mini|Klopeiner See vom Georgibergl aus gesehen

Sankt Kanzian am Klopeiner See, amtlich St. Kanzian am Klopeiner See (slowenisch: Škocjan v Podjuni), ist eine zweisprachigeA. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hrsg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, S. 340–362.A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [u. a.] (Hrsg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, S. 25–38. Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Völkermarkt in Österreich, im Bundesland Kärnten.

Geographie Sankt Kanzian liegt im Jauntal, südlich der zum Völkermarkter Stausee aufgestauten Drau und ungefähr sieben Kilometer vom Stadtzentrum der Bezirkshauptstadt Völkermarkt entfernt. Zum Gemeindegebiet gehören der Klopeiner See, der Turnersee, der Kleinsee und der Georgiberg.

Gemeindegliederung Sankt Kanzian am Klopeiner See ist in sieben Katastralgemeinden gegliedert: Grabelsdorf (Grabalja vas) Lauchenholz (Gluhi les) St. Kanzian (Škocjan) St. Marxen (Šmarkež) St. Veit im Jauntal (Šentvid v Podjuni) Srejach (Sreje) Stein (Kamen)

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 37 Ortschaften (Einwohnerzahl Stand ):

Nachbargemeinden mini|hochkant|Mökriach – Filialkirche St Martin – Portal

Geschichte Frühe Geschichte mini|hochkant|Pfarrkirche Heiliger Kanzian mini|hochkant|Kirche mit dem Wunschglöcklein auf dem Georgibergl Auf der Gracarca, einem Mittelgebirgsstock am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees, wurden Siedlungsspuren gefunden, die der Urnenfelderkultur (um 900–730 v. Chr.) und der Hallstattkultur (um 730–300 v. Chr.) zugerechnet werden. Diese und weitere Funde lassen darauf schließen, dass es sich bei dieser Siedlung möglicherweise um die Stadt Noreia, die Hauptstadt des keltischen Königreichs Noricum handeln könnte, das zwischen ca. 300 und 15 v. Chr. bestand. Grabfunde aus der Spätantike (300–590 n. Chr.) und dem Frühmittelalter im heutigen Gemeindegebiet weisen auf weitere frühe Ansiedlungen hin.

Von besonderer Bedeutung für die kulturelle Kontinuität in diesem Raum sind die frühmittelalterlichen Funde aus karantanischer Zeit. Dabei sticht das Grab eines karantanischen bewaffneten Reiterkriegers hervor. Der Ortsname Grabelsdorf/Grabalja vas ist hingegen etwas jüngeren Datums und geht auf den alttestamentlichen Namen Gabriel zurück. Dieser weist eindeutig auf die Christianisierung der hier ansässigen, nunmehr bereits slowenischsprechenden Bevölkerung hin, wie dies die Freisinger Denkmäler belegen, die die ältesten slawischen, bereits dem Slowenischen zuzuzählenden Sprachdenkmäler in lateinischer Schrift sind. Und diese wurden eben für die Zwecke der Christianisierung der im Land ansässigen Karantaner geschaffen.St. Eichert: Grabelsdorf – villa Gabrielis. Betrachtungen zur Entwicklung einer Siedlung vom 7. bis ins 11. Jahrhundert. In: Carinthia I 200 (2010) S. 105–132.

Die Pfarrkirche St. Kanzian ist den Geschwistern Cantius, Cantianus und Cantianilla, die im Jahre 290 n. Chr. in Aquileia den Märtyrertod erlitten haben, geweiht. Die Pfarre St. Kanzian bestand schon im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich aber schon früher, da der Patriarch Udalricus sie im Jahre 1106 n. Chr. dem Kloster Eberndorf abgetreten hat.

Gemeindegeschichte Zu einer selbständigen Gemeinde wurde St. Kanzian im Jahre 1866, nachdem die erst 1850 gebildete Gemeinde Kühnsdorf aufgelöst wurde und sich die drei Katastralgemeinden St. Kanzian, Srejach und St. Marxen zusammenschlossen; schon 1876 wurde die Ortsgemeinde um die Katastralgemeinde Grabelsdorf (davor zu Eberndorf) erweitert. Drei weitere Katastralgemeinden (Stein, St. Veit und Lauchenholz) wurden nach der Auflösung der Ortsgemeinde Rückersdorf 1944 eingemeindet. 1973 und 2002 folgten noch kleinere Gebietskorrekturen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich erste Anfänge des Fremdenverkehrs am Klopeiner See, einem der wärmsten Badeseen Österreichs, und am Turnersee feststellen. Ab dieser Zeit erlebte die Region einen konstanten wirtschaftlichen Aufschwung, ab den 1950er Jahren entwickelte sich St. Kanzian zu einer der führenden Fremdenverkehrsgemeinden Kärntens.

Bevölkerungsentwicklung

Erfolgte die Zunahme der Einwohnerzahl von 1981 bis 1991 vor allem durch Zuwanderung, so ist seither das Wachstum von der positiven Geburtenbilanz gekennzeichnet.

Bevölkerung Nach der Volkszählung 2001 hat die Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See 4.297 Einwohner, davon sind 94,4 % österreichische, 1,9 % bosnische und 1,1 % deutsche Staatsbürger. 12,8 % gehören der slowenischsprachigen Volksgruppe an. Gemäß einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) vom 26. Juni 2006 gilt der gleichnamige Hauptort der Gemeinde aufgrund des laut der VZ 2001 unter 10 % gesunkenen Anteils der slowenischen Minderheit jedoch nicht mehr als amtlich „gemischtsprachig“.A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, S. 340–362.A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, S. 25–38. Nichtsdestotrotz zählen die slowenischen Kulturvereine (insbesondere der Verein Danica) und -aktivitäten zu den Trägern des Kulturlebens in der GemeindeSlovensko prosvetno društvo Danica / Slowenischer Kulturverein Danica, Sankt Primus/Šentprimož: www.danica.at und werden alle Pfarren zweisprachig geführt.Vgl.: Liste der Pfarren im Dekanat Eberndorf/Dobrla vas

Die Gemeinde St. Kanzian/Škocijan v Podjuni zählt zum slowenischen Dialektgebiet des Jauntales (slow. podjunsko narečje),Smole, Vera. 1998. „Slovenska narečja.“ Enciklopedija Slovenije vol. 12, pp. 1–5. Ljubljana: Mladinska knjiga, p. 2. der ein Dialekt der Kärntner slowenischen Dialektgruppe ist.Toporišič, Jože. 1992. Enciklopedija slovenskega jezika. Ljubljana: Cankarjeva založba, p. 183.

Religion Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 88 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 3,3 %, zum Islam 2,3 %. Ohne religiöses Bekenntnis sind 4,4 %.

Die Pfarren der Gemeinde St. Kanzian zählen zum Dekanat Eberndorf/Dobrla vas. Sie sind nunmehr zweisprachig.Vgl.: Liste der Pfarren im Dekanat Eberndorf/Dobrla vas Zur Pfarrkirche St. Kanzian/Škocjan zählen die Filialkirchen Georgiberg/Št. Jurij, Klopein/Klopinj, Srejach/Sreje, St. Lorenzen/Št. Lovrenc. Zur Pfarrkirche St. Veit im Jauntal/Št. Vid v Podjuni gehören die Filialkirchen Rückersdorf/Rikarja vas, Alte Pfarrkirche/Stara farna cerkev, Grabelsdorf/Grabalja vas, Mökriach/Mokrije und St. Primus/Št. Primož. Zur Pfarrkirche Stein im Jauntal/Kamen v Podjuni gehört noch die Friedhofskirche.Štefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales: Dekanat Eberndorf, Klagenfurt/Celovec 1979

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Klopein, Kleinsee und Stein im Jauntal mini|hochkant|Burg- und Pfarrkirche Heiliger Laurentius in Stein im Jauntal mini|Markus Pernhart, Stein im Jauntal, Öl auf Leinwand mini|Danielskapelle (Grabelsdorf) mini|hochkant|„Großer Hildegardsstock“ in Stein im Jauntal mini|Sankt Primus im Jauntal

Kulturwanderweg Gracarca Die Gracarca ( ‚Burg, befestigter Ort‘) ist zusammen mit dem Dreiseenblick im Westen und dem Georgiberg im Osten ein heute dicht bewaldeter Mittelgebirgsstock am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees. Seine Längsausdehnung beläuft sich auf fast 2 km. Wie beim Kitzelsberg oder beim Steiner Berg handelt es sich um sogenannte Sattnitz-Konglomerat, eine relativ weiche Ablagerung aus dem Tertiär.

Die archäologisch-historische Erforschung im Bereich der Gracarca setzte mit Oswald Menghin (1927) und Herbert Pohl (1931/34) ein, deren Vorbild bald Schulkinder und Urlaubsgäste folgten. Erste großangelegte Ausgrabungen unternahm zwischen 1952 und 1966 Franz Xaver Kohla, der verdiente Erforscher der Kärntner Burgen und ehrenamtliche Kustos für Ur- und Frühgeschichte am Landesmuseum Kärnten. Diese Abteilung setzt seit 1992 in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Verein 5000 Jahre Gračarca gegründet 1989 und der Gemeinde Sankt Kanzian am Klopeiner See die Untersuchungen fort.

Museen und Parks Das in Vorbereitung befindliche Keltenmuseum GracarcaKeltenmuseum Gracarca Vogelpark Turnersee mit etwa 1000 Vögeln aus 340 Arten in St. Primus

Sternwarte Die Helmrich-Lambrecht-Sternwarte wurde Ende der 1950er Jahre von Ing. Helmrich Lambrecht als seine Privatsternwarte errichtet. In der Kuppel, welche nahe dem Zentrum von St. Kanzian, vis-á-vis der Volksschule, gelegen ist, befinden sich drei Teleskope. Die zwei Spiegelteleskope stammen aus der Hand von Ing. Lambrecht und die Linsen des Linsenteleskop wurden von der Firma Zeiss gefertigt. Zu Lebzeiten Lambrechts fanden auch regelmäßig Führungen für interessierte Touristen und Einwohner der Region statt. Nach dem Tod Helmrich Lambrechts ging die Sternwarte in den Besitz seines Enkels Eugen Freund über.

Im Jahr 2009 wurde die Sternwarte von der IAAZ wiederbelebt. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten konnte der Führungsbetrieb in der Sommersaison 2009 wiederaufgenommen werden.Sternwarte St. Kanzian (iaaz.at) Stand: 23. Juni 2011 23:00 Uhr

Bauwerke Die Pfarrkirche Hl. Kanzian in St. Klopein war eine Urpfarre des Patriarchats Aquileia. Sie wurde 1106 erstmals urkundlich erwähnt und ist eine ursprünglich romanische Chorturmkirche mit spätgotischem Polygonalchor (1518) und Wehrobergeschoß. Das frühhistoristische Langhaus stammt aus den Jahren 1849–1860 Die Pfarrkirche Hl. Laurentius in Stein, urkundlich erstmals 1238 erwähnt, war Teil einer mittelalterlichen Burganlage aus dem 12. Jahrhundert, die 1458 zerstört wurde und von der nur noch Reste ehemaliger Wehrbauten zu sehen sind. Filial- und ehemalige Friedhofskirche Hl. Margareta in Stein, unterhalb der Pfarrkirche am Talboden Der „Große Hildegardsstock“ ist ein Bildstock am Fuß des Kirchhügels von Stein. Er wurde zu Ehren der Gräfin Hildegard von Stein, Gattin des Edlen Albuin aus dem Geschlecht der Aribonen und Mutter des Bischofs Albuin von Brixen (975–1006) errichtet, die im Jauntal als Volksheilige verehrt wird. In der flachbogigen Nische befindet sich auf der Altarmensa eine Figur der heiligen Karmelitin Theresia von Avila. Darüber sind drei weitere Nischen angebracht, in der mittleren ist Hildegard, seitlich zwei Jesuitenheilige abgebildet. Die Malereien sind mit der Jahreszahl 1717 bezeichnet. Das Wunschglöcklein auf dem Georgibergl. In dem quadratischen Turm an der Südseite der kleinen Kirche befindet sich das sogenannte Wunschglöcklein. Der Sage nach pilgerten früher Jungfrauen, die sich einen Mann wünschten, zur Sankt Georgs-Kirche. Dort läuteten sie das Glöcklein und beteten dabei um die Erfüllung ihres Wunsches. Der heilige Georg soll ihnen dann bald zu einem Ehemann verholfen haben. Magdalenkirche in Wasserhofen. Weitere Bauwerke finden sich in der Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sankt Kanzian am Klopeiner See.

Slowenisches Vereins- und Genossenschaftswesen Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts blühte das organisierte Vereinsleben der Slowenen in der Gegend auf – nicht zuletzt als Reaktion auf die aufkommende nationale Frage – und bereits 1888 wurde in St. Kanzian ein Zweigverein des slowenischen Kyrill und Method-Schulverein (Družba sv. Cirila in Metoda, CMD) gegründet (1890 etwa für Pribelsdorf und Umgebung). 1906 wurde der Slowenische christlich-soziale Leseverein St. Kanzian (Slovenska krščanska-socialna čitalnica Škocjan) zur Hebung der Lese- und vor allem Sprachkultur gegründet und folgte zahlreichen ähnlichen Vereinsgründungen im Land.