Epidius ist ein römischer Flussgott, zugehörig dem kampanischen Fluss Sarnus in der Nähe von Pompeji, kultisch verehrt am Fluss und in der anliegenden oskisch-samnitischen Stadt Nuceria.
Der Mythos Sueton überliefert den Mythos durch den Mund des gleichnamigen Rhetors Marcus Epidius: „Dieser (Rhetor) Epidius behauptete, er stamme von Gaius Epidius aus Nuceria ab, der sich, so wird erzählt, einst in die Quelle des Flusses Sarnus gestürzt habe, kurz danach sei er mit StierhörnernMünzen aus Nuceria zeigen einen Jüngling mit Widderhörnern. Münze aus Nuceria (wieder) aufgetaucht und sofort (wieder) verschwunden und (daraufhin) zu den Göttern gezählt worden.“hic Epidius ortum se a C. Epidio Nucerino praedicabat, quem ferunt olim praecipitatum in fontem fluminis Sarni, paulo post cum cornibus taureis extitisse, ac statim non comparuisse in numeroque deorum habitum. Sueton, Reifferscheid, S. 124.
Der Mythos erzählt die wundersame Vergöttlichung (Apotheose) eines Nucerinus, eines Bürgers von Nuceria, möglicherweise eines Urahnen der Gens Epidia, die in dieser Region stark vertreten war:
Literarische Einordnung Die Erzählung über den Flussgott gehört zu den antiken Mythen und Märchen und findet Verwendung im Ahnenkult und in der Ahnenverehrung der genealogischen Familiendichtung.
Mythos Das von Griechen gegründete Nuceria und der nach griechischem Vorbild gehörnte Flussgott legen es nahe, dass der Mythos griechischen Ursprungs ist.Wissowa: Abhandlungen zur römischen Religions– und Stadtgeschichte. S. 135, () Anmerkung 1:
Märchen Epidius, sicherlich ein regionaler Schutzgott, gehört zu den Indigeten.Sammelbegriff für heimische Gottheiten, oft vergötterte Vorfahren, lokale Schutzgötter; siehe Georges unter dem Singular Indiges (1), zeno.org; Lewis-Short unter Indigetes, perseus.tufts.edu. Die sagenhafte Erzählung, verankert in der ländlichen Region und ohne epische Dimension, ist ein volkstümliches Märchen: „Eine Eigenthümlichkeit dieser Indigeten … ist es, daß sie zwar menschlich leben, aber dann auf eine geisterhafte Weise verschwinden, nicht wie die Homerischen Helden sterben, sondern … entrückt, aber dadurch zugleich verklärt und erhöht werden. Der gewöhnliche Ausdruck dafür ist non comparuit oder nusquam apparuit, was unserm 'ward nicht mehr gesehen' entspricht … “Ludwig Preller: Römische Mythologie. Band 1, S. 95. Auch Epidius „ward nicht mehr gesehen“, non comparuisse, was dem Deus indiges einen märchenhaften Duktus verleiht.Ludwig Preller: Römische Mythologie. Band 1, S. 97:
Genealogie 146 v. Chr. wurde Griechenland römische Provinz und der Braindrain nach Rom setzte ein. Die gebildeten Griechen brachten die Tradition der genealogischen Familiendichtung mit und setzten sie für den Ahnenkult und die Ahnenverehrung der vornehmen römischen Familien ein: „Die vielen Griechen, die als Hausfreunde, Hauslehrer, Haussklaven, oder als Rhetoren und Grammatiker in Rom lebten, hatten bald die Genugthuung der vornehmen Römerwelt ihre Huldigung nun auch in dieser Form darbringen zu können.“Ludwig Preller: Römische Mythologie. Band 1, S. 99.
Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dass der Mode entsprechend auch ein Rhetor in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. in seiner Ahnenreihe einen märchenhaften Anfang entdeckte und möglicherweise ausmalte, nämlich Marcus Epidius:
Rezeption mini|Der Schmetterling Theclopsis Epidius Name für Gattung der Krabbenspinnen aus der Familie der Thomisidae, beschrieben vom Zoologen Tamerlan Thorell, 1877. Name für Schmetterling aus der Familie der Lycaenidae, beschrieben von den Zoologen Godman und Salvin, 1887.
Quelle Sueton: Fragmente über die berühmten Rhetoren, herausgegeben von August Reifferscheid: C. Suetoni Tranquilli praeter Caesarum libros reliquiae (Die Überreste des Gaius Suetonius Tranquillus ohne die Bücher über die Caesaren), Verlag Teubner, Leipzig 1860, Seite 124: De rhetoribus, Nr. 4 (28); books.google.de
Literatur
Ludwig Preller: Römische Mythologie. Band 1, Weidmannsche Buchhandlung, 3. Auflage von Henri Jordan, Berlin 1881, S. 95–99: Mythen, Märchen und die genealogische Familiendichtung. Georg Wissowa: Abhandlungen zur römischen Religions– und Stadtgeschichte. Verlag C. H. Beck, München 1904, S. 135, Anmerkung 1: Sage griechischen Ursprungs.
Anmerkungen
Kategorie:Römischer Flussgott Kategorie:Person der römischen Mythologie Kategorie:Männliche Gottheit Kategorie:Epidier