mini|hoch|Spökenkieker-Denkmal in Harsewinkel von Hubert Hartmann, Wiedenbrück mini|hochkant|Spökenkieker im Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster von Bildhauer Rudolf Breilmann, Münster Spökenkieker ist ein niederdeutscher Ausdruck für Menschen, denen die Gabe des Zweiten Gesichts, besonders der Vorhersage von Todesfällen, zugesprochen wird. Spökenkieker sollen bevorzugt in Westfalen und Friesland zu finden sein.Definition des Begriffs in der Brockhaus-Enzyklopädie, Band 17, Wiesbaden 1973.

Der niederdeutsche Begriff Spökenkieker kann dabei in etwa mit „Spuk-Gucker“ oder „Geister-Seher“ ins Hochdeutsche übersetzt werden. Spökenkiekern wird die Fähigkeit nachgesagt, in die Zukunft blicken zu können. Typisch für die Spökenkiekerei ist die Vorhersage unheimlicher und Angst machender Dinge wie schwerer Krankheit, Tod oder Krieg.Bedeutung des Begriffs In: sprachnudel.de.

Spökenkiekerei Walter VogtWalter Vogt in der Zeitschrift Wegbegleiter vom Juli 1997, Nr. 4, II. Jahrgang, S. 198 ff. schreibt, dass der Vorschauer Leichenzüge, Hochzeiten, Heereskolonnen und Feuersbrünste vorhersehen kann. Die Ereignisse treffen manchmal erst Jahre später ein. Erkennbar seien Spökenkieker an hellblondem Haar, dem geisterhaften Blick der wasserblauen Augen und einer blassen oder überzarten Gesichtsfarbe. Früher waren es hauptsächlich Schäfer, die mit den Geheimnissen der Natur „innig vertraut“ waren. Auch in Schottland gebe es die „Second Sight“, vor allem aber sei „das Zweite Gesicht“ im Sauer- und Münsterland anzutreffen. Er gibt an, dass an den Vorgesichten 80 % visuelle, 15 % akustische und nur 5 % andere Sinnesempfindungen beteiligt seien.Klassische Beispiele gibt Walter Vogt auf der Seite wegbegleiter.ch wieder.

Erklärungsversuche Gisbert Strotdrees beschreibt die Volksprophetien, die ihm zufolge erst seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Nordwestdeutschland nachweisbar sind, als „Form phantastischen Erzählens“, die Stilformen des Märchens, der Sage und des historischen Berichtes verbinde und dokumentarischen Anspruch erhebe; dabei werde „unterstellt – zumeist stillschweigend –, dass eine solche Art der Zukunftsschau möglich sei“.

Denkmäler Im Zuge der Traditionspflege wurde dem Spökenkieker in der münsterländischen Stadt Harsewinkel 1962 ein Denkmal gesetzt.Spökenkiekerdenkmal in HarsewinkelIn Harsewinkel denkt man an den „Spökenkieker“, der dort unter dem Namen „Alter Stümpel“ von 1830 bis 1904 lebte. Mit bürgerlichem Namen hieß es Anton Westermann. (Internetseite über das Denkmal in Harsewinkel) Ein weiteres Denkmal befindet sich im Mühlenhof-Freilichtmuseum in Münster. Die Bronzeplastik „Spökenkieker“ von Rudolf Breilmann, eine Stiftung der Vereinigung Niederdeutsches Münster, erinnert hier an die Menschen im Münsterland, die Ereignisse „vorhersehen“ konnten. In Friesoythe weist ein Denkmal darauf hin, dass der Stadtschreiber Theodor Caspar Anton Joseph Wreesmann (1855–1941) im Jahre 1940 voraussagte, dass man nach dem Kriege „vom Marktplatz auf die Kirche schauen kann“.Spökenkieker-Denkmal in Friesoythe In Deininghausen war der „alte Jasper“ ein Spökenkieker. „Was er voraussah, traf mit unheimlicher Sicherheit ein.“ 1830 sagte er die Köln-Mindener Eisenbahn voraus, die 1847 eröffnet wurde: „Die Straße wird aus Eisen sein, und auf ihr werden Wagen ohne Pferde mit fürchterlichem Gerasel fahren.“Jasper, der Spökenkieker von Deininghausen, siehe Literatur In Lüdinghausen steht an der Borgmühle ein Denkmal des Spökenkiekers Caspar Winkelsett (1778–1846).Spökenkiekerdenkmal in Lüdinghausen

Mit leicht spöttischem Anklang wird der Begriff Spökenkieker im heutigen Sprachgebrauch teilweise auch für Pessimisten und Schwarzseher benutzt, auch wenn diesen jegliche "Gabe" zur Vorhersage zukünftiger Ereignisse fehlt.

Beispiele Der Brand des Schlosses Loburg am 22. Juli 1899 durch zwei Blitzschläge soll von einem Spökenkieker in Ostbevern prophezeit worden sein:

Der Spökenkieker von Schwelm: Der Sargtischler Kaspar Hülsenbeck hatte immer einen passenden Sarg bereit, „als wäre er vorbestellt“.

Sonstiges Die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff hat in ihren literarischen Werken das Phänomen der Spökenkiekerei ernst genommen. Der Aufklärungsturm A der Bundeswehr an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste wird im Volksmund Spökenkieker genannt. Der südoldenburgische Mundartdichter Jan Willem (Botterblaumen Boogie, 1979) veröffentlichte 2004 ein Lied über den Spökenkieker. Eine Plastik von Annette Wittkamp-Fröhling in Lüdinghausen zeigt den Spökenkieker Caspar Winkelset (1778–1846). Der fünfte Band der Reihe Asterix snackt Platt trägt den Titel De SpökenkiekerR. Goscinny, A. Uderzo: De Spökenkieker; Plattdeutsche Übersetzung von Asterix Band 19: Der Seher. Egmont Ehapa 2015. (2015). Es ist die plattdeutsche Übertragung der deutschen Version von Der Seher (1975) aus der Asterix-Reihe. Unter dem Namen Spökenkieker – Zeitung für das nördliche Emsland und Umgebung gab der Verein zur Förderung von Alternativen, Sozialer Gerechtigkeit und Demokratischer Bildung e. V. mit Sitz in Papenburg von Januar 1981 bis August 1984 eine alternative Monatszeitung heraus. In Papenburg bietet der Verein „Papenbörger Hus“ in den Monaten von Oktober bis März einen Rundgang durch die Von-Velen-AnlageSpökenkieker-Tour in Papenburg unter dem Titel Spökenkieker-Tour mit Feuer- und Fackelschein sowie einem leibhaftigen Gespenst an. Das Spökenkieker-Haus auf der Halbinsel Eiderstedt ist seit 2007 ein Informationszentrum, das über das Leben und die Arbeit in der Natur Eiderstedts informiert.In Tönning steht das Informationszentrum Spökenkiekerhaus In dem Buch "Der kleine Adolf – Die Geschichte(n) meines Großvaters" erzählt der Hamburger Autor Achim Amme die Geschichte seines Großvaters von einem Spökenkieker (Hellseher) aus Uetze bei Hannover.

Siehe auch Stattzeitung Hellsehen Seher

Literatur Karl Schmeing: Seher und Seherglaube, Soziologie und Psychologie des „Zweiten Gesichts“. Darmstadt 1954Schmeing untersuchte in dreißigjähriger Arbeit über 100 „Spökenkieker“ im deutschen Raum psychologisch und veröffentlichte seine Ergebnisse 1954 in dem Buch Seher und Seherglaube. Wesentliche Hinweise auf den Inhalt in dieser Rezension von 1956: https://www.digi-hub.de/viewer/image/DE-11-001911653/462/ Gisbert Strotdrees: Das Zweite Gesicht. In: Lena Krull (Hrsg.): Westfälische Erinnerungsorte. Ferdinand Schöningh. Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78607-4. – Eine kritische Analyse aus historisch-volkskundlicher Perspektive. L. Rafael, H. Kiesekamp: Der Spökenkieker und andere westfälische Geschichten. Essen (Ruhr) 1909. Annette von Droste-Hülshoff: Bilder aus Westfalen. Weltgeist-Bücher 1840, Online-Ausgabe Walter Vogt, Die Spökenkieker das gequälte Geschlecht Kurt E. Koch, Besessenheit und Exorzismus, 1981, Bibel- und Schriftenmission Schwäbisch Gmünd, S. 80 ff. J.D.H. Temme: Eine Westphälische Bauernhochzeit. In: Westermanns Monatshefte Band 4, Braunschweig 1858, S. 248 ff. Der „Spökenkieker“ Jasper – der „Spökenkieker“ von Deininghausen. In: Stadtmagazin Castrop-Rauxel, Ausgabe 108 (5/2016), S. 6.

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