mini Domenico Morichini (* 22. September 1773 in Civita d’Antino; † 19. November 1836 in Rom) war ein italienischer Arzt und Professor der Chemie an der Universität La Sapienza in Rom. Bekannt wurde er als „Entdecker des Fluors in Zähnen“.G. Gallusi: Domenico Morichini. Scopritore del fluoro nei denti nel bicentenario della nascita. Annali di Stomatologia: rivista mensile di scienze odontostomatologiche (Roma) 20:Nr 11 (Nov.–Dez. 1971) S. 371

Leben Domenico Morichini wurde am 22. September 1773, bzw. 23. September 1773Antonio Lombardi: Elogi storici dei Socj defunti cavalieri Domenico Morichini, Valeriano Luigi Brera, Paolo Mascagni. Inseriti nella parte fisica del tomo XXIII delle Memorie della Società italiana delle Scienze, residente in Modena. Modena 1844 oder 23. September 1775 (?)S. D.: Domenico Morichini. Echo. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Leben in Italien. Bd. 4: Nr. 154 (24. Dezember 1836) S. 615 als Sohn von Anselmo Morichini und Matilde Moratti in einem kleinen Dorf in den Abruzzen geboren, studierte im Seminarium in Sora und im Collegium Tuziano Griechisch, Latein, Mathematik, Physik und Philosophie und absolvierte im Alter von 15 Jahren bei einem Verwandten, der Priester war, einen medizinischen Kurs. In der Praxis übte er unter dem Arzt Buccioletti, erhielt dann eine Stelle als ärztlicher Assistent im Hospital Santo Spirito in Sassia, wo er seine ärztliche Ausbildung abschloss. Mit 24 Jahren wurde er Professor für Chemie an der Universität La Sapienza in Rom, von wo aus er intensive Kontakte mit Kollegen wie Antoine-Laurent de Lavoisier, Joseph Louis Gay-Lussac, Georges Cuvier und Humphry Davy pflegte. Mit seiner Entdeckung der „magnetisierenden Kraft des äussersten Randes am violetten Lichtstrahle“ zeigte er die Verwandtschaft zwischen Licht und Magnetismus.

Zu seinen bekanntesten Entdeckungen gehört das Vorkommen von Fluor in Zähnen, zugleich der erste Nachweis von Fluor in einem tierischen Gewebe. Sein erster Bericht, unter falsch geschriebenem Namen ("Morecchini") zitiert, wurde zunächst kaum wahrgenommen und erst durch Kommentare von Gay-Lussac und Martin Heinrich Klaproth einem größeren Kreis von Forschern aus der Zeit bekannt.Lettre de M. Gay-Lussac à M. Bertholet, sur la présence de l'acide fluorique dans les substances animales, et sur la pierre alumineuse de la Tolfa. In: Annales de chimie ou recueil de mémoires... Band 55, 1805, S. 258.Untersuchung eines fossilen Elephantenzahns auf Flußspathsäure. Vom Obermedicinalrath Klaproth. In: Neues allgemeines Journal der Chemie. 3. Band, 1804, S. 625.Z. B. schreiben auch Fourcroy und Vauquelin: „Die Verfr. wurden durch die über diesen Gegenstand von Herrn Gay-Lussac mitgetheilte Nachricht zu ihren Versuchen veranlasst.“ Versuche mit frischem und fossilem Elphenbein und dem Email der Zähne, in Hinsicht auf Flußspathsäuregehalt. In: Journal für die Chemie und Physik. 2. Band, 1806, S. 189. Zur Zeit von Morichinis Entdeckung wusste man nichts von der Existenz eines chemischen Elements namens „Fluor“, noch war der Begriff „Fluoride“ für die Salze des Elements in Gebrauch. Mit Hilfe des Glasätztests wies er in einem fossilen Backenzahn und danach auch in Zähnen menschlicher Zeitgenossen neben Calciumphosphat die „acido fluorico“ (Flusssäure) nach, die er als „fluato di calce“ (Kalkfluat, später Calciumfluorid benannt) gebunden vermutete. Über die chemische Zusammensetzung der Flusssäure war bis dahin nichts bekannt. Da sie aber, wie zuvor schon in Phosphoriten aus Estremadura (Spanien) und Marmarosch (Ungarn), wieder einmal zusammen mit Phosphorsäure an eine gemeinsame „Basis“ (Calcium) gebunden vorgefunden wurde, sah Morichini in seinem Fund eine Bestätigung der Hypothese von Bertrand Pelletier und Louis Donadei, dass sie durch eine irgendwie geartete Umwandlung („Transmutation“) aus der Phosphorsäure entstehe.Bertrand Pelletier, Louis Donadei: Mémoire sur le phosphate calcaire. Annales de Chimie 7 (1790) S. 79Bertrand Pelletier: Analyse de la terre phosphorique de Kobolo-Bojana, près de Sigeth, dans le Comitat de Marmarosch, en Hongerie. Annales de Chimie 9 (1791) S. 225Analisi chimica del dente fossile fatta dal Dottor Morecchini (sic!). Memoire di matematica e di fisica della Società italiana delle Science (Modena) 10: 1 (1803) S. 166D. Morichini: Analisi dello smalto di un dente fossile di elefante e dei denti umani. Memoire di matematica ... 12: 2 (1805) S. 73 und S. 268 Seine Entdeckung, so meinte er, sei nicht nur kurios,In J. G. Krünitz: Ökonomisch-technologische Encyclopädie. 81. Theil, Berlin 1801, S. 303, heißt es über die „flußspathsaure Luft“: „sie löscht die Flamme aus und tödtet die Thiere schnell.“ sondern verdiene Aufmerksamkeit, weil sich daraus vielleicht einmal Erkenntnisse über die Zahngesundheit ableiten ließen. Mit seinen Ausführungen machte Morichini schon früh die Fluor-Chemie medizinisch/biologisch relevant, lenkte den Fokus der Fluorforscher auf die Zähne und eröffnete eine kontroverse Diskussion, die 1807 durch Jöns Jakob Berzelius erst einmal zugunsten Morichinis entschieden wurde, in den 1830er Jahren aber erneut aufflammte und gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits als „fast ein Kampf“ bezeichnet wurde.S. Gabriel: Chemische Untersuchungen über die Mineralstoffe der Knochen und Zähne. Hoppe-Seyler's Zeitschrift für physiologische Chemie 18 (1894) S. 257–303

An den schweren Folgen eines Schlaganfalls litt er vier Jahre lang bis zu seinem Tod am 19. November 1836. An seinem Sterbebett waren seine Ehefrau Cecilia Calidi und sieben Kinder versammelt.

Einzelnachweise

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