mini|hochkant|Neustädter Tor, im Hintergrund die Garnisonkirche, 1928 mini|Potsdams Stadttore mini|Andreas Ludwig Krüger, Blick über die Breite Brücke durch die Breite Straße nach dem Neustädter Tor (Ausschnitt) Das Neustädter Tor war eines der ursprünglich zehn Potsdamer Stadttore, von denen noch drei vollständig und neben dem rekonstruierten Kellertor zwei weitere in Fragmenten (Berliner und Neustädter Tor) im Stadtbild erhalten sind. Das barocke Tor befand sich am Ende der Breiten Straße und bildete einen Durchgang durch die zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtete Akzise- und Desertationsmauer. Der verbliebene Obelisk wurde 1981 in der Nähe des ursprünglichen Standorts aufgestellt.

Geschichte Bereits während der ersten Stadterweiterung 1713 bis 1724 ließ Friedrich Wilhelm I. einen Wall mit Palisaden um die Potsdamer Innenstadt errichten, um die Akzise zu erheben sowie – vor allem – die Desertation von Soldaten zu verhindern. Die Akzise war ab 1680 eine Verbrauchssteuer für Städte nach holländischem Vorbild. Der Zugang war durch vier Stadttore für Händler, Kaufleute und Besucher möglich. Bereits 1722 entstand im Zusammenhang mit der ersten barocken Stadterweiterung ein noch völlig schmuckloser Vorgängerbau, der auch nach der zweiten barocken Stadterweiterung, als die Stadtgrenze weiter nach Westen verlegt wurde, erhalten blieb, aber nun ohne Funktion war.

Errichtung 1753 1753 beauftragte Friedrich II. seinen Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, das Stadttor im Rahmen der repräsentativen Umgestaltung der Residenzstadt neu zu errichten. Die Toranlage stand nun weiter stadtauswärts an der Einmündung der heutigen Schopenhauerstraße in die unter dem Großen Kurfürsten angelegte Breite Straße, die sich weiter westlich als Sichtachse fortsetzte. Zur gleichen Zeit entstand auch das Berliner Tor.

Das Tor bestand aus zwei Postamenten, die der Potsdamer Hofbaurat Heinrich Ludwig Manger folgendermaßen beschrieb:

Die auf den Obelisken angebrachten Hieroglyphen waren den echten ägyptischen Schriftzeichen, deren Bedeutung damals noch unbekannt war, nach künstlerischen Gesichtspunkten nachempfunden. Das Tor wurde durch eine Mauer mit zwei angeschlossenen Torhäusern gerahmt und bildete so einen repräsentativen Abschluss der Sichtachse vom Stadtschloss und Lustgarten in Richtung Westen mit einer Bündelung der kurfürstlichen Sichtachse auf den Park Sanssouci. Zwischen den beiden Obelisken befanden sich zwei Schmiedegitter.

Zum Neubau des Tores schrieb Manger:

Als mögliche Vorbilder werden in der Literatur zum einen der zweite Entwurf für das Schloss Schönbrunn von Johann Bernhard Fischer von Erlach mit der Darstellung einer von zwei Obelisken flankierten Toranlage und zum anderen die allerdings nur mit Reliefs von Obelisken verzierte Porte Saint-Denis in Paris genannt. Das nach Plänen von François Blondel 1672 errichtete Pariser Stadttor kann Knobelsdorff von seiner 1740 unternommenen Studienreise aus eigener Anschauung bekannt gewesen sein.

Reparatur 1772 Bereits 1770 zeigten sich Mängel an den Obelisken, die durch die beiden sehr schweren steinernen Adler verursacht wurden. Die Obelisken neigten sich bei Stürmen und richteten sich anfangs wieder auf, blieben später aber schief stehen. Da der König nichts von einer Reparatur wissen wollte, die Obelisken aber einsturzgefährdet waren, wurden die entstandenen Fugen am Fuße mit Eisenklammern notdürftig repariert. Das stellte allerdings keine dauerhafte Lösung dar, so dass die Obelisken zwei Jahre später abgetragen werden mussten.

1772 erfolgte eine grundlegende Überarbeitung der Säulen, die für die schweren Adler und die Kugeln zu klein dimensioniert waren. In beide Säulen wurden Achsen aus bestem schwedischem Eisen eingezogen, die aus vier Teilen zusammengesetzt wurden. Am Boden hatten sie einen Durchmesser von dreieinhalb Zoll und an der Spitze von einem halben Zoll. Die Abschnitte wurden durch 15 Zoll lange Ansätze (Muffen) verbunden. Auf dem Deckel des Postaments, am Fuße der Säulen, wurde ein starkes geschmiedetes Kreuz angebracht. Die Steine wurden diagonal zerschnitten, genau an die Stange angepasst und verklammert und schließlich alles zum Schutz sorgfältig mit Blei ausgegossen. Die beiden Kugeln mit den Adlern wurden ebenfalls durchbohrt und mit einer eisernen Buchse am oberen Teil der Achse befestigt und die Verbindung ebenfalls mit Blei vergossen. Allerdings brachten auch diese Arbeiten keine Besserung, da die Adler für die grazilen Säulen zu schwer waren.

Neubau 1776 Nachdem die Säulen sich nach nur wenigen Jahren wieder stark verbogen hatten, bewilligte der König 1776 eine Neuausführung derselben von den Postamenten an. Die Säulen wurden erneut abgetragen und aus Sandsteinquadern, „so dicke als man sie haben konnte“, neu aufgebaut, wobei die Steine genau aneinander angepasst und die Fugen mit Weißkalk ausgefüllt wurden. Die steinernen Adler wurden durch blecherne ersetzt, die beweglich befestigt waren und sich nach dem Wind drehen konnten. Danach „sollen diese Obelisken sich in keinem Jahrhunderte wieder im geringsten biegen oder sonst schadhaft werden“.

1829, als das Tor seine ursprüngliche Funktion verloren hatte, richtete Wilhelm von Türk im Torschreiberhaus eine als „Pflege-Anstalt“ bezeichnete Kinderbewahranstalt für Kinder von ein bis vier Jahren ein. Die Einrichtung war bis mindestens in die 1930er Jahre in Betrieb, vermutlich bis zur Zerstörung des Neustädter Tores am 14. April 1945.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufstellung des Obelisken mini|hochkant|links|Beschädigtes Neustädter Tor, Ansicht von Osten, um 1946 mini|hochkant|Verbliebener Obelisk Beim Luftangriff auf Potsdam am 14. April 1945 wurde auch das Neustädter Tor stark beschädigt. Eine Säule stürzte um, und die anliegenden Wachhäuschen wurden zerstört. Die Stadtplanung der Nachkriegszeit sah vor, die Breite Straße weiter nach Westen bis zur heutigen Zeppelinstraße zu verlängern. Hierfür wurde der nördlichste Teil der Neustädter Havelbucht mit Trümmern von im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bauten zugeschüttet. 1969 wurde das zerstörte Tor mit den Resten der Torgebäude abgetragen. 1972–1973 erfolgte die geplante Verlängerung der Breiten Straße (damals: Wilhelm-Külz-Straße) mit Anbindung an die Zeppelinstraße (damals: Leninallee).

Der erhaltene Obelisk wurde im Jahr 1981 restauriert und ohne krönenden Adler in der damaligen Wilhelm-Külz-Straße auf einer Freifläche östlich der Einmündung der Schopenhauerstraße aufgestellt (). Er erinnert in der Nähe seines ursprünglichen Standorts an das ehemalige Stadttor. Der Adler, der stark beschädigt die Zerstörung des Tores im Zweiten Weltkrieg überstand, befindet sich seit 2012 in der ständigen Ausstellung des Potsdam-Museums.

Weblinks

Einzelnachweise

Neustadter Tor Kategorie:Versetztes Bauwerk in Brandenburg Neustadter Tor Neustadter Tor Kategorie:Obelisk in Deutschland Kategorie:Erbaut in den 1750er Jahren Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren