mini|Alfred Rüsch, um 1865 mini|Alfred Rüsch, um 1860 Alfred Rüsch (Taufname Karl Alfred Rüsch; * 26. Juli 1831 in Dornbirn, Vorarlberg; † 6. Mai 1892 in Dornbirn) war ein österreichischer Maschinenbauingenieur, Maschinenfabrikant und als Unternehmer in zweiter Familiengeneration Direktor der Rüsch-Werke in Dornbirn.
Leben und Wirken Alfred Rüsch war das fünfte von sieben Kindern des Fabrikanten Josef Ignaz Rüsch (1794–1855), dem Begründer des Dornbirner Hammerwerks mit Eisengießerei Josef Ignaz Rüsch zum Eisenhammer, und dessen Ehefrau Maria Katharina, geborene Herburger (1798–1863). Während der Vater noch aus dem Handwerk kam, war ab der zweiten Fabrikantengeneration ein akademisches Studium selbstverständlich, ebenso wie ehrenamtliches Engagement.Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 4. So besuchte Alfred Rüsch nach der Industrieschule im schweizerischen St. Gallen (bis 1847Zeugnis der Industrieschule St. Gallen für das Schuljahr 1846/47 als Reproduktion bei Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 5.) zum Studium des Maschinenbaus 1852 bis 1854 die Polytechnische Schule Karlsruhe,Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 5. unter anderem bei Ferdinand Redtenbacher, dem Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus.Rainer Rüsch: Eltern und Nachfahren von Josef Ignaz Rüsch (1794–1855) aus Dornbirn/Vorarlberg. Typoskript, Baden-Baden 1999, S. 9. Doch schon bald musste Alfred Rüsch 1855 im Alter von nur 24 Jahren die Leitung des Dornbirner Familienbetriebs mit etwa 60 Mitarbeitern übernehmen – nachdem der ältere Bruder Pankraz Rüsch (1829–1854) verstorben war und sein Vater Josef Ignaz Rüsch wenig später 1855 ebenfalls starb. Rasch wurde unter Alfred Rüschs Führung das zuvor noch eher handwerklich geprägte Werk in den folgenden rund zehn Jahren zu einem neu durchorganisierten Industriebetrieb, der allerdings traditionsbewusst weiter unter dem väterlichen Namen J. Ig. Rüsch firmierte. Zu den Neuerungen zählte 1857 die Verlegung des Standorts von Mittebrunnen nach Schmelzhütten an die heutige Jahngasse, wo Rüsch dann außerdem eine neue Gießerei mit zwei Kupolöfen errichten ließ.Harald Rhomberg: Die Schmelzhütten. Ein frühes Gewerbegebiet Dornbirns und die Keimzelle der Rüsch-Werke. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 35–45, hier S. 43 und 44, mit Lageplan von 1836 des ersten Standorts. – Eine frühe Fotografie der Gebäude am ersten Standort zeigt Klaus Fessler: Das Firmengelände der Rüsch-Werke. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 47–57, hier S. 48, Abb. 1.Einen Lageplan des zweiten Standorts der Werksgebäude in Schmelzhütten aus dem Jahr 1863 zeigt Klaus Fessler: Das Firmengelände der Rüsch-Werke. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 47–57, hier S. 50 f.Chronologie der Neubauten und Erweiterungen des Werksgeländes bei Klaus Fessler: Das Firmengelände der Rüsch-Werke. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, S. 47–57, hier S. 56.mini|Zeugnis für Alfred Rüsch, „Schüler der mech. techn. Schule“ der Polytechnischen Schule Karlsruhe, 31. Juli 1853, unterzeichnet von Ferdinand Redtenbacher. Die bei Redtenbacher belegten Kurse Maschinenbau und Maschinenkonstruktion wurden von Rüsch „unregelmäßig“ besucht.|linksRüsch hatte schon während seines Maschinenbaustudiums die Bedeutung von Turbinen für die Nutzung von Wasserkraft erkannt und entwickelte eine automatische Turbinen-Regulierung, womit die Drehzahl konstant gehalten und ein gleichmäßiger Antrieb gewährleistet werden konnte.Zu den Turbinen der Rüsch-Werke Klaus Fessler: Turbinen und Wasserkraftwerke. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, S. 59–149; S. 144 ff. Karten der Absatzgebiete. Rüschs Erfindung wurde in allen Größen gebaut zu einem großen Verkaufserfolg und begründete den guten Ruf der Rüsch-Werke über die Grenzen Vorarlbergs hinaus.Werner Matt: Spannungsfeld inatura. Von den «Science Zones» ... zum Erfinder und Fabrikanten Alfred Rüsch. In: inatura aktuell, Heft 03/2009, S. 3–5, hier S. 4 (, abgerufen am 27. September 2022). So wurde er zum „Vater des Turbinenbaus“Klaus Fessler: Dornbirner Erfinder im Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik. In: Dornbirner Schriften, Bd. 50, 2023, S. 72–117, hier S. 76. bei den Rüsch-Werken. Später wurde die Erfindung von Alfred Rüschs Sohn Ignaz Rüsch zusammen mit dem Rüsch-Werke-Ingenieur Otto Sendtner weiterentwickelt und unter der 1894 patentierten Bezeichnung Hydraulischer Widerstandsregulator Patent Rüsch-Sendtner bekannt.Klaus Fessler: Konstrukteure und Maschinenbauer. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, S. 163–201, hier S. 166 ff.Klaus Fessler: Dornbirner Erfinder im Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik. In: Dornbirner Schriften, Bd. 50, 2023, S. 72–117, hier S. 77 f.Zum Patent Rüsch-Sendtner vgl. später auch P. Prasil: Specialbericht über die Turbinen und deren Regulatoren an der Weltausstellung in Paris 1900. In: Schweizerische Bauzeitung, Bd. 37/38 (1901), Heft 8 vom 23. Februar 1901, S. 77–81, hier S. 79 f., mit Fig. 26. (Digitalisat auf e-periodica.ch, abgerufen am 27. September 2022). Ein weiterer Schwerpunkt des Werks war die Produktion von Spezialmaschinen für die Textil- und Lebensmittelindustrie sowie für die Holzverarbeitung. 1866 konnte die Ganahl’sche Eisengießerei in Frastanz übernommen werden, das Unternehmen firmierte seither auch als Vereinigte Maschinenfabriken Rüsch-Ganahl A.G. Ein „Meilenstein in der Unternehmensgeschichte“ war 1880–1884 der Bau des über 10 Kilometer langen Arlberg-Tunnels für die Eisenbahn, wofür die Rüsch-Werke rund 5.000 Meter genietete Rohrleitungen lieferten. Wichtiger aber war indirekt, dass der Tunnel als Verkehrsweg auch neue Absatzmärkte in der österreichisch-ungarischen Monarchie erschloss, da so der Transport großer Turbinen und Maschinen über weite Strecken sehr erleichtert wurde.mini|Dornbirn, Friedhof Markt, Arkade 19: „Farmilien Begräbniß“. Der Name von Alfred Rüsch mit dem Zusatz „Maschinenfabrikant v. hier“ befindet sich auf der rechten Mitteltafel unten über seiner zweiten Frau Karolina. (Foto 2022)
Alfred Rüsch engagierte sich vielfach ehrenamtlich. Ab 1864 war er über 20 Jahre für die Liberalen Mitglied der Gemeindevertretung in Dornbirn,Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 7. zudem war er u. a. jahrelang Mitglied des Ortsschulrats und übte zeitweise das Amt des Schulinspektors aus.
1892 starb Alfred Rüsch nach fünfjährigem organischen Herzleiden an einem Schlaganfall.Nachruf auf Alfred Rüsch in der Feldkircher Zeitung, 8. Mai 1892. Reproduktion bei Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 8. Der Nachruf in der Feldkircher Zeitung beklagte einen dreifachen Verlust: „Das ausgedehnte Geschäft verlor in ihm den überaus begabten und arbeiterfreundlichen Leiter, seine zahlreiche Familie den liebevollen und inniggeliebten Vater, die Gemeinde Dornbirn einen ihrer besten und verdienstvollsten Bürger“. Bestattet wurde Alfred Rüsch im Rüsch-„Familien Begräbniß“ auf dem Dornbirner Friedhof Markt (Arkade 19).Abbildung des Familiengrabs bei Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 30. Auf der Grabtafel ließ sich der unterdessen eingeborener Dornbirner als „v. hier“ stammend verewigen; das ist deswegen bemerkenswert, weil sich sein Vater eine Generation früher noch ausdrücklich als „geboren (...) zu Münchwilen Kanton Thurgau“ zur Schweizer Herkunft bekannte.
Nach Alfred Rüschs Tod übernahm der älteste Sohn Ignaz Rüsch (1861–1925) die Leitung der Firma J. Ig. Rüsch in dritter Generation. Das Werk existierte und produzierte in Dornbirn als „bedeutendster Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter“Buchtitel: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2. und unter verschiedenen Bezeichnungen (zuletzt als Rüsch-Werke) bis zum Jahr 1984. Seit 2003 befinden sich nach einem Umbau des Firmengeländes in den großzügigen Werksgebäuden des 19. Jahrhunderts das Naturkundemuseum Inatura und die Kunsthalle kunstraum.Werner Matt: Von den Rüsch-Werken zu inatura, Stadtgarten und Kunstraum. In: Rüsch-Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler und Werner Matt, Selbstverlag Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 333–335. Privates Die Dornbirner Unternehmerfamilie Rüsch gehörte spätestens in der zweiten Generation mit Alfred Rüsch zur „bürgerlichen Elite“Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 6. der Stadt, deren Mitglieder auch mehrfach untereinander verwandt waren. 1861 heiratete Alfred Rüsch in erster Ehe Anna Maria Rhomberg (1839–1868), die aus einer Dornbirner Handels-, Wirts- und Fabrikantenfamilie stammte. Sie gebar ihrem Mann sieben Kinder und starb früh mit 29 Jahren. Sieben Jahre später heiratete Alfred Rüsch 1875 in zweiter Ehe Karolina Rein (1846–1917), Tochter des Besitzers vom Gasthaus Scharfeck am Dornbirner Marktplatz. Mit ihr hatte er vier weitere Kinder,Übersicht der Kinder und deren Verheiratungen in die Dornbirner Gesellschaft bei Werner Matt: Die Fabrikantenfamilie Rüsch. In: Rüsch Werke Dornbirn. Der bedeutendste Metallbetrieb Vorarlbergs im Industriezeitalter. Hrsg. Klaus Fessler, Werner Matt. Stadtarchiv Dornbirn, Dornbirn 2017, ISBN 978-3-901900-53-2, S. 1–33, hier S. 28. darunter als ältesten Sohn Ignaz Rüsch (1861–1925), der die Rüsch-Werke übernahm und als jüngsten Sohn Alfred Rüsch d. J. (1877–1970), den Konstrukteur des Schlittenlift Bödele, welcher weltweit zu den ältesten mechanischen Aufstiegshilfen in den Alpen für Wintersportzwecke zählt. Die Familie von Alfred Rüsch wohnte unter der Adresse Jahngasse 9 auf dem eigenen Werksgelände.
Literatur