Die Carolina-Wolfspinne (Hogna carolinensis) ist eine Spinne und die größte in Nordamerika vorkommende Art aus der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae). Sie ist entgegen ihrem Trivialnamen weit über North und South Carolina hinaus großflächig in den Vereinigten Staaten und weiterhin auch in der kanadischen Provinz Ontario sowie dem mexikanischen Bundesstaat Baja California verbreitet. Dort bewohnt die Spinne eine Vielzahl an offenen Habitaten (Lebensräumen).

Bei der Carolina-Wolfspinne handelt es sich wie bei vielen Wolfspinnen der Gattung Hogna um eine nachtaktive Art, die zu jenen Vertretern der Gattung zählt, die eine Wohnröhre graben und sie mit einem Wohngespinst sowie Teilen der umliegenden Vegetation auskleiden. Wie viele Wolfspinnen jagt auch die Carolina-Wolfspinne als freilaufender Lauerjäger ohne ein Spinnennetz. Dabei erlegt die Art entweder bei ihrer Wohnröhre oder davon entfernt als opportunistischer Jäger andere Gliederfüßer oder kleinere Wirbeltiere. Der Paarung geht ein Balzverhalten voraus; das Weibchen trägt wie für Wolfspinnen üblich sowohl den Eikokon als auch die daraus schlüpfenden Jungtiere mit sich, ehe diese sich von dem Muttertier trennen und selbstständig über mehrere Fresshäute (Häutungsstadien) heranwachsen.

Bisse der Carolina-Wolfspinne beim Menschen sind dokumentiert. Der Biss gilt zwar als schmerzhaft, ruft jedoch im Normalfall keine medizinisch relevanten Symptome hervor. Außerdem sind im Gift der Art antimikrobielle Substanzen enthalten, eine für Spinnen ungewöhnliche Eigenschaft. Die Carolina-Wolfspinne ist überdies die Staatsspinne des US-Bundesstaats South Carolina und somit neben der Art Phidippus audax aus der Familie der Springspinnen (Salticidae) die derzeit einzige Spinne, die als ein Staatssymbol innerhalb der Vereinigten Staaten gilt.

Merkmale mini|Kopfpartie eines Weibchens Das Weibchen der Carolina-Wolfspinne erreicht eine Körperlänge von 22 bis 35 und das Männchen eine von 18 bis 20 Millimetern. Damit handelt es sich um einen größeren Vertreter der Wolfspinnen (Lycosidae) und überdies um den größten Vertreter dieser Familie, der in Nordamerika vorkommt. Der grundsätzliche Körperbau der Spinne entspricht dem anderer der Gattung Hogna.

Das Peltidium bzw. der Carapax, das Rückenschild des Prosomas, maß bei drei 1990 von Charles D. Dondale und James H. Redner und im Nordosten der Vereinigten Staaten vermessenen Weibchen, die eine Körperlänge von 20,32 bis zu 30 Millimetern aufwiesen, eine Länge von 10 bis 12,32 und eine Breite von 7,68 bis zu 9,89 Millimetern. Bei einem zur gleichen Zeit von Dondale und Redner untersuchten Männchen mit einer Körperlänge von 19 Millimetern war dessen Carapax 9,99 Millimeter lang und 6,94 Millimeter breit. Fred Punzo maß 2003 bei in der Chihuahua-Wüste gefundenen Weibchen eine Länge des Carapax von 9,9 bis 15,4 und durchschnittlich 13,4 ± 0,18 Millimetern sowie eine Breite von 5,1 bis 7,4 und im Durchschnitt 6,7 ± 0,11 Millimetern. Bei Männchen beliefen sich Punzos Ergebnisse diesbezüglich auf 9,1 bis zu 13,1 mm und durchschnittlich 11,2 ± 0,11 bzw. 4,9 bis zu 6,7 mm sowie im Durchschnitt 5,5 ± 0,08 mm. Der Carapax der Carolina-Wolfspine ist dunkelrotbraun oder bräunlich orange gefärbt und besitzt einen dunkleren Radiärstreifen. Daneben weist er schwach entwickelte medianene (mittlere) und submarginale (vor dem Rand gelegene) Bänder auf. Das breitere Medianband reicht für gewöhnlich nicht über die posterior (hinten) medianen Augen hinaus. Die Augenpartie erscheint schwarz, Gleiches trifft auf die Cheliceren (Kieferklauen) zu. Letztere sind außerdem häufig mit hellorangen oder gelben Setae (chitinisierten Haaren) bedeckt. Das Sternum (Brustschild des Prosomas) ist meistens schwarz, manchmal jedoch dunkelrötlich gefärbt.

Die Beine erscheinen überwiegend dunkelrotorange, sind distal (von der Körpermitte entfernt) jedoch dunkler. Die Coxae (Hüftglieder) sind ventral (unten) schwärzlich. Die Enden der Femora (Schenkel) sowie die Basisbereiche und Enden der Tibien (Schienen) vom dritten und vierten Beinpaar haben eine schwarze Farbgebung. Das Opisthosoma (Hinterleib) hat eine gräuliche Färbung und ein breites undeutlich ausgeprägtes Herzmal. Ventral ist das Opisthosoma gräulich gefärbt. Diese Fläche kann jedoch auch eine schwarze Farbgebung besitzen.

Sexualdimorphismus mini|Männchen im Größenvergleich Der Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) ist bei der Carolina-Wolfspinne verglichen mit anderen Spinnen gering ausgeprägt und beide Geschlechter lassen sich nur anhand weniger Merkmale, etwa der verschieden ausfallenden maximalen Körperlänge, unterscheiden. Daneben gibt es auch einige farbliche Unterschiede: So sind beim Weibchen dunkle Punktierungen ventral im Endbereich der Femora vorhanden. Beim Männchen befinden sich dafür schwarze Flächen im ventralen Endbereich der Coxae, der Tibien und der Patellae (Glieder zwischen Femora und Tibien) sowie den gesamten Ventralflächen der Tarsen (Fußglieder) und Metatarsen (Fersenglieder).

Genitalmorphologische Merkmale Ein einzelner Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) der Carolina-Wolfspinne kann innerhalb der Gattung Hogna mitunter durch das Cymbium (erstes und vorderes Sklerit bzw. Hartteil des Bulbus) charakterisiert werden, dessen Spitze mit 10 oder mehr dicken Makrosetae ausgestattet ist. Die Palea (vorspelzenartiges Gebilde) steht hervor, ist runzelig und hat einen sklerotisierten (verhärteten) Kamm. Die terminale (am Ende gelegene) Apophyse (Fortsatz) erscheint sichelförmig sowie breit gebaut und verläuft gebogen. Diese Apophyse endet spitz zulaufend. Der Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus) ist breit gebaut und zur Spitze hin verjüngt. Die mediane Apophyse hat einen vergleichsweise kurzen und kräftigen Aufbau und ist spitz zulaufend. Sie besitzt im Gegensatz zu denen anderer Arten der Gattung keinen Sporn. Ferner ist diese Apophyse am distalen Rand verdickt und erhoben.

Eine Eigenschaft der Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) der Art, die innerhalb der Gattung als Unterscheidungsmerkmal dienen kann, ist die bei anderen dazugehörigen vorhandene Haube. Das Atrium (innere Kammer am Eingang der Epigyne) ist auf eine schmale tiefe Rinne entlang der Seiten des medianen Septums (Trennwand) reduziert. Das für die Gattung Hogna übliche Längsstück des medianen Septums hat ein schlankes Erscheinungsbild und ist gleichmäßig breit sowie rippenartig aufgebaut. Die Kopulationskanäle sind kurz, dick, schräg angelegt und deutlich voneinander getrennt. Lateral weisen sie je eine fingerartige Verdickung auf. Die Spermatheken (Samentaschen) haben eine große und runde Erscheinung sowie vereinzelte winzige Vorsprünge.

Differenzierung von sympatrisch vorkommenden Wolfspinnen +Tollwut-Tarantel(Rabidosa rabida)WeibchenMännchen100x100px100x100px

Die Carolina-Wolfspinne kann sympatrisch (gemeinsam) mit zwei weiteren vergleichsweise großen Vertretern der Wolfspinnen (Lycosa), der ebenfalls zur Gattung Hogna zählenden Art H. timuqua und der Tollwut-Tarantel (Rabidosa rabida), vorkommen. Alle drei Arten lassen sich jedoch leicht voneinander unterscheiden. Beim Männchen von H. timuqua sind – soweit bekannt – der Carapax und Beine annähernd orange gefärbt, während das Sternum und die gesamte Ventralseite eine schwarze Färbung aufweisen. Beim Weibchen dieser kaum nachgewiesenen Art weisen die Beine und Körper nach bisherigem Kenntnisstand eine annähernd quittengelbe Farbgebung auf. Hier ist die Ventralseite schwarz gefärbt. Die weniger ähnliche Tollwut-Tarantel besitzt eine gelbe Grundfarbe mit bräunlichen bis schwarzen Längsstreifen. Dazu verläuft auf dem Opisthosoma ein unterbrochenes Medianband, das hellere Bereiche umschließt. Die Beine des Männchens sind bei der Art zusätzlich dunkelbraun oder schwarz gefärbt.

Verbreitung und Lebensräume sowie sympatrisches Vorkommen mit anderen Wolfspinnen mini|links|Weibchen auf dem Bodengrund, gefunden nahe den Rocky Mountains im US-Staat Colorado. Das Verbreitungsgebiet der Carolina-Wolfspinne umfasst große Teile der Vereinigten Staaten. Es reicht jedoch teilweise darüber hinaus und endet im Nordwesten in den US-Bundesstaaten Oregon und Wyoming, während es nach Nordosten hin in den US-Bundesstaat Maine sowie die kanadische Provinz Ontario reicht. Das Vorkommen der Spinne reicht nach Süden hin bis in den mexikanischen Bundesstaat Baja California sowie die US-Staaten Texas und Florida. Die Carolina-Wolfspinne nimmt als Habitat (Lebensraum) offene Flächen, wie Acker, Wiesen, Weiden, Graslandschaften und Wüsten, an. Von letzterem Habitat ist bekannt, dass das Männchen der Carolina-Wolfspinne in diesem weniger zahlreich als das Weibchen vorkommt. Es wird vermutet, dass in Wüsten die Überlebenschancen für das Männchen der Art allgemein geringer sind.

Die Carolina-Wolfspinne teilt sich mit der Art Hogna timuqua und der Tollwut-Tarantel (Rabidosa rabida) ihrer Sympatrie entsprechend einige Habitate, darunter sandige Küstengebiete. Die Tollwut-Tarantel hält sich jedoch bevorzugt im Gegensatz zu den beiden anderen terrestrischen (bodenbewohnenden) Arten auf Stauden, Gräsern oder auf kleinen Bäumen und Sträuchern etwas erhöht über dem Bodengrund auf.

Lebensweise mini|In der Nacht aktives Weibchen Die Carolina-Wolfspinne ist wie viele Arten der Gattung Hogna nachtaktiv und legt als Rückzugsort eine in den Boden gegrabene Wohnröhre an. Ihrer Aktivitätszeit entsprechend verbleibt die Spinne häufig am Tag in ihrem Rückzugsort. In der Nacht kommt die Art dann hervor. In nordamerikanischen Wüsten wie der Chihuahua- oder der Sonora-Wüste zählt die Carolina-Wolfspinne wie einige andere Wolfspinnen (Lycosidae) zu deren geläufigen Bewohnern. Insbesondere hier ist die nächtliche Aktivitätszeit der Art vor allem in den Sommermonaten ausgeprägt.

Bemerkenswert ist, dass die Carolina-Wolfspinne zumindest in der Chihuahua-Wüste trotz der teils lebensfeindlichen Bedingungen die Tendenz zeigt, auf das Anlegen eines Unterschlupfs zu verzichten. Dafür nutzt die Art dort andere Versteckmöglichkeiten, darunter die Unterseite von Steinen, Geröll, abgestorbene Vegetation oder Felsspalten. Auch werden verlassene, gegrabene Unterschlüpfe anderer Wüstenbewohner, darunter Eidechsen, Nagetieren und anderen Gliederfüßern gerne als Rückzugsort angenommen. Im Gegensatz dazu ließ sich in Arizona nachweisen, dass die Art dort mehrheitlich Wohnröhren anlegt.

Anlegen und Funktionen des Unterschlupfes mini|Weibchen mit Jungtieren am Ausgang seiner Wohnröhre Ausgewachsene Individuen der Carolina-Wolfspinne sind vor allem zwischen März und bis zum Juni sowie teilweise darüber hinaus mit dem Anlegen eines Unterschlupfes beschäftigt. Danach kann dies bis zum November nur noch bei den Jungtieren beobachtet werden. Der gegrabene Unterschlupf der Art ist von variabler Beschaffenheit und kann manchmal auch nur bis zu 12 Zentimeter tief sein. Es sollen jedoch auch Wohnröhren mit Tiefen von bis zu 34 Zentimetern vorkommen, so maß Punzo bei seinen Beobachtungen in der Chihuahua-Wüste Wohnröhren der Art, die 21 bis 34 und durchschnittlich 27,8 ± 4,9 Zentimeter tief in den Boden reichen. Die Gestalt der Wohnröhre reicht von geraden, vertikal verlaufenden Gängen bis hin zu vertikalen, stark verzweigten Tunnelsystemen. Die Beschaffenheit der Unterschlüpfe wird wahrscheinlich von der Durchlässigkeit des Bodens und dem Vorhandensein von im Boden befindlichen und beim Bau hinderlichen Objekte, darunter großen Felsen, beeinflusst. Die Wohnröhre der Carolina-Wolfspinne dient wie bei anderen Wolfspinnen (Lycosidae) mit dieser Lebensweise nicht nur als Rückzugsort und Schutz vor Prädatoren (Fressfeinden), sondern bietet insbesondere in Wüsten auch Schutz vor hohen Temperaturen am Tag.