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Nach den international anerkannten Kategorien der IUCN ist ein Nationalpark ein Schutzgebiet der Kategorie II, das hauptsächlich zur Sicherung großflächiger natürlicher und naturnaher Gebiete und großräumiger ökologischer Prozesse eingerichtet wird (Prozessschutz). Diese Schutzgebiete sollen nach Abs. 2 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) die ökologische Unversehrtheit eines oder mehrerer Ökosysteme sichern, gleichzeitig aber auch Naturerfahrungs-, Forschungs-, Bildungs- und Erholungsangebote fördern.
Definition von Nationalparks in Deutschland Der Nationalpark gehört in Deutschland zu den Möglichkeiten des gebietsbezogenen Naturschutzes. In BNatSchG wird festgelegt, dass Nationalparks (auch Nationalparke genannt) dem großräumigen Schutz von Gebieten von besonderer Eigenart dienen sollen. Diese Gebiete müssen zum einen in einem überwiegenden Teil die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen. Sie müssen zum anderen sich großteils in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder zumindest dafür geeignet sein, beziehungsweise die Möglichkeit besitzen sich in einen solchen Zustand zu entwickeln, in dem ein „möglichst ungestörte[r] Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet“ ist.Gottfried Wacker: Konversion im Nationalpark – Denkmalschutz, Eigentumsrechte und Naturschutz im besonderen Spannungsverhältnis. In: Nordrhein-Westfälische Verwaltungsblätter. Heft 6, 2021, S. 232–236, hier S. 233.
Grundsätzlich sind in Nationalparks alle Handlungen, Eingriffe und Vorhaben verboten, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Für Ausnahmen von dieser Regelung gilt die Eingriffs-Ausgleichs-Regelung des Bundesnaturschutzgesetzes. Nationalparks sind bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen und müssen in Bebauungsplänen dargestellt und beachtet werden. Man spricht hier von einer nachrichtlichen Übernahme. Es handelt sich um verbindliche Festlegungen, die nicht etwa aufgrund eines übergeordneten Allgemeinwohls in der Abwägung überwunden werden können.
Die Zielsetzung deutscher Nationalparks wird in Absatz 2 des BNatSchG definiert. Im Vordergrund steht der ungestörte Ablauf von Naturvorgängen. Sekundäre Ziele sind wissenschaftliche Umweltbeobachtung und naturkundliche Bildung sowie Naturerlebnis für die Bevölkerung. Das Bundesverwaltungsgericht entschied bereits 2003, dass alle Maßnahmen, die zu einer Veränderung oder einer „nachhaltigen Störung“ des Nationalparks führen würden, nicht erlaubt seien.Gottfried Wacker: Konversion im Nationalpark – Denkmalschutz, Eigentumsrechte und Naturschutz im besonderen Spannungsverhältnis. In: Nordrhein-Westfälische Verwaltungsblätter. Heft 6, 2021, S. 232–236, hier S. 235 unter Verweis auf die Entscheidung des BVerwG vom 23. Juli 2003 – = ZfBR 2004, 61 (62).
Neben dem Nationalpark kennt das Bundesnaturschutzgesetz weitere Schutzmöglichkeiten, die mehr oder weniger rigide sind und unterschiedliche Zweckbestimmungen haben: Besonderer Gebietsschutz: Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Biosphärenreservate, Naturparks, Schutz einzelner Landschaftsteile: Naturdenkmale, geschützte Landschaftsbestandteile Schutz von Arten und Biotopen: Biotopschutz Europäische Schutzgebiete nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zur Bildung eines europäischen Biotopverbundsystems Natura 2000.
Gegenwärtige Situation Die Fläche der 16 Nationalparks in Deutschland beträgt 1.050.442 ha (Stand: Oktober 2020). Ohne die marinen Gebiete von Nord- und Ostsee sind es aber nur 208.238 ha, was lediglich 0,6 % der terrestrischen Fläche Deutschlands entspricht.Bundesamt für Naturschutz: Nationalparke, Stand Oktober 2020, abgerufen am 28. Dezember 2020. Demgegenüber gab es Ende 2017 in Deutschland 8.833 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 2.627.510 Hektar (inklusive der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und der 12-Seemeilen-Zone in Nord- und Ostsee); das entspricht 6,3 % der Fläche Deutschlands.Bundesamt für Naturschutz: Naturschutzgebiete, abgerufen am 24. Mai 2020.
In fast allen deutschen Bundesländern gibt es Nationalparks; manche greifen über die Grenzen der Bundesländer hinweg. Nur Berlin und Bremen verfügen über keine Nationalparks.
Übersicht der deutschen Nationalparks Name Land Gründung Größe [ha] Bemerkung Karte Ansicht Nationalpark Bayerischer Wald 1970 24.850 vor 1997: 13.042 ha vor 2020: 24.217 ha 170x170px Nationalpark Berchtesgaden 1978 20.804 169x169px Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer 1985 441.500 170x170px Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer 1986 345.000 170x170px Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer 1990 13.750 170x170px Nationalpark Jasmund 1990 3.070 170x170px Nationalpark Harz 2006 24.732 Vorgänger 1990/94 170x170px Nationalpark Sächsische Schweiz 1990 9.350 170px Müritz-Nationalpark 1990 32.200 170px Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft 1990 78.600 170x170px Nationalpark Unteres Odertal 1995 10.323 170x170px Nationalpark Hainich 1997 7.513 170x170px Nationalpark Eifel 2004 10.770 170x170px Nationalpark Kellerwald-Edersee 2004 7.688 170px Nationalpark Schwarzwald 2014 11.267 170x170px Nationalpark Hunsrück-Hochwald 2015 10.230 170x170px Summe: 1.051.622
Finanzierung Der Betrieb eines Nationalparks ist mit einer Vielzahl an Kosten verbunden. Die Nationalparks sind staatliche Einrichtungen, deren Finanzierung durch den Staat erfolgt und nicht durch die einzelnen Bundesländer, in denen die Parks liegen. Im Bundeshaushalt werden die Kosten für die Nationalparks grundsätzlich vom Bundesumweltministerium gedeckt, da die Parks auch unter dessen Verantwortung fallen.
Weitere Planungen Weitere Projekte scheitern in Deutschland weitestgehend an wirtschaftlichen Interessen bzw. am Widerstand von Teilen der örtlichen Bevölkerung.
In Nordrhein-Westfalen gab es Planungen, das Siebengebirge im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn auf einer Fläche von 4.500 Hektar als Nationalpark auszuweisen. Das Projekt scheiterte am Widerstand der Bevölkerung von Bad Honnef durch einen Bürgerentscheid am 27. September 2009.
Ebenfalls in Nordrhein-Westfalen war über längere Zeit ein Nationalpark Senne-Egge in der Diskussion. Er sollte nach Beendigung der militärischen Nutzung des Truppenübungsplatzes Senne das Gebiet der Senne umfassen. Allerdings wird ein Großteil des vorgesehenen Schutzgebietes nach wie vor durch die britischen Streitkräfte genutzt. Die im Jahr 2010 gewählte Landesregierung aus SPD und Grünen sowie mehrere Naturschutzverbände wollten den in den 1990er Jahren beschlossenen Nationalpark unter Einschluss weiterer Gebiete und mit dem Namen Nationalpark Teutoburger Wald dennoch einrichten. Das Projekt scheiterte im Herbst 2012, nachdem eine vom Kreis Lippe angestoßene Schlichtung mit örtlichen Gegnern des Vorhabens erfolglos geblieben war.
In Bayern gibt es eine Initiative, den Steigerwald, ein Mittelgebirge in Unter-, Mittel- und Oberfranken, zum Nationalpark zu erklären. Die Umsetzung des Vorhabens scheitert bisher an wirtschaftlichen Interessen. Zuletzt hat sich der Fokus bei der Diskussion um einen dritten Nationalpark in Bayern auf den Frankenwald, die Rhön und den Spessart verlagert.
Ebenfalls in Bayern soll nach Plänen von Naturschützern das Ammergebirge (Ammergauer Alpen) als Nationalpark dauerhaft erhalten werden. Die Projektfläche im bayerischen Staatsbesitz beträgt über 23.000 Hektar. Ein Erfolg der Bemühungen ist ungewiss; einige Anwohner befürchten Nutzungseinschränkungen und wirtschaftliche Einbußen auf angrenzenden nichtstaatlichen Waldflächen.
In Schleswig-Holstein begannen 2023 Vorbereitungen für die Einrichtung eines Nationalparks Ostsee. Widerstand gibt es von Fischern, Anwohnern, Wassersportlern und Tourismusvertretern.Nationalpark Ostsee? Warum es Widerstand gegen ein Schutzgebiet gibt, t-online, 28. Juni 2023, abgerufen am 25. August 2023Johann Grolle: Die Ostsee ist zur Jauchegrube verkommen – ist sie noch zu retten?, Originaltitel: Das giftigste Meer der Welt, in: Der Spiegel Nr. 29, 15. Juli 2023, Seite 95, abgerufen am 25. August 2023 Die „Lübecker Nachrichten“ berichteten am 13. September unter Berufung auf einen Antrag für einen Landesparteitag der CDU Schleswig-Holstein, das Projekt der Landesregierung Günther habe nicht mehr die Unterstützung der CDU-Parteiführung.Der Nationalpark Ostsee steht vor dem Aus, FAZ, 13. September 2023
Die meisten der bestehenden Nationalparks erfüllen nur teilweise das Kriterium der ungestörten und großflächigen Naturentwicklung – dafür sollen in den nächsten Jahrzehnten durch langfristig angelegte Steuerungsmaßnahmen erst die Voraussetzungen geschaffen werden. Die Nationalparkverordnung des ehemaligen Nationalparks Elbtalaue wurde vom 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts im September 1999 mit der Begründung für nichtig erklärt, dass das Gebiet in erster Linie als Kulturlandschaft zu betrachten sei und damit die Grundvoraussetzungen für einen Nationalpark nicht erfülle.
Naturschutz und Tourismus Da Nationalparks einerseits Wildtieren und Pflanzen ein Leben ohne menschliche Störungen ermöglichen sollen, andererseits aber auch Menschen die Möglichkeit geben sollen, Natur zu erleben, unterliegen menschliche Aktivitäten in verschiedenen Teilen deutscher Nationalparks unterschiedlichen Beschränkungen.
Siehe auch Deutsche National- und Naturparke, eine deutsche Briefmarkenserie Liste der Naturparks in Deutschland Nationalparkprogramm der DDR
Literatur
Weblinks
Europarc Deutschland e. V. Bundesamt für Naturschutz
Einzelnachweise
! Deutschland Kategorie:Liste (Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz in Deutschland)