Auf dem schwarzen Berg (Originaltitel: On the black hill) ist ein 1982 im Verlag Jonathan Cape erschienener Roman des britischen Schriftstellers Bruce Chatwin. Eine deutsche Übersetzung erschien erstmals 1983 im Claassen-Verlag.
Kurzbeschreibung Auf dem schwarzen Berg zeichnet das walisische Landleben des 20. Jahrhunderts anhand eines eigenbrötlerischen Zwillingspaares und ihres sozialen Umfelds nach.
Inhalt Kapitel I Das erste Kapitel führt auf den Bauernhof The Vision ein, der genau auf der Grenze zwischen dem englischen Herefordshire und dem walisischen Radnor liegtBruce Chatwin: Auf dem schwarzen Berg. Roman. Fischer, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-11203-6. S. 9–10. und von den greisen Jones-Brüdern bewohnt wird, eineiigen Zwillingen. Kapitel II bis VII Kapitel II bis VII erklären in einer Rückblende die Herkunft der Zwillinge: Nachdem die spätere Zwillings-Großmutter Hannah Jones ihren Sohn Amos in eine arrangierte Ehe drängte,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 17. die Ehefrau aber im Winter 1898/99 starb, wurde Amos ein eifriger Kirchgänger.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 18. Dadurch wurde Amos auf die Halbwaise Mary Latimer aufmerksam und begann mit ihr anzubandeln, nachdem ihr Vater verstarb.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 22. Amos „wollte eine Frau und einen Hof und Söhne, die den Hof erben sollten“, Mary „fürchtete sich davor, von ihren Verwandten abhängig zu sein oder in Stellung gehen zu müssen.“Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 27. Im August 1899 heiratet Amos dann Mary.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 31. In der gleichen Woche unterschreibt Amos den Pachtvertrag für das Gehöft The Vision, das zum Landgut der Familie Bickerton gehört. Die Rückblende endet mit der Geburt der Jones-Zwillinge am 8. August 1900.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 47. Kapitel VII bis XV Aufgrund des Todes von Hannah Jones zieht Amos‘ Vater Sam bald bei der jungen Familie ein.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 52. Um einen intellektuellen Gegenpol zu ihrem Mann zu haben, schließt Mary 1908 Freundschaft mit Reverend Thomas Tuke,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 61. der für die Einschulung der Zwillinge sorgt.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 64. Amos stört der Gedanke, dass seine Söhne durch Mary verweichlicht werden könnten,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 51. weswegen Amos dem Buchwissen misstraut, das er in seiner mit einer üppigen väterlichen Bibliothek aufgewachsenen Ehefrau verkörpert sieht.„Die Bibliothek ihres Vaters enthielt eine Anzahl seltener Bände, die sie an eine Antiquar aus Oxford verkaufte. Mit dem Erlös bezahlten sie die Pacht für zwei Jahre, ein Paar Zugpferde, vier Milchkühe, zwanzig Stück Mastvieh, einen Pflug und eine gebrauchte Häckselmaschine.“ – Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 34. Die Kapitel XIII bis XV widmen sich dann unter anderem den Beziehungen zwischen den benachbarten Gehöften The Vision und The Rock des Watkins-Ehepaars: wie Amos Jones das Watkins-Ziehkind Jim the Rock als Arbeiter beschäftigt, und wie es im Herbst 1910 zu Grenzübertretungen des Watkins-Viehs kommt sowie zu Geflügel-Diebstählen, die später der Familie Watkins zugeschrieben werden.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 85. Kapitel XVI bis XVII Dieser Abschnitt springt zunächst in das Jahr 1913: Mary Jones schreibt „mit einer dicken Schwellung über ihrem linken Auge“ ihrer Schwester, „warum sie Amos Jones verlassen wollte.“Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 86. Dann erfolgt eine Rückblende auf den 2. Oktober 1911, als zwei Jones-Heuschober niederbrannten.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 87. Die Polizei „wollte nicht in einen Streit zwischen Nachbarn verwickelt werden“ und spricht von „Selbstentzündung“, während Amos an Brandstiftung durch The Rock glaubtChatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 88. und sich zu einem tyrannischen Familienpatriarchen entwickelt, der „wie durch einen Tunnel auf eine feindliche Außenwelt“ blickt, zu der alsbald auch die Zwillingssöhne gehören (Schläge) sowie seine Gattin Mary (Vergewaltigung in der Ehe). Zur Partei von Amos gehört allein Tochter Rebecca. Neutralisiert ist zu diesem Zeitpunkt Sam: Er ist seit Herbst 1910 krank an den Augen und am Geist.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 81. Im Sommer 1912 stirbt er dann.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 91. Währenddessen blüht „der Krieg mit The Rock zu einem Ritual von Angriff und Gegenangriff auf: Es war unter der Würde der kriegführenden Parteien, das Gesetz anzurufen. Auch gab es keine Strategien – hier ein gehäutetes Lamm, dort ein totes Kalb oder ein Gänserich, der an einem Ast baumelte, um daran zu erinnern, daß die Fehde weiterging.“Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 89. In einem eingereisten Kongregationalisten-Prediger meint Amos einen Verbündeten zu finden, weil der Prediger die überzogenen Sargpreise von Tom Watkins anprangert,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 94. woraufhin Amos von den Anglikanern zu den Kongregationalisten überläuft und die Jones-Zwillinge von der Schule nimmt.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 95. Mary flüchtet heimlich in Roman-Lektüre, wird von Amos erwischt: Er schlägt sie, was zu der „dicken Schwellung über ihrem linken Auge“ führt, mit der der Textabschnitt begann. Amos wird Zeuge, wie Mary dem Briefboten den Brief an ihre Schwester übergibt, und ebenso Zeuge, wie Mary eine Antwort erhält,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 98. deren Inhalt sie aber vor Amos geheim hält,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 99. da er sich seit seiner Gewalttat schuldbewusst gab. Kapitel XVIII bis XXXII Dieser Textabschnitt startet im Sommer 1914. Der pubertierende Lewis flirtet „mit den Mädchen, und weil er geschmeidig und anziehend war, kokettierten die Mädchen mit ihm. […] Benjamin liebte seine Mutter und seinen Bruder, und Mädchen mochte er nicht. […] Er wollte immer und ewig mit Lewis zusammenleben, dasselbe Essen essen, die gleichen Kleider tragen, ein Bett mit ihm teilen“.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 100–101. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zieht patriotische Stimmung ein und Jim the Rock in den Krieg.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 106. Eine vermeintliche Todesnachricht über Jim, die die gebildete Mary Jones richtigstellt, sorgt für die Aussöhnung zwischen The Vision und The Rock.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 109. Amos verhindert durch einen Trick die Einziehung seines Sohnes Lewis.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 111. Eine Freistellung von Benjamin scheitert dagegen, und Benjamin muss am 2. September 1918 zum Dienst antreten;Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 123. rund zwei Monate später endet der Krieg. „Unterdessen lag Benjamin Jones im Lazarett der Strafbaracke von Hereford und rang nach Luft. Er hatte die spanische Grippe“, wird drei Monate später unehrenhaft entlassen.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 125. Vom Militär traumatisiert, muss Benjamin beobachten, wie Lewis sich unglücklich in Rosie Fifield verliebt, die bei einer nationalen Friedensfeier zusammen mit weiteren Gästen die Jones-Zwillinge als Kriegs-Drückeberger verhöhnt.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 145. Für die nun sozial geächteten Lewis-Bruder ist die Welt damit „auf wenige Quadratmeilen geschrumpft […]. Absichtlich, als würden sie die Unschuld ihrer frühen Kindheit zurückgewinnen, kehrten sie dem modernen Zeitalter den Rücken“, und der Welt außerhalb von The Vision ebenso.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 149. Ihre Schwester Rebecca bekommt von einem Bahnarbeiter ein Kind und wandert nach Amerika aus.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 150–151. Jim the Rock vertreibt seinen Ziehvater aus dessen Haus.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 148. Am zweiten Weihnachtstag 1924 stirbt Colonel Bickerton bei einem Jagdausflug, und im Zuge der Erbschafts-Regelung kauft Amos im Folgejahr The Vision, stirbt aber im Herbst 1926 an einem Hufschlag.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 172. Mary treibt „ihre Verehrung an den Rand des Exzentrischen“, inklusive Beratschlagung mit dem Toten.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 175. „Nichts, nicht einmal eine Teetasse wurde ersetzt, und das Haus sah immer mehr wie ein Museum aus“,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 176. so Chatwin. „Hin und wieder spielte sie bewußt die perverse Seite ihres Wesens aus, zog Lewis beiseite und nahm ihm das Versprechen ab, nie zu heiraten, wenn nicht auch Benjamin heiratete.“Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 179. Kapitel XXXIII bis Kapitel XXXVIII Zu ihrem 31. Geburtstag bekommen die Zwillinge von Mary Fahrräder geschenkt und werden auf einem ihrer folgenden zahlreichen Ausflüge von einer Pilotin gegrüßt:Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 187. der Witwe Gladys Musker, die in einem Nachbargut wohnt. Lewis macht ihr den Hof, konkurriert dabei allerdings mit Jim the Rock und einem weiteren Bauern; beide Konkurrenten haben im Gegensatz zu Lewis Sex mit Gladys.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 189. Jim zeugt so eine Tochter, die der andere Bauer für die seine hält, weswegen er erst zum Stalker,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 190. dann zum Mörder an Gladys und zum Selbstmörder wird. Lewis hat seine zweite unerfüllte Liebe verloren, deren Tochter Margaret in The Rock aufgenommen wird.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 194. In Lewis keimt der Verdacht, dass seine Mutter und sein Bruder sich gegen ihn verschworen haben: „Die Tatsache, daß er keine Frau hatte, war ein Teil ihres Plans.“Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 197. Während dieser familiären Spannungen lassen sich Joy und Nigel Lambert in einer nahen Cottage nieder.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 198. „Die Lamberts teilten einen verschwörerischen Hang zum Gin, nicht aber das Bett“,Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 199. in das Joy den unerfahrenen Lewis hineinzieht, über dessen Entjungferung sie mit ihrem Mann um eine Flasche Gin gewettet hat.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 205. Der wegen seiner Entjungferung verwirrte Lewis verlässt panikartig The Vision.Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 206. Erst der Herztod seiner Mutter Mary im September 1939 bringt Lewis wieder nach The Vision und zu Benjamin zurück. „Der Abend nach dem Begräbnis war der Abend, an dem sie ihr wöchentliches Bad nahmen. […] Die Erinnerung an ihre Mutter hatte sie endlich wiedervereint, und sie vergaßen, daß ganz Europa in Flammen stand.“Chatwin, Auf dem schwarzen Berg, S. 209. Kapitel XXXIX bis L