25px|verweis=Regenbogentrikot Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2023 Veranstalter Union Cycliste Internationale Sportart Straßenradsport Gastgeber Glasgow Datum 5.–13. August 2023 Wettbewerbe 13 Offizielle Website cyclingworldchamps.com ← Wollongong 2022 Zürich 2024 → rechts|rahmenlos Die Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2023 fanden vom 5. bis 13. August 2023 in und um Glasgow statt. Sie waren Teil der Radsport-Weltmeisterschaften 2023, die erstmals nahezu alle Disziplinen des Radsports unter einer Dachveranstaltung vereinte. Durch diese Zusammenlegung musste die Weltmeisterschaft von ihrem gewohnten Termin Ende September abrücken. Sie fand stattdessen zwei Wochen nach der Tour de France statt, was die Saisonplanung vieler Fahrer beeinflusste. Für die Qualifikation galten die üblichen Kriterien.

Es wurden 11 Entscheidungen ausgefahren mit 13 Medaillenvergaben. Wie schon im Vorjahr starteten die Fahrerinnen der Elite und der U23 im Zeitfahren und im Straßenrennen gemeinsam. Die U23-Fahrerinnen nahmen an einer gesonderten U23-Wertung teil.

Beteiligung Es waren Sportler aus 107 Nationen gemeldet, was einen neuen Teilnahmerekord in der Geschichte der Weltmeisterschaften bedeutete. Hinzu kamen fünf Sportler mit Flüchtlingsstatus, die ursprünglich aus Afghanistan und Syrien stammten. Einige afghanische Sportler traten aber auch direkt unter der Flagge der Islamischen Republik Afghanistans an. In der Mixed-Staffel war wie in den Vorjahren eine Mannschaft des World Cycling Centre dabei. Die Mannschaften von Russland und Belarus waren wegen des Kriegs in der Ukraine weiterhin ausgeschlossen. Eine russische Sportlerin trat jedoch als individuelle neutrale Athletin an.

Zeitplan

Das detaillierte Programm wurde im März 2023 bekanntgegeben.

Datum Zeit (MESZ) Wettbewerb Distanz Strecke Höhenmeter Sonnabend, 5. August 11:00 Straßenrennen Juniorinnen 70,0 km Glasgow5 Runden 1036 14:00 Straßenrennen Junioren 127,2 km Glasgow9 Runden 1865 Sonntag, 6. August 10:30 Straßenrennen Männer Elite 271,1 km Edinburgh–Glasgow10 Runden 3570 Dienstag, 8. August 14:00 Mixed-Team-Staffel 40,3 km Glasgow2 erw. Runden 484 Mittwoch, 9. August 15:30 Einzelzeitfahren Männer U23 36,2 km Stirling 242 Donnerstag, 10. August 12:15 Einzelzeitfahren Juniorinnen 13,5 km Stirling 132 15:00 Einzelzeitfahren Frauen Elite/U23 36,2 km Stirling 242 Freitag, 11. August 11:00 Einzelzeitfahren Junioren 22,8 km Stirling 187 15:35 Einzelzeitfahren Männer Elite 47,8 km Stirling 352 Sonnabend, 12. August 13:00 Straßenrennen Männer U23 168,4 km Loch Lomond–Glasgow7 Runden 2436 Sonntag, 13. August 13:00 Straßenrennen Frauen Elite/U23 154,1 km Loch Lomond–Glasgow6 Runden 2229

Kurs mini|Auf dem George Square in Glasgow enden die Straßenrennen. Erste Einzelheiten der Streckenplanung wurden anlässlich der WM 2022 bekanntgegeben, der komplette Streckenplan im März. Die Einzelzeitfahren fanden in Stirling statt, die Mixed-Staffel und die Straßenrennen der Junioren-Altersklasse in Glasgow.

Die Straßenrennen der Frauen und der Männer U23 starteten in Balloch am Südende des Loch Lomond. Von dort fuhren sie nach Fintry und über die Crow Road in den Campsie Fells, wo der höchste Punkt des Parcours lag, nach Glasgow. Die Männer starteten in Edinburgh am Fuße von Arthur’s Seat und in unmittelbarer Nähe des Schottischen Parlaments. Der Firth of Forth wurde auf der Queensferry Crossing und nochmals auf der Clackmannanshire Bridge überquert. Über Falkirk ging es ebenfalls in die Campsie Fells, ab Fintry war der Kurs identisch zu dem der Frauen und der U23.

Herzstück aller Straßenrennen war eine 14,3 km lange Runde mit etwa 200 Höhenmetern in der Innenstadt von Glasgow, die in allen Straßenrennen mehrfach durchlaufen wurde und ähnlich zu derjenigen der Europameisterschaften 2018 war. Sie ging um über 40 Straßenecken mit kaum einer längeren Geraden und enthielt mehrere Steigungen, von denen die Scott Street und die Montrose Street, letztere anderthalb Kilometer vor dem Ziel, am steilsten und die der Great George Street am längsten waren. Das Ziel befand sich jeweils am George Square, unterwegs wurden wiederholt Wege im Kelvingrove Park befahren.

Die Mixed-Staffel fand ebenfalls auf dem Innenstadt-Parcours statt, aber ohne die Scott Street, dafür mit je einer zusätzlichen Schleife im Westen und Osten, letztere durch Glasgow Green, wo während der Radsport-WM auch die Wettbewerbe im BMX-Freestyle und im Trial stattfanden. Dadurch ergab sich ein etwa 20 km langer Kurs, der je einmal von den Männern und den Frauen jeder Staffel befahren wurde.

Die Einzelzeitfahren begannen alle in Stirling, durchliefen unterschiedlich lange Strecken westlich der Stadt und endeten mit dem Schlussanstieg zu Stirling Castle.

Resultate Mixed-Staffel Platz Land Fahrer Fahrerinnen Zeit (min) 1 Mauro SchmidStefan KüngStefan Bissegger Elise ChabbeyMarlen ReusserNicole Koller 54:16,20(44,555 km/h) 2 Bruno ArmirailRémi CavagnaBryan Coquard Audrey Cordon-RagotCédrine KerbaolJuliette Labous + 0:07,08 3 Miguel HeidemannJannik SteimleMax Walscheid Ricarda BauernfeindLisa KleinFranziska Koch + 0:51,31 4 Daniel BighamJosh CharltonEthan Vernon Elynor BäckstedtPfeiffer GeorgiAnna Shackley + 1:03,42 5 Alberto BettiolMattia CattaneoManlio Moro Letizia PaternosterSilvia PersicoAlessia Vigilia + 1:17,01 6 Luke DurbridgeMichael MatthewsLucas Plapp Lauretta HansonBrodie ChapmanSarah Roy + 1:37,79 7 Daan HooleTim van DijkeJos van Emden Loes AdegeestShirin van AnrooijRiejanne Markus + 1:43,37 8 William BartaLawson CraddockNeilson Powless Megan JastrabCoryn LabeckiSkylar Schneider + 1:45,85 9 Patrick GamperLukas PöstlbergerSebastian Schönberger Carina SchrempfChristina SchweinbergerKathrin Schweinberger + 1:57,83 10 Maciej BodnarPiotr BrożynaMateusz Gajdulewicz Marta JaskulskaMarta LachAgnieszka Skalniak-Sójka + 2:46,93

Streckenlänge: 40,3 Kilometer

Es gab keine festgelegten Qualifikations-Kriterien, das Organisationskomitee traf eine Auswahl nach sportlichen Gesichtspunkten und Diversität. So wurden alle Kontinente berücksichtigt, aber auch die Mannschaften der kriegsgeplagten Ukraine und Afghanistans. Unter den 18 Mannschaften war wie üblich eine Auswahl des World Cycling Centres, die den 14. Platz belegte.

Die Schweiz verteidigte ihren Titel aus dem Vorjahr mit identischer Besetzung, trotz eines Sturzes von Marlen Reusser. Den zweiten Platz belegte Frankreich, welches das schnellste Frauen-Team hatte. Deutschland belegte den dritten Platz. Die Mannschaften Italiens, Australiens und der Niederlande hatten jeweils frühe Ausfälle zu verzeichnen und blieben somit unter ihrem Niveau.

Das Stundenmittel der Siegermannschaft lag um 6 km/h niedriger als im Vorjahr. Der kurvenreiche Parcours war im Vorfeld von einigen Fahrern als gefährlich und nicht für ein Zeitfahren geeignet kritisiert worden.

Frauen Elite

Einzelzeitfahren Platz Athletin Land Zeit (min) 1 Chloé Dygert 46:59,80(46,216 km/h) 2 Grace Brown + 0:05,67 3 Christina Schweinberger + 1:12,95 4 Anna Henderson + 1:15,05 5 Juliette Labous + 1:22,47 6 Demi Vollering + 1:27,79 7 Agnieszka Skalniak-Sójka + 1:38,01 8 Amber Neben + 1:51,78 9 Riejanne Markus + 2:07,55 10 Georgina Howe + 2:26,02 … 11 Antonia Niedermaier + 2:27,46 15 Anna Kiesenhofer + 2:53,84 18 Mieke Kröger + 3:07,40 23 Elena Hartmann + 3:28,64 49 Nina Berton + 6:07,16 – Marlen Reusser

Streckenlänge: 36,2 Kilometer

Es gingen 86 Teilnehmerinnen aus 55 Ländern an den Start. Chloé Dygert war recht früh an der Reihe und setzte eine Bestzeit, der nur noch die vorletzte Starterin Grace Brown gefährlich werden konnte. Diese lag an der letzten Zwischenzeit 4,4 km vor dem Ziel noch 25 Sekunden zurück, hatte aber auf dem Schlussanstieg mehr Reserven und scheiterte letztlich nur um fünf Sekunden an der Bestzeit. Dygert holte nach 2019 ihren zweiten Sieg in diesem Wettbewerb und komplettierte ihr Comeback nach einem schweren Unfall beim WM-Zeitfahren 2020. Brown musste zum zweiten Mal in Folge mit Silber vorlieb nehmen. Christina Schweinberger gewann etwas überraschend Bronze. Mitfavoritin Marlen Reusser gab das Rennen unterwegs auf.

Die zehn bestplatzierten Verbände gewannen einen Startplatz für das Einzelzeitfahren der Olympischen Spiele 2024.

Straßenrennen Platz Athletin Land Zeit (h) 1 Lotte Kopecky 4:02:12(38,175 km/h) 2 Demi Vollering + 0:07 3 Cecilie Uttrup Ludwig gl. Zeit 4 Marlen Reusser + 0:12 5 Christina Schweinberger + 0:34 6 Elizabeth Deignan gl. Zeit 7 Elise Chabbey + 1:24 8 Annemiek van Vleuten + 2:48 9 Riejanne Markus + 3:51 10 Mavi García + 4:05 … 19 Liane Lippert + 4:34 37 Romy Kasper + 14:49 38 Kathrin Schweinberger gl. Zeit 44 Linda Riedmann gl. Zeit 48 Carina Schrempf gl. Zeit 52 Franziska Koch gl. Zeit 60 Marie Schreiber gl. Zeit 61 Noëlle Rüetschi gl. Zeit 67 Ricarda Bauernfeind gl. Zeit 70 Elena Hartmann + 14:58 74 Antonia Niedermaier + 15:01 Nicht in der Wertung (): Luxemburg: Nina Berton, Christine Majerus Österreich: Elisa Winter, Leila Gschwentner Schweiz: Linda Zanetti, Noemi Rüegg

Streckenlänge: 154,1 km

Am Start waren 207 Fahrerinnen aus 71 Nationen, von denen 86 in die Wertung kamen. Die Mitfavoritinnen Katarzyna Niewiadoma und Chloé Dygert konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht starten.

Zu Beginn des Rennens bildete sich eine starke Ausreißergruppe mit Mischa Bredewold, Sanne Cant, Juliette Labous, Elise Chabbey, Elizabeth Deignan, Ashleigh Moolman-Pasio und Kata Blanka Vas. Auf der Jagd nach diesen spaltete sich das Peloton, und eine zweite Gruppe mit Fahrerinnen wie Marianne Vos lag zwischenzeitlich zwei Minuten zurück. Eingangs Glasgow waren die drei Gruppen jedoch wieder zusammen.

Auf dem kurvenreichen Rundkurs fiel das Peloton schnell auseinander, schon bei der ersten Zieldurchfahrt waren nur noch 40 Fahrerinnen übrig. 74 Kilometer vor dem Ziel attackierte Chabbey erneut, diesmal allein, und gewann bis zu anderthalb Minuten Vorsprung; Titelverteidigerin Annemiek van Vleuten hatte eine Panne und musste eine Runde lang dem Feld nachjagen. In der drittletzten Runde sprengte eine Tempoverschärfung von Lotte Kopecky das verbliebene Feld, nur Deignan, van Vleuten, Demi Vollering, Marlen Reusser, Cecilie Uttrup Ludwig und Christina Schweinberger kamen mit. Bei der letzten Zieldurchfahrt wurde Chabbey eingeholt, und Annemiek van Vleuten fiel erneut durch eine Panne zurück, diesmal endgültig.

In der Schlussrunde musste Chabbey auf der Great George Street ihren Anstrengungen Tribut zollen, während Kopecky und Ludwig einen kleinen Vorsprung gewannen. Auf der Scott Street ließ Kopecky Ludwig stehen und fuhr allein ins Ziel; Ludwig wurde auf der Ziellinie noch von Vollering abgefangen. Kopecky avancierte nach zwei Goldmedaillen bei der parallel ausgetragenen Bahn-WM zur überragenden Fahrerin der Radsport-WM.

Männer Elite

Einzelzeitfahren Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Remco Evenepoel 55:19,23(48,949 km/h) 2 Filippo Ganna + 0:12,28 3 Joshua Tarling + 0:48,20 4 Brandon McNulty + 1:26,91 5 Wout van Aert + 1:37,23 6 Nélson Oliveira + 1:52,46 7 Rohan Dennis + 1:53,66 8 Mattia Cattaneo + 1:56,78 9 Mikkel Bjerg + 1:58,96 10 Geraint Thomas + 2:04,47 … 12 Stefan Küng + 2:17,07 17 Stefan Bissegger + 2:43,28 19 Lennard Kämna + 3:00,59 32 Nils Politt + 3:55,51 37 Patrick Gamper + 4:41,30 51 Felix Ritzinger + 9:07,48

Streckenlänge: 47,8 Kilometer

Es gingen 78 Teilnehmer aus 49 Ländern an den Start. Remco Evenepoel gewann nach dem Straßenrennen im Vorjahr nunmehr das Einzelzeitfahren und war der erste Belgier, dem dies gelang. Der zweifache Weltmeister Filippo Ganna kam auf den zweiten Platz. Ein Ausrufezeichen setzte der 19-jährige Bronzemedaillist Joshua Tarling, der noch im Jahr zuvor Junioren-Weltmeister gewesen war und die U23 übersprungen hatte. Mitfavoriten wie Wout van Aert und Stefan Küng konnten nicht in die Entscheidung eingreifen. Der doppelte Ex-Weltmeister Rohan Dennis kam in seiner letzten Teilnahme auf den siebten Platz, Titelverteidiger Tobias Foss wurde Elfter.