Die Australischen Südfrösche im engeren Sinn (Myobatrachidae) sind eine Familie der Froschlurche (Anura).

Merkmale Bei den Arten handelt es sich um sehr kleine bis mittelgroße Frösche mit einer Kopf-Rumpf-Länge von zwei bis elf Zentimetern, die bodenbewohnend sind. Es sind sowohl Arten mit aquatilem Kaulquappenstadium als auch solche mit direkter terrestrischer Entwicklung innerhalb der Eier vertreten. In der Brutpflege weisen einige Arten ein außergewöhnliches Verhalten auf.

Verbreitung Die Australischen Südfrösche i. e. S. (Myobatrachidae) sind in Australien, auf Tasmanien sowie Neuguinea verbreitet.

Fortpflanzung Die meisten Arten der Australischen Südfrösche zeigen ein ungewöhnliches Fortpflanzungs- und Brutpflegeverhalten. Ein besonders eigenartiges Verhalten mit speziellen physiologischen Anpassungen wiesen die mittlerweile als ausgestorben geltenden Magenbrüterfrösche (Gattung Rheobatrachus) auf. Nach der äußeren Besamung durch das Männchen nahm das Weibchen die Eier mit dem Maul auf und verschluckte sie. Die Eier produzierten im Magen der Mutter das Hormon Prostaglandin E2, das die Produktion der Magensäure hemmte und so die Verdauung der Eier verhinderte. Während sich die Larven im Magen weiterentwickelten, konnte das Weibchen keinerlei Nahrung zu sich nehmen. Nach etwa zwei Monaten, in denen die Entwicklung der Larven und die Metamorphose zu fertigen Jungfröschen erfolgt war, entsprang der Nachwuchs dem Maul der Mutter. Die Anzahl der Jungfrösche konnte durchaus 20 bis 25 Individuen umfassen.

Eine weitere Besonderheit zeigen die beiden Arten der Hüfttaschenfrösche aus der Gattung Assa, bei denen die Männchen an der Brutpflege beteiligt sind. Das Weibchen legt 10–11 Eier in die feuchte Erde, wo sie das Männchen befruchtet. Danach bewacht es die Eier, in denen sich die Larven entwickeln. Nach dem Schlüpfen kriechen diese Larven in die hochspezialisierten Taschen unterhalb der Haut des Männchens und lassen sich während ihrer weiteren Entwicklung herumtragen. Diese Hüfttaschen sind mit dem Lymphsystem an den Flanken des Frosches verbunden. Nach zwei bis drei Monaten verlassen die entwickelten Fröschchen die Taschen.

Von Uperoleia, der artenreichsten Gattung, gibt es nur wenige Daten, die die Fortpflanzungsstrategie belegen, es wird jedoch angenommen, dass alle Arten ihre Eier im Wasser ablegen, wo sich die Kaulquappen entwickeln. Die Gattung Crinia ist weit verbreitet und bevorzugt feuchte Habitate. Drei Arten von Geocrinia legen dotterreiche Eier im feuchten Laub oder im Gras ab. Die Larven entwickeln sich im Ei und schlüpfen in einem fortgeschrittenen Kaulquappenstadium, sobald starke Regenfälle die Wiesen überfluten und die Wanderung der Kaulquappen in temporäre Pfützen und Teiche ermöglichen, wo sie sich über mehrere Monate weiterentwickeln können, bevor die Metamorphose zu fertigen Jungfröschen erfolgt. Die beiden Arten der Gattung Arenophryne und die einzige Art der Gattung Myobatrachus graben kopfüber im feuchten, sandigen Boden, um einige große, dotterreiche Eier dort abzulegen. In diesen Eiern machen die Larven eine direkte Entwicklung bis zum fertigen Fröschchen durch, das sich nach dem Schlüpfen aus der Erde gräbt.

Systematik und Taxonomie mini|Crinia signifera mini|Mixophyes fasciolatus mini|Pseudophryne major, Unterseite mini|Taudactylus liemi

Die Australischen Südfrösche i. e. S. (Myobatrachidae) gehören zusammen mit der Familie Limnodynastidae zur Überfamilie Myobatrachoidea (Australische Südfrösche im weiteren Sinn).

Gattungen und Arten Die Familie umfasst 14 Gattungen mit 91 Arten:

Stand: 14. Juli 2023 Gattung Anstisia Webster & Bool, 2022 - 4 Arten Anstisia alba (Wardell-Johnson and Roberts, 1989) Anstisia lutea (Main, 1963) Anstisia rosea (Harrison, 1927) Anstisia vitellina (Wardell-Johnson and Roberts, 1989) Gattung Arenophryne Tyler, 1976 - 2 Arten Arenophryne rotunda Tyler, 1976 Arenophryne xiphorhyncha Doughty & Edwards, 2008 Gattung Assa Tyler, 1972 - 2 Arten Assa darlingtoni (Loveridge, 1933) Assa wollumbin Mahony, Hines, Mahony, Moses, Catalano, Myers & Donnellan, 2021 Gattung Crinia Tschudi, 1838 - 17 Arten Gattung Geocrinia Blake, 1973 - 3 Arten Geocrinia laevis (Günther, 1864) Geocrinia leai (Fletcher, 1898) Geocrinia victoriana (Boulenger, 1888) Gattung Metacrinia Parker, 1940 monotypisch, einzige Art: Metacrinia nichollsi (Harrison, 1927) Gattung Mixophyes Günther, 1864 (systematische Zuordnung umstritten, früher in Limnodynastidae) – 9 Arten Gattung Myobatrachus Schlegel in Gray, 1850 monotypisch, einzige Art: Schildkrötenfrosch (Myobatrachus gouldii (Gray, 1841)) Gattung Paracrinia Heyer & Liem, 1976 monotypisch, einzige Art: Paracrinia haswelli (Fletcher, 1894) Gattung Pseudophryne Fitzinger, 1843 - 14 Arten Pseudophryne corroboree Moore, 1953 Gattung Rheobatrachus Liem, 1973 – Magenbrüterfrösche (system. Zuordnung umstritten, früher in Limnodynastinae) – 2 Arten Rheobatrachus silus Liem, 1973 Rheobatrachus vitellinus Mahony, Tyler & Davis, 1984 Gattung Spicospina Roberts, Horwitz, Wardell-Johnson, Maxson & Mahony, 1997 monotypisch, einzige Art: Spicospina flammocaerulea Roberts, Horwitz, Wardell-Johnson, Maxson & Mahony, 1997 Gattung Taudactylus Straughan & Lee, 1966 - 6 Arten Gattung Uperoleia Gray, 1841 - 28 Arten

Einzelnachweise Darrel R. Frost: Myobatrachidae Schlegel, 1850. Amphibian Species of the World: an Online Reference. Version 6.1. American Museum of Natural History, New York 1998–2022. Abgerufen am 25. September 2022. Michael James Tyler: A new genus for the Australian leptodactylid frog Crinia darlingtoni. Zoologische Mededelingen, 47, 15, Leiden 1972, S. 193–201. Laurie J. Vitt, Janalee P. Caldwell: Herpetology: An Introductory Biology of Amphibians and Reptiles. 4. Auflage, Elsevier Ltd, Oxford 2013, S. 482, ISBN 978-0-12-386919-7. Grant N. Webster & Ian Bool: A Taxonomic Revision of the Genus Geocrinia. Zootaxa, 5154, 2, 2022, .

Literatur Laurie J. Vitt, Janalee P. Caldwell: Myobatrachidae. In: Laurie J. Vitt, Janalee P. Caldwell: Herpetology: An Introductory Biology of Amphibians and Reptiles. 4. Auflage, Elsevier Ltd, Oxford 2013, S. 481–482, ISBN 978-0-12-386919-7.

Weblinks

Darrel R. Frost: Myobatrachidae Schlegel, 1850. Amphibian Species of the World: an Online Reference. Version 6.1. American Museum of Natural History, New York 1998–2022. Abgerufen am 25. September 2022.