Zu Territorialkonflikten im Südchinesischen Meer kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen den Anrainern und weiteren Interessenparteien mit weitreichenden ökonomischen und sicherheitspolitischen Interessen. Die territorialen Grenzen zwischen den Anrainerstaaten sind in vielen Fällen nicht geklärt.

Die Staaten Volksrepublik China, Republik China (Taiwan), Philippinen, Malaysia, Brunei, Indonesien und Vietnam beanspruchen teilweise dieselben Seegebiete und Inseln. Auslöser der Konflikte sind das Interesse an Rohstoffvorkommen und reichen Fischgründen in den Seegebieten des Südchinesischen Meeres.

Diese Konflikte sind verbunden mit den Territorialkonflikten im benachbarten Ostchinesischen Meer.

mini|hochkant=1.4|Territoriale Ansprüche und ausschließliche Wirtschaftszonen im Südchinesischen Meer

Geografie Das Südchinesische Meer liegt zwischen Borneo, Hinterindien, der Insel Taiwan, der malaiischen Halbinsel und der Ostküste von China. Es hat eine Fläche von etwa 3,6 Mio. km² und eine maximale Tiefe von 5016 m. Im Norden schließt sich das Ostchinesische Meer an, zusammen mit dem Gelben Meer bilden sie das Chinesische Meer.

In seinem Meeresboden lagern schätzungsweise 30 Millionen Barrel Erdöl und 7500 km³ Erdgas. Rund 50 Prozent aller jährlich verschifften Waren werden durch dieses Meer transportiert.Goruma 2010 Mineralienvorkommen soll es dort ebenfalls geben.

Geschichte mini|Die Expansion Japans bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Das Südchinesische Meer ist seit historischer Zeit einer der wichtigsten Handelswege in Südostasien. Die Schifffahrtswege und Fischgründe wurden von allen Anrainern genutzt. Die Inseln im Südchinesischen Meer waren nur teilweise besiedelt und dienten den Fischern als Anlandemöglichkeiten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges meldete vor allem China Anspruch auf verschiedene Inselgruppen an. 1974 besetzte China die Paracel-Inseln. Spätestens seit die VR China 2009 bei den Vereinten Nationen mit der „Neun-Striche-Karte“ ihre weitgehenden Ansprüche im Südchinesischen Meer bekräftigt hat, sind diese Streitigkeiten auch im Westen bekannt geworden.

Japan expandierte Anfang des 20. Jahrhunderts in diesem Gebiet, in dem die europäischen Kolonialmächte, darunter Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich bereits ihre Einflusssphären abgegrenzt hatten. China war in dieser Zeit ausgesprochen machtlos. Ab 1931 griff Japan China an, ab 1937 führte dies zu einem offenen Krieg, 1939 besetzte Japan Hainan, 1940 Französisch-Indochina, 1941 griff es die USA an und besetzte u. a. die Philippinen, Malaysia und Niederländisch-Indien. Nachdem Japan 1945 besiegt war, kehrten die Europäer für kurze Zeit zurück. Die Vereinigten Staaten hatten den Krieg und damit eine enorme Machtposition gewonnen. Die VR China blieb im Chinesischen Bürgerkrieg 1949 siegreich, es schloss sich der China-Taiwan-Konflikt an. Viele Anrainer wurden unabhängig: 1946 die Philippinen, 1945/49 Indonesien, 1954 Französisch-Indochina und 1957 Malaysia. 1946–54 wütete der Indochinakrieg und 1955 bis 1975 der Vietnamkrieg.

Die Wirtschaftskrise ab 2008 ist ein Grund für die Eskalation des Territorialstreits ab 2011. Seit der Wirtschaftskrise gewann die VR China einen wirtschaftlichen Vorsprung gegenüber ihren südostasiatischen Nachbarländern, die sich zunehmend bedroht fühlen. Der wirtschaftliche Vorsprung der USA vor China nahm ab, so dass Washington China zunehmend als Herausforderer sah. Das Südchinesische Meer besitzt für die VR China vergleichbares Gewicht wie Tibet, Hongkong oder Taiwan.Säbelrasseln über dem Meer. FAZ, 11. August 2012.

In China werden das Gelbe, das Ostchinesische und das Südchinesischen Meer oftmals als chinesische Gewässer (Mare Nostrum) gesehen. Diese „nahen Seegebiete“ reichen bis zu einer „Ersten Insellinie“, die von der Südspitze Japans über Taiwan bis zu den Philippinen verläuft. Die Volksrepublik strebt möglicherweise auch die Dominanz bis zur weiter östlichen „Zweiten Insellinie“ – bei den Marianen, Guam und Palau – an. Dann könnten die USA nicht mehr ihre Flugzeugträger-Verbände in die Straße von Taiwan schicken, wie dies bei der letzten Krise 1996 der Fall gewesen ist.Schachpartie auf dem Meer. Die Zeit, 25. April 2011.

Im September 2021 verkündete US-Präsident Joe Biden die Gründung der indopazifischen Sicherheitsallianz AUKUS. An diesem Militärbündnis, das von China heftig kritisiert wird, sind neben den USA auch Australien und Großbritannien beteiligt.

Eine Vielzahl von Inseln im Südchinesischen Meer und die Lage zwischen acht Ländern machen das Gebiet zu einem geopolitischen Hotspot. Die Länder Thailand, Malaysia, Indonesien und die Philippinen sind zusätzlich mit religiösen und sozialen innenpolitischen Schwierigkeiten konfrontiert.

Umstrittene Gebiete

Spratly-Inseln mini|hochkant=1.4|Offizielle Okkupationen im Raum der Spratly-Inseln mini|Zhubi Jiao (Subi Reef) im Mai 2015

Die Spratly-Inseln sind über 100 weit verstreuten Riffe, Atolle und kleinen Inseln und werden von sechs Staaten beansprucht:

.

Unter dem Areal von rund 180.000 Quadratkilometern werden große Erz- und Erdölvorkommen vermutet. Das Gebiet ist ausgesprochen fischreich. Es liegt, strategisch wichtig, in einer der am höchsten frequentierten Wasserstraßen der Welt. Etwa ein Viertel aller weltweiten Transportschiffrouten (Stand: 2012) führt durch diese Meerenge.

Die meisten Inseln des Archipels haben nur Größen von wenigen Hektar und sind ausschließlich per Hubschrauber oder kleinen Booten zu versorgen.

Ein Teil der Inseln, so auch mit Taiping Dao die größte, wurde offiziell 1887 von Frankreich als Teil von Indochina in Anspruch genommen und 1930 durch französische Truppen besetzt.

Die Philippinen halten den nordöstlichen Teil besetzt. Sie berufen sich auf ihre AWZ. Auf der Insel Thitu (Pagasa) (Größe 32 ha) wurden rund 200 Zivilisten in dem Ort Kalayaan angesiedelt, der Rest der Okkupation besteht aus reinen Militärstützpunkten. Die philippinische Armee unterhält wenige Soldaten auf der Insel West York (Likas) (19 ha), auf Northeast Cay (Parola) (13 ha), auf Nanshan (Lawak) (8 ha) und Loaita (Kota) (6 ha).

Taiwan hat einen festen Militärstützpunkt mit langer Landebahn auf Taiping Dao (Itu Aba) (46 ha) eingerichtet. Diese größte aller Spratly-Inseln befindet sich im nördlichen Zentralbereich und wird von 600 Soldaten bevölkert. Darüber hinaus gibt es keine ständige Bevölkerung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Taiping Dao von Japan erobert und zu einer U-Boot-Basis ausgebaut. Administrativ wurde das Eiland dem Bezirk Takao (Kaohsiung), Teil der damaligen japanischen Kolonie Taiwan, zugeschlagen. Nach dem Abzug der Japaner wurde Taiping Dao 1946 an die Republik China zurückgegeben, damit verbunden war die Eingliederung in die Provinz Guangdong. Taiwan sicherte sich gegenüber Japan 1952 im Vertrag von Taipeh den Anspruch auf die Insel. Trotz des Widerspruches seitens Vietnams wurde auf der Insel 2005 eine Landebahn für Flugzeuge angelegt. So ist es möglich unter anderem den C-130 Hercules-Transporter anzulanden.

Malaysia unterhält zeitweise im Swallow-Riff Militärtaucher und Beobachtungsposten der Marine. Aufgrund der winzigen Größe von 6 ha, aufgeteilt auf mehrere Klippen, sind dort keine festen Bauwerke entstanden. Malaysia beansprucht weitere, nur einige Quadratmeter große Riffe im Südosten des Archipels, die in ihrer AWZ liegen würden.

Der Zwergstaat Brunei erhebt ebenfalls Ansprüche auf einige Atolle der Spratly-Inseln, die in seiner AWZ liegen.

Vietnam hält den größten Teil der Spratly-Inseln besetzt. Diese befinden sich vor allem im Westen, Süden, Norden und Zentralbereich. Auf Spratly (Truong Sa) (13 ha) gibt es eine kurze Landebahn und einige vietnamesische Soldaten. Weiters sind auf Southwest Cay (Pugad) (Song Tu Tay) (12 ha) Soldaten stationiert, ebenso auf Sin Cowe (8 ha), Sand Cay (Son Ca) (7 ha) und Namyit (Nam Yet) (5 ha). Auf Amboyna Cey (1 ha) unterhält die vietnamesische Marine einen Leuchtturm.

Die Volksrepublik China hält das Johnson Riff (Chigua Riff) militärisch besetzt. 1988 kam es hier zu einem blutigen Gefecht gegen vietnamesische Truppen. Das Riff wird seit 1990 durch einen künstlichen Damm vor dem völligen Versinken bewahrt und ist bei Springflut regelmäßig völlig geflutet, bei normaler Flut ragen nur kleine Felsspitzen aus dem Wasser. Das ebenfalls von der chinesischen Marine besetzte Subi Riff ist eigentlich nicht okkupationsfähig, weil es nur bei Ebbe kurzzeitig aus dem Wasser ragt. Diese chinesische Okkupation ist mehr ein permanentes Seemanöver im Flachwasser und weniger eine Besetzung. Außerdem hat China das von Überflutung bedrohte Atoll Yongshu Jiao (0,8 ha) mit Betonmauern befestigt und unterhält dort eine Gemüseplantage. Auf Meiji Jiao (Mischief-Riff) wurde bereits Zivilbevölkerung (53 Fischer) angesiedelt.

Nachdem China einige Riffe zu künstlichen Inseln aufgeschüttet hatte, schickten die USA Ende Oktober 2015 demonstrativ ihren Zerstörer USS Lassen vor die Spratly-Inseln und zeigten damit, dass sie einen chinesischen Anspruch auf diese Inseln nicht anerkennen.

China stationierte 2018 Raketen und Marschflugkörper auf den Spratly-Inseln,Chinesische Jets auf Koralleninsel gelandet, DW, 19. Mai 2018. die USA luden China daraufhin von gemeinsam geplanten Manövern aus.NZZ, 29. Mai 2018, Seite 2.

Paracel-Inseln Die Paracel-Inseln sind eine Gruppe kleiner Korallenatolle, rund 330 km südöstlich der Insel Hainan im Südchinesischen Meer und werden in Gänze von zwei Nationen als ihr Territorium beansprucht:Gefährliche Scharmützel im Südchinesischen Meer. China steht mit Vietnam in einem offenen Territorialkonflikt. Der heikle Streit dreht sich um Rohstoffe und um die Vormachtstellung in der Region., Die Zeit vom 15. Juni 2011.

.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beanspruchte die vietnamesische Nguyen-Dynastie die Souveränität über die Paracel- und Spratly-Inseln. Dokumente belegen zwischen 1803 und 1856 entsprechende Aktivitäten wie Vermessung und Erstellung von Karten. China verweist auf den Fund alter chinesischer Waren.

Eine 1904 veröffentlichte Karte der Qing-Dynastie zeigt Hainan als südlichsten Punkt Chinas. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kontrollierte die französische Indochina-Föderation die Inseln, und seitdem gab es Souveränitätsstreit mit der Republik China.

1941 fielen die Paracel-Inseln an das kaiserliche Japan und wurden mit dem japanisch besetzten Taiwan zusammengelegt. 1945 verließen die Japaner die Inseln. Auf der Konferenz von San Francisco 1951 wurde die Verteilung der von Japan besetzten Gebiete behandelt und die Verwaltung der Paracel- und Spratly-Inseln wieder an die Französische Union übertragen.

1954 unterzeichnete die Volksrepublik China als Vertreter der Demokratischen Republik Vietnam das Genfer Abkommen, wobei die Verwaltung der Französischen Union über die beiden Paracel- und Spratly-Inseln festgelegt war.

1956 übernahm die Republik Vietnam (Südvietnam) die Kontrolle der Paracel- und Spratly-Inseln. Verwaltungstechnisch wurde der Kreis der Paracel-Inseln (Hoàng Sa) der Stadt Da Nang (Vietnam) zugeordnet.

Die Volksrepublik China nutzte bereits vorher ein Machtvakuum und hatte einige Monate zuvor die Kontrolle über die östliche Hälfte der Paracel-Inseln übernommen.

1974 verjagte die chinesische Marine die südvietnamesische Marine und übernahmen 1974 die Kontrolle über die gesamten Inselgruppe.

Seit 1974 wird die gesamte Inselgruppe von der Volksrepublik China kontrolliert. 2012 wurden Pläne bekannt, wonach die Volksrepublik auf den Inseln eine Militärbasis errichten und eine Garnison dorthin verlegen möchte. Die Inseln sind der Provinz Hainan unterstellt und gehören zur bezirksfreien Stadt Sansha. Auf den Inseln leben knapp 600 Menschen. Im Mai 2018 landeten chinesische Kampfflugzeuge und Bomber auf den Inseln und führten von dort aus Schießübungen auf Seeziele durch, am 27. Mai fuhren zwei amerikanische Kriegsschiffe durch die 12-Meilen-Zone.

Scarborough-Riff mini|Huangyan Dao