oHG) weiterführten.Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 9. Die leitende Rolle übernahm der älteste Sohn Ignaz Rüsch, der dazu „seine technischen Studien unterbrechen“ musste. Prokurist Marcus Diem (1835–1915Zu Marcus Diem vgl. Detaillierte Beschreibung Münzen. ohne Seitenangabe; jimcontent.com (PDF; 4,4 MB) PDF-Seite 32; abgerufen am 23. Oktober 2022.) gehörte zum engsten Führungskreis.
Für die Rüsch-Werke als Maschinenfabrik und Gießerei folgte bis um 1900 eine Zeit, die im Nachhinein als Blüte bezeichnet werden kann: Neben spektakulären Großprojekten, wie dem Bau von Turbinen- und WasserkraftanlagenKlaus Fessler: Turbinen und Wasserkraftwerke. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 59–149. boten die Rüsch-Werke eine vielfältige Produktpalette von Gussteilen und Maschinen, aber auch gusseisernen Säulen, eisernen Gartenzäunen, Pumpen, Öfen, Pressen, Herden, Sägen und Drehbänken. Insbesondere wichtig waren auch Maschinen für die Textilindustrie. Man nahm an Ausstellungen im In- und Ausland (etwa auf den Weltausstellungen 1897 in Brüssel und 1900 in Paris) teil und sammelte Auszeichnungen.Klaus Fessler: Die rühmlichst bekannte Firma J. Ig. Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 151–161. Das Unternehmen galt Ende des 19. Jahrhunderts als „bedeutendster Metallbetrieb des Landes Vorarlberg“ und hatte ein Absatzgebiet weit über die österreichisch-ungarische Monarchie hinaus.
Ignaz Rüsch war auch als Maschinenbauingenieur erfolgreich. Zusammen mit dem Konstrukteur der Rüsch-Werke während der Jahre 1887–1901Klaus Fessler: Konstrukteure und Maschinenbauer. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 163–201, hier S. 192. Otto Sendtner entwickelte er eine Erfindung seines Vaters Alfred Rüsch weiter, die 1894 als „Hydraulische Turbinen-Regulierung Patent Rüsch-Sendtner“ zum Patent angemeldet wurde.Zum Patent Rüsch-Sendtner vgl. auch P. Prasil: Specialbericht über die Turbinen und deren Regulatoren an der Weltausstellung in Paris 1900. In: Schweizerische Bauzeitung, 23. Februar 1901, Band 37/38, Heft 8, S. 77–81, hier S. 79 f., mit Fig. 26; e-periodica.ch abgerufen am 5. Oktober 2022.Klaus Fessler: Die rühmlichst bekannte Firma J. Ig. Rüsch. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 151–161, hier S. 166 ff.Klaus Fessler: Dornbirner Erfinder im Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik. In: Dornbirner Schriften, 2023, Band 50, S. 72–117, hier S. 77 f.; vgl. in diesem Band auch S. 258. Mit der Apparatur konnte die Drehzahl einer Turbine konstant gehalten und ein gleichmäßiger Antrieb gewährleistet werden. Diese Erfindung der Rüsch-Werke wurde in allen Größen gebaut zu einem großen Verkaufserfolg und begründete mit den guten Ruf der Rüsch-Werke. mini|„Hydraulischer Widerstands-Regulator Patent Rüsch-Sendtner“ (Werbeschrift um 1910) Der wirtschaftliche Erfolg der Dornbirner Rüsch-Werke spiegelte sich auch im Ausbau des Werksgeländes an der Jahngasse mit Neubauten, welche die Anlage heute noch wesentlich prägen. So entstanden in der Ära von Ignaz Rüsch u. a. eine neue Montierungshalle (1893, heute Kunsthalle Kunstraum Dornbirn), ein neues Öl- und Blechmagazin (1894), eine neue Gießerei (1897, heute Naturkundemuseum Inatura) und eine neue Wasserkraftanlage (1899).Klaus Fessler: Das Firmengelände der Rüsch-Werke. In: Klaus Fessler, Werner Matt (Hrsg.): Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 47–57, hier S. 56.
Weitere wirtschaftliche Aktivitäten Mit einem steuerpflichtigen Privatvermögen von 8682 Gulden im Jahr 1892 gehörte Ignaz Rüsch zu den Höchstbesteuerten in Dornbirn und zählte zu den Reichen der Stadt.Klaus Fessler: Der Maschinenfabrikant Josef Ignaz Rüsch (1861–1925). In: Dornbirner Schriften, Beiträge zur Stadtgeschichte, 1988, Band 3, ISBN 3-85430-091-3, S. 3–14, hier S. 4; assets.dornbirn.at (PDF; 5,1 MB) abgerufen am 3. Oktober 2022. So konnte er sich nach dem Ausbau der eigenen Rüsch-Werke Ende des 19. Jahrhunderts anschließend mit seinem Vermögen auch als Gesellschafter an mehreren anderen Unternehmen maßgeblich beteiligen.
Eine Kuriosität ist Ignaz Rüschs Erfindergeist für Haushaltshilfen. So ließ er sich 1903 eine neuartige „Bodenwichsvorrichtung“ patentieren, die das Reinigen und Einlassen für Parkett- und Holzdielenböden erleichtern sollte.Klaus Fessler: Dornbirner Erfinder im Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik. In: Dornbirner Schriften, 2023, Band 50, S. 72–117, hier S. 79 f.
Zwischen 1907 und 1914 war Rüsch mit dem Salzburger Bergwerksingenieur Jakob Edler von Miskey Gründungsgesellschafter der Montafoner Miskeyitwerke G.m.b.H., St. Gallenkirch. Finanziert durch Vorarlberger Unternehmer wurde in Grandau – oberhalb von St. Gallenkirch – im Stollen und später im Tagebau Chloritschiefer (Miskeyit), eine Art von Speckstein, abgebaut, der dann mittels errichteter Seilbahn (850 Meter) zu einem Lagerplatz mit Betriebsgebäude transportiert wurde, zur Weiterverarbeitung für elektrische Isolier- und für kunstgewerbliche Zwecke.
Ignaz Rüsch war auch 1913 Mitgründer der Vorarlberger Buchdruckerei-Gesellschaft in Dornbirn (heute VBG Holding AG, Schwarzach).Klaus Fessler: Der Maschinenfabrikant Josef Ignaz Rüsch (1861–1925). In: Dornbirner Schriften, Beiträge zur Stadtgeschichte, 1988, Band 3, ISBN 3-85430-091-3, S. 3–14, hier S. 5; assets.dornbirn.at (PDF; 5,1 MB) abgerufen am 3. Oktober 2022.
Niedergang der Rüsch-Werke