Der Affenadler oder Philippinenadler (Pithecophaga jefferyi) ist eine sehr große und kräftige Vogelart aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Die Gattung Pithecophaga ist monotypisch mit dem Affenadler als einziger Art. Der Affenadler ist ein Endemit der Philippinen und bewohnt dort primäre Regenwälder, Sekundärwälder und Galeriewälder.

Die Hauptnahrung des Affenadlers sind baumbewohnende Säugetiere, daneben werden auch andere Säuger sowie größere Vögel und Reptilien gefressen. Aufgrund anhaltender und schneller Lebensraumzerstörung und Bejagung ist der Affenadler laut IUCN vom Aussterben bedroht (critically endangered). Der Gesamtbestand wird bei großen Unsicherheiten auf noch etwa 90 bis 250 Paare geschätzt, maximal könnte er 340 Paare umfassen.

Beschreibung mini|Affenadler in menschlicher Obhut Affenadler sind mächtige Greifvögel mit auffallend hohem, aber sehr schmalem Schnabel, einer aufrichtbaren, langen und locker struppigen Federhaube und relativ kurzen, aber sehr breiten Flügeln. Der Schwanz ist recht lang und am Ende fast gerade, die Beine sind vergleichsweise kurz, aber ebenso wie die Zehen außerordentlich kräftig. Die Tarsometatarsi sind weitgehend unbefiedert. Die Art ähnelt im Habitus den Habichten und Sperbern (Accipiter). Die Körperlänge beträgt 90–100 cm, die Flügelspannweite 184–202 cm und das Gewicht 4,7–8,0 kg.J. Ferguson-Lees, D. A. Christie: Raptors of the World. Christopher Helm, London 2001, ISBN 0-7136-8026-1: S. 226 und 722 Die Geschlechter unterscheiden sich hinsichtlich der Färbung nicht, Weibchen sind jedoch größer und schwerer als Männchen. Genauere Angaben zum Ausmaß dieses Geschlechtsdimorphismus liegen bisher nicht vor.

Adulte Vögel sind auf der gesamten Oberseite fast einfarbig braun. Rückengefieder und Oberflügeldecken sind in variabler Stärke beige oder cremefarben gerandet. Die Schwingen sind zur Spitze hin dunkler und mehr schwarzbraun. Die oberseits ebenfalls braunen Steuerfedern haben einen deutlich abgesetzten weißen Schaft und zeigen drei bis vier undeutliche dunkle Binden, eine breite Subterminalbinde und eine schmale weiße Spitze. Oberkopf, Haube und Nacken sind beige mit langen schwarzen Stricheln. Die Zügelregion ist dunkel aschfarben, von der Augenumgebung bis hinunter zur oberen Kehle weist das Gefieder auf beigem Grund fein schwarze Schaftstriche auf. Der übrige Kopf ist wie fast die gesamte Unterseite einfarbig cremeweiß. Die Beinbefiederung zeigt auf diesem Grund kräftige, die kleinen Unterflügeldecken schwache rotbraune Strichel. Schwingen und Steuerfedern sind unterseits mehr silbrig, die Armschwingen und die Steuerfedern haben breite, undeutliche dunkle Subterminalbinden, die Handschwingen zeigen eine schwache dunkle Bänderung und dunklere Spitzen.

Die Iris ist blaugrau bis blassblau, die Wachshaut ist dunkel grüngrau bis grünlich schwarz, der Schnabel ist schwarzgrau. Beine und Zehen sind gelb, die Krallen sind schwarz.

Das Jugendkleid unterscheidet sich nur wenig von dem der Altvögel. Die hellen Säume des Oberseitengefieders sind meist breiter und mehr weiß als bei adulten Vögeln, die Armschwingen sind fast einfarbig und die Subterminalbinde der Steuerfedern ist schmaler und weniger auffällig. Die Iris ist braun und die Beine sind heller und mehr weißlich gelb. In welchem Alter die Jungvögel das Adultkleid ausbilden, ist bisher nicht bekannt.

Lautäußerungen Die Rufe werden unterschiedlich beschrieben, etwa als fremdartig klingendes Jammern oder als lange, weiche oder hohe Pfiffe wie „whiiiiiiuh“, die meist in der Tonhöhe ansteigen, gelegentlich aber auch abfallen. Männchen sind während der Balz recht ruffreudig. Bettelnde Jungvögel äußern auffällige und weittragende Serien hoher und spitzer Rufe.

Benennung und Systematik

Das erste Exemplar des Affenadlers wurde von John Whitehead 1896 auf Samar gesammelt. Der Gattungsname Pithecophaga ist aus den griechischen Wörtern πίθηκος, altgr. ausgesprochen píthēkos („Affe“) und , ausgesprochen phagein („essen“) zusammengesetzt, bedeutet wörtlich also etwa „Der Affenessende“. Dieser Name wurde vom Erstbeschreiber William Robert Ogilvie-Grant gewählt, da sich die Art nach den Erzählungen der Eingeborenen auf Samar vor allem von Affen ernähren sollte. Mit dem Artepitheton jefferyi ehrte Ogilvie-Grant Jeffery Ludlam Barton Whitehead (1831–1915), den Vater von John Whitehead.N. J. Collar: The Philippine Eagle: one hundred years of solitude. Oriental Bird Club Bulletin 24, 1996 Online

Der Affenadler wurde lange Zeit zusammen mit den beiden neotropischen Arten Harpyie (Harpia harpyja) und Würgadler (Morphnus guianensis) sowie dem Papuaadler (Harpyopsis novaeguineae) Neuguineas in eine Unterfamilie Harpiinae gestellt. Gemeinsame Merkmale dieser Arten sind die erhebliche Größe und der weitgehend unbefiederte Tarsometatarsus, außerdem bestehen Ähnlichkeiten im Verhalten.

Nach molekulargenetischen Untersuchungen ist der Affenadler jedoch nicht näher mit diesen drei Arten verwandt, sondern zur Unterfamilie Circaetinae zu stellen, zu der unter anderem die Schlangenadler (Circaetus), die Spilornis und der Gaukler (Terathopius ecaudatus) gehören. Die Schwestergruppe des Affenadlers innerhalb der Circaetinae ist nach diesen Untersuchungen eine Artengruppe, die den Gaukler, die Schlangenadler und den Kongoschlangenadler (Dryotriorchis spectabilis) umfasst. Letzterer wurde bisher als monotypische Gattung geführt, Lerner & Mindell konnten diese Sonderstellung jedoch nicht bestätigen. Nach ihren Ergebnissen ist der Kongoschlangenadler zu den Schlangenadlern (Circaetus) zu stellen.

Eine systematische Zugehörigkeit des Affenadlers zu den Circaetinae war bisher nicht vermutet worden, Lerner & Mindell haben diesen Befund daher mehrfach und mit der DNA von drei verschiedenen Individuen überprüft, immer mit demselben Resultat. Die Ähnlichkeiten mit den als Monophylum bestätigten anderen drei Arten der Unterfamilie Harpiinae beruhen demnach auf Konvergenz.H. R. L. Lerner, D. P. Mindell: Phylogeny of eagles, Old World vultures and other Accipitridae based on nuclear and mitochondrial DNA. Molecular Phylogenetics and Evolution 37, 2005: S. 327–346.

Verbreitung und Lebensraum mini|rechts|Verbreitungsgebiet (blaugrün) des Affenadlers. Die vier Inseln mit Vorkommen der Art sind (von Norden nach Süden) Luzon, Samar, Leyte und Mindanao. Der Affenadler ist ein Endemit der Philippinen und kommt dort im Osten von Luzon, auf Samar, Leyte und Mindanao vor. Die Größe des Gesamtverbreitungsgebietes wird auf etwa 146.000 km² geschätzt. Ob er früher auf den gesamten Philippinen vorkam oder immer schon im trockeneren Westen des Archipels gefehlt hat, ist ungeklärt.N. J. Collar, A. V. Andreev, S. Chan, M. J. Crosby, S. Subramanya und J. A. Tobias (Eds.): Philippine Eagle - Pithecophaga jefferyi. In: Threatened Birds of Asia: The BirdLife International Red Data Book. BirdLife International 2001, ISBN 0-946888-44-2: S. 633

Affenadler bewohnen primäre, von Flügelfruchtgewächsen (Dipterocarpaceae) dominierte Regenwälder vor allem in bergigem Gelände sowie Sekundärwälder und Galeriewälder. Die Art kommt in Höhenlagen von 0 bis 1800 m vor.

Auf Mindanao wurden in den 1990er Jahren zwischen 14 benachbarten Revieren relativ einheitliche Abstände von 8,3–17,5 km gefunden, im Mittel 12,7 km. Die Autoren gehen davon aus, dass ein Kreis mit einem Radius von der Hälfte dieser Entfernung etwa den Aktionsraum eines Paares umfassen dürfte, der demnach eine Größe von im Mittel 133 km² hat. In diesem errechneten Aktionsraum befanden sich im Mittel 73 km² Wald, der Rest bestand aus Offenland mit unterschiedlichen Nutzungen. Von 13 gefundenen Horsten waren neun weniger als 100 m vom Waldrand entfernt. Die anderen vier waren weiter vom Waldrand entfernt, die zugehörigen Aktionsräume enthielten aber immer noch einen erheblichen Anteil Offenland. Ob sich aus diesen Befunden eine Bevorzugung von Waldrandbereichen ableiten lässt, ist unsicher. Möglich ist auch, dass die Nester dort nur einfacher zu finden sind oder dass diese Verteilung durch die starke Fragmentierung der verbliebenen Waldgebiete erzwungen wird.

Jagdweise und Nahrung Affenadler sind opportunistische Jäger und erbeuten ein breites Spektrum vor allem baumbewohnender Wirbeltiere. Hauptnahrung sind Säugetiere, auf Mindanao vor allem Philippinen-Gleitflieger (Cynocephalus volans) und Fleckenmusangs (Paradoxurus hermaphroditus). Daneben werden auch andere Säuger wie Makaken, Gleithörnchen, Schönhörnchen und weitere Nagetiere, Fledermäuse, Flughunde, größere Vögel wie Nashornvögel, Eulen und Greifvögel sowie Reptilien wie Schlangen und Warane gefressen.J. Ferguson-Lees, D. A. Christie: Raptors of the World. Christopher Helm, London 2001, ISBN 0-7136-8026-1: S. 722 Repräsentative Untersuchungen zum Nahrungsspektrum einzelner Paare liegen bisher kaum vor. Von 17 durch Beobachtung am Nest nachgewiesenen Beutetieren eines Brutpaares im zentralen Mindanao waren je sieben Philippinen-Gleitflieger bzw. Fleckenmusangs, außerdem wurden zwei Ratten (Rattus spp.) und eine Samar-Kobra (Naja samarensis) zum Nest gebracht.Jayson C. Ibañez, Hector C. Miranda Jr., Gliceria Balaquit-Ibañez, Donald S. Afan, and Robert S. Kennedy: Notes on the Breeding Behavior of a Philippine Eagle Pair at Mount Sinaka, Central Mindanao. The Wilson Bulletin, 115(3), 2003: S. 333–336 Untersuchungen zur Nahrung des Affenadlers auf anderen Inseln liegen bisher nicht vor. Dort dürfte das Nahrungsspektrum zum Teil deutlich von dem auf Mindanao abweichen, so kommen auf Luzon weder Philippinen-Gleitflieger noch Gleithörnchen vor.N. J. Collar, A. V. Andreev, S. Chan, M. J. Crosby, S. Subramanya und J. A. Tobias (Eds.): Philippine Eagle - Pithecophaga jefferyi. In: Threatened Birds of Asia: The BirdLife International Red Data Book. BirdLife International 2001, ISBN 0-946888-44-2: S. 646–648

Detaillierte Beobachtungen zum Jagdverhalten liegen bisher nicht vor, nach einzelnen Beobachtungen jagen die Adler vom Ansitz aus, aber auch im direkten Verfolgungsflug. In einem Fall lag die erste Ansitzwarte hoch oben am Hang eines Hügels, nach jeweils 5 bis 10 Minuten erfolgte ein Wartenwechsel im Gleitflug hangabwärts, bis schließlich nach etwa einer Stunde der Talboden erreicht war. Danach kreiste der Adler in einer Thermiksäule aufwärts, bis er wieder seine Anfangshöhe erreicht hatte. Affenadler jagen sowohl einzeln als auch paarweise. Nach Berichten von Einheimischen kooperieren die Adler vor allem bei der Jagd auf Affen, wobei der eine Adler einen Affen ablenkt und der andere diesen Affen dann von hinten greift.

Fortpflanzung mini|Nest eines Affenadlers mit großem Nestling. Gut zu sehen ist hier auch die aus Epiphyten bestehende Nestunterlage. Affenadler leben monogam in Paaren und sind streng territorial. Die Balz besteht aus gemeinsamem Kreisen über dem Nest, wobei das Männchen meist oberhalb des Weibchens kreist, sowie aus Verfolgungsflügen mit spielerischen Attacken des Männchens, wobei sich das Weibchen gelegentlich auf den Rücken wirft und dem Männchen ihrerseits die Krallen präsentiert, und gemeinsamen Gleitflügen durch das Revier. Das Männchen ruft in der Balzzeit außerdem sehr intensiv auf dem Nest und übergibt dem Weibchen dort auch Beute.

Die Nester werden überwiegend auf dem jeweils größten Baum der Umgebung, dem über das Kronendach ragenden Emergenten, in bis zu 45 m Höhe errichtet, oft steht der Horstbaum auf weniger als der halben Höhe eines Hangs in einem sehr tief eingeschnittenen Tal. Das Nest befindet sich meist in einer Hauptstammgabel innerhalb der Krone. Als Unterlage dienen häufig Epiphyten. Die Nester sind im Normalfall große Bauten aus Ästen mit einem Durchmesser von etwa 1,5 m, die Nestmulde wird während der gesamten Fortpflanzungsperiode immer wieder mit grünen Zweigen ausgelegt.