mini|hochkant=1.4|St. Nikolaus (Sand a. Main) St. Nikolaus ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Sand am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Die dem heiligen Nikolaus von Myra geweihte Kirche gehört zur Pfarreiengemeinschaft „Am Weinstock Jesu“ im Dekanat Haßberge des Bistums Würzburg. Das Bauwerk ist als Baudenkmal registriert und prägt durch seine markante Kombination aus barockem Chorturm und einem groß dimensionierten Langhaus der frühen Moderne das Ortsbild der Gemeinde am Mainufer.
Baubeschreibung
Das Kirchengebäude setzt sich aus drei wesentlichen Bauteilen zusammen, die an ihren Ecken jeweils durch vertikale Wandpfeiler (Lisenen) gegliedert sind. Der älteste Teil der Anlage stammt aus den Jahren 1727 bis 1731 und umfasst den nach innen eingezogenen Chor mit dreiseitigem Abschluss sowie den an dessen Nordseite angebauten Chorflankenturm. Dieser Turm wird von einer Zwiebelhaube bekrönt und beherbergt in seinem obersten Stockwerk sowohl die Glocken als auch die Turmuhr.
Direkt gegenüber dem Turm befindet sich der Sakristeianbau. Das Kirchenschiff (Langhaus) der Saalkirche wurde im Jahr 1922 grundlegend erneuert. Im Inneren wird dieser Raum durch ein durchgehendes Tonnengewölbe überspannt.
Geschichte mini|Westeingang mit dem Jahr des Umbaus 1928 Die kirchliche Geschichte des Ortes begann im Jahr 1165 mit der Stiftung einer Ritterkapelle durch die Herren von Bastheim. Zwischen 1559 und 1588 war Sand für einen Zeitraum von 29 Jahren evangelisch-lutherisch. Ursprünglich war die Gemeinde eine Filiale von Knetzgau, später gehörte sie zur Pfarrei Zell am Ebersberg. Am 1. September 1922 wurde Sand zur eigenständigen Pfarrei erhoben.
Aufgrund der Baufälligkeit der mittelalterlichen Kapelle wurde in den Jahren 1728 bis 1731 eine barocke Kirche errichtet. Die Fertigstellung des heute noch bestehenden Kirchturms erfolgte im Jahr 1733. Die feierliche Konsekration durch den Würzburger Weihbischof fand am 22. Oktober 1752 statt. Dieser Barockbau war für eine Kapazität von etwa 260 Personen ausgelegt.
Infolge des starken Bevölkerungswachstums in Sand wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Erweiterung des Gotteshauses notwendig. Im Jahr 1928 wurde das barocke Langhaus abgebrochen, wobei der historische Chor und der Turm als Bauteile erhalten blieben. Unter der Leitung des Würzburger Architekten Rudolf Hofmann entstand ein wesentlich größerer Neubau. Die Bauarbeiten begannen im März 1928 und wurden nach einer Bauzeit von lediglich sieben Monaten im November 1928 abgeschlossen. Durch diese bauliche Maßnahme erhöhte sich das Fassungsvermögen der Kirche auf insgesamt 900 Sitzplätze.
Architektur und Ausstattung mini|Altäre Altäre
Hochaltar: Er enthält eine spätgotische Figur des heiligen Nikolaus (um 1500). Die Seitenfiguren stellen die Apostel Petrus und Paulus sowie das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde dar. Das Auszugsbild zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel.
Seitenaltäre: Die beiden frühbarocken Altäre stammen ursprünglich aus Bamberg (1638 bzw. 1630). Der linke Altar zeigt die Himmelfahrt Mariens (Gemälde von 1831). Der rechte Altar ist dem heiligen Johannes Nepomuk gewidmet.
Inventar und Kunstwerke Neben den Altären beherbergt die Kirche weitere bedeutende Kunstwerke: mini|Kanzel Kanzel: Das Werk aus dem Jahr 1725 zeigt am Korb Reliefs der vier Evangelisten mit ihren Symbolen (Mensch, Löwe, Stier und Adler). Den oberen Abschluss über dem Baldachin bildet eine Figur des heiligen Paulus.
Heiligenfiguren: Zum Bestand gehören eine spätgotische Darstellung der heiligen Gertraud (1480) sowie eine Figur des heiligen Florian. An der Rückwand der Kanzel befinden sich Statuen des heiligen Petrus Canisius und der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, die als Schutzpatrone des Kirchenbaus von 1928 gelten. Diese wurden 1935 vom Würzburger Bildhauer Sonnleitner gefertigt. Weitere Figuren stellen den heiligen Antonius und den heiligen Aloisius dar.
Taufstein: Im hinteren Bereich der Kirche befindet sich ein Taufstein, der im Jahr 1928 vom Bildhauer A. Geisel aus Zeil geschaffen wurde.
Andachtskapelle In der im Zuge der Renovierung 2019 neu gestalteten Andachtskapelle, die sich im ursprünglichen Chorraum befindet, sind bedeutende historische Stücke untergebracht:
Kreuzigungsgruppe: An der Ostseite ist eine Figurengruppe der Kreuzigung mit Maria und Johannes zu sehen, die dem Rokoko (um 1730) zuzuordnen ist.
Prozessionsfigur: Auf der linken Seite der Kapelle ist die frühere Prozessionsfigur der Maria Immaculata aufgestellt.
Moderne Ausstattung: Volksaltar und Ambo der Kapelle wurden aus Weidengeflecht gestaltet, was einen direkten Bezug zum lokalen Korbmacherhandwerk herstellt.
Orgel mini|Orgel Die ursprüngliche Orgel der erweiterten Kirche wurde in den Jahren 1928/29 vom Orgelbauer Hofmann aus Hofheim errichtet. Dabei wurde Pfeifenmaterial der Vorgängerorgel wiederverwendet. Im Zuge der Generalsanierung im Jahr 2019 wurde das Instrument aufgefrischt und die Technik durch eine neue elektronische Orgel ersetzt.
Glocken Die Kirche verfügte ursprünglich über ein im Jahr 1933 geweihtes „Te Deum“-Geläute der Gießerei Ulrich aus Apolda. Während des Zweiten Weltkriegs mussten drei der vier Glocken abgegeben werden. Nach dem Krieg wurde das Geläute wieder vervollständigt: 1949 wurden eine Herz-Jesu-Glocke und eine Marienglocke geweiht. Im Jahr 1957 folgte die Nikolausglocke aus der Glockengießerei Czudnochowsky in Erding.
Kirchenumgestaltung und Innenraumkonzept Im Zuge der umfassenden Innenrenovierung im Jahr 2019 wurde das Raumkonzept der Kirche grundlegend verändert. Eine zentrale Maßnahme war die Versetzung des historischen Hochaltars, der unter den Chorbogen gerückt wurde. Durch diese Neupositionierung entstand im hinteren Bereich des ursprünglichen Chores ein abgetrennter Raum, der als Werktagskapelle genutzt wird.
Ein besonderes Merkmal der Neugestaltung ist der Bezug zum lokalen Handwerk: Der Volksaltar und der Ambo wurden aus Weidengeflecht gefertigt, was die Tradition der Sander Korbmacher widerspiegelt. Im Rahmen der Umgestaltung wurden zudem die Kirchenbänke sowie die gesamte Raumschale restauriert und farblich neu gefasst.
Generalinstandsetzung 2017–2019
Nach fast einhundert Jahren ohne größere bauliche Maßnahmen wurde die Kirche einer Gesamtsanierung unterzogen, die in zwei Hauptphasen unterteilt war.
Außenrenovierung (ab 2017)
Die Außensanierung konzentrierte sich primär auf die Substanzerhaltung des Gebäudes:
Dachkonstruktion: Der komplette Dachstuhl wurde saniert und das Kirchendach mit Biberschwanzziegeln neu eingedeckt. Turm: Das Turmkreuz sowie die Turmkugel wurden abgenommen und restauriert. In die Kugel wurde eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten hinterlegt. Fassade: Die Außenfassade wurde instand gesetzt und erhielt einen neuen Anstrich. Barrierefreiheit: An der Nordseite der Kirche wurde ein barrierefreier Zugang geschaffen, um einen hindernisfreien Eintritt zu ermöglichen.
Innenrenovierung und Technik Die anschließende Innenrenovierung umfasste eine tiefgreifende Modernisierung der technischen Anlagen:
Heizungssystem: Es wurde eine moderne Pellet-Fußbodenheizung installiert, wofür der gesamte Bodenaufbau erneuert werden musste. Elektrik und Beleuchtung: Die gesamte Elektroinstallation wurde ersetzt. Ein neues Beleuchtungskonzept auf LED-Basis ermöglicht nun eine farbliche Steuerung des Lichts im Kirchenraum. Abschluss: Die Arbeiten wurden im Januar 2020 mit einem Festgottesdienst zur Wiedereröffnung abgeschlossen.
Literatur
Einzelnachweise
Weblinks
, Aktennummer D-6-74-195-1 Kirchbaudatenblatt
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Haßberge Kategorie:Pfarrkirche des Bistums Würzburg Kategorie:Nikolaikirche Kategorie:Saalkirche in Bayern Nikolaus Kategorie:Kirchengebäude in Europa