Die Seeschlacht bei der Île de Groix (: Battle of Groix, : Bataille de Groix) war eine Schlacht zwischen Teilen der britischen Kanalflotte und der französischen Atlantikflotte. Sie fand am 23. Juni 1795 in der Nähe der Île de Groix im Golf von Biskaya statt. Die britische Flotte unter dem Kommando von Admiral Alexander Hood deckte einen Invasionskonvoi, der ein französisches königtreues Heer zur Eroberung von Quiberon transportierte. Die französische Flotte unter Vizeadmiral Villaret de Joyeuse war eine Woche zuvor ausgelaufen, um einem französischen Konvoi zur Hilfe zu kommen, der von einem britischen Geschwader angegriffen worden war. Die französische Flotte hatte das britische Geschwader am 17. Juni in einem Gefecht vertrieben und versuchte, zu ihrem Stützpunkt in Brest zurückzukehren, als sie am 22. Juni auf die aus 14 Schiffen bestehende Flotte von Hood trafen.
Vorgeschichte In den ersten beiden Jahren der französischen Revolutionskriege hatte die französische Atlantikflotte, die hauptsächlich im Hafen von Brest stationiert war, eine Reihe von Rückschlägen erlitten. Die angespannte Atmosphäre in Frankreich nach der Französischen Revolution spiegelte sich in der Flotte wider, die im September 1793 eine Meuterei erlebte. Die daraufhin durchgeführte Säuberungsaktion gegen mutmaßliche Anti-Republikaner hatte den Tod oder die Inhaftierung mehrerer erfahrener Kommandanten zur Folge.James: The Naval History of Great Britain. S. 59.Willis: The Glorious First of June. S. 34. Im Mai 1794 stach die französische Flotte in den Atlantik, um einen ankommenden Getreidekonvoi aus den Vereinigten Staaten zu schützen. In der anschließenden Seeschlacht am 13. Prairial wurde sie von der britischen Kanalflotte angegriffen und verlor sieben Schiffe. Im Winter 1794–1795 gingen fünf weitere französische Schiffe bei einem katastrophalen Einsatz mitten in der atlantischen Wintersturmsaison, der so genannten Croisière du Grand Hiver, verloren. Im Frühjahr 1795 gewann die britische Kanalflotte die Oberhand und setzte eine Blockade der französischen Flotte in Brest durch.Gardiner (1996): Fleet Battle and Blockade. S. 16.
Im Mai 1795 schickte der französische Befehlshaber Vizeadmiral Villaret de Joyeuse ein Geschwader aus drei Linienschiffen und mehreren Fregatten unter Konteradmiral Jean Gaspard de Vence nach Bordeaux. Sie hatten den Auftrag, einen Konvoi von Handelsschiffen mit Wein und Brandy nach Brest zu eskortieren. Als Vences Konvoi am 8. Juni die befestigte Insel Belle-Île an der südlichen Küste der Bretagne passierte, wurde er von einem britischen Geschwader aus fünf Linienschiffen und zwei Fregatten unter Vizeadmiral William Cornwallis entdeckt. Vence befahl seinen zahlenmäßig unterlegenen Schiffen, sich hinter den Batterien von Belle-Île in Sicherheit zu bringen und nach einem kurzen Scharmützel zog Cornwallis seine Truppen mit acht gekaperten Handelsschiffen zurück. Während Cornwallis seine Prisen zur Mündung des Ärmelkanals eskortierte, segelte Vence von Belle-Île aus und entdeckte am 15. Juni, dass die Hauptstreitmacht der Atlantikflotte zu seiner Rettung in See gestochen war.James: S. 237f.
Am Morgen des 16. Juni kehrte Cornwallis auf der Suche nach Vence in die Region zurück und entdeckte stattdessen Villaret de Joyeuse mit einer überwältigenden Streitmacht. Diesmal war Cornwallis gezwungen, sich auf das offene Meer zurückzuziehen, mit der französischen Flotte in seinem Rücken. Am Morgen des 17. Juni waren die führenden französischen Schiffe nahe genug, um das Feuer auf seine Nachhut zu eröffnen.James: s. 240. Den ganzen Tag über beschoss die französische Vorhut das hinterste britische Schiff, die HMS Mars, bis das Schiff schließlich zurückfiel. Um die Mars zu schützen, stellte Cornwallis die HMS Royal Sovereign zwischen die Mars und die Franzosen. Gleichzeitig hatte Cornwallis der Fregatte HMS Phaeton befohlen, seinem Geschwader vorauszufahren und falsche Signale zu geben, welche die baldige Ankunft einer britischen Flotte ankündigten. Diese Signale in Verbindung mit dem zufälligen Auftauchen unbekannter Segel im Norden beunruhigten Villaret so sehr, dass er um 18:40 Uhr die Verfolgung abbrach und zur französischen Küste zurückkehrte. Dies ermöglichte Cornwallis, ohne weitere Zwischenfälle nach Großbritannien zurückkehren.James: S. 241.
Weder Villaret noch Cornwallis wussten, dass sich die britische Kanalflotte ebenfalls auf See befand. Sie war am 12. Juni mit 14 Linienschiffen und 11 kleineren Schiffen unter dem Kommando von Admiral Alexander Hood, aus Spithead ausgelaufen. Hood hatte die Aufgabe, einen Transportkonvoi unter dem Kommando von Kommodore John Borlase Warren zu sichern. Dieser sollte eine Armee der französischen Royalisten nach Quiberon bringen, um in der Bretagne eine Gegenrevolution auszulösen.Gardiner (1996): S. 48. Die Fahrt durch den Ärmelkanal und um die Landzunge von Ouessant herum dauerte sieben Tage, sodass die kombinierte Flotte und das Expeditionskorps am 19. Juni vor Belle-Île ankamen. Admiral Hood hatte Warren befohlen, seinen Konvoi nach Quiberon zu führen, während der Hauptteil der Kanalflotte weiter draußen auf See blieb. Diese sollten einen eventuellen Angriff der französischen Atlantikflotte abfangen, von der Hood annahm, dass sie von Brest aus nach Süden vorrücken würde. Dass die französische Flotte eine Woche zuvor bereits ausgelaufen war,Villarets Schiffe waren am 18. Juni von einem schweren Sturm nach Süden abgedrängt worden und gezwungen, vor Belle-Île Schutz zu suchen. war ihm nicht bekannt.
Die Schlacht Die Fregatte HMS Arethusa entdeckte die Franzosen zuerst, als Villaret seine Flotte aus dem geschützten Ankerplatz herausführte. Die Ausgucke auf der Arethusa hatten fälschlicherweise 16 Linienschiffe und zehn Fregatten ausgemacht. Warren sandte sofort eine Nachricht an Hood und befahl seinem Konvoi, abzudrehen. Villaret verfolgte Warren nicht. Er hatte ihre wahre Stärke möglicherweise nicht richtig eingeschätzt, außerdem hatten seine Schiffe nur noch wenig Proviant an Bord.James: s. 238. Am Morgen des 20. Juni kam Hoods Flotte in südöstlicher Richtung in Sicht. Warren erhielt den Befehl, seine drei Linienschiffe abzukommandieren, um Hoods Flotte gegen die vermeintliche französische Übermacht zu verstärken. Ohne auf das Eintreffen der Schiffe zu warten, segelte Hood gegen den Wind zurück zur Küste und versuchte, seine Flotte zwischen dem britischen Konvoi und Villarets Schiffen zu positionieren.
Durch ungünstige Winde konnten die Briten die Franzosen erst am 22. Juni um 15:30 Uhr in südöstlicher Richtung etwa 42 Seemeilen (78 km) vor der französischen Küste ausmachen. Als Villaret die größere britische Flotte sah, befahl er seiner Flotte, in Richtung Land umzukehren. Hood nahm die Verfolgung auf, als er bemerkte, dass die Franzosen nicht beabsichtigen, sich der Schlacht zu stellen. Um die Chancen zu erhöhen, die Franzosen einzuholen, befahl Hood um 18:30 Uhr seinen schnellsten Schiffen – der Sans Pareil, der Orion, der Colossus, der Irresistible, der Valiant und der Russell –, aus der Formation auszubrechen und die Verfolgung aufzunehmen. Er selbst folgte mit der Royal George und dem Rest der Flotte.
Während die britischen Schiffe im Laufe des Vormittags die Distanz zu den Franzosen immer mehr verringern konnten – um 12:00 Uhr war die französische Flotte etwa 12 Seemeilen (22 km) entfernt – erschwerte eine Flaute am Nachmittag die weitere Verfolgung. Um sicherzustellen, dass sie in der Lage waren, die Franzosen abzufangen, egal welchen Kurs sie einschlugen, teilte Hood seine Flotte auf breiter Front in zwei hintereinander liegende Gruppen auf. Um 19:00 Uhr gab Hood seinen Schiffen das Signal, die Nachhut der Franzosen anzugreifen und um 19:25 Uhr, diejenigen französischen Schiffe anzugreifen, von denen sie überholten würden. Um 22:30 Uhr trat eine weitere Flaute ein, die erst gegen 3:00 Uhr endete, als der Wind aus Südwest auffrischte, so dass die Franzosen bei Tagesanbruch direkt vor ihnen lagen. Der Hauptteil der französischen Flotte segelte in einem losen Verband mit drei oder vier Schiffen in Kiellinienformation und einem Schiff, der Alexandre unter Kapitän François Charles Guillemet als Nachhut, nur 3 Seemeilen (5,6 km) von der britischen Vorhut entfernt.
Wider Erwarten war das führende Schiff von Hood die Queen Charlotte unter dem Kommando von Kapitän Andrew Snape Douglas. Unmittelbar hinter Douglas befand sich die Irresistible unter Kapitän Richard Grindall mit der Orion, der Colossus, der Sans Pareil und der Russell in geringem Abstand hinter den Führenden und dem Rest der Flotte. Um 4:00 Uhr befand sich die Queen Charlotte etwa 8 Seemeilen (15 km) westlich von Groix, mit der französischen Küste dahinter. In der Hoffnung, dass Hood ihm nicht in die engen Gewässer um die gut befestigte Insel folgen würde, zog er sich dorthin zurück. Die südliche bretonische Küste war eine außerordentlich gefährlich Region, in der atlantische Stürme Schiffe auf schlecht kartierte Riffe und Felsen treiben konnten.Gardiner: Campaign of Trafalgar. S. 101.
Da die Alexandre nun Gefahr lief, isoliert zu werden, schickte Villaret um 5:00 Uhr die Fregatte Régénérée, um das Schiff in Schlepp zu nehmen. Knapp eine Stunde später kam die Queen Charlotte in Reichweite, worauf Guillemet mit seinen Heckgeschützen das Feuer eröffnete. Die Queen Charlotte erwiderte das Feuer und wurde von der Orion unter Kapitän James Saumarez unterstützt, die kurz nach 6:00 Uhr das Feuer eröffnete. Die Régénérée, machtlos gegen zwei Schiffe, kappte die Schlepptaue und schloss sich wieder der französischen Flotte an. Villarets Streitmacht hatte sich erneut geteilt, wobei die Formidable unter Kapitän Charles Linois ein Stück vor der Alexandre und Villaret mit seinem Flaggschiff Peuple vor der Formidable lag. An der Seite der Peuple befanden sich die Redoutable, die Mucius, die Wattignies, die Tigre und die Nestor. Der Rest der Flotte war weitergeseglt und hatte nun einen beträchtlichen Vorsprung. Villaret gab Signale zur Bildung einer engen Schlachtlinie und alle französischen Schiffe wiederholten das Signal, aber keines führte das Manöver aus.Chasseriau: Précis historique de la marine française. S. 240.
Um 6:15 Uhr passierte die Queen Charlotte die Alexandre und begann auf die Formidable zu feuern. Die Formidable konnte dem Angriff der Briten fünfzehn Minuten lang standhalten, bevor auf dem Achterdeck ein Feuer ausbrach.Allen: Battles of the British Navy. S. 184. Während die französische Besatzung versuchte, den Brand zu löschen, erreichte die Sans Pareil das französische Schiff und feuerte eine Breitseite ab, wodurch die Formidable an Geschwindigkeit verlor und weiter vom Hauptverband der Franzosen zurückfiel. Durch den Beschuss der Queen Charlotte war die Fromidable vollkommen kampfunfähig und mehr als 320 Männer der 717-köpfigen Besatzung waren getötet oder verwundet worden. Als die Sans Pareil den Bug der Formidable kreuzte, brach der Besanmast des Schiffes und Linois, der den Rest der britischen Flotte rasch herannahen sah, strich seine Flagge und ergab sich. Etwa zur gleichen Zeit stießen die Colossus und die Russell mit der London und der Queen auf das französische Zentrum vor, wo Villaret sie erwartete.Rouvier: S. 212.