mini|St. Georg (Schonungen) St. Georg ist die alte römisch-katholische Pfarrkirche von Schonungen, einer Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt in Bayern. Das denkmalgeschützte Bauwerk entstand im 18. Jahrhundert. In der alten Pfarrkirche finden gelegentlich Veranstaltungen der Kommunalen Kulturpolitik statt. Die Pfarrei gehört zur Pfarreiengemeinschaft St. Sebastian am Main (Schonungen) im Dekanat Schweinfurt-Nord des Bistums Würzburg.
Beschreibung Die Saalkirche wurde 1740 nach einem Plan aus dem Architekturbüro von Balthasar Neumann erbaut. Sie besteht aus einem Langhaus, das mit einem Satteldach bedeckt ist, und einem gotischen Chorturm mit einem mittelalterlichen Kern im Osten, der 1853 mit einem achtseitigen, schiefergedeckten Knickhelm bedeckt wurde. In der mit Lisenen gegliederten Fassade im Westen, die mit einem Volutengiebel bedeckt ist, befindet sich das Portal. Ihre Nischen enthalten keine Statuen mehr.
Geschichte mini|Die Fassade von Balthasar Neumann Bereits im Jahre 1313 berichtet eine Urkunde von einer Kirche in Schonungen. 1340 ist die Rede von einem befestigten Kirchhof. Zweifellos handelte es sich also um eine Kirchenburg, eine Wehrkirche, deren mächtigstes Zeichen der Turm war, von dem die unteren Partien bis heute erhalten sind. 1553 wurde die Kirche während des Krieges Würzburgs mit Markgraf Albrecht von Brandenburg völlig zerstört. Erst einige Jahrzehnte später entstand ein Neubau. Das oberste Stockwerk der Turmruine wurde mit Eichenholz-Fachwerk und einem Ziegeldach mit Ecktürmchen ausgestattet. Die Kirche wurde im Jahre 1600 umgebaut und innen ausgemalt. Außerdem wurde sie mit einer Orgel versehen. Da diese Kirche viel zu klein geworden war, entschloss man sich 1740 das Langhaus abzureißen und ein neues größeres Gotteshaus nach den Plänen von Balthasar Neumann bauen zu lassen. Der Turm blieb bestehen, wurde um ein Stockwerk erhöht und mit einem Zwiebeldach bekrönt. Durch einen von einer vorbeifahrenden Eisenbahn verursachten Funkenflug verbrannte die Kirche 1853 bis auf die Umfassungswände und die Mauern des Turms. Im Jahre 1858 konnte sie wieder als gottesdienstlicher Raum genutzt werden. Jedoch war von der barocken Pracht alles verbrannt und das Innere war nüchtern und schlicht eingerichtet. Auch der Turm erhielt eine neue Haube. Anstatt der Neumannschen Zwiebel saß nun ein steiles Spitzhelmdach auf dem Turm. Man schaffte Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein neues Geläut und eine neue Orgel an, welche von dem Geld finanziert wurden, das eigentlich für einen Erweiterungsbau gesammelt worden war. Jedoch kam es nie zu dem Erweiterungsbau. Da die Kirche mit 210 Sitzplätzen niemals die 2600 Katholiken fassen konnten, die die Gemeinde im Jahre 1960 zählte, erwarb man ein Grundstück und ließ vom Dombaumeister Hans Schädel einen modernen Kirchbau planen, der im Jahre 1961 von Bischof Josef Stangl eingeweiht wurde. Die mittlerweile leere Kirche zerfiel für einige Jahre, bis die katholische Kirchenstiftung 1985 eine Außenrenovierung vornahm. Im Februar 1993 tat sich die „Aktionsgemeinschaft Alte Kirche“ zusammen und baute den Innenraum zu einem Kulturraum um. Finanziert wird dieses Projekt von dem 1999 gegründeten „Freundeskreis Alte Kirche Schonungen“.
Ausstattung Altäre und Kanzel
mini|Die Ausstattung nach 1858Die prächtige, barocke Ausstattung verglühte in dem großen Feuer 1853. Nach vielen Spenden jedoch konnte sich die Gemeinde im Jahre 1858 einen neuen Hochaltar, zwei Seitenaltäre und eine Kanzel zulegen, die deutlich schlichter als die vorherigen waren. Dieses Ensemble existiert heute nicht mehr.
Statuen Die drei Nischen der westlichen Fassade besaßen ursprünglich Figuren. Über dem Portal stand links der heilige Michael und rechts der heilige Georg. Diese Figuren wurden bei der Renovierung 1987 entfernt.
Orgel mini|Die Hindelang-Orgel in der neuen Kirche Schonungen Frühe Orgeln Die Kirche bekam bereits im Jahre 1600 eine Orgel. Mit dem Neubau des Gotteshauses durch Balthasar Neumann im Jahre 1740 wurde erneut ein Instrument aufgestellt. Diese verbrannte jedoch in dem großen Feuer 1853. Nachdem die Kirche 1858 wieder aufgebaut war, bekam sie 1859 eine Orgel von dem Orgelbauer Beyer von Schweinfurt. Sie verfügte über 18 Register.
Hindelang-Orgel Man sammelte bereits ab 1930 Geld für einen Kirchenneubau. Diese Pläne wurden vom Krieg unterbrochen, deshalb schaffte man von jenem Geld eine neue Orgel an. Diese stammte von den Gebrüder Hindelang. Sie verfügt über 24 Register auf zwei Manuale und Pedal. Sie wurde 1961 in die neue Kirche übernommen und 2010 in die Kirche Mariä Geburt in Berdyansk in der Ukraine transferiert.
Disposition
I Hauptwerk C−g3 1. Copula 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Hohlpfeife 8′ 4. Flachflöte 8′ 5. Oktave 4′ 6. Rohrflöte 4′ 7. Quinte ′ 8. Schwegel 2′ 9. Mixtur IV ′ 10 Trompete 8′ II Schwellwerk C−g3 11. Gedackt 8′ 12. Salizional 8′ 13. Praestant 4′ 14. Querflöte 4′ 15. Oktave 2′ 16. Nachthorn 1′ 17. Cimbel III ′ 18. Krummhorn 8′ Tremulant Pedal C−f1 19. Prinzipalbass 16′ 20. Subbass 16′ Zartbass 16′ 21. Oktavbass 8′ 22. Pommer 8′ 23. Bassflöte 4′ 24. Posaune 16′
Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: eine freie Kombination, Crescendowalze, Tutti
Geläut mini|Der Glockenturm Am 16. Dezember 1858 wurden die neuen Glocken geweiht:
Glocke: „Eintracht“, Durchmesser: 124 cm, Gewicht 1100 kg, Bild: St. Georg, Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden“, gegossen v. G. H. Hermann in Schweinfurt Anno 1858 Glocke: „Grafenrheinfeld“, Durchmesser: 96 cm, 500 kg, Bild: Mutter Gottes, Inschrift: „Einst im Zeitenlauf dem frommen Sinn entsprossen, im Jahre 1628. Sind wir in des Dorfes Flammenglut zerflossen im Jahre 1853, den 26. September, wurden dann zur Ehre Gottes neu gegossen im Jahre 1858.“ Glocke: „Gnad uns Gott“ (Sturmglocke) 82 cm, 310 kg, Bild: Mutter Gottes Inschrift: „Froh und trauernd tönt mein Klang / Zu Jehovas Lobgesang“, gegossen von Gustav Adolf Hermann in Schweinfurt Anno 1858
Kurz vor dem Krieg bekam die Gemeinde neue Glocken. Diese mussten aber für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden.
Im Jahre 1950 bekam die Kirche ein neues Geläut von der Glockengießerei Bachert aus Knochendorf. Diese Glocken kamen 1961 in die neue Kirche.
Glocke: c′ – Christkönig „Jesu Christe, Rex Gloriae, veni cum Pace“ Glocke: es′ – Maria „Ave Maria gratia plena“ Glocke: g′ – Georg „Sancti Georgi, Patronus ecclesiae nostrae, protege nos“ Glocke: b′ – Josef „Ite ad Josef“
Literatur
Urban Rapp: Pfarrkirche St. Georg Schonungen bei Schweinfurt, Kirchenführer Nr. 801, erste Auflage. Verlag Schnell & Steiner München und Zürich, Waldsassen 1964, S. 1–4
Weblinks
Die Alte Kirche auf den Seiten der Gemeinde Schonungen , Aktennummer D-6-78-174-9 Pfarreiengemeinschaft St. Sebastian am Main
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Schweinfurt Kategorie:Pfarrkirche des Bistums Würzburg Kategorie:Georgskirche Kategorie:Saalkirche in Bayern Kategorie:Chorturmkirche Georg Kategorie:Erbaut in den 1740er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Bayern Georg