Gerbstedt ist eine Kleinstadt im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt.
Geografie Lage Gerbstedt liegt im nordöstlichen Landkreis Mansfeld-Südharz auf der Mansfelder Platte, einer Landschaft mit vielen niedrigen Hügeln im Harzvorland. Diese fällt nach Norden flach ab. Im Stadtgebiet gibt es zwei Haupteinschnitte: Das Tal der Schlenze und das des Fleischbaches. Letzteres ist bei Bösenburg besonders steil. Beide Täler münden westlich von Friedeburg ins Tal der Saale. Die dortige Landschaft mit ihren steilen Abhängen ist eindrucksvoll. Im Saaledurchbruch bei Rothenburg liegt die mit 72 m über NN tiefste Stelle im Stadtgebiet. Außerdem gliedern sich diese Einschnitte noch in Untereinschnitte; zumindest nach regenreichen Unwettern fließen durch die meisten von ihnen Rinnsale. Die höchste Erhebung befindet sich am 241 Meter hohen Hügel Sickberg westlich von Thondorf. Andere Hügel heißen z. B. Sehringsberg (bei Helmsdorf), Langer Hu (zwischen Ihlewitz und Gerbstedt), Warthe (bei Gerbstedt), Lauschhügel (südlich von Welfesholz) und Kuhberg (bei Adendorf). Manche Hügel sind auch nach Gewässerarten benannt, wie der Seeberg und der Teichberg bei Zabenstedt. Es gibt aber auch Hügel mit demselben Namen, wie den Goldberg, der drei Mal vertreten ist (einmal bei Rottelsdorf und zweimal bei Lochwitz).
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Arnstein, Hettstedt und Mansfeld im Westen, Könnern (Salzlandkreis) im Norden, Salzatal und Wettin-Löbejün (beide Saalekreis) im Osten sowie das Seegebiet Mansfelder Land und die Lutherstadt Eisleben im Süden.
Gewässer mini|Luftbild des Ortsteils Friedeburg an der Saale (links im Bild) Größtes Gewässer im Stadtgebiet ist die Saale, die das Stadtgebiet über eine Länge von drei Kilometern durchfließt. Wegen eines Saaledurchstichs gehört auch ein kleines Gebiet jenseits der Saale zum Stadtgebiet. Es gibt mehrere Bäche im Stadtgebiet. Die meisten von ihnen werden durch die Schlenze entwässert. Zu nennen sind unter anderem die Griftbäche Rüsterbach, Grift, Apfelborn und Wickengraben bei Siersleben im Westen der Stadt (siehe Griftbach). Weiterhin gibt es den Fleischbach bei Freist mit seinen mehreren kurzen, wasserreichen Quellbächen bei Bösenburg, so zum Beispiel dem Fleischgraben aus Rottelsdorf. Außerdem gibt es noch den Lobach zwischen Gerbstedt und Zabenstedt und den Pfeiffhausener Bach. Es existieren auch mehrere periodisch austrocknende Rinnsale im Gebiet der Stadt. Darunter zählen beispielsweise die auch oft Regenbeck genannte Alte Wipper zwischen Thondorf und Klostermansfeld, der seit 1826 nicht mehr durchgehend fließende Sohlbach bei Helmsdorf und der nach Hettstedt abfließende Bach im Dorf Welfesholz. Einige Rinnsale sind auch bei Freist zu finden.
Das größte stehende Gewässer ist ein Altarm der Saale mit einer Größe von fünf Hektar östlich von Friedeburg an der Grenze zum Saalekreis. Das zweitgrößte stehende Gewässer ist ein rechteckiges, circa 200 mal 30 Meter großes künstliches Bassin im Tal der Schlenze bei Heiligenthal. Nordwestlich von Gerbstedt befinden sich die Lodderstedter Teiche. Ein kleiner Sumpf liegt am südlichen Ortsrand von Augsdorf.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Gerbstedt umfasst insgesamt 102,02 km² mit einer Ost-West-Ausdehnung von 16 und einer Nord-Süd-Ausdehnung von acht Kilometern. Die Flächennutzung wird in der nachfolgenden Tabelle gezeigt. Darin wurden Verkehrswege und Gewässer den Gebieten zugeordnet, die sie umschließen. Das gilt auch für kleinere Wäldchen. mini|Flächenaufteilung von Gerbstedt Flächenach Nutzungsart Gesamtfläche in ha Anteil an der Fläche der Stadt Siedlungsfläche 750,0 7,4 % Wald und Wiesenfläche 676,4 6,6 % Äcker und Felder 8.775,7 86,0 % Quelle: Webatlas des Geoportals Rheinland-Pfalz, die Informationen sind frei nachmessbar.
Stadtgliederung Die Stadt Gerbstedt gliedert sich in zwölf Ortschaften (gemeindeähnliche Einheiten); diese lassen sich in 25 Ortsteile, die eigentlichen Orte, unterteilen. Von diesen gehören 23 zu den Dörfern und zwei zu den Siedlungen. Außerdem gibt es noch das Gewerbegebiet Apfelborn, das südlich des Ortes Hübitz zu finden ist.
Ortschaft Einwohner Eingemeindung Ortschaften von Gerbstedt(anklickbare Karte) Hauptort Gerbstedt 2.885 1. Januar 2010 Augsdorf 573 1. Januar 2010 Freist (mit Elben, Oeste und Zabitz) 24. Januar 2010 Friedeburg (mit Neuer- und Thomas-Müntzer-Siedlung) 24. Januar 2010 Friedeburgerhütte (mit Adendorf) 1. Januar 2010 Heiligenthal (mit Helmsdorf und Lochwitz) 24. Januar 2010 Hübitz 1. Januar 2010 Ihlewitz (mit Pfeiffhausen, Straußhof und Thaldorf) 1. Januar 2010 Rottelsdorf (mit Bösenburg) 1. Januar 2010 Siersleben (mit Thondorf) 1. Januar 2010 Welfesholz 1. Januar 2010 Zabenstedt 1. Januar 2010
Geschichte mini|Ruinen der Wüstung Lodderstedt Das Gebiet der Stadt Gerbstedt ist schon sehr lange besiedelt; dies bezeugen viele Funde. Südlich von Siersleben gab es sogar eine Kreisgrabenanlage. Außerdem wurden Grabhügel oder ganze Gräberfelder ausgegraben. Ein solches existiert am Nordhang der Schlenze zwischen Helmsdorf und Polleben. Hier wurden sehr viele Steinkistengräber gefunden; die Toten wurden alle mit dem Kopf nach Süden begraben. Einige Gräber wurden nachgebaut; sie befinden sich versteckt am Sehringsberg, zehn Meter vom oberen Feldrand entfernt. Außerdem existierte am Brosowski-Schacht ein Fürstengrab der Aunjetitzer Kultur, das 1906 vom Historiker Hermann Größler untersucht wurde.Hermann Größler: Das Fürstengrab im großen Galgenhügel am Paulsschachte bei Helmsdorf (im Mansfelder Seekreise). In: Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder. Band 6, 1907, S. 1–87 (Online).
An den vor dem Bau des Schlüsselstollens viel zahlreicheren Bächen und Rinnsalen existierten viele alte Dörfer. Die meisten davon sind nur noch als Wüstungen zu finden, allein um die Kernstadt gibt es zehn. Diese heißen: Dankendorf, Derlingen, Dresewitz, Lodderstedt, Mummesdorf, Nienstedt, Nisselsdorf, Polingen, Reindorf und Rote Welle.Erich Neuß: „Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld“ ; Band 3: Im Herzen der Grafschaft. Fliegenkopf Verlag, Halle (Saale) 2001. Von einer weiteren Wüstung nordöstlich der Kernstadt ist der Name unbekannt. Eine weitere wüste Ortschaft namens Dörlitz befindet sich bei Freist.
Von 1952 bis 1994 lag Gerbstedt im Kreis Hettstedt (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Mansfelder Land, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Landkreises Mansfeld-Südharz.
Auf Grundlage eines Gebietsänderungsvertrages haben die Gemeinderäte der Gemeinden Augsdorf (am 8. Juni 2009), Friedeburgerhütte (am: 18. Mai 2009), Hübitz (am 20. Mai 2009), Stadt Gerbstedt (am 19. Mai 2009), Ihlewitz (am 14. Mai 2009), Rottelsdorf (am 9. Juni 2009), Siersleben (am 10. Juni 2009), Welfesholz (am 3. Juni 2009) und Zabenstedt (am 23. Juni 2009) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Einheitsgemeinde mit dem Namen Stadt Gerbstedt vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde von der Kommunalaufsicht genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft. Am 24. Januar 2010 wurden die Gemeinden Freist, Friedeburg (Saale) und Heiligenthal eingemeindet.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3.792 2005 3.068 2010 7.928 2015 7.462 2020 6.964 Jahr Einwohner 2021 6.881 2022 6.779 2023 6.719 2024 6.601 2025 6.543
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Gerbstedt besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 44,8 % 9 34,3 % 7 Wählergruppe kommunale Gerechtigkeit Gerbstedt – – 18,9 % 4 AfD – – 17,5 % 4 Einzelbewerber Bernd Hartwig 8,9 % 1 7,1 % 1 Freie Bürger Mitteldeutschland 8,3 % 2 6,9 % 1 Die Linke 21,4 % 4 4,8 % 1 SPD 8,3 % 2 3,1 % 1 Einzelbewerber Denny Oertel – – 2,4 % 1 Einzelbewerber Jakob Jangel – – 2,3 % – Die Heimat (bis 2023 NPD) 3,1 % 1 1,4 % – Einzelbewerber Matthieu Stange – – 1,3 % – Allianz Freie Wählergemeinschaft Gerbstedt 2,7 % – – – Bauernverband Mansfeld-Südharz 2,6 % – – – Insgesamt 100 % 19 100 % 20
Bei der Wahl 2019 entfielen auf den Einzelbewerber Hartwig zwei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb.
Bürgermeister 1994–2020: Siegfried Schwarz (CDU) 2020–2021: Bernd Hartwig (parteilos) seit 2021: Ulf Döring (CDU)
Hartwig wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 2. Februar 2020 mit 56,1 % der gültigen Stimmen gewählt. Gegen ihn wurde im November 2020 vom Stadtrat ein Abwahlverfahren beschlossen. Am 24. Januar 2021 wurde er nach weniger als einem Jahr im Amt von der Bevölkerung der Stadt mit 65,3 % der gültigen Stimmen wieder abgewählt.Ergebnis des Abwahlverfahrens am 24. Januar 2021
Döring wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 25. April 2021 mit 55,7 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.
Wappen Das Wappen wurde am 7. Dezember 1998 durch das Regierungspräsidium Halle genehmigt. Die neue Stadt Gerbstedt beantragte die Weiterführung bzw. Übernahme des Wappens der alten Stadt Gerbstedt, dies wurde am 17. Juni 2010 durch den Landkreis genehmigt.
Die Farben der Stadt sind Blau-Weiß.
Das Wappen wurde vom Heraldiker Lutz Döring aus Erdeborn gestaltet.
Städtepartnerschaften Seit 1991 besteht eine Ring-Städtepartnerschaft mit den bereits seit 1966 verpartnerten Gemeinden Grefrath in Nordrhein-Westfalen und Frévent (Nordfrankreich). Die Kontakte werden insbesondere durch den „Verein der Freunde von Frévent und Gerbstedt“ gepflegt; zu Pfingsten finden alljährlich gegenseitige Besuche zwischen den Partnerstädten statt.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Schloss Friedeburg Im Ortsteil Friedeburg befindet sich das Schloss Friedeburg, eine zum Schloss umgebaute vormalige Burg der Grafen von Mansfeld.
Kirchen mini|Kirche St. Wenzel in Thaldorf In den meisten Ortsteilen der Stadt steht eine Kirche, zeitweise existierte in zwei Ortsteilen auch noch eine zweite im Ort. In Gerbstedt und in Siersleben war das der Fall, in diesen Orten existierte neben dem alten evangelischen Kirchengebäude noch ein jüngeres katholisches. Die meisten Kirchen haben einen kräftigen Turm mit deutlich rechteckigem Grundriss. Folgende Kirchen existieren in der Stadt:
Es gab in der Vergangenheit noch weitere Kirchen, wie die Klosterkirche St. Johannes Baptista von Gerbstedt;Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 12, Teil 7, Der Kulturkampf und das Bischöfliche Kommissariat 1871-1887. St. Benno Verlag, Leipzig 1971, S. 271. auch einige Wüstungen hatten kleine Gotteshäuser.
Durch die Ortsteile Siersleben und Thondorf fahren im Sommer die dampfbetriebenen Museumszüge der Mansfelder Bergwerksbahn.
Baumdenkmal Das Baumdenkmal für die Deutsche Einheit wurde anlässlich des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung am 30. September 2015 von Vertretern verschiedener Generationen am Sportplatz auf dem Festplatz gepflanzt.Wladimir Kleschtschow: Pflanzaktion in Gerbstedt: Bäume für die Einheit. In: Mitteldeutsche Zeitung, 30. September 2015; abgerufen am 3. Januar 2024J. Halle, J. Kürbis: Wachsende Baumdenkmale für Deutschlands Einheit. In: Internet-Seite Einheitsgemeinde Gerbstedt, 2. Oktober 2015; abgerufen am 3. Januar 2024
Museen In Gerbstedt gibt es ein Stadtmuseum mit verschiedenen Ausstellungsstücken aus der älteren und jüngeren Vergangenheit. In diesem ist auf Anfrage die Besichtigung eines mittelalterlichen, unterirdischen Kellers unter dem Marktplatz möglich.
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