mini|Illustration von Ludwig Richter Melechsala ist ein Märchen im fünften Band von Johann Karl August Musäus’ Volksmärchen der Deutschen, 1787. Es machte die Sage vom Graf von Gleichen populär.

Inhalt Graf Ernst von Gleichen muss zum Kreuzzug. Traurig nimmt er Abschied von seiner Frau Ottilia und den kleinen Kindern. Bei Ptolemais auf Gemsjagd nehmen Sarazenen ihn mit seinem Knappen Kurt und einem Reisigen gefangen. Sieben Jahre schmachtet er im Turm. Dann hat Kurt dem Soldan von Ägypten weisgemacht, Graf Ernst verstünde Gartenbau. Er soll seiner Tochter Melechsala einen fränkischen Garten gestalten und macht ihr mit einer Blume unwissentlich einen Antrag. Sie verliebt sich in ihn und folgt ihm heim. Und der Papst erlaubt sogar die Doppelehe.

Quellen und Nachwirkung mini|Illustration von Ludwig Richter Ein Reisiger ist ein bewaffneter Knecht. Ptolemais liegt in Libyen. „Soldan“ heißt Sultan. Die Muskatenhyazinthe, arabisch „Muschirumi“, reime sich auf „Ydskerumi“, Minnesold, laut Hasselquists Reise nach Palästina.Johann Karl August Musäus: Märchen und Sagen. Parkland. Köln 1997. ISBN 3-88059-881-9, S. 821–824. „Freudental“ heiße die Aue vor der Burg, seit der Graf seine Frau dort wiedertraf.Johann Karl August Musäus: Märchen und Sagen. Parkland. Köln 1997. ISBN 3-88059-881-9, S. 863. Kurt kommt aus „Ordruff“.Johann Karl August Musäus: Märchen und Sagen. Parkland. Köln 1997. ISBN 3-88059-881-9, S. 871. Die Burg Gleichen steht in Thüringen.

Laut Harlinda Lox war die Sage vom Graf von Gleichen besonders in Thüringen verbreitet. Vgl. Grimms Deutsche Sagen, Nr. 575. Musäus’ Fassung beeinflusste Baculard Arnauds Le Comte de Gleichen.Harlinda Lox: Musäus, Johann Karl August. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 9. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1999, S. 1025–1030. Die flapsige Rede, wie Kurt seine Herkunft verschleiert,Johann Karl August Musäus: Märchen und Sagen. Parkland. Köln 1997. ISBN 3-88059-881-9, S. 851–852. zitieren die Brüder Grimm ausführlich in ihrer Anmerkung zu Das Hausgesinde.Wikisource: Grimms Anmerkung zu Das Hausgesinde So eine blumenkundige Sultanstochter erscheint wieder in Der getreue Paul in Johann Wilhelm Wolfs Deutsche Hausmärchen.

Ludwig Bechsteins Thüringische Volksmärchen beginnen 1823 mit einem Bezug auf Musäus’ Melechsala. Ritter Alfred kommt mit seinem Knappen zum Fest auf Burg Gleichen und begegnet in Mühlberg einer Quellenfee.Selinde. In: Ludwig Bechstein: Thüringische Volksmärchen. Carl Fleck und Comp, Sondershausen 1823, S. 1–47.

Hörspiel 1983: Melechsala oder Die Wahrheit über des Grafen von Gleichen Ehe mit zwei Frauen zugleich – Regie: Norbert Speer (Hörspielbearbeitung, Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR). Sprecher: Michael Gwisdek (Graf), Jutta Wachowiak (Gräfin), Hans Teuscher (Kurt), Jutta Hoffmann (Melechsala), Walfriede Schmitt (Amme), Horst Lebinsky (Großwesir), Wolfgang Heinz (Papst) und Klaus Hecke (Mönch). Erstsendung: 9. September 1983 – Abspieldauer: 41'45 Minuten.ARD-Hörspieldatenbank (Melechsala oder Die Wahrheit über des Grafen von Gleichen Ehe mit zwei Frauen zugleich, Rundfunk der DDR 1983) DDR-Kinderhörspielpreis 1984.

Literatur Johann Karl August Musäus: Märchen und Sagen. Parkland. Köln 1997. ISBN 3-88059-881-9, S. 763–872.

Weblinks

Gutenberg-DE: Musäus’ Melechsala Staatliche Kunstsammlungen Dresden: Federzeichnungen von Josef Hegenbarth zu Melechsala

Einzelnachweise

Kategorie:Musäus’ Märchen Kategorie:Märchen Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Hörspiel (Titel) Kategorie:Fiktive Person (weiblich)