mini|Lage der Bezirksämter in Baden im Jahr 1890 Das Bezirksamt Pforzheim, zunächst Oberamt Pforzheim, war eine Verwaltungseinheit im Land Baden. Es bestand von 1819 bis 1939.
Lage Das Gebiet des Bezirksamtes teilte sich im Wesentlichen in einen nördlichen, im Kraichgau und einen südlichen, im Nordschwarzwald gelegenen Teil auf. Der äußerste Südosten reichte in das Korngäu. Politisch zeichnete es sich durch eine ausgesprochene Grenzlage auf: nur im Nordwesten hatte es Verbindung zum übrigen badischen Territorium, ansonsten lagen benachbart verschiedene württembergische Oberämter.
Geschichte Das an der Mündung der Nagold in die Enz gelegene Pforzheim hatte seit dem hohen Mittelalter unter der Herrschaft der Markgrafen von Baden gestanden und war Sitz eines Oberamtes. 1803 wurden ihm die Orte des aufgelösten Amtes Langensteinbach zugewiesen. 1807 kamen elf grundherrschaftliche Orte hinzu, die zuvor reichsritterschaftlichen Familien gehört hatten, die in Umsetzung der Rheinbundakte von 1806 mediatisiert worden waren und nun unter badischer Landeshoheit standen. Ein weiterer war im Rahmen des Tausch- und Epurationsvertrages mit Württemberg zu Baden gekommen.General-Ausschreiben über die Eintheilung des Großherzogthums Baden in Bezirke, veröffentlicht am 7. Juli 1807 im Regierungsblatt des Großherzogtums Baden, Jahrgang V, Heft 23, S. 98. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Aufgrund des Novemberediktes von 1809 wurde das Oberamt 1810 in ein Stadt- und Erstes Landamt und ein Zweites Landamt aufgeteilt.Beilage A zum Organisationsrescript vom 26. November 1809, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 9. Dezember 1809, S. 411f. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. 1819 wurden beide wieder vereinigt, erneut mit der Bezeichnung Oberamt.Beschluss der Vereinigung der Stadt- und Landämter Bruchsal, Pforzheim, Rastatt und Freiburg. Veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 10. Februar 1819, S. 19. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.
mini|Das Bezirksamtsgebäude von 1903 mit seinem markanten Turm 2009. Seinen Sitz hatte das Oberamt zunächst in einem Gebäude, das bereits seit Jahrhunderten solchen Zwecken gedient hatte. Es wurde 1825 an einen Wirt verkauft, der dort die Gaststätte Zur Krone betrieb. Stattdessen erwarb der Staat ein 1800 vom ehemaligen Bürgermeister Jakob Friedrich Dreher und seiner Frau Agnese Eva errichtetes Haus vor dem Altstädter Tor.Aloys Stolz, August Allgaier: Geschichte der Stadt Pforzheim. Pforzheim 1901, S. 331 u. 342. Im Zuge der Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung 1857 wurde Pforzheim Sitz eines Amtsgerichts. 1864 wurde im ganzen Land einheitlich die Bezeichnung Bezirksamt eingeführt. Ab 1903 war die Verwaltung im neu errichteten Bezirksamtsgebäude untergebracht.
Im Laufe der Zeit kam es zu Verschiebungen einzelner Orte mit benachbarten Ämtern. Bei der Auflösung der Bezirksämter Stein 1821, Durlach 1924 und Bretten 1936 wurden jeweils mehrere Gemeinden Pforzheim zugewiesen. Mit Inkrafttreten der Landkreisordnung vom 24. Juni 1939 schied Pforzheim als Stadtkreis aus, der Rest bildete den Landkreis Pforzheim.
Orte und Einwohnerzahlen 1825 Vom Mitte 1821 aufgelösten Amt Stein kamen Göbrichen, Ersingen, Eisingen, Bilfingen zu Pforzheim. Im Gegenzug wurden Langensteinbach, Spielberg und Auerbach an das Amt Durlach abgetreten.Entsprechender Beschluss vom 10. Mai 1821, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Staats- und Regierungsblatt am 18. Juni 1821, Heft X, S. 74. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Der ebenfalls ursprünglich für Pforzheim vorgesehene Hauptort Stein ging an Bretten.Eintrag zum Ort Stein bei LEO-BW. Ende 1821 wurde noch Untermutschelbach dem Amt Durlach zugewiesen.Entsprechender Beschluss, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Staats- und Regierungsblatt am 17. November 1821, Heft XVIII, S. 134. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.
1825 wurde 26.828 Einwohnern berichtet. Sie verteilten sich auf diese Ortschaften:Friedrich Dittenberger: Geographisch-statistische-topographische Beschreibung des Großherzogthums Baden. Karlsruhe 1825, S. 128f. Pforzheim, mit Buckenberg und Seehaus: 6094 Bauschlott, mit dem Gut des Markgrafen: 736 Bilfingen: 536 Brötzingen: 1136 Büchenbronn: 592 Darmsbach: 81 Dietenhausen: 142 Dietlingen: 1259 Dillstein, mit Weißenstein: 617 Dürrn, mit Karlshausen: 782 Eisingen: 658 Ellmendingen: 911 Ersingen, mit Siehdichfür und Sperlingshof: 1110 Eutingen: 764 Göbrichen, mit Katharinenthal: 659 Huchenfeld: 549 Ittersbach, mit Schleemühle: 699 Ispringen: 795 Langenalb, mit Bergschmidte und Meisenmühle: 484 Niefern: 1125 Nöttingen: 623 Obermutschelbach: 328 Öschelbronn: 891 Weiler: 487 Außerdem, als grundherrschaftliche Orte: Hamberg: 362 Hohenwart: 274 Lehningen: 306 Mühlhausen: 467 Neuhausen: 709 Schellbronn: 314 Steinegg, mit Thier- oder Wolfsgarten: 264 Tiefenbronn: 769 Würm, mit Schloss Liebeneck und Haidach: 517 Kieselbronn: 804
1864 mini|Topographische Karte von 1842, Blatt Pforzheim Die 1864 gezählten 43.273 Bewohner verteilten sich auf 33 Gemeinden:Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden. Zwanzigstes Heft: Die Volkszählung vom Dezember 1864, I. Teil, S. 47. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Bauschlott: 843 Bilfingen: 631 Brötzingen: 2604 Büchenbronn: 928 Dietenhausen: 179 Dietlingen: 1656 Dürrn: 899 Eisingen: 900 Ellmendingen: 1020 Ersingen: 1185 Eutingen: 1248 Göbrichen: 942 Hamberg: 393 Hohenwart: 326 Huchenfeld: 785 Ispringen: 1057 Ittersbach: 860 Kieselbronn: 991 Langenalb: 507 Lehningen: 281 Mühlhausen: 469 (Ober-)Mutschelbach: 362 Neuhausen: 695 Niefern: 1662 Nöttingen (mit Darmsbach): 812 Öschelbronn: 1096 Pforzheim: 16.320 Schellbronn: 283 Steinegg: 288 Tiefenbronn: 770 Weiler: 545 Weißenstein: 1101 Würm: 635
1939 Im Gebiet des Bezirksamtes lagen zwei gemeindefreie Gebiete, die in Baden als abgesonderte Gemarkung bezeichnet wurden: Haidach und Hagenschieß.Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Baden, neue Folge, zweites Heft: Die Volkszählung am 1. Dezember 1885, II. Teil (Ortsverzeichnis). Karlsruhe 1889, S. 85. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Wie in der Badischen Gemeindeordnung von 1921 vorgesehenBadische Gemeindeordnung von 1921, § 105. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. wurden sie in den Jahren danach aufgelöst. Am 1. Juli 1920 wurde Stein von Bretten nach Pforzheim umgesetzt.Entsprechende Verordnung vom 22. Mai 1920, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 22. Juni 1920, Heft 37, S. 261f. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Bei der Auflösung des Bezirksamts Durlach am 1. April 1924 gingen an Pforzheim die Gemeinden Königsbach, Singen und Wilferdingen,Entsprechende Verordnung vom 18. Januar 1924, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 22. Januar 1924, Heft 3, S. 9. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Im April 1936 wurde Obermutschelbach zum Bezirksamt Karlsruhe umgesetzt.Beschluss des Reichsstatthalters vom 25. Februar 1936, veröffentlicht am 13. März 1936 im Ministerialblatt für die Badische Innere Verwaltung, Ausgabe A, Nr. 11, Sp. 213. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Am 1. Oktober 1936 kamen vom aufgelösten Bezirksamt Bretten Nußbaum, Ruit und Sprantal hinzu.Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung vom 26. Juni 1936. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Zum 1. April 1939 wurden Ruit und Sprantal Karlsruhe zugeteilt.§ 31 des Gesetzes über die Landkreisselbstverwaltung in Baden, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 28. Juni 1939, Heft 11, S. 98. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.
Neben diesen Zu- und Abgängen verringerte sich die der Zahl der Gemeinden durch Eingemeindungen nach Pforzheim um zwei, betroffen waren 1905 Brötzingen und 1913 Dillweißenstein. Zum Zeitpunkt der Aufteilung in Stadt- und Landkreis Pforzheim im Juni 1939 umfasste das Gebiet des Bezirksamts somit neben Pforzheim 34 weitere Gemeinden.
Leiter der Verwaltung Die Leitung der Verwaltung, als Amtmann oder Oberamtmann und später Landrat, hatten inne:Wolfram Angerbauer: Die Amtsvorsteher der Oberämter, Bezirksämter und Landratsämter in Baden-Württemberg : 1810 bis 1972. Herausgegeben 1996 von der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive beim Landkreistag Baden-Württemberg. 1819–1823: Benjamin Roth 1823–1842: Carl Deimling 1843–1844: Karl Ludwig Böhme 1844–1846: Carl von Neubronn 1847–1849: Philipp Flad 1849–1861: Ludwig Wilhelm Fecht 1861–1864: Camill Winter 1864–1868: Otto Sachs 1868–1872: Franz Sales Hebting 1872–1874: August Joos 1874–1878: Otto von Scherer 1878–1883: Carl Siegel 1883–1891: Heinrich Pfister 1891–1896: Alexander Pfisterer 1896–1899: Wilhelm Holtzmann 1899–1903: Hermann Nebe 1903–1908: Philipp Jolly 1909–1920: Franz Keim 1920–1931: Julius Holderer 1932–1939: Friedrich Wenz
Der 1843 zum Leiter ernannte Joseph Lang blieb, wie bisher, in gleicher Stellung beim Bezirksamt Hoffenheim.Entsprechende Mitteilung, veröffentlicht am 9. Januar 1843 im Großherzoglich-Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft III, S. 21. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.
Übergeordnete Behörden Im Rahmen der Verwaltungsgliederung Badens übergeordnete Behörden waren zunächst der Murg- und Pfinzkreis mit Sitz in Durlach, ab 1863 der neu entstandene Landeskommissärbezirk Karlsruhe. Zugleich wurden seine Gemeinden dem Kreisverband Karlsruhe zugeteilt.
Weitere Entwicklung Sofern nicht zu einem früheren oder späteren Zeitpunkt nach Pforzheim eingemeindet, zählt die weit überwiegende Mehrheit der Orte des Bezirksamtes seit der Kreisreform 1973 zum Enzkreis. Zu diesem Zeitpunkt kam Ittersbach, wie auch die bis 1939 an die Bezirksämter Bretten, Durlach und Karlsruhe abgegebenen Ortschaften, zum Landkreis Karlsruhe.
Literatur Historischer Atlas von Baden-Württemberg, online verfügbar bei LEO-BW: Blatt VII.4: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1815–1857 Blatt VII.5: Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg und Hohenzollern 1858–1936 Gemeinsames Erläuterungsblatt, verfasst von Ulrike Redecker (Baden) und Wilfried Schöntag (Württemberg)
Einzelnachweise
Pforzheim Kategorie:Organisation (Pforzheim) Kategorie:Politik (Enzkreis) Pforzheim Kategorie:Aufgelöst 1939