mini|Mabel May-Yong auf einer Fotografie von Erwin Raupp, 1908 mini|Mabel May-Yong auf einer Fotografie von Wilhelm Willinger, um 1920 Mabel May-Yong, auch May de Yong, (* 28. Juni 1884 als Alice Mabel Auguste Scharrer in Magdeburg; † 3. April 1968 in Bremen) war eine deutsche Tänzerin und Schauspielerin bei Bühne und dem Stummfilm der frühen 1920er Jahre.
Leben und Wirken Herkunft und berufliche Anfänge Über Mabel May-Yongs Herkunft und VitaEs gab schon zu Lebzeiten zahlreiche Falschinformationen über bzw. Gerüchte um diese geheimnisumwitterte Tänzerin: Manche Quellen behaupten, sie sei eine gebürtige Australierin. 1915 konnte man in der Washington Post lesen, sie habe US-Präsident Woodrow Wilson dazu veranlasst, einen Vertrauten auf Friedensmission nach Europa zu entsenden (was das Weiße Haus als „lächerlich“ dementierte); ein anderes Gerücht besagt, sie habe 1919 in Südafrika einen Abenteuerfilm namens Allan Quatermain gedreht. Schließlich soll sie nach dem Ende ihrer Filmkarriere in die USA ausgewandert sein, was sich derzeit ebenfalls nicht belegen lässt. herrschte lange Zeit Ungewissheit. Sie war die Tochter des Kaufmanns Max Richard Albrecht Scharrer und einer Chinesin namens Ho A Mei, verehelichte Elizabeth Ann Scharrer.Stadtarchiv Magdeburg, Geburtsregister Standesamt Magdeburg, Nr. 1876/1884 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). Seit Beginn des 20. Jahrhunderts versuchte sie sich als (zumeist sehr spärlich bekleidete) Tänzerin und ist an einigen Berliner Bühnen der Kaiserzeit nachzuweisen. Kurz nach dem Kriegsausbruch 1914 führte sie via Rotterdam eine Tournee in die Vereinigten Staaten. In New York City absolvierte die Tänzerin Auftritte an den Vaudeville-Bühnen Astor TheatreMeldung in der New York Times, 28. Oktober 1914. und Victoria Theatre. Im November 1916 ist Mabel May-Yong mit einem Gastspiel an Wiens Apollo-Varieté-Theater nachzuweisen, wo sie, wie schon zwei Jahre zuvor in New York, den Tanz der Liebe „von ihrem Erwachen bis zur Resignation“ aufführte.Kultur-Meldung in der Allgemeinen Sport-Zeitung, 4. November 1916.
Beim Film Als gleich nach Ende des Krieges in Berliner Ateliers zuhauf so genannte Sensationsfilme mit „exotischen“ Stoffen und dramatischen Inhalten in Produktion gingen, war Mabel May-Yong, die sich (anfänglich noch unter dem Namen May de Jong) einen Namen mit Darbietungen „exotischer“ Tänze, etwa im Stil der Mata Hari, gemacht hatte, eine Zeit lang sehr gefragt. In nicht einmal fünf Jahren drehte sie über zwei Dutzend Filme. Angelehnt an den Rollentypus, den in Hollywood die US-Kollegin Theda Bara perfekt verkörperte, trat die deutsch-chinesische Künstlerin als fremdländische, laszive Verführerin vom Dienst vor die Kamera und brachte dort auch mehrfach ihr tänzerisches Können zum Besten. Nach der für sie typischen Rolle einer exotischen Tänzerin namens Voo Do in Das Kabinett des Dr. Segato (mit Theodor Loos in der Titelrolle) und ihrer Hauptrolle in dem im Februar 1923 erstmals gezeigten Sensations- und Abenteuerfilm Was der Totenkopf erzählt, der in Deutschland erst zwei Jahre später unter dem Titel Entsiegelte Lippen anlief, war 1923 ihre ebenso kurze wie wenig Nachhall besitzende Filmkarriere bereits wieder beendet. Anschließend verschwand Mabel May-Yong komplett aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit.
Privates Mabel May-Yong war viermal verheiratet: Von 1904 bis 1908 mit dem Architekten Hermann König,Stadtarchiv Magdeburg, Heiratsregister Standesamt Magdeburg-Sudenburg, Nr. 170/1904 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). von 1912 bis 1914 mit dem Freiherrn Karl von Schenck zu Schweinsberg,Stadtarchiv Magdeburg, Heiratsregister Standesamt Magdeburg, Nr. 219/1912 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). anschließend mit dem Redakteur Arnold Jünke und ab 1922 schließlich mit dem Kaufmann Erich Quiring, mit dem sie späterhin wieder in ihrer Geburtsstadt Magdeburg lebte. Seit 1947 verwitwet, verließ Mabel Quiring 1950 die soeben gegründete DDR und übersiedelte nach Bremen, wo sie 1968 verstarb.Staatsarchiv Bremen, Sterbebuch Standesamt Bremen-Mitte, Nr. 1759/1968.
Filmografie 1918: Um die Liebe des Dompteurs 1919: Der Diplomatensäugling 1920: Dämon der Welt, 2. Teil: Wirbel des Verderbens 1920: Dämon der Welt, 3. Teil: Das goldene Gift 1920: Tamburin und Castagnetten 1920: Manus immaculata 1920: Indische Rache 1920: Der indische Todesring 1920: Der langsame Tod 1920: Eine gefährliche Fahrt 1920: Die goldene Mauer 1920: Das schwarze Boot 1920: Fasching 1920: Kriminalpolizei, Abteilung „Mord“ 1921: Das Haus der Qualen 1921: Erzgauner 1921: Millionenschieber 1921: Der Flug in den Tod 1921: Das Abenteuer des Dr. Kircheisen 1922: Schuld und Sühne 1922: Die Filibustier 1922: Frauen, die die Ehe brechen 1923: Das Kabinett des Dr. Segato 1923: Was der Totenkopf erzählt / Entsiegelte Lippen
Literatur Hans Richter (Hrsg.): Filmstern. Richters Handbuch der Schauspieler, Regisseure und Schriftsteller des Films (= Kinojahrbuch. Band 4). Hans Hermann Richter Verlag, Berlin-Wilmersdorf 1921/1922, , S. 64 f.
Weblinks Biografie Mabel May-Yong auf lostgallery.blogspot.com Mabel May Yong auf cabinetcardgallery.com
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Tänzer (Deutschland) Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Pseudonym Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1968 Kategorie:Frau