mini|Die elamische (links) und altpersische Sprachversion der Inschrift DNa mini|Die Inschrift DNa im Rücken des stehenden Königs. Von rechts nach links: altpersisch, elamisch und babylonisch. Die babylonische Sprachversion ist auf einer Frontalansicht schlecht erkennbar. Sie liegt auf der Seitenwand und ist auf der Zeichnung links separat aufgeführt. Flandin/Coste 1851–1854 mini|Der Weg vom Keilschriftzeichen zur deutschen Übersetzung: Die Transliteration der fünf altpersischen Keilschriftzeichen lautet h-i-du-u-š, die Transkription Hinduš mit der deutschen Übersetzung Indien.Schmitt 2009, S. 102. DNa ist die Abkürzung einer Inschrift von Dareios I. (D). Sie wurde in Naqsch-e Rostam (N) entdeckt und von der Wissenschaft mit einem Index (a) versehen. Die Inschrift liegt in altpersischer, elamischer und babylonischer Sprache vor.
Inhalt
Standort Die Inschrift DNa befindet sich im sogenannten Oberen Register an der Felswand von Naqsch-e Rostam am Grab von Dareios I. Die altpersische Sprachversion umfasst 60 Zeilen mit durchschnittlich über 20 Zeichen, die elamische 48 und die babylonische 36 Zeilen. Sie ist die längste Inschrift von Persepolis und Umgebung. In allen drei Versionen sind die letzten Zeilen deutlich abgesetzt. Die Inschrift ist zum großen Teil erhalten und befindet sich in situ (am Ursprungsort).
Forschungsgeschichte 1843 wurde die Inschrift DNa mit allen drei Sprachversionen erstmals von Niels Ludvig Westergaard mit Hilfe eines „Telescops“ abgeschrieben.Spiegel 1881, S. 103. Die Unzugänglichkeit der Inschriften und die zu bemängelnde Qualität der Kopien führten immer wieder zu Diskussionen. Roland Grubb Kent nahm 1953 als Basis seiner Transliteration die Fotografien von Franz StolzeStolze 1882. und Antoin Sevruguin.Die Fotografien von Antoin Sevruguin sind in der Ausgabe von Franz Heinrich Weißbach: Die Keilinschriften am Grabe des Darius Hystaspis. Leipzig 1911, abgebildet. Günter Schweiger verwendete 1998 für seine Ausgabe eigene Fotografien, Fotografien von Erich Friedrich Schmidt und diejenigen von Antoin Sevruguin.Schweiger 1998, S. II,179.
Christian Lassen hat als erster die altpersische Sprachversion veröffentlicht. In seiner Publikation zeigt sich, wie er mit Querverbindungen auf Kommentare und Übersetzungen des Avesta und das Sanskrit die Entzifferung vorantreibt. Für die insgesamt 30 Namen der Länder auf der InschriftPierre Briant: Histoire de l’empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996, S. 186. stützt sich Christian Lassen auf Hinweise der antiken Schriftsteller, vor allem auf Herodot und Strabon. Er hat 25 Eigennamen entziffert und lokalisiert, die Ferdinand Hitzig 1847 zum Teil korrigiert und ergänzt hat. Vergleicht man die Völkernamen von Ferdinand Hitzig mit denjenigen von Franz Heinrich Weißbach von 1911, so unterscheiden sie sich in zehn Identitäten. Vergleicht man die Liste von 1911 mit derjenigen von Rüdiger Schmitt aus dem Jahr 2009, so handelt es sich noch um Differenzen von fünf Identitäten.Hitzig 1847, S. 73; Weißbach 1911, S. 89; Schmitt 2009, S. 102. So lautet die Transkription für Parthien bei Ferdinand Hitzig Parthawa,Hitzig 1847, S. 81. bei Franz Heinrich Weißbach partauaWeissbach 1911, S. 88.. Rüdiger Schmitt unterscheidet wiederum zwischen der Transliteration p-r-ft-v und der Transkription Parθava.Schmitt 2009, S. 102. Die von Ferdinand Hitzig bezeichneten Saken, die den Mond zum Gott haben werden bei Franz Heinrich Weißbach und Rüdiger Schmitt zu amyrgischen Saken, ein Begriff, der auf Herodot zurückgeht.Herodot, Historien 7.64. (Digitalisat). Englische Übersetzungen übersetzen sie mit Saken, die hauma trinken, ein berauschendes Getränk, das bei Ritualen eingenommen wurde.Kuhrt 2007, S. 484 und 502.
Lange Zeit trug die Inschrift die Bezeichnungen „Dar. NRa“ oder „NRa“, bis sie Roland Grubb Kent 1953 in das Regelwerk integrierte und ihr die Bezeichnung DNa gab.
Literatur Christian Lassen: Die Altpersischen Inschriften nach Hrn. N. L. Westergaard’s Mittheilungen. In: Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes. Band 6, 1845, S. 81–119. (digitale-sammlungen.de) Niels Ludvig Westergaard: On the deciphering of the second Achaemenian or Median species of arrowheaded writing (=Mémoires de la Société Royale des Antiquaires du Nord. Band 3). Kopenhagen 1844, S. 364–405, Tafeln 12 und 18. (books.google.ch) Niels Ludvig Westergaard: Zur Entzifferung der Achämenidischen Keilschrift zweiter Gattung. In: Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes. Band 6, 1845, S. 423–440. (digitale-sammlungen.de) Ferdinand Hitzig: Die Grabschrift des Darius zu Nakschi Rustam. Zürich 1847, S. 28–61 und 81–84. (archive.org) Henry Creswicke Rawlinson: The Persian Cuneiform Inscription at Behistun. (= Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Irland. Band 10). Cambridge 1847, S. 289–311. (babel.hathitrust.org) Eugène Flandin, Pascal Coste: Voyage en Perse. Band 4, Paris 1851–1854, Tafel 174. (bibliotheque-numerique.inha.fr). Edwin Norris: Memoir on the Scythic [today called Elamite] Version of the Behistun Inscription (=The Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland. Band 15). London 1855, S. 150–153. (JSTOR). Friedrich Spiegel: Die altpersischen Keilinschriften im Grundtext, mit Übersetzung, Grammatik und Glossar. Leipzig 1862, S. 48–52 und 102–106. (archive.org). 2. Auflage 1881. Johan Hendrik Caspar Kern: Zur Erklärung der persischen Keilinschriften (=Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Band 23, No. 1/2). Leipzig 1869, S. 212–222. (jstor.org) Jules Oppert: Mélanges perses. Inscription funéraire de Darius I, à Naksh-i-Roustam (=Revue de linguistique et de philologie comparée. Band 4). 1870, S. 213–223. (books.google.ch) Carl Bezold: Die Achämenideninschriften. Transscription des babylonischen Textes nebst Übersetzung, textkritischen Anmerkungen und einem Wörter- und Eigennamenverzeichnisse von Carl Bezold. Mit dem Keilschrifttexte der kleineren Achämenideninschriften autographirt von Paul Haupt. J. C. Hinrichs. Leipzig 1882, S. 34–37. (archive.org) Franz Stolze: Persepolis: die achaemenidischen und sasanidischen Denkmäler und Inschriften von Persepolis, Istakhr, Pasargadae, Shâhpûr. 2. Band. Berlin 1882, S. 109–111. (gallica.bnf.fr) Franz Heinrich Weißbach: Die Keilinschriften der Achämeniden. Hinrichs, Leipzig 1911, S. xvii–xviii und 86–91. (Digitalisat). Franz Heinrich Weißbach: Die Keilinschriften am Grabe des Darius Hystaspis. Leipzig 1911, S. 16–18, 21–27 und Tafeln III−V. (digital.slub-dresden.de) Johannes Friedrich: Metrische Form der altpersischen Keilschrifttexte (=Orientalistische Literaturzeitung. Band 31, Heft 4). Bad Feilnbach 1928, S. 238–245, hier 242–243. (degruyter.com) Roland Grubb Kent: The Nakš-I Rustam Inscriptions of Darius (=Language. Band 15, Nr. 3). Linguistic Society of America 1939, S. 160–177, hier 160–166. (jstor.org) Roland Grubb Kent: Old Persian. Grammar, Texts, Lexicon. 2. Revidierte Edition (=American Oriental Series. Band 33). New Haven 1953, S. 109 und 137. (Digitalisat). Erich Friedrich Schmidt: Persepolis III: The Royal Tombs and other Monuments (=Oriental Institute Publications. Band 70). University of Chicago Press, Chicago 1970, Tafeln 22B und 33. (oi.chigaco.edu) François Vallat: Corpus des inscriptions royales en élamite achéménide. Dissertation Université la Sorbonne, Paris 1977, S. 149–154. (archive.org, Digitalisat) Françoise Grillot-Susini: Elements de grammaire elamite. Paris 1987, S. 65–67. Pierre Lecoq: Les inscriptions de la Perse achéménide traduit du vieux-perse, de l’élamite, du babylonien et de l’araméen. Paris 1997, S. 219–221. (elamit.net) Günter Schweiger: Kritische Neuedition der achaemenidischen Keilinschriften. 2 Bände. Schweiger VWT-Verlag, Taimering 1998, S. I,–60-65; II,177–190. Rüdiger Schmitt: The Old Persian Inscriptions of Naqsh-i Rustam and Persepolis. Corpus Inscriptionum Iranicarum, Band 1, Teil 1, Texte II. London 2000. ISBN 978-0-7286-0314-1, S. 25–32. Amélie Kuhrt: The Persian Empire. A Corpus of Sources from the Achaemenid Empire. London/New York 2007. ISBN 978-0-415-43628-1, S. 500 und 502–503. Rüdiger Schmitt: Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden. Editio minor mit deutscher Übersetzung. Reichert, Wiesbaden 2009, S. 11 und 100–104. (Digitalisat)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Mehrsprachiger Text Kategorie:Altorientalische Inschrift Kategorie:Archäologischer Fund (Iran) Kategorie:Dareios I.